# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 08_S166 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſich dabei lange aufhalten zu wollen. Nur ſol⸗ len doch einige davon kurz angedeutet werden. Der Miſſionsbote leugnet, daß wir „mit dem Munde den Leib Chriſti empfahen“, wir bitten ihn daher, uns doch gütigſt ſagen zu wollen, ob man auch mit dem Geiſte den Leib Chriſti wirklich und eigentlich eſſen könne; denn zum eſſen hat ihn uns der HErr gegeben. — Der Miſ⸗ ſionsbote läßt ſich ein Bekenntniß gefallen, wel⸗ ches „nach Form und Inhalt den Glauben der Kirche bekennt“; in der „Glaubenslehre“ fordert er jedoch Freiheit, damit ſich „die Lehre der Kirche aus der Schrift fortentwickeln“ könne. Solche Freiheit in der „Glaubenslehre“ gibt es unter andern in der unirten Kirche Preußens, darum ſich auch aus ſo vielen Kirchen der Glaube „fort“, d. i. hinweg entwickelt hat. — Der Miſſionsbote meint, die Concordienformel enthalte „die Erklärung einzelner Glaubensarti⸗ kel, wie ſie einzelne gläubige Männer auffaßten und erklärten“. — Wir bitten ihn, ſich doch mit der Geſchichte der Coneordienformel erſt bekannt machen zu wollen und die 8⸗ bis 9000 Unterſchriften nicht zu vergeſſen, bevor er der⸗ gleichen behauptet. Endlich entblödet ſich der Miſſionsbote nicht, nach Art der alten „Sacra⸗ mentsſchwärmer“, unſere reine Lehre zu verdre⸗ hen und uns der Irrlehre von einer chemiſchen Vereinigung der beiden Naturen in Chriſto zu zeihen. Dieſes und daß er wider die Wahrheit und wider ſein eigen beſſer Wiſſen (oder ſollte er es nicht wiſſen? dann hätte er freilich ſchwei⸗ gen ſollen) in die Welt hineinſchreibt: „Der lutheriſche Prediger glaubt ein beſſeres Abend⸗ mahl zu bereiten, als der Reformirte“, das ſchieben wir ihm in ſein Gewiſſen und befehlen es Gott. Und hiemit wollen wir für diesmal von dem Miſſionsboten ſcheiden, indem wir ihn noch ein⸗ mal herzlich bitten, die Symbole unſerer Kirche und namentlich auch die Concordienformel zu ſtudiren, ihre Beweiſe zu prüfen und mit Gottes Wort zu vergleichen. Wird er das mit aufrich⸗ tigem Herzen thun, ſo wird ihm Gott neben an⸗ dern auch die tröſtliche Wahrheit, die in der Lehre von der communicatio idiomatum liegt, erłen⸗ nen laſſen, denn den Aufrichtigen läßt es Gott gelingen. Er aber, unſer Gott, gebe, daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Er⸗ kenntniß des Sohnes Gottes und ein vollkom⸗ mener Mann werden, der da ſei in dem Maße des vollkommenen Alters Chriſti. Auf daß wir nicht mehr Kinder ſein und uns wägen und wiegen laſſen von allerlei Wind der Lehre, durch Schalkheit der Menſchen und Täuſcherei, damit ſie uns erſchleichen zu verführen. B. (Eingeſandt.) Sie ſtimmt nicht. Damian (trottelt mit einer Bibel unterm Arm zur Thüre herein): Nachbarin, es iſt nichts mit der Schrift, ſienſtimmt nicht. Bäuerin (verſchüttet vor Schrecken die Milch, die ſie auf den Tiſch ſetzen will): Das wird nicht ſein! D. Schaut ſelber. Römer am 3, der 28. ſteht: „So halten wir es nun, daß der Menſch gerecht werde ohne des Geſetzes Werk allein durch den Glauben.“ Und wiederum aber Jacobi am 2, der 13. leſen wir: „Was hilft's, lieben Brüder, ſo Jemand ſagt, er habe den Glauben, und hat doch die Werke nicht? Kann auch der Glaube ihn ſelig machen?“ Und da drunten der 24. erſt, der ſagt doch ganz conträri mit den Römern: „So ſehet ihr nun, daß der Menſch durch die Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein.“ B. (nimmt mit zitternder Hand die Bibel): Ach, du lieber Gott, freilich muß es der Glaube thun; wir ſind ja alle arme Sünder und man⸗ geln des Ruhms, den wir an Gott haben ſollten. D. Der Jacobus weiß es anders (er klopft auf den Tiſch), der ſagt: Die Werke müſſen's thun. Schaut ihn nur recht an! das gilt mir aber gleich, wer's thut; ich red' davon, daß ſich die Schrift widerſpricht und daß ſie darum nicht verläſſig iſt. B. Schweigt ſtill, Nachbar, es muß einen Ausweg geben. D. Nein, nein! Es gibt da keinen Aus⸗ weg. Schaut die Sprüche noch einmal an! — Was macht ihr euch alſo ſo viel Müh' und Plag', daß ihr ganze Stunden weis in der Schrift hockt? B. O, Nachbar, es