Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 21 › Seite 166
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-08, Seite 166
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Glaube 29 · Rechtfertigung 26
ſich dabei lange aufhalten zu wollen. Nur ſol⸗
len doch einige davon kurz angedeutet werden.
Der Miſſionsbote leugnet, daß wir „mit dem
Munde den Leib Chriſti empfahen“, wir bitten
ihn daher, uns doch gütigſt ſagen zu wollen, ob
man auch mit dem Geiſte den Leib Chriſti
wirklich und eigentlich eſſen könne; denn zum
eſſen hat ihn uns der HErr gegeben. — Der Miſ⸗
ſionsbote läßt ſich ein Bekenntniß gefallen, wel⸗
ches „nach Form und Inhalt den Glauben
der Kirche bekennt“; in der „Glaubenslehre“
fordert er jedoch Freiheit, damit ſich „die Lehre
der Kirche aus der Schrift fortentwickeln“ könne.
Solche Freiheit in der „Glaubenslehre“ gibt
es unter andern in der unirten Kirche Preußens,
darum ſich auch aus ſo vielen Kirchen der
Glaube „fort“, d. i. hinweg entwickelt hat. —
Der Miſſionsbote meint, die Concordienformel
enthalte „die Erklärung einzelner Glaubensarti⸗
kel, wie ſie einzelne gläubige Männer
auffaßten und erklärten“. — Wir bitten ihn, ſich
doch mit der Geſchichte der Coneordienformel erſt
bekannt machen zu wollen und die 8⸗ bis 9000
Unterſchriften nicht zu vergeſſen, bevor er der⸗
gleichen behauptet. Endlich entblödet ſich der
Miſſionsbote nicht, nach Art der alten „Sacra⸗
mentsſchwärmer“, unſere reine Lehre zu verdre⸗
hen und uns der Irrlehre von einer chemiſchen
Vereinigung der beiden Naturen in Chriſto zu
zeihen. Dieſes und daß er wider die Wahrheit
und wider ſein eigen beſſer Wiſſen (oder ſollte
er es nicht wiſſen? dann hätte er freilich ſchwei⸗
gen ſollen) in die Welt hineinſchreibt: „Der
lutheriſche Prediger glaubt ein beſſeres Abend⸗
mahl zu bereiten, als der Reformirte“, das
ſchieben wir ihm in ſein Gewiſſen und befehlen
es Gott.
Und hiemit wollen wir für diesmal von dem
Miſſionsboten ſcheiden, indem wir ihn noch ein⸗
mal herzlich bitten, die Symbole unſerer Kirche
und namentlich auch die Concordienformel zu
ſtudiren, ihre Beweiſe zu prüfen und mit Gottes
Wort zu vergleichen. Wird er das mit aufrich⸗
tigem Herzen thun, ſo wird ihm Gott neben an⸗
dern auch die tröſtliche Wahrheit, die in der Lehre
von der communicatio idiomatum liegt, erłen⸗
nen laſſen, denn den Aufrichtigen läßt es Gott
gelingen. Er aber, unſer Gott, gebe, daß wir
alle hinankommen zu einerlei Glauben und Er⸗
kenntniß des Sohnes Gottes und ein vollkom⸗
mener Mann werden, der da ſei in dem Maße
des vollkommenen Alters Chriſti. Auf daß
wir nicht mehr Kinder ſein und uns wägen
und wiegen laſſen von allerlei Wind der Lehre,
durch Schalkheit der Menſchen und Täuſcherei,
damit ſie uns erſchleichen zu verführen.
B.
(Eingeſandt.)
Sie ſtimmt nicht.
Damian (trottelt mit einer Bibel unterm
Arm zur Thüre herein): Nachbarin, es iſt nichts
mit der Schrift, ſienſtimmt nicht.
Bäuerin (verſchüttet vor Schrecken die Milch,
die ſie auf den Tiſch ſetzen will): Das wird nicht
ſein!
D. Schaut ſelber. Römer am 3, der 28.
ſteht: „So halten wir es nun, daß der Menſch
gerecht werde ohne des Geſetzes Werk allein durch
den Glauben.“ Und wiederum aber Jacobi
am 2, der 13. leſen wir: „Was hilft's, lieben
Brüder, ſo Jemand ſagt, er habe den Glauben,
und hat doch die Werke nicht? Kann auch der
Glaube ihn ſelig machen?“ Und da drunten
der 24. erſt, der ſagt doch ganz conträri mit den
Römern: „So ſehet ihr nun, daß der Menſch
durch die Werke gerecht wird, nicht durch den
Glauben allein.“
B. (nimmt mit zitternder Hand die Bibel):
Ach, du lieber Gott, freilich muß es der Glaube
thun; wir ſind ja alle arme Sünder und man⸗
geln des Ruhms, den wir an Gott haben ſollten.
D. Der Jacobus weiß es anders (er klopft
auf den Tiſch), der ſagt: Die Werke müſſen's
thun. Schaut ihn nur recht an! das gilt mir
aber gleich, wer's thut; ich red' davon, daß ſich
die Schrift widerſpricht und daß ſie darum nicht
verläſſig iſt.
B. Schweigt ſtill, Nachbar, es muß einen
Ausweg geben.
D. Nein, nein! Es gibt da keinen Aus⸗
weg. Schaut die Sprüche noch einmal an! —
Was macht ihr euch alſo ſo viel Müh' und Plag',
daß ihr ganze Stunden weis in der Schrift
hockt?
B. O, Nachbar, es iſt keine Müh' und Plag',
es iſt meines Herzens Freud und Troſt.
