# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 08_S168 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Abendmahl nur Brod und Wein oder Zeichen des abweſenden Leibes und Blutes genoſſen werden, und daß es dem Glauben vorbehalten iſt, ſich in den Himmel zu erheben, um dort Chri⸗ ſtum durch des Heiligen Geiſtes Wirkung ge⸗ nießen zu können. Wenn nun der Herr Heraus⸗ geber mit dieſer Lehre einverſtanden iſt, ſo ſind unſere Schlüſſe ja nicht falſch, ſondern von ihm ſelbſt als wahr gerechtfertigt. Wenn er uns Lutheraner aber Capernaiten nennt, weil wir uns einfältig an das Wort des HErrn: „Das iſt“ halten, ohne das „Wie“ ergrübeln zu wollen, ſo mag er zuſehen, wie er um dieſer Schmach willen, die er dem HErrn anhängt, fertig wird, denn Er hat's geſagt, und wir glauben Ihm. Was endlich unſere „Unehrlichkeit“ betrifft, ſo wollen wir es uns gern gefallen laſſen, wenn der Herr Herausgeber unſern Austritt aus der Union ſo zu nennen beliebt; meint er aber eine andere, ſo beweiſe er, oder wer es vermag, ſolche, ehe er ſo gewiſſenlos falſch Zeugniß redet. Zu jenen Erklärungen im Lutheraner wurden wir durch die Unehrlichkeit unſerer Gegner gezwungen, die dieſe Sache nicht der Wahrheit gemäß berichte⸗ ten, ſondern, um ſelbſt rein zu erſcheinen, wie „Adam und Eva“ die Schuld auf uns ſchoben. Wollten die Herren, die uns Lutheranern, weil wir ehrlich mit dem Wort und nach dem Wort mit den Menſchen umgehen, immer Haß und Ver⸗ leumdung vorwerfen, ſich etwas beſſer zu Hauſe umſehen mit redlichem Herzen, ſo würden ſie bei⸗ des heute noch da finden, wo ſchon der ſelige Jo⸗ hann Gerhard ſie fand, der vor ſeinem Ende zu ſeinem Sohne ſagte: „Und hüte dich ja vor den Synkretiſten (Glaubensmengern), denn ſie ſind weder Gott noch Menſchen treu.“ In Verbin⸗ dung mit dieſen Worten möchten wir dem Herrn Herausgeber nur noch die Frage vorlegen: Haben Sie ſchon lange getrachtet, ein guter „Evange⸗ liſcher“ Chriſt zu werden, warum ſuchten Sie denn dieſe Ihre Abſicht unter dem Namen „Lu⸗ theriſch“ zu bergen? Wenn Sie der ehrliche Mann ſind, der Sie nach Ihrer Erwiderung ſein wollen, warum lieferten Sie dieſen Beweis von Ehrlichkeit nicht? In Liebe J. J. F. Auch. F. Maier. (Eingeſandt.) Kirchliche Nachricht. Aus der erſten Nummer dieſes Jahrgangs werden ſich die lieben Leſer des „Lutheraners“ erinnern, daß Herr Paſt. J. Trautmann, nachdem ſeine frühere Gemeinde in Danbury, Ottawa County, Ohio, ihm durch ihr offenbares und be⸗ harrliches Widerſtreben gegen Gottes Wort ge⸗ rechte Urſache gegeben hatte, ſie zu verlaſſen, dem Rufe, der von meinen Gemeinden an ihn ergan⸗ gen war, in Gemeinſchaft mit mir die geiſtliche Pflege derſelben zu übernehmen, freundlich Folge leiſtete. Leider muß ich jetzt einen abermaligen 167 Amtswechſel dieſes theuren Bruders melden. Derſelbe hat nemlich einen neuen Ruf an zwei lutheriſche Gemeinden in Michigan, die eine in Adrian, Lenawee Co., die andere in Hillsdale, im County gleiches Namens, angenommen und iſt, nachdem er ſeit dem 1. September v. J. als mein Amtsgenoſſe im enaſten Sinne des Worts mir treu zur Seite geſtanden hat, bereits dahin abgereiſ't. So ſebr ich bei dieſem Verluſt, deſſen zu ge⸗ ſchweigen, was ich ſelbſt dadurch erleide, für die mir nun wieder allein befohlenen Gemeinden herzlich bekümmert bin, da nicht nur die Seelen zahl derſelben, ſondern auch örtliche Verhältniſſe, beſonders im Winter eine Verdoppelung der Lehr⸗ kräfte in Kirche und Schule faſt nothwendig ma⸗ chen; ſo erkenne ich doch wohl, daß die Rückſicht auf mein