Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 21 › Seite 168
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-08, Seite 168
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ablaß 2 · Bibelleſen 41
Abendmahl nur Brod und Wein oder Zeichen
des abweſenden Leibes und Blutes genoſſen
werden, und daß es dem Glauben vorbehalten
iſt, ſich in den Himmel zu erheben, um dort Chri⸗
ſtum durch des Heiligen Geiſtes Wirkung ge⸗
nießen zu können. Wenn nun der Herr Heraus⸗
geber mit dieſer Lehre einverſtanden iſt, ſo ſind
unſere Schlüſſe ja nicht falſch, ſondern von ihm
ſelbſt als wahr gerechtfertigt. Wenn er uns
Lutheraner aber Capernaiten nennt, weil wir uns
einfältig an das Wort des HErrn: „Das iſt“
halten, ohne das „Wie“ ergrübeln zu wollen,
ſo mag er zuſehen, wie er um dieſer Schmach
willen, die er dem HErrn anhängt, fertig
wird, denn Er hat's geſagt, und wir glauben
Ihm.
Was endlich unſere „Unehrlichkeit“ betrifft, ſo
wollen wir es uns gern gefallen laſſen, wenn der
Herr Herausgeber unſern Austritt aus der Union
ſo zu nennen beliebt; meint er aber eine andere,
ſo beweiſe er, oder wer es vermag, ſolche, ehe er
ſo gewiſſenlos falſch Zeugniß redet. Zu jenen
Erklärungen im Lutheraner wurden wir durch
die Unehrlichkeit unſerer Gegner gezwungen, die
dieſe Sache nicht der Wahrheit gemäß berichte⸗
ten, ſondern, um ſelbſt rein zu erſcheinen, wie
„Adam und Eva“ die Schuld auf uns ſchoben.
Wollten die Herren, die uns Lutheranern, weil wir
ehrlich mit dem Wort und nach dem Wort mit
den Menſchen umgehen, immer Haß und Ver⸗
leumdung vorwerfen, ſich etwas beſſer zu Hauſe
umſehen mit redlichem Herzen, ſo würden ſie bei⸗
des heute noch da finden, wo ſchon der ſelige Jo⸗
hann Gerhard ſie fand, der vor ſeinem Ende zu
ſeinem Sohne ſagte: „Und hüte dich ja vor den
Synkretiſten (Glaubensmengern), denn ſie ſind
weder Gott noch Menſchen treu.“ In Verbin⸗
dung mit dieſen Worten möchten wir dem Herrn
Herausgeber nur noch die Frage vorlegen: Haben
Sie ſchon lange getrachtet, ein guter „Evange⸗
liſcher“ Chriſt zu werden, warum ſuchten Sie
denn dieſe Ihre Abſicht unter dem Namen „Lu⸗
theriſch“ zu bergen? Wenn Sie der ehrliche
Mann ſind, der Sie nach Ihrer Erwiderung ſein
wollen, warum lieferten Sie dieſen Beweis von
Ehrlichkeit nicht?
In Liebe
J. J. F. Auch.
F. Maier.
(Eingeſandt.)
Kirchliche Nachricht.
Aus der erſten Nummer dieſes Jahrgangs
werden ſich die lieben Leſer des „Lutheraners“
erinnern, daß Herr Paſt. J. Trautmann, nachdem
ſeine frühere Gemeinde in Danbury, Ottawa
County, Ohio, ihm durch ihr offenbares und be⸗
harrliches Widerſtreben gegen Gottes Wort ge⸗
rechte Urſache gegeben hatte, ſie zu verlaſſen, dem
Rufe, der von meinen Gemeinden an ihn ergan⸗
gen war, in Gemeinſchaft mit mir die geiſtliche
Pflege derſelben zu übernehmen, freundlich Folge
leiſtete. Leider muß ich jetzt einen abermaligen
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Amtswechſel dieſes theuren Bruders melden.
Derſelbe hat nemlich einen neuen Ruf an zwei
lutheriſche Gemeinden in Michigan, die eine in
Adrian, Lenawee Co., die andere in Hillsdale,
im County gleiches Namens, angenommen und
iſt, nachdem er ſeit dem 1. September v. J. als
mein Amtsgenoſſe im enaſten Sinne des Worts
mir treu zur Seite geſtanden hat, bereits dahin
abgereiſ't.
