# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 31_S194 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) er Lutheraner. — —.— —.— „Gottes Mort und Juthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen enangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Belligirt von C. E. W. Wulther. Zahrgang 6. St. Louis, No., den 6. Ruguſt 1850. No. 25. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſigeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. ind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. Dr. Martin Luthers Brief an zwei Pfarr⸗ herren, von der Wiedertaufe. Anno 1528. (Fortſetzung.) 31. Aufs dritte, ſagt man, welches ich denn auch geleſen habe, daß ſie ſich gründen auf dieſen Spruch: „Wer da gläubet und ge⸗ tauft wird, der ſoll ſelig werden“, Marc. 16, 16. Aus dem wollen ſie nehmen, daß man niemand täufen ſolle, er gläube denn zuvor. Hie ſage ich, daß ſie ſich gar großer Vermeſſenheit unterwinden. Denn wo ſie ſolcher Meinung folgen wollen, ſo müſſen ſie nicht ehe täufen, ſie wiſſen denn gewiß, daß der Täufling gläube. Wie und wenn wollen ſie doch das immermehr wiſſen? Sind ſie nun zu Göttern worden, daß ſie den Leuten ins Herz ſehen kön⸗ nen, ob ſie gläuben oder nicht? Wiſſen ſie nun nicht, ob ſie gläuben, warum täufen ſie denn, weil ſie ja ſo hart fechten, der Glaube muß vor der Taufe ſein. Thun ſie nicht fein hie wider ſie ſelbſt, daß ſie täufen, da ſie nicht wiſſen, ob Glaube da ſei oder nicht? Denn wer die Taufe auf den Glauben gründet, und täufet auf Eben⸗ theuer, und nicht gewiß iſt, ob Glaube da ſei, der thut nichts beſſers, denn der ohne Glauben täu⸗ fet: denn Unglaube und ungewiſſer Glaube iſt gleich viel, und iſt alles beides wider dieſen Spruch: „Wer da gläubet“; welcher redet vom gewiſſen Glauben, den der Täufling haben ſoll. 32. Ja, ſprichſt du, er bekennet, daß er gläube ꝛc. Lieber, laß bekennen hin und her; der Tert ſpricht nicht: Wer da bekennet, ſondern: „wer da gläubet“. Sein Bekennt⸗ niß haſt du wohl; noch weißt du ſeinen Glauben nicht, und kannſt damit deinem Verſtande nach dieſem Spruch noch nicht genug thun, du weißeſt denn auch ſeinen Glauben, weil „alle Men⸗ ſchen Lügner ſind“, Pſ. 116, 11., und „allein Gott die Herzen kennet“, 1 Kön. 8, 39. Darum wer die Taufe will gründen auf den Glauben der Täuflinge, der muß nimmer⸗ mehr keinen Menſchen täufen: denn wenn du gleich einen Menſchen hundertmal täufeſt einen Tag, dennoch weißt du keinmal, ob er gläube. Was treibeſt du denn mit deinem Wiedertäufen, weil du wider dich ſelbſt thuſt, und taufeſt, da du keinen Glauben gewiß weißeſt; und lehreſt doch, der Glaube müſſe gewiß da ſein. Alſo ſtehet dieſer Spruch („wer da gläubet“) gar ſtark wider ihre Wiedertaufe, weil der Spruch von ge⸗ wiſſem Glauben redet, und ſie ihre Wiedertaufe auf ungewiſſen Glauben gründen, und thun nicht einen Buchſtaben nach dem Spruch. 