Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 25 › Seite 194
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-31, Seite 194
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe · Taufe 34 · Tanfe 37 · Taufe 44
er Lutheraner.
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„Gottes Mort und Juthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen enangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Belligirt von C. E. W. Wulther.
Zahrgang 6.
St. Louis, No., den 6. Ruguſt 1850.
No. 25.
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ind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
Dr. Martin Luthers Brief an zwei Pfarr⸗
herren, von der Wiedertaufe.
Anno 1528.
(Fortſetzung.)
31. Aufs dritte, ſagt man, welches ich
denn auch geleſen habe, daß ſie ſich gründen auf
dieſen Spruch: „Wer da gläubet und ge⸗
tauft wird, der ſoll ſelig werden“,
Marc. 16, 16. Aus dem wollen ſie nehmen,
daß man niemand täufen ſolle, er gläube denn
zuvor. Hie ſage ich, daß ſie ſich gar großer
Vermeſſenheit unterwinden. Denn wo ſie ſolcher
Meinung folgen wollen, ſo müſſen ſie nicht ehe
täufen, ſie wiſſen denn gewiß, daß der Täufling
gläube. Wie und wenn wollen ſie doch das
immermehr wiſſen? Sind ſie nun zu Göttern
worden, daß ſie den Leuten ins Herz ſehen kön⸗
nen, ob ſie gläuben oder nicht? Wiſſen ſie nun
nicht, ob ſie gläuben, warum täufen ſie denn,
weil ſie ja ſo hart fechten, der Glaube muß vor
der Taufe ſein. Thun ſie nicht fein hie wider ſie
ſelbſt, daß ſie täufen, da ſie nicht wiſſen, ob
Glaube da ſei oder nicht? Denn wer die Taufe
auf den Glauben gründet, und täufet auf Eben⸗
theuer, und nicht gewiß iſt, ob Glaube da ſei, der
thut nichts beſſers, denn der ohne Glauben täu⸗
fet: denn Unglaube und ungewiſſer Glaube iſt
gleich viel, und iſt alles beides wider dieſen
Spruch: „Wer da gläubet“; welcher redet
vom gewiſſen Glauben, den der Täufling haben
ſoll.
32. Ja, ſprichſt du, er bekennet, daß er
gläube ꝛc. Lieber, laß bekennen hin und her;
der Tert ſpricht nicht: Wer da bekennet,
ſondern: „wer da gläubet“. Sein Bekennt⸗
niß haſt du wohl; noch weißt du ſeinen Glauben
nicht, und kannſt damit deinem Verſtande nach
dieſem Spruch noch nicht genug thun, du weißeſt
denn auch ſeinen Glauben, weil „alle Men⸗
ſchen Lügner ſind“, Pſ. 116, 11., und
„allein Gott die Herzen kennet“, 1 Kön.
8, 39. Darum wer die Taufe will gründen auf
den Glauben der Täuflinge, der muß nimmer⸗
mehr keinen Menſchen täufen: denn wenn du
gleich einen Menſchen hundertmal täufeſt einen
Tag, dennoch weißt du keinmal, ob er gläube.
Was treibeſt du denn mit deinem Wiedertäufen,
weil du wider dich ſelbſt thuſt, und taufeſt, da du
keinen Glauben gewiß weißeſt; und lehreſt doch,
der Glaube müſſe gewiß da ſein. Alſo ſtehet
dieſer Spruch („wer da gläubet“) gar ſtark
wider ihre Wiedertaufe, weil der Spruch von ge⸗
wiſſem Glauben redet, und ſie ihre Wiedertaufe
auf ungewiſſen Glauben gründen, und thun nicht
einen Buchſtaben nach dem Spruch.
33. Eben alſo auch rede ich vom Täuflinge,
wo er die Taufe auf ſeinen Glauben gründet
oder empfähet: denn er iſt ſeines Glaubens auch
nicht gewiß. Denn ich ſetze gleich, daß ſich ein
Mann heute laſſe wiedertäufen, als der ſich
dünken und anfechten läſſet, er habe nicht ge⸗
gläubet in der Kindheit: wohlan, wenn morgen
der Teufel kommt, ſicht ſein Herz an, und ſpricht:
Awe, jetzt fühle ich erſt rechten Glauben, geſtern
habe ich wahrlich nicht recht geglaubt! wohlauf,
ich muß mich abermal zum dritten täufen laſſen,
und muß alſo die andere Taufe auch nichts wer⸗
den. Meineſt du, der Teufel könne ſolches nicht?