D. Iſt ein falſcher Troſt, denn ſie ſtimmt
nicht.
B. (weint): Von euch laß ich mir Gottes
Wort noch nicht verhohnecken. Der Herr Pfarrer
wird euch ſchon zu berichten wiſſen.
Der Bruder der Bäuerin (kommt aus
dem Ofenſeſſel hervor): Da könnt' vielleicht
mein geringer Verſtand auslangen. Alſo, Da⸗
mian, was iſt deine Sache?
D. (wird ganz verlegen, wie er den Bruder
der Bäuerin ſieht): So, du biſt auch da! — ͥ —
Davon ſag' ich, daß die Schrift nicht ſtimmt. Da
ſteht's einmal, was kann ich dafür? (er lieſ't
obige drei Sprüche von neuem.)
Bruder. Wir müſſen halt einen Unterſcheid
machen zwiſchen Glauben und Glauben; nach⸗
her werden ſich die Sprüche bald ausgleichen.
D. Einen Unterſchied, ſo!
Br. Paulus meint in ſeinem Briefe an die
Römer einen lebendigen Glauben. Da
hat ſich das Herz des Menſchen mit Chriſto ver⸗
einigt und empfäht Saft und Kraft vom HErrn,
wie die Rebe von dem Weinſtock. Da fehlt ſich's
nicht, es wirkt und ſchafft im Herzen und treibt
von Innen heraus gute Früchte. Und das iſt
denn der wahre, gerechtmachende Glaube, ein
ſolcher, der durch die Liebe thätig iſt.
Dennoch, iſt die Meinung des Apoſtels, wird
der Einlaß in den Himmel gar nicht durch die
guten Früchte ſelber erworben, und überhaupt
durch unſer Thun des Geſetzes nicht; ſondern
der Einlaß in's Vaterhaus iſt einmal ein Gna⸗
dengeſchenk Gottes, das man ſich mit dem puren
Glauben zueignet.
D. Deine Auslegung wär' nicht zu verachten.
Aber was ſagt der Jacobus?
Br. Nichts Widerwärtiges, wenn man's im
Grund betrachtet. Jacobus redet von einem
todten Glauben, wo man den HErrn wohl
im Kopf und meinethalben auf der Zunge, aber
nicht im Herzen hat, wo man von ſeiner Kraft
und ſeinem Leben nicht durchdrungen wird, und
darum auch keine guten Früchte bringt. Ein
ſolcher falſcher heilloſer Glaube kann freilich
nicht ſelig machen; das mag alleinig durch den
geſchehen, der ſeine Rechtſchaffenheit in guten
Werken erweiſ't. Und ſo weit ſtimmt Jacobus
noch immer mit Paulo, und weiter will er auch
nichts. Sein 24. Vers da, wenn man das vor⸗
ausgeſchickte Erempel von Abraham andächtig
betrachtet, ſagt accurat ſoviel: „So ſehet ihr
nun, daß der Menſch durch einen leben⸗
digen folgſamen Glauben gerecht wird,
und nicht durchs Wiſſen und Reden
allein.“ Daß aber der liebe Jacobus den
Werken ſollt als Werken die Gerechtigkeit
vor Gott zuſchreiben, das wär' viel daneben ge⸗
tappt; denn gegentheils ſchlägt er die Werk⸗
gerechtigkeit gewaltiger zuſammen, als alle die
andern. Da betracht, was er im 10. Vers ſagt:
„So Jemand das ganze Geſetz hält und ſündigt
an Einem, der iſt es ganz ſchuldig.“ Gib
Achtung, Damian! Wenn alſo ein Menſch von
Kindesbeinen an bis in ſein 70. Jahr alle Stücke
des Geſetzes im groben und ſubtilen Verſtand
aufs Tüpfelein gehalten hätte, und endlich thät
er ſich noch z. B. durch eine einige Lüge vergehen,
hätt' er vor der ſtrengen Gerechtigkeit
und Heiligkeit Gottes die Verdammniß
verſchuldet wie der, ſo am Galgen ſtirbt. Merk
wohl, Damian, das ſagt unſer Jacobus. Jetzt
muß er aber ſelber da im 3. Capitel bekennen:
„wir fehlen alle mannigfaltig“; — ei, wie wollen
wir arme Sünder denn ſelig werden? Es geht
nicht anders als aus Gnaden, durch den
Glauben an IEſum Chriſtum, der ſein
Blut vergoſſen hat zur Vergebung unſrer Sünden.
D. Wenn man''s ſo hört, haſt ſchier du recht.
— Aber ſo ſollten ſie auch gleichförmig reden,
wenn ſie doch einerlei Geſinnung haben. Das
wär' viel geſcheidter, ſo wüßt' man gleich, wie
man dran wäre.
Br. Damian! Der Heilige Geiſt, der es
ihnen eingegeben hat, was jeder ſchreiben ſoll, der
iſt geſcheidter als du und ich, und der wird ſeine
Urſach gehabt haben, warum er ſie ſo hat reden
laſſen und nicht anders. Etwas können wir uns
gleich denken. Verſteh, die göttliche Weisheit
will, daß ein jedweder in der Schrift finden ſoll,
was ihm juſtement beſonders nöthig und zuträg⸗
lich iſt. Da gibt's jetzt Leute, die mit ihren er⸗
ſtaunlichen guten Werken den Himmel ſchon
zwanzigmal verdient zu haben vermeinen; —
denen muß der werthe Paulus zur Ader laſſen
und ſagen: „So halten wir nun, daß der Menſch
gerecht werde ohne des Geſetzes Werke allein durch
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