# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 31_S199 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) liums; und zweitens, das bisher geſagte ſoll nicht die Unmöglichkeit einer Union beweiſen — eine rechte Union iſt auch unſers Herzens Wunſch — ſondern es ſoll beweiſen, daß das Unionsge⸗ lüſten, wie es jetzt in evangeliſchen oder unevan⸗ geliſchen Köpfen rumort, ein unchriſtliches iſt. Wir ſagen: 1. Keine Union, wo man unſere lutheriſchen Bekenntniſſe unterdrückt oder als leere Form braucht! 2. Keine Kirche, die nicht in allen Dingen ſagt, was ſie glaubt! 3. Keinen Bund des Glaubens mit dem Un⸗ glauben! 4. Keine Union, wo weltliche Rückſichien gelten, wo mit erbärmlicher Klugheit gemarktet wird! 5. Endlich auch keinen ſogenannten evangeli⸗ ſchen Bund, wie derſelbe durch die Kapell⸗ theologie der reformirt⸗engliſchen Secten, nicht nur für die unter ſich zertheilten Reformirten, ſondern auch gegen die Bekenntniß⸗Einheit der evangeliſch-lutheriſchen Kirche verbreitet wird (Conföderation oder Allianz der Gleich⸗ gültigkeit in etlichen Hauptſtücken)! Solche Richtungen führen, unter neuen Namen, den alten Unionsbau weiter, wie man das aus dem Treiben der franzöſiſchen Union evangelique und ſo mancher Unternehmungen zu „innerer Miſſion“, hie und da in Deutſchland und von Baſel aus für das Elſaß, wahrnehmen kann. Das alles „erfüllet“ nicht, ſondern löſet die be⸗ kenntnißtreue Kirche. Sehet euch vor! (Eingeſandt.) Ein Wort gegen den Miſſionsboten in Maſ⸗ ſillon, Stark Co., O. Es erforderts das Recht, eine Vertheidigung gegen eine Beſchuldigung zu geben, die ſich im Miſſionsboten Nr. 7 S. 51 findet. Zwar hätte ich dieſe, wie ſchon manche andere Beſchuldi⸗ gungen, gerne bei Seite gelegt, weil ich dem Herausgeber wegen langer Bekanntſchaft man⸗ ches nicht zurechne, — jedoch weil derſelbe in die⸗ ſem Artikel mit ſchalkhaften Dingen mein Amt, meine Lehre und Gemeinde angreift (und zwar nur vom Hörenſagen), ſo darf ich nicht mehr ſchweigen. Der Miſſionsbote ſagt: „Im genannten County (Coſhocton Co., Ohio) ließ ſich un⸗ längſt ein ſich lutheriſch nennender Prediger nie⸗ der, der gleich anfangs darauf hinarbeitete, die Conſtitutionen der Gemeinden, die von einem ſehr ehrwürdigen alten lutheriſchen Prediger verfaßt, aber für Union günſtig ſind, zu vernichten, und eine neue Conſtitution zu entwerfen. Er legte eine von ihm entworfene Conſtitution den Gemein⸗ den vor ꝛc.“ Ich will nun weder von dem Prediger (es war aber kein Prediger, ſondern nur ein Bauers⸗ mann), der dieſe Conſtitution nach ſeiner Weiſe ſchnitzte, noch von der Conſtitution, einem elenden Gemächte, das glücklicher Weiſe nur das Aeußere 19 der Gemeinde angeht, etwas erwähnen, weil ich für beide nicht Rechnung zu geben habe; aber daß der Miſſionsbote daran lügt, wenn er ſchreibt, ich habe eine von mir entworfene Conſti⸗ tution vorgelegt, kann ich nicht verſchweigen, und wird mein Kirchenvorſtand am Schluß ein Zeug⸗ niß vom Gegentheil ausſtellen. Weiter ſagt der Miſſionsbote: „in welcher (der Conſtitution) unter andern Extremen in der Oppoſition gegen die Reformirten folgender Artikel ſich findet: Zu dieſer Gemeinde kann nur derjenige gehören, der da glaubt, daß wir im Abendmahl im Brod den natürlichen Leib (natürlich im Gegenſatz zum verklärten), wie er am Kreuz gehangen, und im Wein das natürliche Blut (wieder im Gegenſatz zum verklärten Blut), wie es in Chriſti Adern gefloſſen, em⸗ pfangen“; — und er (nemlich der Miſſionsbote) nennt dies natürlich nach ſeiner von ihm in den eingeklammerten Worten dargelegten Auffaſſung einen Genuß in materieller und auf kapernaitiſche Art und Weiſe. Der liebe Leſer wird mir erlauben, daß ich den erwähnten Artikel wörtlich anführe, wie er in meiner Conſtitution, welche ſich ein Ge— meindeglied zum Leſen von mir ausgebeten, lautet: „§ 7. Das heilige Abendmahl. Das heilige Abendmahl ſoll wenigſtens alle Vierteljahr nach vorangegangener Beichte ge⸗ feiert werden. Jeder, der zum Tiſch des HErrn gehen will, hat ſich vor der Beichte bei dem Beichtvater anzumelden und der liebreichen Er⸗ mahnung zu einem würdigen Hinzugehen, ſo wie auch dem nöthigen Unterricht von dieſer heiligen Handlung zu unterziehen nach § 25 der unge⸗ änderten