# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 31_S198 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) machen laſſen. Wahrlich, der Glaube iſt eine zu ernſte Sache, als daß man, nur um den Schaden Joſephs (den Vorwurf der Uneinigkeit) zu decken, damit Heuchelei treibt, oder gar die evan⸗ geliſch-lutheriſche Kirche, wie den Joſeph, an Egypter verkauft. Das wäre erbärmlich, wenn zwei Kirchengemeinſchaften, um eine trüge⸗ riſche Einigkeit zuwege zu bringen, mit einan⸗ der anfingen zu handeln und zu markten über das, was man ſich gegenſeitig nachgebe oder auf⸗ bürde! 4. Doch, es iſt noch ein vierter Weg, auf dem man ſich zu vereinigen meint, und der will der großen Menge am beſten gefallen. Das wäre eine Union, wo man nur äußerlich zuſammen tritt, im Grunde aber gar nicht über den Glau⸗ ben ſucht einig zu werden, ſondern vielmehr jeder bleibt, was er iſt: wer lutheriſch geſinnt iſt, bleibt lutheriſch; wer reformirt geſinnt iſt, bleibt reformirt; wer ſeine eigne Meinung in der Reli⸗ gion macht, bleibt nach wie zuvor. In einer Union von dem Schlag gehen ſie alle an denſel⸗ ben Communion⸗Tiſch, und eſſen und trinken, und jeder denkt, was er will: der Lutheraner, er empfange des HErrn Leib und Blut; der Refor⸗ mirte, er empfange ein Zeichen; der Eine, er bringe Gott ein Opfer; der Andere, er empfange von Gott eine Gnade. Jeder nach Belieben. — Grauet dir nicht vor einer Kirche, wo das alles ſo ſein wird von Rechts wegen? Soll ich ſa⸗ gen, wie mir das vorkommt? Man erzählt, daß in dem ehebrecheriſchen Geſchlechte, wo die heilige Ehe oft nur eine Speculation iſt, manchmal die Rede geht: „Ziehe du deine Wege, und mache, wie's dir gut deucht; — ich gehe meinen Weg; nur wollen wir Acht haben, daß es keinen Scan⸗ dal gibt.“ Iſt das nicht ein luſtig Haus, wo von Rechts wegen Gläubige und Ungläubige zuſammen hauſen, und wo man ſchön eins wird, ſich gegenſeitig Irrthum und Wahrheit gut zu heißen, um des lieben Friedens willen? O, die falſchen Propheten, die rufen Friede! Friede! und iſt doch nicht Friede. Lieben Brüder, das iſt die Union, die man euch anempfiehlt! Es ſcheint eine ſo unſchuldige und leichte Sache zu ſein, wenn man zuſammen⸗ treten, die Bruderhand ſich reichen und doch blei⸗ ben kann, was man iſt. — Nun, den Fall geſetzt, es wäre redlich gemeint: meint ihr wohl, daß es der Mühe lohnt, ſo großen Lärm zu machen, da⸗ mit alles beim Alten bleibe? Da iſt ja das Sicherſte, man läßt das Uniren oder geht wieder, wo es geſchehen, aus ſolcher Union heraus; denn, zum Andern, hält eine ſolche Union nicht, was ſie verſpricht. Gott ſei Dank! oder Gott ſei's geklagt! wir brauchen nicht erſt auf die Zukunft zu warten, um die Früchte einer ſol⸗ chen Union zu ſehen. In mehreren Landen Deutſchlands hat man die Probe gemacht, beſon⸗ ders in Preußen, und, nachdem nun das Ding allbereits dreißig Jahre beſtanden, iſt's Vielen ſo verleidet, daß ſie das fatale Unionsband wie⸗ der auflöſen. So viel iſt gewiß, daß, wenn dort heute die Union ſollte gemacht werden, ſie nicht mehr zu Stande 19⁷ käme. Werdet durch fremden Schaden klug! Dort in Preußen hat man eben alſo unirt, daß die Lutheriſchen ſollten ungeſtört lutheriſch, und die Reformirten reformirt bleiben; aber nicht lange, ſo zeigte das Thier das verſteckte Ohr. Reformirte Prediger kamen von Rechts wegen in evangeliſch⸗lutheriſche Gemeinden; zweideutige Abendmahls⸗Liturgie wurde eingeführt. Die Lutheraner wurden verfolgt und ſind zu Tauſen⸗ den nach Amerika und Auſtralien ausgewandert. Das ſind die Früchte ſolcher Union! Forſchet im Unter⸗Elſaß nach! Dort kommen heute noch ehemalige Lutheraner aus dem unirten Rhein⸗ baiern und Baden, um in unſeren Kirchen das heilige Abendmahl nach ihrem Glauben zu empfangen; denn dieſen armen Leuten iſt's in manchen ihrer Kirchen unheimlich geworden ob der neuen Lehre und dem neuen Weſen. Viele andere gehen gar nicht mehr zum heiligen Abendmahl. Wann aber in euren eigenen Kirchen es auch euch einmal fremd und unheimlich wird? wenn ihr trauret über neues Weſen, neue Sitte und Gebräuche? wenn ihr ſeid mißtrauiſch gewor⸗ den? Wie dann? Oder glaubt ihr, daß, wenn die Union einmal zu Wege gebracht iſt, es bei euch wird beim Alten bleiben? Thörichte Hoff⸗ nung! Dann kommen Geſetze und Ordnungen der Kirche, wie die Mehrzahl für gut findet. Dann werden die jungen Pfarrer von Rechts wegen im frem den neuen Geiſte erzogen. Dann werdet ihr bittere Klage führen; aber zum lei⸗ digen Troſte wird euch die Antwort: „Das Alte iſt abgeſchafft, wir ſind jetzt eine neue Kirche!