Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 25 › Seite 199
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-31, Seite 199
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ertenntnisquelle. — —
liums; und zweitens, das bisher geſagte ſoll
nicht die Unmöglichkeit einer Union beweiſen —
eine rechte Union iſt auch unſers Herzens Wunſch
— ſondern es ſoll beweiſen, daß das Unionsge⸗
lüſten, wie es jetzt in evangeliſchen oder unevan⸗
geliſchen Köpfen rumort, ein unchriſtliches iſt.
Wir ſagen:
1. Keine Union, wo man unſere lutheriſchen
Bekenntniſſe unterdrückt oder als leere Form
braucht!
2. Keine Kirche, die nicht in allen Dingen
ſagt, was ſie glaubt!
3. Keinen Bund des Glaubens mit dem Un⸗
glauben!
4. Keine Union, wo weltliche Rückſichien
gelten, wo mit erbärmlicher Klugheit gemarktet
wird!
5. Endlich auch keinen ſogenannten evangeli⸗
ſchen Bund, wie derſelbe durch die Kapell⸗
theologie der reformirt⸗engliſchen Secten, nicht
nur für die unter ſich zertheilten Reformirten,
ſondern auch gegen die Bekenntniß⸗Einheit der
evangeliſch-lutheriſchen Kirche verbreitet wird
(Conföderation oder Allianz der Gleich⸗
gültigkeit in etlichen Hauptſtücken)! Solche
Richtungen führen, unter neuen Namen, den
alten Unionsbau weiter, wie man das aus dem
Treiben der franzöſiſchen Union evangelique
und ſo mancher Unternehmungen zu „innerer
Miſſion“, hie und da in Deutſchland und von
Baſel aus für das Elſaß, wahrnehmen kann.
Das alles „erfüllet“ nicht, ſondern löſet die be⸗
kenntnißtreue Kirche. Sehet euch vor!
(Eingeſandt.)
Ein Wort gegen den Miſſionsboten in Maſ⸗
ſillon, Stark Co., O.
Es erforderts das Recht, eine Vertheidigung
gegen eine Beſchuldigung zu geben, die ſich im
Miſſionsboten Nr. 7 S. 51 findet. Zwar hätte
ich dieſe, wie ſchon manche andere Beſchuldi⸗
gungen, gerne bei Seite gelegt, weil ich dem
Herausgeber wegen langer Bekanntſchaft man⸗
ches nicht zurechne, — jedoch weil derſelbe in die⸗
ſem Artikel mit ſchalkhaften Dingen mein Amt,
meine Lehre und Gemeinde angreift (und zwar
nur vom Hörenſagen), ſo darf ich nicht mehr
ſchweigen.
Der Miſſionsbote ſagt: „Im genannten
County (Coſhocton Co., Ohio) ließ ſich un⸗
längſt ein ſich lutheriſch nennender Prediger nie⸗
der, der gleich anfangs darauf hinarbeitete, die
Conſtitutionen der Gemeinden, die von einem ſehr
ehrwürdigen alten lutheriſchen Prediger verfaßt,
aber für Union günſtig ſind, zu vernichten, und
eine neue Conſtitution zu entwerfen. Er legte eine
von ihm entworfene Conſtitution den Gemein⸗
den vor ꝛc.“
Ich will nun weder von dem Prediger (es
war aber kein Prediger, ſondern nur ein Bauers⸗
mann), der dieſe Conſtitution nach ſeiner Weiſe
ſchnitzte, noch von der Conſtitution, einem elenden
Gemächte, das glücklicher Weiſe nur das Aeußere
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der Gemeinde angeht, etwas erwähnen, weil ich
für beide nicht Rechnung zu geben habe; aber
daß der Miſſionsbote daran lügt, wenn er
ſchreibt, ich habe eine von mir entworfene Conſti⸗
tution vorgelegt, kann ich nicht verſchweigen, und
wird mein Kirchenvorſtand am Schluß ein Zeug⸗
niß vom Gegentheil ausſtellen. Weiter ſagt der
Miſſionsbote: „in welcher (der Conſtitution)
unter andern Extremen in der Oppoſition gegen
die Reformirten folgender Artikel ſich findet: Zu
dieſer Gemeinde kann nur derjenige gehören,
der da glaubt, daß wir im Abendmahl im
Brod den natürlichen Leib (natürlich im
Gegenſatz zum verklärten), wie er am Kreuz
gehangen, und im Wein das natürliche
Blut (wieder im Gegenſatz zum verklärten
Blut), wie es in Chriſti Adern gefloſſen, em⸗
pfangen“; — und er (nemlich der Miſſionsbote)
nennt dies natürlich nach ſeiner von ihm in den
eingeklammerten Worten dargelegten Auffaſſung
einen Genuß in materieller und auf kapernaitiſche
Art und Weiſe.
Der liebe Leſer wird mir erlauben, daß ich
den erwähnten Artikel wörtlich anführe, wie
er in meiner Conſtitution, welche ſich ein Ge—
meindeglied zum Leſen von mir ausgebeten,
lautet:
„§ 7. Das heilige Abendmahl.
Das heilige Abendmahl ſoll wenigſtens alle
Vierteljahr nach vorangegangener Beichte ge⸗
feiert werden. Jeder, der zum Tiſch des HErrn
gehen will, hat ſich vor der Beichte bei dem
Beichtvater anzumelden und der liebreichen Er⸗
mahnung zu einem würdigen Hinzugehen, ſo wie
auch dem nöthigen Unterricht von dieſer heiligen
Handlung zu unterziehen nach § 25 der unge⸗
änderten Augsburgiſchen Confeſſion.