Augsburgiſchen Confeſſion. „Glieder der reformirten Kirche können nur dann bei uns das heilige Abendmahl empfaͤngen, ſo ſie wenigſtens vor dem Kirchenrath ihren Zu⸗ tritt zur lutheriſchen Gemeinde erklären, und die Lehre vom heiligen Abendmahl, wie ſie die luthe⸗ riſche Kirche nach dem Worte Gottes bekennt, annehmen. Die Lehre iſt: Daß es der rechte, natürliche Leib JEſu Chriſti ſei, der am Kreuze gehangen, und das rechte natürliche Blut, das aus Chriſti Seite gefloſſen, welches mit Brod und Wein mündlich, doch aber in unerforſch⸗ licher und übernatürlicher Weiſe, empfangen werde. Daß Chriſtus in dieſer unerforſchlichen Weiſe im Abendmahl gegenwärtig ſei, und von den Unwürdigen ſowohl, als von den Würdigen genoſſen werde. Wer ſolches nicht glaubt, ſon⸗ dern dieſes heilige Sacrament nur als Bedeu⸗ tung oder Gedächtniß, oder als eine blos geiſtliche Nießung des blos im Himmel herr⸗ ſchenden IEſu Chriſti anſieht, wird von der lutheriſchen Kirche als dem Worte IEſu ungläu⸗ big angeſehen und, weil der Genuß des heiligen Abendmahls auch ein Bekenntniß einer Gemeinde iſt (zum Bekenntniß gehört), vom Abendmahl ferne gehalten.“ — Dies alſo iſt das „Extrem“, nach welchem ich freilich ſtreng handle und darob die liebe Union und ihre Nachbarin, die reformirte Kirche, arg erzürne, auch ſehen muß, wie die Unirtgeſinnten dieſe neue Weiſ', wie ſie's nennen, fliehen und mich mit den dummen Lutheriſchen allein laſſen!! Allein, jeder lutheriſche Chriſt muß dieſes Ver⸗ fahren ehrlich heißen, wenn's auch der Miſſions⸗ bote & Co. Unredlichkeit und Liebloſigkeit ſchilt. Aber warum iſt er denn ſo unredlich und ſagt nicht, daß die eingeklammerte Bemerkung „na⸗ türlich im Gegenſatz zum verflärten Leib“, und wieder „im Gegenſatz zum derklärten Blut“, ſeine Arbeit iſt, wie ſolches zu bemerken eines Redacteurs Pflicht iſt? denn wenn ſolches gethan worden wäre, wäre ich nicht im Verdacht als Irrlehrer. Weil er mich aber ſchon bei meiner, der Mi⸗ chigan⸗Synode, als einen eigentlichen Sectirer wegen des Ausdrucks „natürlicher Leib“ verklagt und als ſolchen betitelt hat, der ſeine Unwiſſenheit mit dem Altlutherthum zudeckt; und von den altlutheriſchen Schreiern erwähnt, auf deren Standpunkt Cronenwett und ich als Nichttheologen (für welche er die Glieder der Miſſouri⸗Synode ebenfalls ausſchreit) ſtehen, ſo muß ich doch über das Wort „natürlich“ Rechen⸗ ſchaft geben. 1. Der Ausdruck „natürlicher Leib“ iſt lutheriſche Kirchenlehre und findet ſich in Cap.7 der Concordienformel zweimal, ebenſo Art. 1 der ſächſiſchen Viſitationsartikel. Ich ſtehe nun, dem Wort nach, auf dem Standpunkt der lutheriſchen Kirchenlehre, die ſeit bald 300 Jahren bei allen rechtgläubigen Lehrern Geltung hat. Ich gehöre einer Synode an, die nach ihrer neuen Conſtitu⸗ tion rückhaltsloſe Anerkennung der ſämmt⸗ lichen ſymboliſchen Bücher der evangeliſch⸗luthe⸗ riſchen Kirche verlangt, und deshalb keinen Pre⸗ diger annimmt, der unirte Geineinden, als ſolche, bedient. Endlich bekenne ich mich nicht nur von Herzen zu den ſämmtlichen ſymboliſchen Büchem der lutheriſchen Kirche, ſondern bin bei meiner Einführung in meine beiden Hauptgemeinden auf die ſämmtlichen ſymboliſchen Bücher der lutheriſchen Kirche verpflichtet worden. Nun aber ſagt der Miſſionsbote in ſeinem Brief gegen mich an die Synode: „Ihr habt eine Conſtitution entworfen, die nichts anderes hervorrufen kann, wenn ſie angenommen wird, als eine lutheriſche Sectt, deren es heut zu Tag ſehr viele gibt; wenn Ihr Euch wieder auf die Concordienformel verpflichten laſſet, ſo kann ich nicht mehr mit Euch einig ſein, denn ich bin es feſt überzeugt, daß die Union auch in Amerika durchgehen wird. Auf Eurem Standpunkt ſteht Ihr wie eine Secte, die nur in Wenigem von der altlutheriſchen Secte verſchieden iſt.“ Nimmt mich doch Wunder, wie der Miſſionsbote auch hier ſo urtheilen kann, da er doch noch kein Wort von der neuen Conſtitu⸗ tion der Synode geleſen hat! Aber er hat von der rückhaltsloſen Verpflichtung auf die ſymbo⸗ liſchen Bücher der lutheriſchen Kirche gehört, und wie er denen ſo feind iſt, hat er in ſeinem Blatt No. 3 hinreichend bewieſen; aber wenn er das Concordienbuch um Geld und Gewinns willen verkaufen kann, dann dürfen nach ſeiner Anſicht