Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 25 › Seite 198

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-31, Seite 198

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Uuion

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machen laſſen. Wahrlich, der Glaube iſt eine zu
ernſte Sache, als daß man, nur um den Schaden
Joſephs (den Vorwurf der Uneinigkeit) zu
decken, damit Heuchelei treibt, oder gar die evan⸗
geliſch-lutheriſche Kirche, wie den Joſeph, an
Egypter verkauft. Das wäre erbärmlich, wenn
zwei Kirchengemeinſchaften, um eine trüge⸗
riſche Einigkeit zuwege zu bringen, mit einan⸗
der anfingen zu handeln und zu markten über
das, was man ſich gegenſeitig nachgebe oder auf⸗
bürde!

4. Doch, es iſt noch ein vierter Weg, auf dem
man ſich zu vereinigen meint, und der will der
großen Menge am beſten gefallen. Das wäre
eine Union, wo man nur äußerlich zuſammen
tritt, im Grunde aber gar nicht über den Glau⸗
ben ſucht einig zu werden, ſondern vielmehr jeder
bleibt, was er iſt: wer lutheriſch geſinnt iſt,
bleibt lutheriſch; wer reformirt geſinnt iſt, bleibt
reformirt; wer ſeine eigne Meinung in der Reli⸗
gion macht, bleibt nach wie zuvor. In einer
Union von dem Schlag gehen ſie alle an denſel⸗
ben Communion⸗Tiſch, und eſſen und trinken,
und jeder denkt, was er will: der Lutheraner, er
empfange des HErrn Leib und Blut; der Refor⸗

mirte, er empfange ein Zeichen; der Eine, er
bringe Gott ein Opfer; der Andere, er empfange
von Gott eine Gnade. Jeder nach Belieben. —
Grauet dir nicht vor einer Kirche, wo das alles
ſo ſein wird von Rechts wegen? Soll ich ſa⸗
gen, wie mir das vorkommt? Man erzählt, daß
in dem ehebrecheriſchen Geſchlechte, wo die heilige
Ehe oft nur eine Speculation iſt, manchmal die
Rede geht: „Ziehe du deine Wege, und mache,
wie's dir gut deucht; — ich gehe meinen Weg;
nur wollen wir Acht haben, daß es keinen Scan⸗
dal gibt.“ Iſt das nicht ein luſtig Haus, wo
von Rechts wegen Gläubige und Ungläubige
zuſammen hauſen, und wo man ſchön eins wird,
ſich gegenſeitig Irrthum und Wahrheit gut zu
heißen, um des lieben Friedens willen? O, die
falſchen Propheten, die rufen Friede!
Friede! und iſt doch nicht Friede.
Lieben Brüder, das iſt die Union, die man
euch anempfiehlt! Es ſcheint eine ſo unſchuldige
und leichte Sache zu ſein, wenn man zuſammen⸗
treten, die Bruderhand ſich reichen und doch blei⸗
ben kann, was man iſt. — Nun, den Fall geſetzt,
es wäre redlich gemeint: meint ihr wohl, daß es
der Mühe lohnt, ſo großen Lärm zu machen, da⸗
mit alles beim Alten bleibe? Da iſt ja das
Sicherſte, man läßt das Uniren oder geht wieder,
wo es geſchehen, aus ſolcher Union heraus; denn,
zum Andern, hält eine ſolche Union nicht,
was ſie verſpricht. Gott ſei Dank! oder
Gott ſei's geklagt! wir brauchen nicht erſt auf
die Zukunft zu warten, um die Früchte einer ſol⸗
chen Union zu ſehen. In mehreren Landen
Deutſchlands hat man die Probe gemacht, beſon⸗
ders in Preußen, und, nachdem nun das Ding
allbereits dreißig Jahre beſtanden, iſt's Vielen
ſo verleidet, daß ſie das fatale Unionsband wie⸗
der auflöſen. So viel iſt gewiß, daß, wenn
dort heute die Union ſollte gemacht
werden, ſie nicht mehr zu Stande