einzelnes Arbeitsfeld dem unterzuordnen iſt, was die ganze Ernte erheiſcht, zumal der Ar⸗ beiter ſo wenig ſind. Auf ſchmerzliche Weiſe wird mir aber dieſe Selbſtverleugnung dadurch geboten, daß meine Gemeinden die ihr ſeit Herrn Paſt. Trautmanns Berufung reichlicher als früher dar⸗ gebotenen Heilsmittel nicht in dem Maße benutzt haben, wie ich erwartet hatte, ja daß ſogar gerade der verſtärkte Hall des Wortes Gottes das Wider⸗ ſtreben Vieler nur offenbarer gemacht und die Zahl derer, welche treu bei der Wahrheit verhar⸗ ren, bedeutend verringert hat. Wenn dennoch dieſe Letzteren herzlich wünſchten den ihnen lieb und theuer gewordenen werthen Knecht des HErrn behalten zu können, und ihre Bereitwilligkeit, dies, ſo weit es an ihnen lag, möglich zu machen, auf die rührendſte Weiſe bezeigten, ſo wird das allen Freunden unſrer theuren Kirche ein willkommenes Zeugniß von der Gnade ſein, mit welcher der HErr die kurze, aber trotz vieler häuslicher Leiden und der ſchmerzlichen Rückerinnerung an die vor menſchlichen Augen fruchtlos gebliebene Arbeit früherer Jahre durch große Treue ausgezeichnete Dienſtzeit unſeres im Ofen der Trübſal wohl⸗ durchläuterten lieben Bruders hier geſegnet hat. Liverpool, Medina Co., O., am 17. Mai 1850. K. Röbbelen. (Eingeſandt.) Kirchliche Nachricht aus Miſſouri. Am letztvergangenen Sonntag Rogate, den 5. Mai d. J., war die feierliche Einweihung der neuerbauten evangeliſch⸗ lutheriſchen Kirche zu Bremen, einer nördlich gelegenen Vor⸗ ſtadt von St. Louis, und zugleich der Amtsantritt des an dieſe Kirche berufenen Paſtors, Herrn Hermann Fick aus Neu⸗Melle. Die Regierung Gottes hat ſich bei der Grün⸗ dung einer Gemeinde und der Erbauung einer Kirche in Bremen recht deutlich kund gegeben. Bremen hat zwar meiſt deutſche Einwohner, von denen eine große Anzahl von Deutſchland aus zur lutheriſchen Kirche gehören; es wurde auch von dem Einen und dem Andern gewünſcht, daß eine lutheriſche, oder auch eine proteſtantiſche (rationaliſtiſche) Kuche und Schule entſtehe; aber es blieb eben bei dem Wunſche, indem diejenigen, die noch einiges kirchliches In⸗ tereſſe hatten, zu den Unbemittelten gehörten und auch die Anſichten ſo verſchieden waren, daß nach einigen eine luthe⸗ riſche, nach andern eine evangeliſch⸗unirte, nach andern eine freie proteſtantiſche Kirche gebaut werden ſolle. Man hatte auch Gelegen heit, in dem nahen St. Louis eine Kirche je nach ſeinen Anſichten zu finden, und beſuchte dieſelbe. Um dem Städtchen aufzuhelfen, erbot auf einmal der erſte Be⸗ gründer von Bremen, ein Deutſcher, etwas Anſehnliches zu einem Kirchenlot beizutragen; und dieſes Anerbieten ge⸗ langte zunächſt an die lutheriſche Gemeinde in St. Louis. Man erkundigte ſich von hier aus weiter nach der Sache. Und obſchon mehr eine vereinigt-proteſtantiſche Kirche ge⸗ wünſcht wurde, ſo ſollte doch ein anſehnliches Lot geſchenkt werden, auch wenn von Lutheranern in einer gewiſſen Zeit eine ſteinerne Kirche erbaut werden würde. So erfreut nun auch die lutheriſche Gemeinde in St. Louis war über dieſe Gelegenheit, das Reich Gottes ausbreiten zu helfen, ſo konnte ſie doch in damaligen Umſtänden den Bau einer dritten Kirche nicht unternehmen, mumal auch nur Ein wirkliches Glied ihrer Gemeinde in Bremen wohnhaft war, und nur von einigen andern aus Bremen die lutheriſche Immanuels⸗ kirche in Nord St. Louis von Zeit zu Zeit beſucht wurde. Dazu war auch das dargebotene Lot nicht ſo angenehm. Und ſo ſchien ſich die Sache zu zerſchlagen. Doch wunderbar! Bald darauf wurde von einem