# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 08_S167 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) den Glauben.“ Wieder aber gibt's Leute, die ſich auf's Sterben hin des HErrn JEſu getröſten, aber durch ihr ganzes gottloſes Leben ſeinen hei⸗ ligen Namen ſchänden; — denen muß der liebe Jacobus in den Flachs langen und ſprechen: „Was hilft's, ihr gläubigen frechen Sünder, ſo jemand ſagt, er habe den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn ſelig machen?“ D. Wenn man's ſo hört, möcht' man dir bei⸗ fallen. Br. Es ſollt mich freuen, wenn du dir eine gute Lehre nehmen und nimmer ſo leichtfertig über Gottes Wort räſonniren wollteſt. — Lieber Da⸗ mian, glaub ſicherlich: Die Schrift ſtimmt! Manches ſcheint uns nur anfänglich ein Widerſpruch, aber mit der Zeit lernen wir ver⸗ ſtehen, wie es ſich ſtaatsmäßig zuſammen reimt. Und merk wohl auf: Wenn ſich auch man- cher Punkt nicht heben ſollt', ſo lang' wir hierunten wandeln, ſo ſollen wir halt denken, daß es an unſerm ſchwa⸗ chen Begreifen liegt und daß wir ein⸗ mal die ſchöne Einträchtigkeit ſchon ſehen werden, wenn wir mit Gottes Hilfe die hellen Himmelsaugen be— kommen haben. Was wir aber zur Seligkeit brauchen, das läßt uns der HErr ſchon imer deutlich und kräftig eikennen, ſo wir nur heils⸗ begierig im lieben Gottes Wort forſchen und um die Erleuchtung von oben beten. (Damian ſpielt mit den Schnallen an ſeiner Bibel. Der Bruder der Bäuerin fährt fort:) O lieber Damian, glaub ſicherlich, die Schrift ſtimmt! Alle hundert Pfeifen dieſer Orgel lauten lieblich und prächtig zuſammen, wenn wir nur überall die rechten Ohren hätten. — Aber halt, du haſt doch nicht ganz unrecht, wenn du ſagſt: ſie ſtimmt nicht. Wart, jetzt will ich dir ſagen, wie ſie nicht ſiimmt. Mit deinem alten Adam ſtimmt ſie nicht. Mit deinem hof⸗ fährtigen Weſen, mit deiner übermäßigen Ge⸗ ſcheitigkeit ſtimmt ſie nicht, denn ſie ſagt: Wir ſind von geſtern her und wiſſen nichts. Hiob 8, 9. Mit deinem irdiſchen Sinn ſtimmt ſie nicht, denn ſie ſpricht: Fleiſchlich geſinnet ſein iſt der Tod. Röm. 8, 6. Schau, das thut deinen alten Adam verdrießen, und weil er noch der Herr in dir iſt, ſo reißt er dir gegen ein ſolches Gottes⸗ wort das Maul auf. D. Aha, du wirſt jetzt unmanierlich. Da bin ich kein Freund davon. Adös! (Er nimmt ſeine Bibel unter den Arm und trottelt damit wieder zur Thür' hinaus.) B. O Bruder! dießmal biſt du zur rechten Stund' dageweſen. Vergelt dir's Gott, daß du mein ängſtliches Herz wieder geſtillt haſt. (Sie lacht, indem ſie ſich mit ihrer Schürze die Augen auswiſcht.) Nun, du haſt ihn einmal ordentlich heimgeſchickt; der wird nimmer ſobald kommen. Helf ihm Gott, was will die arme Creatur Gottes ewiges Wort ſchimpfen! Dauert mich nur mein guter Rahm; aber der Tiſch iſt ſauber. (Sie faßt das Verſchüttete wieder auf.) 4* ——— 166 (Eingeſandt.) Einige Bemerkungen gegen die „Erwide⸗ rung“ des Miſſionsboten, die Miſſionare Auch und Maier betreffend. Sibiwaing, d. 2. Mai 1850. So ſcheint endlich die Drohung, die von Ann- Arbor an uns erging, daß nemlich „ein Gelehr⸗ terer über uns kommen werde, der uns ſagen werde, wer wir ſeien“, in Erfüllung gegangen zu ſein. Er iſt erſchienen in der Perſon des Her⸗ ausgebers des Miſſionsboten. Der ſagt uns im dritten Band No. 3, was wir ſind, nemlich: „Leute, die im Schlaf der Gewiſſenloſigkeit ge— legen, Heuchler, Unehrliche, Verleumder“ ꝛc. Dieſe Ausdrücke nehmen ſich nun freilich wunder⸗ lich genug aus in dem Munde des Mannes, der in demſelben Artikel bitterlich klagt, daß die reli⸗ giöſen Zeitſchriften der lutheriſchen Kirche auf eine ſo „gemeine Weiſe“ geführt werden, und die Wahrheit auf Koſten „chriſtlicher Bildung und Liebe“ mit „Schimpfen und Schmähen“ verthei⸗ digen, und verſichert, er wolle nicht in ſolchem Sinn (ſoll doch wohl heißen: auf ſolche gemeine Weiſe) auf unſere Beſchuldigungen antworten; indeſſen, es ſoll ein ziemlich allgemeiner Fehler bei den „Gelehrten“ ſein, daß ſie Anſtand von andern fordein, gegen andere aber nicht zeigen. Und gelehrt muß der Mann ja freilich ſein, der es wagen darf, unſerer Kirche Irrthümer vorzu⸗ rücken, deren Nachweis aus der heiligen Schrift zu geben noch keinem Gelehrten gelungen iſt, und auch nicht gelingen kann. Was nun den Vorwurf betrifft, daß wir zur Zeit des bewußten Miſſionsfeſtes (vergl Luthera⸗ ner No. 7, Jahrgang 6) müßten im Schlaf der Gewiſſenloſigkeit gelegen haben, weil wir nicht damals gegen den geehrten Herrn aufgeſtanden und ihn gefraat hätten: „Wie kannſt du dich auf die Augsburgiſche Confeſſion verpflichten laſſen, da du den einen Artikel derſelben verwirfſt?“ ſo möge ſich derſelbe nochmals an jenes Miſſionsfeſt erinnern, wenn ſein Gedächtniß nicht gefliſſent⸗ lich zu kurz iſt. Da wird er ja freilich finden, daß wir ihm nichts darüber ſagen konnten, denn der Miſſionar Auch mußte Krankheits halber das Bett hüten, und war bei jener Sitzung, wo das bewußte Geſpräch über das heilige Abendmahl Sratt fand, nicht gegenwärtig, ſo wenig wie der Miſſionar Maier, der ſchon vor der Synodal⸗ ſitzung abreiſete; daß es indeſſen an Gewiſſens⸗ ſchärfungen nicht gefehlt, da der Ortspaſtor gar heftig mit ihm geſtritten, ſeine Anſicht vom heili⸗ gen Abendmahl eine rationaliſtiſche genannt, und gegen ſeine Aufnahme in den Synodalverband geredet habe. Geſetzt jedoch, es wäre ſo, wie der Heraus⸗ geber irrig meint, ſo könnte er doch nur dieſes beweiſen, daß wir jetzt allerdings aus jenem „Schlafe“ aufgewacht wären, was ja freilich viel beſſer iſt, als auf gut „Evangeliſch“ fortzu⸗ ſchlafen. Hinſichtlich der „falſchen“ Schlüſſe, die wir aus ſeinen Worten gezogen haben ſollen, verwei⸗ ſen wir die Leſer auf die Ueberzeugungen, welche — dieſer „ehrliche, gewiſſenhafte Denker kraft des Heiligen Geiſtes“ erlangt hat, und theils ver⸗ worren, theils