“ Wenn jetzt zu euch ein Pfarrer kommt, ſo denkt ihr: er iſt in unſerer Kirche geboren und erzogen, er ſoll daher fortbauen und fortarbeiten, wie es von den Glaubens vätern her geſchehen; — iſt es ja nur eine neue Perſon, aber immer muß er die alte Lehre bringen. Dem vertraut ihr euch und eure Kinder getroſt an; ihr denket: er ſoll uns dieſelbe geiſtige Nahrung, denſelben Troſt, dieſel⸗ ben Ermahnungen, die unſere Väter aukgerichtet und geſtärkt haben, auch reichen; er wird kein Betrüger, kein Neuling, kein Modemann in Reli⸗ gionsſachen ſein. Nun denkt euch in die Union: Es kommt ein neuer Pfarrer in die Gemeinde; habt ihr da auch die Zuverſicht, daß er eins iſt mit dem Glauben der evangeliſch-lutheriſchen Kirche? Nein! die unirte Kirche hat kein evangeliſch— lutheriſches Bekenntniß und fordert kei— nes; ſie iſt aus verſchiedenen entgegengeſetzten Meinungen zuſammengeſetzt; ſtatt dem „Ja, ja, Nein, nein“, wie es der HErr verlangt, gilt Ja und Nein von Rechts wegen! Wer weiß? der neue Pfarrer denkt alsdann ganz anders, denn ihr mit euren alten Büchern! da werdet ihr miß⸗ trauiſch. Und wie kann die Seelſorge einen gu⸗ ten Fortgang nehmen, wie können die Lehren und Ermahnungen und Tröſtungen fruchten, wo kein Vertrauen iſt? Wißt ihr, was dann geſchieht? Es wird euch fremd in eurem eigenen Kirchenſtuhle; ihr müßt um des Gewiſſens willen austreten, von der neu⸗ gemachten Miſchungskirche ſcheiden, und, wäh⸗ rend ihr der alten Kirche treu bleibet, zuſehen, wie Andere nun ſchalten und walten in dem, was Euer war! Wo iſt dann die Einigkeit, der man ſo viel Opfer bringt? Hat die Trennung aufgehört? Nein, ſie iſt nur ärger geworden. Oft ſchon haben Leute lang in Frieden und in Freundſchaft gelebt, bis ihnen einkam, das Freundſchaftsband enger zu ſchließen, und in einer Stube zuſammen zu wohnen und an einem Tiſch zu eſſen und in einem Lager zu ſchlafen. Jetzt erſt brach unter ihnen der Krieg aus; ſie wurden gewahr, daß ſie nicht von Grund des Herzens einig waren. So wird es gehen in einer Union, die nicht in der Wabrheit und im Glauben eins iſt. Anſtatt Ein⸗ tracht wird Zwietracht daraus eniſtehen. Sagt doch, lieben Brüder: warum ſolltet ihr auf eine Union dringen? Iſt's euch nicht mehr wohl im alten Glauben? Iſt unſere alte Kirche des Zeugniſſes ſo ſchlecht, daß wir eine andere bauen ſollen? Iſt unſer Name „evangeliſch⸗ lutheriſch“ ſo unehrlich, daß wir deſſen uns ſchä⸗ men und einen andern annehmen ſollten? Woll⸗ ten wir das ſichere Gute, das wir haben, hingeben für's Ungewiſſe, das ſo viel weniger werth iſt? Soll denn die Veränderungsſucht in das unver⸗ änderliche Heiligthum dringen? Iſt's nicht beſſer, wir behalten, was wir ha⸗ ben, und ſorgen und kämpfen dafür, daß Pfarrer und Laien unſerer Kirche es wieder erkennen, glauben und recht „haben“ lernen? Laßt ſie immerhin ſchreien: „Das Alte iſt nichts mehr nütze; man muß einen neuen Bau aufführen, der beſſer für unſere aufgeklärte Zeit paßt!“ Oh, die Zwerglein, die etwas anderes machen wollen, als was die Männer Gottes, von der augsbur⸗ giſchen Confeſſion an, gegründet, und was für ſo viele Tauſende Licht und Kraft und Troſt gewor⸗ den iſt. Haltet feſt, ihr Brüder, am Kleinod unſerer Kirche, ſie ſteht auf dem Einen Grunde, der ge⸗ legt iſt, welcher iſt Chriſtus; und was darauf bekenntnißtreu gebaut, iſt eben gus dieſem Grunde emporgewachſen; was man wegſchaffen will, iſt nicht Menſchenzuihat, ſondern der Eck⸗ ſtein und des Eckſteins Weſen. Aber es wird ſich als wahr erweiſen, was geſchrieben ſteht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, iſt zum Eckſtein worden. Wer (bei dem Nieder⸗ reißen des Glaubensbaues) auf dieſen Stein fällt, der wird zerſchellen, auf welchen „Er“ aber fällt, den wird Er zermalmen. (Matth. 21, 42. 44.) Noch ein Wort zum Schluß. Ihr ſaget viel⸗ leicht: du haſt nicht nur zu beweiſen geſucht, daß eine Union jetzt nicht an der Zeit iſt, ſondern, daß ſie gar nie geſchehen ſoll; was gegen das Wort Chriſti wäre: „Es ſoll eine Heerde und ein Hirte ſein.“ Wer aber zuviel beweiſet, be⸗ weiſet nichts. Darauf iſt das die Antwort: erſtlich, die „eine Heerde und der eine Hirt“ iſt ſchon geworden durch die Vereinigung der Hei⸗ den mit den Juden, vermittelſt des Evange⸗