So ſebr ich bei dieſem Verluſt, deſſen zu ge⸗
ſchweigen, was ich ſelbſt dadurch erleide, für die
mir nun wieder allein befohlenen Gemeinden
herzlich bekümmert bin, da nicht nur die Seelen
zahl derſelben, ſondern auch örtliche Verhältniſſe,
beſonders im Winter eine Verdoppelung der Lehr⸗
kräfte in Kirche und Schule faſt nothwendig ma⸗
chen; ſo erkenne ich doch wohl, daß die Rückſicht
auf mein einzelnes Arbeitsfeld dem unterzuordnen
iſt, was die ganze Ernte erheiſcht, zumal der Ar⸗
beiter ſo wenig ſind. Auf ſchmerzliche Weiſe wird
mir aber dieſe Selbſtverleugnung dadurch geboten,
daß meine Gemeinden die ihr ſeit Herrn Paſt.
Trautmanns Berufung reichlicher als früher dar⸗
gebotenen Heilsmittel nicht in dem Maße benutzt
haben, wie ich erwartet hatte, ja daß ſogar gerade
der verſtärkte Hall des Wortes Gottes das Wider⸗
ſtreben Vieler nur offenbarer gemacht und die
Zahl derer, welche treu bei der Wahrheit verhar⸗
ren, bedeutend verringert hat. Wenn dennoch
dieſe Letzteren herzlich wünſchten den ihnen lieb
und theuer gewordenen werthen Knecht des HErrn
behalten zu können, und ihre Bereitwilligkeit, dies,
ſo weit es an ihnen lag, möglich zu machen, auf
die rührendſte Weiſe bezeigten, ſo wird das allen
Freunden unſrer theuren Kirche ein willkommenes
Zeugniß von der Gnade ſein, mit welcher der
HErr die kurze, aber trotz vieler häuslicher Leiden
und der ſchmerzlichen Rückerinnerung an die vor
menſchlichen Augen fruchtlos gebliebene Arbeit
früherer Jahre durch große Treue ausgezeichnete
Dienſtzeit unſeres im Ofen der Trübſal wohl⸗
durchläuterten lieben Bruders hier geſegnet hat.
Liverpool, Medina Co., O., am 17. Mai 1850.
K. Röbbelen.
(Eingeſandt.)
Kirchliche Nachricht aus Miſſouri.
Am letztvergangenen Sonntag Rogate, den 5. Mai d. J.,
war die feierliche Einweihung der neuerbauten evangeliſch⸗
lutheriſchen Kirche zu Bremen, einer nördlich gelegenen Vor⸗
ſtadt von St. Louis, und zugleich der Amtsantritt des an
dieſe Kirche berufenen Paſtors, Herrn Hermann Fick aus
Neu⸗Melle. Die Regierung Gottes hat ſich bei der Grün⸗
dung einer Gemeinde und der Erbauung einer Kirche in
Bremen recht deutlich kund gegeben. Bremen hat zwar
meiſt deutſche Einwohner, von denen eine große Anzahl von
Deutſchland aus zur lutheriſchen Kirche gehören; es wurde
auch von dem Einen und dem Andern gewünſcht, daß eine
lutheriſche, oder auch eine proteſtantiſche (rationaliſtiſche)
Kuche und Schule entſtehe; aber es blieb eben bei dem
Wunſche, indem diejenigen, die noch einiges kirchliches In⸗
tereſſe hatten, zu den Unbemittelten gehörten und auch die
Anſichten ſo verſchieden waren, daß nach einigen eine luthe⸗
riſche, nach andern eine evangeliſch⸗unirte, nach andern eine
freie proteſtantiſche Kirche gebaut werden ſolle. Man hatte
auch Gelegen heit, in dem nahen St. Louis eine Kirche je
nach ſeinen Anſichten zu finden, und beſuchte dieſelbe. Um
dem Städtchen aufzuhelfen, erbot auf einmal der erſte Be⸗
gründer von Bremen, ein Deutſcher, etwas Anſehnliches
zu einem Kirchenlot beizutragen; und dieſes Anerbieten ge⸗
langte zunächſt an die lutheriſche Gemeinde in St. Louis.
Man erkundigte ſich von hier aus weiter nach der Sache.
Und obſchon mehr eine vereinigt-proteſtantiſche Kirche ge⸗
wünſcht wurde, ſo ſollte doch ein anſehnliches Lot geſchenkt
werden, auch wenn von Lutheranern in einer gewiſſen Zeit
eine ſteinerne Kirche erbaut werden würde. So erfreut nun
auch die lutheriſche Gemeinde in St. Louis war über dieſe
Gelegenheit, das Reich Gottes ausbreiten zu helfen, ſo konnte
ſie doch in damaligen Umſtänden den Bau einer dritten
Kirche nicht unternehmen, mumal auch nur Ein wirkliches
Glied ihrer Gemeinde in Bremen wohnhaft war, und nur
von einigen andern aus Bremen die lutheriſche Immanuels⸗
kirche in Nord St. Louis von Zeit zu Zeit beſucht wurde.
Dazu war auch das dargebotene Lot nicht ſo angenehm. Und
ſo ſchien ſich die Sache zu zerſchlagen. Doch wunderbar!