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käme. Werdet durch fremden Schaden klug!
Dort in Preußen hat man eben alſo unirt, daß
die Lutheriſchen ſollten ungeſtört lutheriſch, und
die Reformirten reformirt bleiben; aber nicht
lange, ſo zeigte das Thier das verſteckte Ohr.
Reformirte Prediger kamen von Rechts wegen
in evangeliſch⸗lutheriſche Gemeinden; zweideutige
Abendmahls⸗Liturgie wurde eingeführt. Die
Lutheraner wurden verfolgt und ſind zu Tauſen⸗
den nach Amerika und Auſtralien ausgewandert.
Das ſind die Früchte ſolcher Union! Forſchet
im Unter⸗Elſaß nach! Dort kommen heute noch
ehemalige Lutheraner aus dem unirten Rhein⸗
baiern und Baden, um in unſeren Kirchen
das heilige Abendmahl nach ihrem Glauben zu
empfangen; denn dieſen armen Leuten iſt's in
manchen ihrer Kirchen unheimlich geworden ob
der neuen Lehre und dem neuen Weſen.
Viele andere gehen gar nicht mehr zum heiligen
Abendmahl.

Wann aber in euren eigenen Kirchen es auch
euch einmal fremd und unheimlich wird? wenn
ihr trauret über neues Weſen, neue Sitte und
Gebräuche? wenn ihr ſeid mißtrauiſch gewor⸗
den? Wie dann? Oder glaubt ihr, daß, wenn
die Union einmal zu Wege gebracht iſt, es bei
euch wird beim Alten bleiben? Thörichte Hoff⸗
nung! Dann kommen Geſetze und Ordnungen
der Kirche, wie die Mehrzahl für gut findet.
Dann werden die jungen Pfarrer von Rechts
wegen im frem den neuen Geiſte erzogen. Dann
werdet ihr bittere Klage führen; aber zum lei⸗
digen Troſte wird euch die Antwort: „Das
Alte iſt abgeſchafft, wir ſind jetzt eine neue
Kirche!“

Wenn jetzt zu euch ein Pfarrer kommt, ſo denkt
ihr: er iſt in unſerer Kirche geboren und erzogen,
er ſoll daher fortbauen und fortarbeiten, wie es
von den Glaubens vätern her geſchehen; — iſt
es ja nur eine neue Perſon, aber immer muß er
die alte Lehre bringen. Dem vertraut ihr euch und
eure Kinder getroſt an; ihr denket: er ſoll uns
dieſelbe geiſtige Nahrung, denſelben Troſt, dieſel⸗
ben Ermahnungen, die unſere Väter aukgerichtet
und geſtärkt haben, auch reichen; er wird kein
Betrüger, kein Neuling, kein Modemann in Reli⸗
gionsſachen ſein.

Nun denkt euch in die Union: Es kommt ein
neuer Pfarrer in die Gemeinde; habt ihr da auch
die Zuverſicht, daß er eins iſt mit dem Glauben
der evangeliſch-lutheriſchen Kirche? Nein!
die unirte Kirche hat kein evangeliſch—
lutheriſches Bekenntniß und fordert kei—
nes; ſie iſt aus verſchiedenen entgegengeſetzten
Meinungen zuſammengeſetzt; ſtatt dem „Ja, ja,
Nein, nein“, wie es der HErr verlangt, gilt Ja
und Nein von Rechts wegen! Wer weiß? der
neue Pfarrer denkt alsdann ganz anders, denn
ihr mit euren alten Büchern! da werdet ihr miß⸗
trauiſch. Und wie kann die Seelſorge einen gu⸗
ten Fortgang nehmen, wie können die Lehren und
Ermahnungen und Tröſtungen fruchten, wo kein
Vertrauen iſt?

