Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 21 › Seite 167
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-08, Seite 167
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den Glauben.“ Wieder aber gibt's Leute, die
ſich auf's Sterben hin des HErrn JEſu getröſten,
aber durch ihr ganzes gottloſes Leben ſeinen hei⸗
ligen Namen ſchänden; — denen muß der liebe
Jacobus in den Flachs langen und ſprechen:
„Was hilft's, ihr gläubigen frechen Sünder, ſo
jemand ſagt, er habe den Glauben, und hat doch
die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn
ſelig machen?“
D. Wenn man's ſo hört, möcht' man dir bei⸗
fallen.
Br. Es ſollt mich freuen, wenn du dir eine
gute Lehre nehmen und nimmer ſo leichtfertig über
Gottes Wort räſonniren wollteſt. — Lieber Da⸗
mian, glaub ſicherlich: Die Schrift ſtimmt!
Manches ſcheint uns nur anfänglich ein
Widerſpruch, aber mit der Zeit lernen wir ver⸗
ſtehen, wie es ſich ſtaatsmäßig zuſammen reimt.
Und merk wohl auf: Wenn ſich auch man-
cher Punkt nicht heben ſollt', ſo lang'
wir hierunten wandeln, ſo ſollen wir
halt denken, daß es an unſerm ſchwa⸗
chen Begreifen liegt und daß wir ein⸗
mal die ſchöne Einträchtigkeit ſchon
ſehen werden, wenn wir mit Gottes
Hilfe die hellen Himmelsaugen be—
kommen haben. Was wir aber zur Seligkeit
brauchen, das läßt uns der HErr ſchon imer
deutlich und kräftig eikennen, ſo wir nur heils⸗
begierig im lieben Gottes Wort forſchen und
um die Erleuchtung von oben beten.
(Damian ſpielt mit den Schnallen an ſeiner
Bibel. Der Bruder der Bäuerin fährt fort:)
O lieber Damian, glaub ſicherlich, die Schrift
ſtimmt! Alle hundert Pfeifen dieſer Orgel lauten
lieblich und prächtig zuſammen, wenn wir nur
überall die rechten Ohren hätten. — Aber halt,
du haſt doch nicht ganz unrecht, wenn du ſagſt:
ſie ſtimmt nicht. Wart, jetzt will ich dir ſagen,
wie ſie nicht ſiimmt. Mit deinem alten
Adam ſtimmt ſie nicht. Mit deinem hof⸗
fährtigen Weſen, mit deiner übermäßigen Ge⸗
ſcheitigkeit ſtimmt ſie nicht, denn ſie ſagt: Wir
ſind von geſtern her und wiſſen nichts. Hiob
8, 9. Mit deinem irdiſchen Sinn ſtimmt ſie
nicht, denn ſie ſpricht: Fleiſchlich geſinnet ſein iſt
der Tod. Röm. 8, 6. Schau, das thut deinen
alten Adam verdrießen, und weil er noch der Herr
in dir iſt, ſo reißt er dir gegen ein ſolches Gottes⸗
wort das Maul auf.
D. Aha, du wirſt jetzt unmanierlich. Da
bin ich kein Freund davon. Adös! (Er nimmt
ſeine Bibel unter den Arm und trottelt damit
wieder zur Thür' hinaus.)
B. O Bruder! dießmal biſt du zur rechten
Stund' dageweſen. Vergelt dir's Gott, daß du
mein ängſtliches Herz wieder geſtillt haſt. (Sie
lacht, indem ſie ſich mit ihrer Schürze die Augen
auswiſcht.) Nun, du haſt ihn einmal ordentlich
heimgeſchickt; der wird nimmer ſobald kommen.
Helf ihm Gott, was will die arme Creatur
Gottes ewiges Wort ſchimpfen! Dauert mich
nur mein guter Rahm; aber der Tiſch iſt ſauber.
(Sie faßt das Verſchüttete wieder auf.)
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(Eingeſandt.)
Einige Bemerkungen gegen die „Erwide⸗
rung“ des Miſſionsboten, die Miſſionare
Auch und Maier betreffend.
