Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 21 › Seite 165

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-08, Seite 165

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Glaube 29 · Rechtfertigung 26

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len noch, um doch ſeinen Groll auszulaſſen, feige
beſchimpft und läſtert. Hier zu Lande ſcheint es
hingegen, daß ſie ihre Kampfesbahn von neuem
zu durchlaufen haben wird. Nun wohlan denn,
in Gottes Namen!

Gegen dieſe Eintrachtsformel ſind denn auch
die vier Pfeile des Miſſionsboten gerichtet, die
wir nun ohne weiteres näher ins Auge faſſen
wollen.

1. „Die Verdammungsurtheile der Concor⸗
dienformel ſind gegen den Geiſt des Evange⸗
liums“, ſo ſagt der Miſſionsbote. Da ihm nun
aber doch Galat. 1, 8. zu ſtark in den Weg tritt,
ſo fügt er hinzu: „Wohl ſpricht der Apoſtel Pau⸗
lus: Wer ein anderes Evangelium predigt, als
ich euch verkündigt habe, der ſei verflucht.“ Aber
um ſich dem Eindrucke dieſer Worte zu entziehen,
meint er, „wir müſſen unterſcheiden das Evange⸗
lium als die frohe Botſchaft, daß wir allein durch
IEſum gerecht und ſelig werden, und die verſchie⸗
denen Auffaſſungen von Glaubenslehren. Es
können zwei im Evangelio einig ſein, aber in der
Auffaſſung von Glaubensartikeln ſind ſie ver⸗
ſchieden.“ — O lieber Miſſionsbote, si tacuisses
etc., da du aber redeſt, und zwar ſo ungeſalzen
redeſt, ſo erkennt man nur zu gut, wer du biſt.
Nach deiner „Ueberzeugung“ iſt alſo das Evange⸗
lium weiter nichts, als „die frohe Botſchaft, daß
wir allein durch IEſum gerecht und ſelig wer—
den“. Nun darinn ſind freilich alle chriſtlichen
Secten einig, auch die vor einigen Jahren in
Deutſchland entſtandene Secte der Neukatholiken,
deren gottesläſterliche Lehre längſt offenbar iſt.
Auch ſie lehrt, daß der Menſch allein durch JEſum
gerecht und ſelig werde, weil nemlich IEſus zu⸗
erſt und allein den Menſchen den Weg der Ge⸗
rechtigkeit und des Lebens gewieſen habe, auf
welchem ſie nun nur (freilich in eigner Kraft und
Weisheit) froh fortzuſchreiten hätten. In dieſem
Evangelium ſind ſich freilich nicht nur zwei, ſon—
dern alle, auch die tollſten, Secten einig, aber „in
der Auffaſſung von Glaubensartikeln ſind ſie ver⸗
ſchieden“. Doch, was ſollte das ſchaden? „Auch
die Reformirte Kirche bekennt ja das Evangelium
von Herzen“, was ſollte es daher ſchaden, daß ſie
Gott läſtert und lehrt: Er (Gott) ſei eigentlich
Urheber der Sünde, er habe den Sündenfall ge⸗
wollt und vorher beſtimmt! Gott erbarme ſich
nicht aller ſeiner Geſchöpfe, er wolle nicht, daß
allen Menſchen geholfen werde und zur Er⸗
kenntniß der Wahrheit kommen (1 Timoth. 2, 4.),
ſondern er erbarme ſich nur eines Theils, alle
übrigen aber habe er zur ewigen Verdammniß
vorher beſtimmt! Was ſchadet es, daß ſie lehrt:
unſer ewiger Hoherprieſter, der da Mitleiden haben
kann mit unſrer Schwachheit, weil er verſucht
iſt allenthalben, gleichwie wir, doch
ohne Sünde (Hebr. 4, 15.), ſei nicht bei uns
alle Tage, bis an der Welt Ende (Matthäi 28,
20.), ſei nicht mitten unter uns, wo irgend wir
verſammelt ſind in ſeinem Namen (Matth. 18,
20.), ſondern ſei ſehr fern von uns oben im Him⸗
mel, und nur ein Theil von Ihm, dem Unzer⸗
theilten, ſeine Gottheit nemlich, ſei überall! Was
ſchadet es, daß ſie lehrt: Chriſtus habe zwar ge⸗