Wißt ihr, was dann geſchieht? Es wird euch
fremd in eurem eigenen Kirchenſtuhle; ihr müßt

um des Gewiſſens willen austreten, von der neu⸗
gemachten Miſchungskirche ſcheiden, und, wäh⸗
rend ihr der alten Kirche treu bleibet, zuſehen, wie
Andere nun ſchalten und walten in dem, was
Euer war!

Wo iſt dann die Einigkeit, der man ſo viel
Opfer bringt? Hat die Trennung aufgehört?
Nein, ſie iſt nur ärger geworden. Oft ſchon
haben Leute lang in Frieden und in Freundſchaft
gelebt, bis ihnen einkam, das Freundſchaftsband
enger zu ſchließen, und in einer Stube zuſammen
zu wohnen und an einem Tiſch zu eſſen und in
einem Lager zu ſchlafen. Jetzt erſt brach unter
ihnen der Krieg aus; ſie wurden gewahr, daß ſie
nicht von Grund des Herzens einig waren. So
wird es gehen in einer Union, die nicht in der
Wabrheit und im Glauben eins iſt. Anſtatt Ein⸗
tracht wird Zwietracht daraus eniſtehen.

Sagt doch, lieben Brüder: warum ſolltet ihr
auf eine Union dringen? Iſt's euch nicht mehr
wohl im alten Glauben? Iſt unſere alte Kirche
des Zeugniſſes ſo ſchlecht, daß wir eine andere
bauen ſollen? Iſt unſer Name „evangeliſch⸗
lutheriſch“ ſo unehrlich, daß wir deſſen uns ſchä⸗
men und einen andern annehmen ſollten? Woll⸗
ten wir das ſichere Gute, das wir haben, hingeben
für's Ungewiſſe, das ſo viel weniger werth iſt?
Soll denn die Veränderungsſucht in das unver⸗
änderliche Heiligthum dringen?

Iſt's nicht beſſer, wir behalten, was wir ha⸗
ben, und ſorgen und kämpfen dafür, daß Pfarrer
und Laien unſerer Kirche es wieder erkennen,
glauben und recht „haben“ lernen? Laßt ſie
immerhin ſchreien: „Das Alte iſt nichts mehr
nütze; man muß einen neuen Bau aufführen,
der beſſer für unſere aufgeklärte Zeit paßt!“ Oh,
die Zwerglein, die etwas anderes machen wollen,
als was die Männer Gottes, von der augsbur⸗
giſchen Confeſſion an, gegründet, und was für ſo
viele Tauſende Licht und Kraft und Troſt gewor⸗
den iſt.

Haltet feſt, ihr Brüder, am Kleinod unſerer
Kirche, ſie ſteht auf dem Einen Grunde, der ge⸗
legt iſt, welcher iſt Chriſtus; und was darauf
bekenntnißtreu gebaut, iſt eben gus dieſem
Grunde emporgewachſen; was man wegſchaffen
will, iſt nicht Menſchenzuihat, ſondern der Eck⸗
ſtein und des Eckſteins Weſen. Aber es wird
ſich als wahr erweiſen, was geſchrieben ſteht:
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
iſt zum Eckſtein worden. Wer (bei dem Nieder⸗
reißen des Glaubensbaues) auf dieſen Stein
fällt, der wird zerſchellen, auf welchen „Er“ aber
fällt, den wird Er zermalmen. (Matth. 21,
42. 44.)

Noch ein Wort zum Schluß. Ihr ſaget viel⸗
leicht: du haſt nicht nur zu beweiſen geſucht, daß
eine Union jetzt nicht an der Zeit iſt, ſondern,
daß ſie gar nie geſchehen ſoll; was gegen das
Wort Chriſti wäre: „Es ſoll eine Heerde und
ein Hirte ſein.“ Wer aber zuviel beweiſet, be⸗
weiſet nichts. Darauf iſt das die Antwort:
erſtlich, die „eine Heerde und der eine Hirt“ iſt
ſchon geworden durch die Vereinigung der Hei⸗
den mit den Juden, vermittelſt des Evange⸗

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