Bald darauf wurde von einem Amerikaner ebenfalls ein
Kirchenlot für die deutſchen Proteſtanten in Bremen ange⸗
boten, und auch dieſes Anerbieten gelangte zunächſt an Glie⸗
der der lutheriſchen Gemeinde in St. Louis. Es wurden
nun von St. Louis aus die Lutheraner in Bremen auf⸗
geſucht und zu einer Verſammlung in einem Privathauſe
zuſammenbeſtellt. Man ging damit um, eine rein lutheriſche
Gemeinde auf die St. Louiſer Gemeindeordnung zu gründen.
Zwölfe waren willig. Sie nahmen die vorgelegte Gemeinde⸗
ordnung an, unterzeichneten ſie, wählten aus ſich zwei
Truſtees; und nun erklärte man dem freigebigen Ameri⸗
kaner: es ſei ein lutheriſches Gemeinlein zuſammengetreten,
wolle das Geſchenk in Empfang nehmen und die geſtellte
Bedingung erfüllen, innerhalb ſechs Monaten eine Kircht
von vierzig Fuß Länge zu erbauen. Derſelbe gab denn auch
den gerichilich documentirten Kaufbrief für die deutſche
evangeliſch-lutheriſche Gemeinde U. A. C. zu Bremen aus
und ſchenkte alſo ein ſchönes Ecklot von 60 Fuß Front und
120 Fuß Tiefe, an Werth von 800 Dollars, dieſem ganz
armen Gemeinlein. Wie ſollte nun das verlangte Kirch⸗
gebäude zu Stande kommen? das war eine andre Frage.
Von den zwölf Gemeindegliedern traten bald einige wieder
zurück, da ſich eine evangeliſch⸗proteſtantiſche Gemeinde von
80 Gliedern conſtituiren wollte, die vor Menſchen mehr
Ausſicht hatte, eiwas zu Stande zu bringen. Dazu kam
nun noch im vorigen Jahre der große Brand von St. Louis
und die Cholera, die auch in Bremen viele Opfer forderte.
Es lag alles darnieder. Es verſtrich ein Monat nach dem
audern. Und man ſing an zu fürchten, das Geſchenk werde
wieder zurückgenommen werden, weil die Bedingung nicht
erfüllt werden könne. Allein, was Gott haben will, das
muß doch endlich kommen zu ſeinem Zweck und Ziel. Nach⸗
dem der liebe Gott unſre Gegend von der Cholera wieder
befreit hatte, trat einer von den erwählten Kirchen-Truſtees
in Bremen auf und erklärte: Er wolle dieſe Kirche noch
vor Winters bauen, Gott habe ihn und die Seinigen ſo
gnädig beſchützt, es ſei dieß nur ſeine Pflicht, ſich auch dank⸗
bar zu beweiſen und die dargebotene Gelegenheit, für Gottes
Reich zu wirken, nicht aus den Händen zu geben. Er be⸗
gann alſo das Werk. Und obſchon ſich manche darüber
freuten, ſo fehlte es doch auch nicht an allerlei ſpöttiſchen
Bemerkungen; denn man wußte wohl, wie ſo gar keine
Mittel vorhanden waren und doch viele erfordert wurden.
Der Erbauer collectirte mit einer Bittſchrift in Bremen und
St. Louis; und ſiehe, er bekam nicht nur manches reichliche
Geſchenk, ſondern es wurden ihm auch einige Capitalien
geliehen. Und ſo kam in der Stille noch vor Einbruch des
Winters ein ſchönes maſſives, zweiſtöckiges Haus zu Stande,
das einſtweilen zur Kirche und Schule benutzt, und ſpäter,
wenn Gott Segen gibt, und eine eigene größere Kirche auf
dem aufbewahrten vordern Platze erbaut werden kann, allein
zur Schule und Predigerwohnung eingerichtet werden ſoll.
Während des Winters wurde inwendig alles wohl aus⸗
gebaut. Und ſo gern man ſchon zu Oſtern die Kirche ein⸗
geweiht hätte, ſo verzog ſich jedoch die Einweihung bis vier⸗
zehn Tage vor Pfingſten, weil Paſtor Fick nicht eher ſein
Amt in Neu-Melle, St. Charles Co., Mo., verlaſſen konnte,
bis dasſelbe von einem andern rechtgläubigen Prediger ver⸗
ſorgt ſein würde. Seitdem aber die Gemeinde in Neu-Melle
Herrn P. Adolph Klaus von Indiana berufen hatte, eilte er
hierher, ſeinen neuen Wirkungskreis anzutreten.“) Bei der
) Paſtor Klaus hielt ſeine Antrittspredigt, in Neu-⸗Melle am Sonn⸗
tag Cantate.
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