Sibiwaing, d. 2. Mai 1850.
So ſcheint endlich die Drohung, die von Ann-
Arbor an uns erging, daß nemlich „ein Gelehr⸗
terer über uns kommen werde, der uns ſagen
werde, wer wir ſeien“, in Erfüllung gegangen zu
ſein. Er iſt erſchienen in der Perſon des Her⸗
ausgebers des Miſſionsboten. Der ſagt uns im
dritten Band No. 3, was wir ſind, nemlich:
„Leute, die im Schlaf der Gewiſſenloſigkeit ge—
legen, Heuchler, Unehrliche, Verleumder“ ꝛc.
Dieſe Ausdrücke nehmen ſich nun freilich wunder⸗
lich genug aus in dem Munde des Mannes, der
in demſelben Artikel bitterlich klagt, daß die reli⸗
giöſen Zeitſchriften der lutheriſchen Kirche auf
eine ſo „gemeine Weiſe“ geführt werden, und die
Wahrheit auf Koſten „chriſtlicher Bildung und
Liebe“ mit „Schimpfen und Schmähen“ verthei⸗
digen, und verſichert, er wolle nicht in ſolchem
Sinn (ſoll doch wohl heißen: auf ſolche gemeine
Weiſe) auf unſere Beſchuldigungen antworten;
indeſſen, es ſoll ein ziemlich allgemeiner Fehler
bei den „Gelehrten“ ſein, daß ſie Anſtand von
andern fordein, gegen andere aber nicht zeigen.
Und gelehrt muß der Mann ja freilich ſein, der
es wagen darf, unſerer Kirche Irrthümer vorzu⸗
rücken, deren Nachweis aus der heiligen Schrift
zu geben noch keinem Gelehrten gelungen iſt, und
auch nicht gelingen kann.
Was nun den Vorwurf betrifft, daß wir zur
Zeit des bewußten Miſſionsfeſtes (vergl Luthera⸗
ner No. 7, Jahrgang 6) müßten im Schlaf der
Gewiſſenloſigkeit gelegen haben, weil wir nicht
damals gegen den geehrten Herrn aufgeſtanden
und ihn gefraat hätten: „Wie kannſt du dich auf
die Augsburgiſche Confeſſion verpflichten laſſen,
da du den einen Artikel derſelben verwirfſt?“ ſo
möge ſich derſelbe nochmals an jenes Miſſionsfeſt
erinnern, wenn ſein Gedächtniß nicht gefliſſent⸗
lich zu kurz iſt. Da wird er ja freilich finden,
daß wir ihm nichts darüber ſagen konnten, denn
der Miſſionar Auch mußte Krankheits halber das
Bett hüten, und war bei jener Sitzung, wo das
bewußte Geſpräch über das heilige Abendmahl
Sratt fand, nicht gegenwärtig, ſo wenig wie der
Miſſionar Maier, der ſchon vor der Synodal⸗
ſitzung abreiſete; daß es indeſſen an Gewiſſens⸗
ſchärfungen nicht gefehlt, da der Ortspaſtor gar
heftig mit ihm geſtritten, ſeine Anſicht vom heili⸗
gen Abendmahl eine rationaliſtiſche genannt, und
gegen ſeine Aufnahme in den Synodalverband
geredet habe.
Geſetzt jedoch, es wäre ſo, wie der Heraus⸗
geber irrig meint, ſo könnte er doch nur dieſes
beweiſen, daß wir jetzt allerdings aus jenem
„Schlafe“ aufgewacht wären, was ja freilich
viel beſſer iſt, als auf gut „Evangeliſch“ fortzu⸗
ſchlafen.
