# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 31_S200 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) auch Irrthümer darinnen ſein. Er iſt aber nicht nur dieſem Buche, ſondern auch denen feind, die dem Buche zugethan, der jetzigen falſchen Union aber abhold ſind; denn er will, wie er gewöhnlich zu ſagen pflegt, Allen Alles werden, bei den Alt⸗ lutheriſchen ein ſolcher (wie er bei Herrn Pfarrer Löhe in Baiern bewieſen), bei den Unirtgeſinnten auch ſo, hat er doch den Namen „lutheriſch“ nur beibehalten; bei den Reformirten, wie ſie, ja auch bei den Katholiken ein Römling! Er ſchreitet alſo mit der Zeit fort und iſt, wofür er ſich nem⸗ lich blos hält, ein wiſſenſchaftlicher Mann, der des jetzigen Standpunktes kundig iſt. 2. Der Ausdruck „natürlicher Leib“ recht⸗ fertigt ſich auch laut des Nachweiſes alter Kirchen⸗ lehrer (ſiehe Concordienformel, Cap. 7 u. A. m.) und verſchiedener neuerer, ſelbſt unirter Katechis⸗ men, von denen ich nur einige anführen will. Albert Geißler in ſeinem Katechismus fragt: „Was genießt man beim heiligen Abend⸗ mahl? Antw. Brod, Wein; Leib und Blut JEſu Chriſti. Der Leib, den man genießt, iſt derſelbe, der von der Jungfrau Maria geboren, am Kreuz geſtorben, auferſtanden und gen Him⸗ mel gefahren iſt, und der jetzt zur Rechten des Vaters ſitzet; dieſen Leib kann er ſichtbar und unſichtbar machen, mit dieſem iſt der HErr IEſus nicht blos im Himmel, ſondern überall bei den Seinen. Das Blut JEſu Chriſti im Abendmahl iſt dasſelbe, was er bei ſeinem Leiden und Ster⸗ ben vergoſſen hat, von welchem nicht ein Tröpf⸗ lein die Verweſung geſehen hat.“ Selbſt Rud. Stier, dieſer Vorfechter der Union, ſchreibt: „Wir glauben feſtiglich, daß der HErr ſelber uns wunderbarlich ſpeiſet und tränket mit dem Leibe, der am Kreuz gebrochen, und dem Blute, das aus demſelben Leibe vergoſſen worden, denn alſo hat der HErr in ſeinem Teſtamente ge⸗ ſprochen: ‚das iſt“ —! und dabei bleiben wir.“ Spener fragt: „Was iſt ſolches für ein Leib Chriſti? Antw. Der wahre, weſentliche Leib Chriſti, welchen er von der Jungfrau Maria an ſich genommen, darinnen gelebt, geſtorben, auf⸗ erſtanden iſt, und noch an ſich hat; denn er iſt derjenige, welchen er für uns gegeben hat. „Was iſts aber für ein Blut? Antw. Das weſentliche Blut Chriſti, welches er gehabt und für uns vergoſſen hat, daher ein heiliges Opfer⸗ blut, welches Gottes eigen iſt.“ (Ueber letzteren Ausdruck „Gottesblut“ wagt es der Miſſionsbote ſpottweiſe zu ſagen: „Gott hat ja kein Blut.“) So wären noch viele Zeugniſſe anzuführen, die mit Luther nach dem klaren Wort Chriſti be⸗ kennen: „Daß des HErrn Brod im Abendmahl ſein rechter natürlicher Leib ſei, welchen der Gottloſe eben ſowohl empfängt, als alle Heiligen.“ Und ebenſo könnte man auch das Wort „ma⸗ teriell“, ohne ein ſolcher zu ſein, der auf kaper⸗ naitiſche Weiſe Chriſtum genießt, gebrauchen, wie denn auch Hunnius § 696 thut, wenn man nur abermals mit Luther nach Gottes Wort glaubt, „daß des HErrn Brod im Abendmahl“ ꝛc. 3. So ich endlich über dem kirchlichen Aus⸗ druck „natürlicher Leib“ der Sectirerei be⸗ dreiſte Unwahrheiten. 199¶ zichtigt werde, was ſoll ich denn nach dem Worte Pauli bekennen, welcher aus dem Munde IEſu hörte: „Das iſt mein Leib, der für euch gebrochen wird“? 1 Cor. 11. Der Leib alſo, ſo ich rück⸗ wärts gehe, der Leib, welcher in der andern un⸗ begreiflichen geiſtlichen Weiſe, da er keinen Raum nimmt (Concordien formel 7.), gegenwärtig iſt, iſt kein anderer, als der, welcher zur Rechten Got⸗ tes gefahren, und dieſer iſt der, welcher aus dem Grabe auferſtanden, und aus dem Grabe kein anderer, als der hervorgegangen, welcher einmal auch den Schwarmgeiſtern, welche nicht wiſſen, was für einen Geiſt oder Chriſtum ſie ſich im Abendmahl vormalen ſollen, ſeine Nägelmaale zeigen wird, die er am Kreuz erlitten. Da aber, am Kreuz, hing des Menſchen Sohn, von Maria geboren, geſtorben, der da ſpricht: das iſt mein Leib, der für euch gegeben wird. Oder ſoll ich glauben, daß ein anderer Chri⸗ ſtus für mich gelitten? ein anderer geſagt: das iſt mein Leib? ein anderer gen Himmel gefahren ſei? ein anderer wiederkommen wird zum Ge⸗ richt? ein anderer beim Abendmahl gegenwärtig, ſei, ſegne und austheile? Ich lehre und nehme im Abendmahl den unter Brod und Wein gegen⸗ wärtigen Chriſtum, welcher einſt als Heiland für uns Sünder ſtarb und welcher mit ſeinem nun verklärten Leibe, den er einſt dahin gab (alſo wieder der natürliche), gegenwärtig ſpricht: Neh⸗ met, das iſt mein Leib“ ꝛc.; und obgleich die blinde Vernunft ſolches nicht reimen kann (denn natürlicher Leib und übernatürlicher Genuß will ſich ſo wenig reimen, als „im Leibe ohne Zu⸗ thun eines Mannes, Joh. 1., empfangen wer⸗ den“, oder „Gott ward Menſch“), ſo ſpricht dennoch der Glaube: „So ſpricht der Sohn Gottes, der treue und wahrhaftige Zeuge, und Gott vom Himmel ruft mir ja, den ſollt ihr hören.