„Glieder der reformirten Kirche können nur
dann bei uns das heilige Abendmahl empfaͤngen,
ſo ſie wenigſtens vor dem Kirchenrath ihren Zu⸗
tritt zur lutheriſchen Gemeinde erklären, und die
Lehre vom heiligen Abendmahl, wie ſie die luthe⸗
riſche Kirche nach dem Worte Gottes bekennt,
annehmen. Die Lehre iſt: Daß es der rechte,
natürliche Leib JEſu Chriſti ſei, der am Kreuze
gehangen, und das rechte natürliche Blut, das
aus Chriſti Seite gefloſſen, welches mit Brod
und Wein mündlich, doch aber in unerforſch⸗
licher und übernatürlicher Weiſe, empfangen
werde. Daß Chriſtus in dieſer unerforſchlichen
Weiſe im Abendmahl gegenwärtig ſei, und von
den Unwürdigen ſowohl, als von den Würdigen
genoſſen werde. Wer ſolches nicht glaubt, ſon⸗
dern dieſes heilige Sacrament nur als Bedeu⸗
tung oder Gedächtniß, oder als eine blos
geiſtliche Nießung des blos im Himmel herr⸗
ſchenden IEſu Chriſti anſieht, wird von der
lutheriſchen Kirche als dem Worte IEſu ungläu⸗
big angeſehen und, weil der Genuß des heiligen
Abendmahls auch ein Bekenntniß einer Gemeinde
iſt (zum Bekenntniß gehört), vom Abendmahl
ferne gehalten.“ —
Dies alſo iſt das „Extrem“, nach welchem ich
freilich ſtreng handle und darob die liebe Union
und ihre Nachbarin, die reformirte Kirche, arg
erzürne, auch ſehen muß, wie die Unirtgeſinnten
dieſe neue Weiſ', wie ſie's nennen, fliehen und
mich mit den dummen Lutheriſchen allein laſſen!!
Allein, jeder lutheriſche Chriſt muß dieſes Ver⸗
fahren ehrlich heißen, wenn's auch der Miſſions⸗
bote & Co. Unredlichkeit und Liebloſigkeit ſchilt.
Aber warum iſt er denn ſo unredlich und ſagt
nicht, daß die eingeklammerte Bemerkung „na⸗
türlich im Gegenſatz zum verflärten
Leib“, und wieder „im Gegenſatz zum
derklärten Blut“, ſeine Arbeit iſt, wie ſolches
zu bemerken eines Redacteurs Pflicht iſt? denn
wenn ſolches gethan worden wäre, wäre ich nicht
im Verdacht als Irrlehrer.
Weil er mich aber ſchon bei meiner, der Mi⸗
chigan⸗Synode, als einen eigentlichen Sectirer
wegen des Ausdrucks „natürlicher Leib“
verklagt und als ſolchen betitelt hat, der ſeine
Unwiſſenheit mit dem Altlutherthum zudeckt; und
von den altlutheriſchen Schreiern erwähnt, auf
deren Standpunkt Cronenwett und ich als
Nichttheologen (für welche er die Glieder der
Miſſouri⸗Synode ebenfalls ausſchreit) ſtehen, ſo
muß ich doch über das Wort „natürlich“ Rechen⸗
ſchaft geben.
1. Der Ausdruck „natürlicher Leib“ iſt
lutheriſche Kirchenlehre und findet ſich in Cap.7
der Concordienformel zweimal, ebenſo Art. 1 der
ſächſiſchen Viſitationsartikel. Ich ſtehe nun, dem
Wort nach, auf dem Standpunkt der lutheriſchen
Kirchenlehre, die ſeit bald 300 Jahren bei allen
rechtgläubigen Lehrern Geltung hat. Ich gehöre
einer Synode an, die nach ihrer neuen Conſtitu⸗
tion rückhaltsloſe Anerkennung der ſämmt⸗
lichen ſymboliſchen Bücher der evangeliſch⸗luthe⸗
riſchen Kirche verlangt, und deshalb keinen Pre⸗
diger annimmt, der unirte Geineinden, als ſolche,
bedient. Endlich bekenne ich mich nicht nur von
Herzen zu den ſämmtlichen ſymboliſchen Büchem
der lutheriſchen Kirche, ſondern bin bei meiner
Einführung in meine beiden Hauptgemeinden
auf die ſämmtlichen ſymboliſchen Bücher der
lutheriſchen Kirche verpflichtet worden. Nun aber
ſagt der Miſſionsbote in ſeinem Brief gegen mich
an die Synode: „Ihr habt eine Conſtitution
entworfen, die nichts anderes hervorrufen kann,
wenn ſie angenommen wird, als eine lutheriſche
Sectt, deren es heut zu Tag ſehr viele gibt;
wenn Ihr Euch wieder auf die Concordienformel
verpflichten laſſet, ſo kann ich nicht mehr mit
Euch einig ſein, denn ich bin es feſt überzeugt,
daß die Union auch in Amerika durchgehen wird.
Auf Eurem Standpunkt ſteht Ihr wie eine Secte,
die nur in Wenigem von der altlutheriſchen Secte
verſchieden iſt.“ Nimmt mich doch Wunder, wie
der Miſſionsbote auch hier ſo urtheilen kann, da
er doch noch kein Wort von der neuen Conſtitu⸗
tion der Synode geleſen hat! Aber er hat von
der rückhaltsloſen Verpflichtung auf die ſymbo⸗
liſchen Bücher der lutheriſchen Kirche gehört, und
wie er denen ſo feind iſt, hat er in ſeinem Blatt
No. 3 hinreichend bewieſen; aber wenn er das
Concordienbuch um Geld und Gewinns willen
verkaufen kann, dann dürfen nach ſeiner Anſicht
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