Hinſichtlich der „falſchen“ Schlüſſe, die wir
aus ſeinen Worten gezogen haben ſollen, verwei⸗
ſen wir die Leſer auf die Ueberzeugungen, welche
—
dieſer „ehrliche, gewiſſenhafte Denker kraft des
Heiligen Geiſtes“ erlangt hat, und theils ver⸗
worren, theils unumwunden in ſeinem Blatt uns
mittheilt. Zuerſt ſagt er: „Allerdings glaube
ich, daß wir im heiligen Abendmahl den ver⸗
klärten Leib und das verklärte Blut in
Brod und Wein empfangen und nicht etwas
Körperliches“, und meint, auf den letzten
Irrthum müſſe man kommen, wenn man „ſo
ſtreng auf die Concordienformel hinſitze, die da
beſtimme: mit, in und unter dem Brod empfan-
gen wir den Leib und Blut Chriſti“, „denn“,
ſetzt er hinzu, „Etwas in, mit und unter dem
Brod und Wein kann nur körperlich, kapernai⸗
tiſch gedacht werden, und das lehrt die Schrift
nicht: ſondern dies nähert ſich der römiſch⸗katho⸗
liſchen Lehre.“ Nach den ſublimen Gedanken die⸗
ſes gelehrten Helden, die ſich am Ende in den
Nebel des Unſinns auflöſen, muß die Verklärung
wohl ein ſolcher Proceß ſein, wodurch ein Leib
aufhört ein Leib zu ſein, und doch noch ein Leib
bleibt. Wenn nun der Herr Herausgeber nicht
glaubt, daß wir den Leib des HErrn im heiligen
Abendmahl empfangen, denn ein Leib, der nichts
Körperliches iſt, iſt doch ſicherlich kein Leib mehr
— wie kann er dann behaupten, daß er den 10.
Artikel der Augsburgiſchen Confeſſion annehme,
der rund und bündig lehrt, „daß wahrer Leib und
Blut Chriſti wahrhaftig unter der Geſtalt
des Brods und Weins im Abendmahl gegenwär⸗
tig ſei, und da ausgetheilt und empfangen werde“?
und wie können wir da falſche Schlüſſe aus ſei⸗
nen Worten gezogen haben?
Indeſſen er verräth ſeinen Schlupfwinkel, in
welchem er ſich den Umſtänden gemäß geſchickt
verſteckt zu haben meint, durch ſeine Schwatzhaf⸗
tigkeit ſelbſt deutlich genug. Er ſagt ja ſelbſt,
„die Lutheraner und deutſch Reformirten ſeien
in der Lehre vom heiligen Abendmahl der Haupt⸗
ſache nach einig“ (er verſteht natürlich unter „Lu⸗
theraner“ nur ſolche, wie er ſelber einer iſt). Iſt
nun dieſe Behauptung wahr, ſo muß ſie ſich aus
dem Heidelberger Katechismus, als der Bekennt⸗
nißſchrift der Reformirten, herausſtellen. Hier
leſen wir nun in der Antwort auf die 47. Frage:
„Iſt denn Chriſtus nicht bei uns bis an der Welt
Ende, wie Er uns verheißen hat?“ dieſe Worte:
„Chriſtus iſt wahrer Menſch und Gott. Nach
ſeiner menſchlichen Natur iſt er jetzt
nicht auf Erden, aber nach ſeiner Gottheit ꝛc.
weicht Er nimmer von uns.“ Wenn nun unſer
HErr Chriſtus nach ſeiner verklärten Menſchheit
im Himmel eingeſchloſſen iſt, — wie kann er ſei⸗
nen verklärten Leib, und ſein verklärtes Blut,
uns, die wir doch auf Erden ſind, geben? Doch
hiefür weiß die Antwort der 76. Frage Rath, die
da lehrt: den gekreuzigten Leib Chriſti eſſen,
heißt: mit gläubigem Herzen das ganze Leiden
und Sterben Chriſti annehmen und dadurch Ver⸗
gebung der Sünden und ewiges Leben bekommen,
daneben durch den Heiligen Geiſt, der zugleich in
Chriſto und in uns wohnt, mit ſeinem gebenedeie⸗
ten Leibe je mehr und mehr vereinigt werden, daß
wir, obgleich Er im Himmel ꝛc. Hier ſieht wohl
Jedermann, daß nach dieſer Lehre im heiligen
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