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ſagt: Nehmet hin und eſſet, das iſt mein Leib,
der für euch gegeben wird ꝛc., allein das müſſe
man nicht ſo verſtehen, wie es der Mund der
ewigen Wahrheit geredet hat; denn hienieden ge⸗
nieße man eben nur Brod und Wein; wolle man
was mehr haben, ſo müſſe man mit dem Glau⸗
ben ſich in den Himmel erheben und Chriſtum
dort genießen im Geiſte! Was ſchadet es, daß
ſie lehrt, die heilige Taufe ſei nicht das Bad der
Wiedergeburt (Tit. 3, 5.), in der heiligen Taufe
werden nicht unſre Sünden abgewaſchen (Apoſt.
Geſch. 22, 16.), ſondern die Taufe ſei nur „ein
göttliches Wahrzeichen und Verſicherung der Ab⸗
waſchung der Sünde“, die ganz unabhängig von
der Taufe geſchehe im Geiſt! — Was ſchadet all'
dieſe gottesläſterliche, und troſtloſe, und falſche
Lehre, wenn nur das Evangelium bekannt wird!
O heiliger Apoſtel Paulus, wie konnteſt du doch
gleich einen Hymenäus dem Satan übergeben,
weil er nur in dem Einen Glaubensartikel von
der Auferſtehung der Todten „verſchieden“ lehrte!
Hat doch auch er gewiß das Evangelium bekannt,
daß man „allein durch IEſum gerecht und ſelig
werde“. Und du, heiliger Jünger der Liebe,
St. Johannes, o daß du keine amerikaniſche
Unionsliebe hatteſt, ſondern ſo ſchroff warſt, daß
du einen Falſchgläubigen nicht ins Haus aufzu⸗
nehmen und nicht zu grüßen befahlſt, und mit
einem Cerinth ſo gar keine Gemeinſchaft haben
wollteſt, obgleich er doch auch in dem Evange⸗
lium mit dir einig war, daß man „allein durch
IEſum gerecht und ſelig werde“. Wahrlich, hät⸗
teſt du amerikaniſche Unionsliebe gehabt, du wärſt
nicht nur mit Cerinth, ſondern auch mit Baſili⸗
des, mit Valentinus und allen Gnoſtikern, und
mit Arius dazu „einig“ geweſen. Denn dieſe
Liebe kann alles lieben, auch was Gott und ſeine
Apoſtel haſſen und verwerfen. Dieſe Liebe kann
ſich über alles freuen, auch über die Unwahrheit
und Ungerechtigkeit. Ihr Unionsmantel iſt weit
genug, alle Secten zu umhüllen, und ihr ſynkre⸗
tiſtiſcher Hut breit genug, alle zu bedecken. Nur
für die Kirche von reinem Wort und reinem Sa⸗
crament und allerdings ſchriftgemäßem Bekennt⸗
niß hat ſie kein Herz und keine Duldung. Und
darum kann ſie auch die „Verdammungsurtheile“
d. i. die ſchriftgemäße Verwerfung der Irrlehre
nicht leiden. — Uebrigens muß es uns wundern,
wie der Miſſionsbote nicht aus demſelben Grunde
auch die Augsburgiſche Confeſſion verwirft, da
ja auch ſieꝑ„Verdammungsurtheile“, wie er es zu
nennen beliebt, enthält.

2. meint der Miſſionsbote: „Es iſt aus der
Schrift nicht nachzuweiſen, daß ſich die Eigen⸗
ſchaften der beiden Naturen in Chriſto (Commu-
nicatio idiomatum) ſo verhalten, wie es in der
Con cordienformel dargelegt iſt, ſondern daß es iſt,
wie die Augsburgiſche Confeſſion ſagt: „„Chri⸗
ſtus iſt wahrhaftiger Gott und Menſch in per⸗

ſönlicher Einheit.““ Das iſt nun eine gewaltige
Anklage gegen die arme Concordienformel, da

wird ſie ſchweren Stand bekommen; denn man
beſchuldigt ſie ja, mit der heiligen Schrift und
mit der Augsburgiſchen Confeſſion im Wider⸗
ſpruch zu ſtehen. Und, wahrlich, wäre dem ſo,