Amerikaner ebenfalls ein Kirchenlot für die deutſchen Proteſtanten in Bremen ange⸗ boten, und auch dieſes Anerbieten gelangte zunächſt an Glie⸗ der der lutheriſchen Gemeinde in St. Louis. Es wurden nun von St. Louis aus die Lutheraner in Bremen auf⸗ geſucht und zu einer Verſammlung in einem Privathauſe zuſammenbeſtellt. Man ging damit um, eine rein lutheriſche Gemeinde auf die St. Louiſer Gemeindeordnung zu gründen. Zwölfe waren willig. Sie nahmen die vorgelegte Gemeinde⸗ ordnung an, unterzeichneten ſie, wählten aus ſich zwei Truſtees; und nun erklärte man dem freigebigen Ameri⸗ kaner: es ſei ein lutheriſches Gemeinlein zuſammengetreten, wolle das Geſchenk in Empfang nehmen und die geſtellte Bedingung erfüllen, innerhalb ſechs Monaten eine Kircht von vierzig Fuß Länge zu erbauen. Derſelbe gab denn auch den gerichilich documentirten Kaufbrief für die deutſche evangeliſch-lutheriſche Gemeinde U. A. C. zu Bremen aus und ſchenkte alſo ein ſchönes Ecklot von 60 Fuß Front und 120 Fuß Tiefe, an Werth von 800 Dollars, dieſem ganz armen Gemeinlein. Wie ſollte nun das verlangte Kirch⸗ gebäude zu Stande kommen? das war eine andre Frage. Von den zwölf Gemeindegliedern traten bald einige wieder zurück, da ſich eine evangeliſch⸗proteſtantiſche Gemeinde von 80 Gliedern conſtituiren wollte, die vor Menſchen mehr Ausſicht hatte, eiwas zu Stande zu bringen. Dazu kam nun noch im vorigen Jahre der große Brand von St. Louis und die Cholera, die auch in Bremen viele Opfer forderte. Es lag alles darnieder. Es verſtrich ein Monat nach dem audern. Und man ſing an zu fürchten, das Geſchenk werde wieder zurückgenommen werden, weil die Bedingung nicht erfüllt werden könne. Allein, was Gott haben will, das muß doch endlich kommen zu ſeinem Zweck und Ziel. Nach⸗ dem der liebe Gott unſre Gegend von der Cholera wieder befreit hatte, trat einer von den erwählten Kirchen-Truſtees in Bremen auf und erklärte: Er wolle dieſe Kirche noch vor Winters bauen, Gott habe ihn und die Seinigen ſo gnädig beſchützt, es ſei dieß nur ſeine Pflicht, ſich auch dank⸗ bar zu beweiſen und die dargebotene Gelegenheit, für Gottes Reich zu wirken, nicht aus den Händen zu geben. Er be⸗ gann alſo das Werk. Und obſchon ſich manche darüber freuten, ſo fehlte es doch auch nicht an allerlei ſpöttiſchen Bemerkungen; denn man wußte wohl, wie ſo gar keine Mittel vorhanden waren und doch viele erfordert wurden. Der Erbauer collectirte mit einer Bittſchrift in Bremen und St. Louis; und ſiehe, er bekam nicht nur manches reichliche Geſchenk, ſondern es wurden ihm auch einige Capitalien geliehen. Und ſo kam in der Stille noch vor Einbruch des Winters ein ſchönes maſſives, zweiſtöckiges Haus zu Stande, das einſtweilen zur Kirche und Schule benutzt, und ſpäter, wenn Gott Segen gibt, und eine eigene größere Kirche auf dem aufbewahrten vordern Platze erbaut werden kann, allein zur Schule und Predigerwohnung eingerichtet werden ſoll. Während des Winters wurde inwendig alles wohl aus⸗ gebaut. Und ſo gern man ſchon zu Oſtern die Kirche ein⸗ geweiht hätte, ſo verzog ſich jedoch die Einweihung bis vier⸗ zehn Tage vor Pfingſten, weil Paſtor Fick nicht eher ſein Amt in Neu-Melle, St. Charles Co., Mo., verlaſſen konnte, bis dasſelbe von einem andern rechtgläubigen Prediger ver⸗ ſorgt ſein würde. Seitdem aber die Gemeinde in Neu-Melle Herrn P. Adolph Klaus von Indiana berufen hatte, eilte er hierher, ſeinen neuen Wirkungskreis anzutreten.“) Bei der ) Paſtor Klaus hielt ſeine Antrittspredigt, in Neu-⸗Melle am Sonn⸗ tag Cantate.