unumwunden in ſeinem Blatt uns mittheilt. Zuerſt ſagt er: „Allerdings glaube ich, daß wir im heiligen Abendmahl den ver⸗ klärten Leib und das verklärte Blut in Brod und Wein empfangen und nicht etwas Körperliches“, und meint, auf den letzten Irrthum müſſe man kommen, wenn man „ſo ſtreng auf die Concordienformel hinſitze, die da beſtimme: mit, in und unter dem Brod empfan- gen wir den Leib und Blut Chriſti“, „denn“, ſetzt er hinzu, „Etwas in, mit und unter dem Brod und Wein kann nur körperlich, kapernai⸗ tiſch gedacht werden, und das lehrt die Schrift nicht: ſondern dies nähert ſich der römiſch⸗katho⸗ liſchen Lehre.“ Nach den ſublimen Gedanken die⸗ ſes gelehrten Helden, die ſich am Ende in den Nebel des Unſinns auflöſen, muß die Verklärung wohl ein ſolcher Proceß ſein, wodurch ein Leib aufhört ein Leib zu ſein, und doch noch ein Leib bleibt. Wenn nun der Herr Herausgeber nicht glaubt, daß wir den Leib des HErrn im heiligen Abendmahl empfangen, denn ein Leib, der nichts Körperliches iſt, iſt doch ſicherlich kein Leib mehr — wie kann er dann behaupten, daß er den 10. Artikel der Augsburgiſchen Confeſſion annehme, der rund und bündig lehrt, „daß wahrer Leib und Blut Chriſti wahrhaftig unter der Geſtalt des Brods und Weins im Abendmahl gegenwär⸗ tig ſei, und da ausgetheilt und empfangen werde“? und wie können wir da falſche Schlüſſe aus ſei⸗ nen Worten gezogen haben? Indeſſen er verräth ſeinen Schlupfwinkel, in welchem er ſich den Umſtänden gemäß geſchickt verſteckt zu haben meint, durch ſeine Schwatzhaf⸗ tigkeit ſelbſt deutlich genug. Er ſagt ja ſelbſt, „die Lutheraner und deutſch Reformirten ſeien in der Lehre vom heiligen Abendmahl der Haupt⸗ ſache nach einig“ (er verſteht natürlich unter „Lu⸗ theraner“ nur ſolche, wie er ſelber einer iſt). Iſt nun dieſe Behauptung wahr, ſo muß ſie ſich aus dem Heidelberger Katechismus, als der Bekennt⸗ nißſchrift der Reformirten, herausſtellen. Hier leſen wir nun in der Antwort auf die 47. Frage: „Iſt denn Chriſtus nicht bei uns bis an der Welt Ende, wie Er uns verheißen hat?“ dieſe Worte: „Chriſtus iſt wahrer Menſch und Gott. Nach ſeiner menſchlichen Natur iſt er jetzt nicht auf Erden, aber nach ſeiner Gottheit ꝛc. weicht Er nimmer von uns.“ Wenn nun unſer HErr Chriſtus nach ſeiner verklärten Menſchheit im Himmel eingeſchloſſen iſt, — wie kann er ſei⸗ nen verklärten Leib, und ſein verklärtes Blut, uns, die wir doch auf Erden ſind, geben? Doch hiefür weiß die Antwort der 76. Frage Rath, die da lehrt: den gekreuzigten Leib Chriſti eſſen, heißt: mit gläubigem Herzen das ganze Leiden und Sterben Chriſti annehmen und dadurch Ver⸗ gebung der Sünden und ewiges Leben bekommen, daneben durch den Heiligen Geiſt, der zugleich in Chriſto und in uns wohnt, mit ſeinem gebenedeie⸗ ten Leibe je mehr und mehr vereinigt werden, daß wir, obgleich Er im Himmel ꝛc. Hier ſieht wohl Jedermann, daß nach dieſer Lehre im heiligen