Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 25 › Seite 195

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-31, Seite 195

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion · Taufe · Taufe 34 · Tanfe 37

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aber alſo, daß wir die helle, gewiſſe Schrift an⸗
gezeigt, dawider ſie ſind. Denn wo wir dasſel⸗
bige nicht gethan hätten, ſo müßten wir ſie wahr⸗
lich laſſen ſtehen, wie ſie bisher ſind geſtanden.

38. Denn, daß ſie ſagen, die Kinder
können nicht gläuben; womit wollen
ſie das gewiß machen? Wo iſt da Schrift,
damit ſie ſolches beweiſen, und darauf ſie ſich
mögen gründen? Es dünkt ſie wohl, weil die
Kinder nicht reden, noch Vernunft haben; aber
der Dünkel iſt ungewiß, ja allerding falſch, und
iſt auf unſern Dünkel nicht zu bauen.

39. Wir aber haben Schrift, daß Kinder wohl
mögen und können gläuben, wenn ſie gleich weder
Sprach noch Vernunft haben. Als die Schrift
ſagt, Pſ. 106, 37 38., „wie die Jüden ihre
Söhne und Töchter den Götzen opfer⸗
ten, und vergoſſen alſo das unſchul⸗
dige Blut“. Iſts „unſchuldig Blut“
geweſen (wie der Tert ſpricht), ſo ſind ſie freilich
reine und heilige Kinder geweſen, welches ſie nicht
ohne Geiſt und Glauben haben mögen ſein.
Item, die unſchuldigen Kindlein, ſo Herodes
erwürgen ließ, Matth. 2, V. 16., ſind auch
Kinder geweſen, nicht über zwei Jahr, frei⸗
lich ohne Sprach und Vernunft; noch ſind ſie
heilig und ſelig. Und Chriſtus ſpricht, Matth.
19, 14., „das Himmelreich ſei der Kind⸗
lein“; und St. Johannes im Mutter⸗
leibe war ein Kind, Luc. 1, 41. Ich meine
aber ja, daß er glauben konnte.

40. Ja, ſprichſt du, mit Johannes war es
ein beſonders; aber damit iſt nicht beweiſet, daß
alle getaufte Kinder gläuben können.
Antwort: Harre doch, laß dir der Weile, ich bin
noch nicht da, daß ich der Kinder Glauben
beweiſe; ſondern da, daß ich beweiſe, wie deines
Wiedertäufens Grund falſch und ungewiß ſei,
als der das nicht kann beweiſen, daß kein Glaube
in Kindern ſein möge. Denn weil in Johanne
Glauben iſt ohne Sprache und Vernunft, ſo
beſtehet dein Grund nicht, da du ſageſt, Kinder
mögen nicht gläuben. Es iſt ja nicht wider die
Schrift, daß ein Kind gläube, wie St. Jo⸗
hannis Erempel zeigt. Wenn es nun nicht
wider die Schrift iſt, daß Kinder gläuben,
ſondern der Schrift gemäß, ſo muß dein
Grund wider die Schrift ſein, daß Kinder
nicht gläuben mögen. Das wollt ich aufs Erſte.

41. Wer hat dich denn nun gewiß gemacht,
daß die getauſten Kinder nicht gläuben, ſo ich
hiemit beweiſe, daß ſie mögen gläuben? Biſt du
aber ungewiß, warum biſt du denn ſo kühne, und
macheſt die erſte Taufe zunicht, da du nicht weißt,
noch wiſſen kannſt, daß ſie nichts ſei? Wie?
wenn alle Kinder bei der Taufe nicht allein
glauben könnten, ſondern auch ſo wohl gläubten,
als Johannes in Mutter Leibe? Denn
wir können ja nicht leugnen, daß eben derſelbige
Chriſtus bei der Taufe und in der Taufe iſt, ja,
er iſt der Täufer ſelbſt, der dort in Mutter Leibe
zu Johanne kam: ſo redet er auch eben ſo
wohl bei der Taufe durch des Prieſters Mund,
als er dort durch ſeiner Mutter Mund redet.

19⁴

42. Weil er denn da iſt gegenwärtig, redet
und täufet ſelbſt; warum ſollt nicht auch der
Glaube und Geiſt durch ſein Reden und Täufen
ſowohl in das Kind kommen, als er dorten in
Johannem kam? Iſts doch einerlei Redner
und Thäter, dort und hie. Und zuvoraus, weil
er ſpricht durch Eſaiam, Cap. 55, V. 11.: „Sein
Wort ſolle nicht leer wiederkommen“.
Nun bringe du auch einen einigen Spruch, der
da beweiſe, daß die Kinder nicht gläuben können
in der Taufe, weil ich ſo viel aufbringe, daß ſie
gläuben können, und billig zu halten ſei, daß ſie
gläuben; wiewohl uns unbewußt iſt, wie ſie
gläuben, oder wie der Glaube gethan ſei; da liegt
auch nicht an.