Ja, lerne ihn baß kennen; er kann wohl mehr,
lieber Freund.
34. Weiter, wenn er nun alſo auch die dritte
Taufe anföchte; item, alſo fortan die vierte,
ohne alles Aufhören (wie er denn auch im Sinn
hat zu thun), gleichwie er mir und vielen ge⸗
than hat mit der Beichte, da wir auch einerlei
Sünde nimmermehr konnten genug beichten, und
immer eine Abſolution nach der andern, einen
Beichtvater über den andern ſuchten, ohne alle
Ruhe und Aufhören, darum, daß wir auf unſer
Beichten uns gründen wollten, gleichwie ſich jetzt
die Täuflinge auf ihren Glauben gründen; was
ſollte wohl daraus werden? Ein ewiges Täufen,
und kein Aufhören würde daraus.
35. Darum iſts nichts. Es kann weder Täu⸗
fer noch Täufling die Taufe auf den Glauben
gewiß gründen: und iſt alſo dieſer Spruch gar
viel ſtärker wider ſie, denn wider uns. Und
das ſind ſie, die nicht wollen den Men⸗
ſchen gläuben, die da Zeugen ſind ihrer
Taufe; und hie gläuben ſie ihnen ſelbſt
als Menſchen, daß ſie getauft ſein:
gerade als wären ſie nicht Menſchen,
oder als wären ſie ihres Glaubens ge-
wiſſer, denn das Zeugniß der Chriſten⸗
heit iſt.
36. Darum ſchließe ich wider ſie: Wollen ſie
dieſem Spruch („wer da gläubet“) gnug
thun, ihrem Verſtande nach, ſo müſſen ſie die
Wiedertaufe viel mehr verdammen, denn die
erſte.
dem Glauben, daß oft der, ſo da mei⸗
net, er gläube, nichts überall gläube:
und wiederum, der da meinet, er gläube
nichts, ſondern verzweifele, am aller—
meiſten gläube. So zwinget dieſer Spruch
(„wer da gläubet“) uns nicht, zu wiſſen,
wer da gläube oder nicht, ſondern ſtellets jeder⸗
mann heim in ſein Gewiſſen, wolle er ſelig wer⸗
den, ſo müſſe er gläuben, und nicht heucheln,
als wollt er an der Taufe genug haben, daß er
Chriſten ſei. Denn er ſpricht nicht: wer das
weiß, daß er gläubet, oder wenn du weißt,
daß jener gläubet; ſondern, „wer da gläu⸗
bet“. Wers hat, der hats. Gläuben muß
man; aber wir ſollen noch könnens nicht gewiß
wiſſen.
37. Weil denn ſolche unſere Taufe von An⸗
fang der Chriſtenheit geweſen und gehalten iſt,
daß man Kinder täuft, und niemand mit gutem
gewiſſen Grunde kann beweiſen, daß da kein
Glaube ſei geweſen, ſo ſollte man ja ſolches nicht
ändern und auf ſo ungewiſſen Grund bauen.
Denn was man ändern oder ſtürzen
will, ſo von Alters her iſt gebraucht,
das ſoll und muß man beſtändiglich
beweiſen, daß wider GOttes Wort ſei.
Sonſt, „was nicht wider uns iſt, das iſt
für uns“ (ſpricht Chriſtus Marc. 6, 38. Luc.
9, 49.). Gleichwie wir Klöſter und Meſſen und
der Geiſtlichen Keuſchheit auch geſtoßen haben;
Und kann weder Täufer noch Täufling
beſtehen mit ſeiner Meinung; denn ſie alle beide
des Glaubens ungewiß ſind, oder je zum wenig⸗
ſten in der Gefahr und Anfechtung ſtehen.
Denn es kommt, ja gehet alſo zu mit
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