ſo wäre es um ſie geſchehen und wir wollten ſie
ſelbſt gern unvertheidigt laſſen und Schwarzes
weiß zu nennen uns nicht unterfangen. Allein
einſtweilen behalten wir noch guten Muth; denn
beſchuldigen, das kann ein jeder, aber beweiſen,
lieber Miſſionsbote, beweiſen, das iſt die
Sache. Und womit haſt du denn deine Be⸗
ſchuldigung bewieſen? Auch nicht mit einem
Wörtlein. Die Concordienformel hat ihre Lehre
von der communicatio idiomatum aus der hei⸗
ligen Schrift bewieſen und begründet, dazu noch
ſehr viele Zeugniſſe der älteſten Lehrer der Kirche
angeführt, die mit ihr übereinſtimmen; darum
beliebe doch auch du, lieber Miſſions⸗
bote, erſt zu beweiſen, daß die Concordien⸗
formel und die Väter der erſten chriſtlichen Jahr⸗
hunderte geirrt haben, und verſuche es nicht, mit
leeren Beſchuldigungen uns „Sand in die Augen
jagen“ zu wollen. Du forderſt „gründliche Be⸗

weiſe aus der heiligen Schrift“; ei, ſo gib doch

auch du ſie für deine „Ueberzeugung“, und dann
werden wir dir „gründliche Beweiſe aus der hei⸗
ligen Schrift“ nicht ſchuldig bleiben. So lange
aber noch unſere Beweiſe in der Concordienformel
unangetaſtet ſind, wäre es eben ſo thöricht, dir
neue bringen zu wollen, als es thöricht iſt, welche
zu fordern. Unterdeſſen geben wir dir den wohl⸗
gemeinten Rath, die Concordienformel erſt recht
gründlich zu ſtudiren; denn wenn du das thun,
und Gott dabei anrufen wirſt, dich in alle Wahr⸗
heit zu leiten: ſo wirſt du von ſelbſt den Irrthum
deines Weges einſehen, und nicht nur viel Be⸗
lehrung, ſondern auch viel Troſt und Freude aus
der Erkennmiß der reinen Lehre davon tragen.

Auch das Studium der Augsburgiſchen Confeſſion

wollen wir dir hiemit anempfohlen haben, dann
wird es dir auch nicht beikommen, die Concowien⸗
formel mit der Augsburgiſchen Confeſſion in
Widerſpruch zu ſetzen, noch auch letztere ſo unrich⸗
tig zu citiren.

3. heißt es: „Es kann aus der heiligen Schrift
nicht bewieſen werden, daß wir in, unter und mit
dem Brod und Wein und mit dem Munde den
Leib und das Blut Chriſti empfahen, wie es die
Concordienformel darlegt, denn ein ſolcher Genuß
kann nur körperlich ſein.“

Und 4. „Es iſt unnachweisbar aus der Schrift,
daß die UÜbiquitätslehre der Concordienformel
recht ſei.“ — Auch dieſe beiden Punkte
bitten wir uns beweiſen zu wollen,
und nicht ſo in's Blaue hinein zu behaupten:
„Es kann nicht bewieſen werden.“ Unſere Lehre
iſt längſt bewieſen. Die Concordienformel be⸗
hauptet nirgends etwas, ſondern beweiſ't es un⸗
umſtößlich aus dem Worte Gottes. Darum iſt es
an dir, mein lieber Miſſionsbote, zu beweiſen,
daß die Concordienformel irrt, und du recht ha⸗
beſt. Aber mit ſolchen ungeſalzenen Beſchuldi⸗
gungen und thörichten Behauptungen komm uns
nicht wieder, oder wenn du's doch nicht laſſen
kannſt, ſo erwarte keine Antwort.

So viel über die vier unbewieſenen Beſchuldi⸗
gungen der Concordienformel. Was nun die
übrigen Ungereimtheiten dieſes Artikels des Miſ-
ſionsboten betrifft, ſo wäre es ſchade um die Zeit,

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