“ Das iſt es nun, was ich glaube, und laſſe mirs gern gefallen, wenn der Miſſionsbote ſagt: „Ein Menſch oder eine Gemeine, die dies glaubt, kann in der That nicht bei gutem Verſtande ſein“ — denn dem Unverſtand muß man doch auch etwas zu gute halten. Ich beſorge nur, der Herausgeber des Miſſionsboten möchte ſich end⸗ lich zu weit verſteigen und mit Herrn Dr. Kurtz bekennen: „Wenn Luther, ja, wenn Paulus und Petrus wiederkämen, müßten ſie von uns lernen.“ Hält mich übrigens der Miſſionsbote für einen eigentlichen Sectirer, ſo laß ich mir's ge⸗ fallen, denn ich gehöre ja zur Secte, der ſeit 300 Jahren widerſprochen wird, weil ſie ſich vom Reich der Lüge getrennt hat; aber woher kommt denn die neue Secte, der evangeliſche Kir⸗ chenbund? was will er? wohin eilt er? die Zeit wirds lehren, daß er aus der Bekenn tniß⸗ loſigkeit zun Wohlleben in den Unglauben führt. denn auch dieſe Liebe duldet auf eine böſe Weiſe Alles (nur keine Entſchiedenheit). Dies nun als kurze Vertheidigung gegen Ich bin übrigens weit entfernt, der Perſon zu grollen, denn ſo man den Miſſionsboten früge: redeſt du das von dir ſelbſt oder haben es dir Andere geſagt?“ ſo müßte er wohl geſtehen, daß er ſich zum Handlanger fal⸗ ſcher Brüder hergegeben habe, denen nichts mehr am Herzen liegt. als die lutheriſche Lehre auszu⸗ rotten. Der Miſſionsbote möge nur fernerhin bei ſeinem Miſſionsfach bleiben und nicht eher wieder für andere Gemeinden ſorgen, bis ihn die Kirche zum Kirchenviſitator ordinirt; ſollte es ihn aber wieder gelüſten, zu polemiſiren, ſo muß er gewärtig ſein, daß er an einem Ort aufgedeckt wird, da er es weder vermuthet noch wünſcht. Am wenigſten wage er ſich an die lutheriſche Lehre und Kirche, der er von Kindheit zugehört. Er bedenke: „Gottes Wort iſt Luthers Lehr' und vergehet nimmermehr“, wenn auch die Feinde rüh⸗ men: „mit der lutheriſchen Kirche ſei es Matthäi am Letzten“. Fr. Beſel, deutſch ev.⸗luth. Pfarrer zu New Bedford. Wir Unterzeichnete bezeugen hiemit der Wahr⸗ heit gemäß, daß Herr Pfarrer Friedrich Beſel 1. der Gemeinde noch nie eine Conſtitution zur Annahme vorgelegt hat; 2. und noch nie vom heiligen Abendmahl alſo gelehrt hat, wie Herr Pfarrer Steiner im Miſ⸗ ſionsboten ihn beſchuldigt. New Bedford, am 13. Juli 1850. Der Kirchenvorſtand der deutſchen ev.⸗ luth. Zions⸗Gemeine zu Bedford: Jakob Rinehart. David Schlegel. George Levengood. „Bezeuge vor dem SErrn, daß ſie nicht um Worte zanken, welches nichts nütze iſt, denn zu verkehren, die da zuhören.“ (2 Tim. 2, 14.) Ich habe ein gutes Gewiſſen, ſchreibt Luther, wenn ich nur nichts Bö ſes gelehrt habe. Un⸗ paſſend haben auch die höchſten und frömm⸗ ſten Väter in der Kirche geredet, und zwar nicht ſelten ſelbſt in den höchſten Artikeln des Glau⸗ bens; vergeblich iſt es, über Ausdrücke und Worte zu ſtreiten, wenn es bekannt iſt, daß die Lehre ſelbſtrein und lauter iſt. Die ſtreitſüchtigen Abwäger der Worte aber, deren ganze Gewiſſenhaftigkeit und Sorgſamkeit mehr dahin geht, mit was für Worten ſie reden, wäh⸗ rend ſie wenig um die Sache ſelbſt bekümmert ſind, ja nichts als Unrechtes lehren, dieſe finden immer etwas in fremden Büchern, um darüber zu läſtern. Sie ſeigen Mücken und verſchlucken Kameele; den Splitter eines unpaſſenden Wört⸗ leins machen ſie in Anderer Schriften zum Ver⸗ brechen, während ſie die Balken gottloſer Mei⸗ nungen in ihren eigenen als etwas ganz Gött⸗ liches ſelbſt aubeten. Mögen dieſe allein gelten wollen und allein an ihrem Eigenen ſich ergötzen, ſo viel ſie wollen, das Unſrige mag ſie anekeln, aber ſie mögen ſich nur auch nicht daran ver⸗ greifen. (Aus einer Vorrede Luthers zu der lateiniſchen Ausgabe ſeiner Kirchenpoſtille von 1528. Siehe: Unſchuld. Nachr. vom Jahre 1730, S. 186.)