43. Zudem heißet er uns „die Kindlein
zu ſich bringen“, Matth. 19, 14., „herzet
und küſſet ſie“, und ſpricht, „das Him⸗
melreich ſei ihr“. Wiewohl hiewider ſich
die Geiſter gern wollten ſperren und ſagen, Chri⸗
ſtus rede nicht von Kindlein, ſondern von
den Demüthigen. Aber es klingt nicht, weil
der Text gar klärlich ſaget, man habe ihm
Kindlein, nicht die Demüthigen zu—
bracht. Und Chriſtus nicht ſpricht: Laßt
die Demüthigen, ſondern die Kindlein zu
mir kommen; und ſchalt die Jünger nicht
darum, daß ſie den Demüthigen, ſondern den
Kindlein wehreten; und „herzete“ auch
nicht, noch „ſegnete“ die Demüthigen, ſondern
die „Kindlein“. Darum, wenn er ſagt:
„Solcher iſt das Himmelreich“, und
Matth. 18, 10.: „Ihre Engel ſehen mei—
nes Vaters Angeſicht“, muß auch von den⸗
ſelbigen Kindlein zu verſtehen ſein. Denn er
auch darnach lehret, wir ſollen auch ſolche Kind⸗
lein werden. Wo aber ſolche Kindlein nicht
heilig wären, hätte er uns wahrlich ein bös
Fürbilde gegeben, dem wir „gleich ſollten
werden“; und ſollte nicht ſagen: „ihr müßt
wie die Kindlein werden“; ſondern viel⸗
mehr: ihr müßt anders, denn die Kindlein ſind,
werden. Summa, der Schwarmgeiſt kann in
dieſem Text keine Demuth aus den Kindern
machen, ohn nach ſeinem Dünkel, die Wort ſtehen
zu gewaltig und klar da vor Augen.

44. Etliche aber wollen dieſen Tert alſo mat⸗
ten, daß der Jüden Kinder beſchnitten waren;
darum mochten ſie wohl heilig ſein und zu
Chriſto bracht werden: aber unſere Kin⸗
der ſind Heiden ꝛc.

45. Antwort: Wie, wenn auch Mägdlein
unter den Kindlein geweſen wären, die man
zu Chriſto bracht? welche ja nicht beſchnitten
waren; denn ſie freilich allerlei Kindlein
zu ihm bracht haben. Und weil nicht die
Knäblein allein daſelbſt ſind ausgedrückt, ſo kön⸗
nen wir die Mägdlein nicht ausſchließen, ſondern
müſſens laſſen Kindlein ſein, beide Mägdlein
und Knäblein. Und daß ſie nicht allein
um der Beſchneidung willen, ſondern
auch um deswillen, daß ſie nun zu
Chriſto kommen aus dem Alten ins
Neue Teſtament, ſelig heißen, wie ſein
Wort lautet: „Laſſet die Kindlein zu

mir kommen; denn ſolcher iſt das Reich
GOttes.“ Solcher Kindlein (ſpricht er),
„ſo zu mir kommen, iſt das Reich
GOttes.“ Denn durchs „bringen und
kommen zu Chriſto“ werden ſie ſo ſelig, daß
er ſie herzet, ſegnet, und das Reich gibt.

46. Darum laß ich ſchwärmen, wer da will.
Ich halte noch, wie ich in der Poſtill auch ge⸗
ſchrieben habe, daß die allerſicherſte ſei
der Kinder Taufe. Denn ein alter Menſch
mag trügen und als ein Judas zu Chriſto
kommen und ſich täufen laſſen: aber ein Kind
kann nicht trügen und kommt zu Chriſto in
der Taufe, wie Johannes zu ihm kam,
und wie die Kindlein zu ihm bracht wur⸗
den, daß ſein Wort und Werk über ſie gehe,
rühre, und mache ſie alſo heilig: weil ſein Wort
und Werk kann nicht umſonſt gehen; und gehet
doch hie allein aufs Kind. Wo es deß fehlen
ſollte, ſo müßte es gar fehlen und umſonſt ſein;
welches iſt unmöglich.

47. So kann man das auch nicht leugnen,
daß es Mägdlein ſind geweſ't und unbeſchnitten,
da Pſ. 106, 37. von ſagt, daß ſie ihre „Töchter
opferten den Götzen Canaan“, und heißt
ſie doch „unſchuldig Blut“. So hat
wahrlich Moſe 3 Moſ. 12, 5. auch die Mägd⸗
lein befohlen „Gott zu opfern, reinigen
und löſen“; und iſt wohl Schein, daß die
Knäblein haben die Beſchneidung alleine er⸗
litten, aber die Mägdlein dennoch derſelben
auch mitgenoſſen, in Kraft des Spruchs, ſo
GOtt ſagt zu Abraham, 1 Moſ. 17, 7.: „Ich

will deines Samens GOtt ſein, und

die Beſchneidung ſoll ein Bund ſein
zwiſchen mir und dir, und deinem Sa⸗
men nach dir.“ Nun ſind wahrlich die
Mägdlein auch Abrahams Samen, und
GOtt iſt durch ſolchen Spruch ebenſowohl ihr
GOt, ob ſie gleich nicht beſchnitten ſind, als der
Knäblein.

48. Gläuben ſie nun, daß GOOtt durch der
Beſchneidung Bund beide, Knäblein und
Mägdlein, annimmt und ihr Gott iſt,
warum ſollte er denn auch nicht unſere Kinder
durch der Taufe Bund annehmen? ſo er auch
uns verheißen hat, daß er will „nicht allein
der Jüden, ſondern auch der Heiden
GOtt“ ſein, Röm. 3, 29., ſonderlich der
Chriſten und Gläubigen? Hilft dort die Be⸗
ſchneidung der Kindlein, beide Knäblein
und Mägdlein, daß ſiéGOttes Volk werden, um
Abrahams Glaubens willen, von dem ſie
kommen: wie viel mehr ſoll hie die Taufe eines
jeglichen beſonders helfen, daß ſie GOttes Volk
werden, um Chriſti Verdienſts willen, zu dem
ſie bracht, und von ihm geſegnet wer⸗
den. Das ſage ich alles, daß der Wiedertäufer
Grund ungewiß iſt, und ſie gar frevelich darauf
bauen.

49. Ja, ſprichſt du, er hat die Kinder nicht
heißen täufen; ſo findet man deß kein Exempel
in der Apoſtel Schriften oder Epiſteln: Antwort:
Er hat auch keine Alten, noch Mann, noch Weib,

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9 ‚. — —

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