33. Eben alſo auch rede ich vom Täuflinge, wo er die Taufe auf ſeinen Glauben gründet oder empfähet: denn er iſt ſeines Glaubens auch nicht gewiß. Denn ich ſetze gleich, daß ſich ein Mann heute laſſe wiedertäufen, als der ſich dünken und anfechten läſſet, er habe nicht ge⸗ gläubet in der Kindheit: wohlan, wenn morgen der Teufel kommt, ſicht ſein Herz an, und ſpricht: Awe, jetzt fühle ich erſt rechten Glauben, geſtern habe ich wahrlich nicht recht geglaubt! wohlauf, ich muß mich abermal zum dritten täufen laſſen, und muß alſo die andere Taufe auch nichts wer⸗ den. Meineſt du, der Teufel könne ſolches nicht? Ja, lerne ihn baß kennen; er kann wohl mehr, lieber Freund. 34. Weiter, wenn er nun alſo auch die dritte Taufe anföchte; item, alſo fortan die vierte, ohne alles Aufhören (wie er denn auch im Sinn hat zu thun), gleichwie er mir und vielen ge⸗ than hat mit der Beichte, da wir auch einerlei Sünde nimmermehr konnten genug beichten, und immer eine Abſolution nach der andern, einen Beichtvater über den andern ſuchten, ohne alle Ruhe und Aufhören, darum, daß wir auf unſer Beichten uns gründen wollten, gleichwie ſich jetzt die Täuflinge auf ihren Glauben gründen; was ſollte wohl daraus werden? Ein ewiges Täufen, und kein Aufhören würde daraus. 35. Darum iſts nichts. Es kann weder Täu⸗ fer noch Täufling die Taufe auf den Glauben gewiß gründen: und iſt alſo dieſer Spruch gar viel ſtärker wider ſie, denn wider uns. Und das ſind ſie, die nicht wollen den Men⸗ ſchen gläuben, die da Zeugen ſind ihrer Taufe; und hie gläuben ſie ihnen ſelbſt als Menſchen, daß ſie getauft ſein: gerade als wären ſie nicht Menſchen, oder als wären ſie ihres Glaubens ge- wiſſer, denn das Zeugniß der Chriſten⸗ heit iſt. 36. Darum ſchließe ich wider ſie: Wollen ſie dieſem Spruch („wer da gläubet“) gnug thun, ihrem Verſtande nach, ſo müſſen ſie die Wiedertaufe viel mehr verdammen, denn die erſte. dem Glauben, daß oft der, ſo da mei⸗ net, er gläube, nichts überall gläube: und wiederum, der da meinet, er gläube nichts, ſondern verzweifele, am aller— meiſten gläube. So zwinget dieſer Spruch („wer da gläubet“) uns nicht, zu wiſſen, wer da gläube oder nicht, ſondern ſtellets jeder⸗ mann heim in ſein Gewiſſen, wolle er ſelig wer⸗ den, ſo müſſe er gläuben, und nicht heucheln, als wollt er an der Taufe genug haben, daß er Chriſten ſei. Denn er ſpricht nicht: wer das weiß, daß er gläubet, oder wenn du weißt, daß jener gläubet; ſondern, „wer da gläu⸗ bet“. Wers hat, der hats. Gläuben muß man; aber wir ſollen noch könnens nicht gewiß wiſſen. 37. Weil denn ſolche unſere Taufe von An⸗ fang der Chriſtenheit geweſen und gehalten iſt, daß man Kinder täuft, und niemand mit gutem gewiſſen Grunde kann beweiſen, daß da kein Glaube ſei geweſen, ſo ſollte man ja ſolches nicht ändern und auf ſo ungewiſſen Grund bauen. Denn was man ändern oder ſtürzen will, ſo von Alters her iſt gebraucht, das ſoll und muß man beſtändiglich beweiſen, daß wider GOttes Wort ſei. Sonſt, „was nicht wider uns iſt, das iſt für uns“ (ſpricht Chriſtus Marc. 6, 38. Luc. 9, 49.). Gleichwie wir Klöſter und Meſſen und der Geiſtlichen Keuſchheit auch geſtoßen haben; Und kann weder Täufer noch Täufling beſtehen mit ſeiner Meinung; denn ſie alle beide des Glaubens ungewiß ſind, oder je zum wenig⸗ ſten in der Gefahr und Anfechtung ſtehen. Denn es kommt, ja gehet alſo zu mit