iſt keine Müh' und Plag', es iſt meines Herzens Freud und Troſt. D. Iſt ein falſcher Troſt, denn ſie ſtimmt nicht. B. (weint): Von euch laß ich mir Gottes Wort noch nicht verhohnecken. Der Herr Pfarrer wird euch ſchon zu berichten wiſſen. Der Bruder der Bäuerin (kommt aus dem Ofenſeſſel hervor): Da könnt' vielleicht mein geringer Verſtand auslangen. Alſo, Da⸗ mian, was iſt deine Sache? D. (wird ganz verlegen, wie er den Bruder der Bäuerin ſieht): So, du biſt auch da! — ͥ — Davon ſag' ich, daß die Schrift nicht ſtimmt. Da ſteht's einmal, was kann ich dafür? (er lieſ't obige drei Sprüche von neuem.) Bruder. Wir müſſen halt einen Unterſcheid machen zwiſchen Glauben und Glauben; nach⸗ her werden ſich die Sprüche bald ausgleichen. D. Einen Unterſchied, ſo! Br. Paulus meint in ſeinem Briefe an die Römer einen lebendigen Glauben. Da hat ſich das Herz des Menſchen mit Chriſto ver⸗ einigt und empfäht Saft und Kraft vom HErrn, wie die Rebe von dem Weinſtock. Da fehlt ſich's nicht, es wirkt und ſchafft im Herzen und treibt von Innen heraus gute Früchte. Und das iſt denn der wahre, gerechtmachende Glaube, ein ſolcher, der durch die Liebe thätig iſt. Dennoch, iſt die Meinung des Apoſtels, wird der Einlaß in den Himmel gar nicht durch die guten Früchte ſelber erworben, und überhaupt durch unſer Thun des Geſetzes nicht; ſondern der Einlaß in's Vaterhaus iſt einmal ein Gna⸗ dengeſchenk Gottes, das man ſich mit dem puren Glauben zueignet. D. Deine Auslegung wär' nicht zu verachten. Aber was ſagt der Jacobus? Br. Nichts Widerwärtiges, wenn man's im Grund betrachtet. Jacobus redet von einem todten Glauben, wo man den HErrn wohl im Kopf und meinethalben auf der Zunge, aber nicht im Herzen hat, wo man von ſeiner Kraft und ſeinem Leben nicht durchdrungen wird, und darum auch keine guten Früchte bringt. Ein ſolcher falſcher heilloſer Glaube kann freilich nicht ſelig machen; das mag alleinig durch den geſchehen, der ſeine Rechtſchaffenheit in guten Werken erweiſ't. Und ſo weit ſtimmt Jacobus noch immer mit Paulo, und weiter will er auch nichts. Sein 24. Vers da, wenn man das vor⸗ ausgeſchickte Erempel von Abraham andächtig betrachtet, ſagt accurat ſoviel: „So ſehet ihr nun, daß der Menſch durch einen leben⸗ digen folgſamen Glauben gerecht wird, und nicht durchs Wiſſen und Reden allein.“ Daß aber der liebe Jacobus den Werken ſollt als Werken die Gerechtigkeit vor Gott zuſchreiben, das wär' viel daneben ge⸗ tappt; denn gegentheils ſchlägt er die Werk⸗ gerechtigkeit gewaltiger zuſammen, als alle die andern. Da betracht, was er im 10. Vers ſagt: „So Jemand das ganze Geſetz hält und ſündigt an Einem, der iſt es ganz ſchuldig.“ Gib Achtung, Damian! Wenn alſo ein Menſch von Kindesbeinen an bis in ſein 70. Jahr alle Stücke des Geſetzes im groben und ſubtilen Verſtand aufs Tüpfelein gehalten hätte, und endlich thät er ſich noch z. B. durch eine einige Lüge vergehen, hätt' er vor der ſtrengen Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes die Verdammniß verſchuldet wie der, ſo am Galgen ſtirbt. Merk wohl, Damian, das ſagt unſer Jacobus. Jetzt muß er aber ſelber da im 3. Capitel bekennen: „wir fehlen alle mannigfaltig“; — ei, wie wollen wir arme Sünder denn ſelig werden? Es geht nicht anders als aus Gnaden, durch den Glauben an IEſum Chriſtum, der ſein Blut vergoſſen hat zur Vergebung unſrer Sünden. D. Wenn man''s ſo hört, haſt ſchier du recht. — Aber ſo ſollten ſie auch gleichförmig reden, wenn ſie doch einerlei Geſinnung haben. Das wär' viel geſcheidter, ſo wüßt' man gleich, wie man dran wäre. Br. Damian! Der Heilige Geiſt, der es ihnen eingegeben hat, was jeder ſchreiben ſoll, der iſt geſcheidter als du und ich, und der wird ſeine Urſach gehabt haben, warum er ſie ſo hat reden laſſen und nicht anders. Etwas können wir uns gleich denken. Verſteh, die göttliche Weisheit will, daß ein jedweder in der Schrift finden ſoll, was ihm juſtement beſonders nöthig und zuträg⸗ lich iſt. Da gibt's jetzt Leute, die mit ihren er⸗ ſtaunlichen guten Werken den Himmel ſchon zwanzigmal verdient zu haben vermeinen; — denen muß der werthe Paulus zur Ader laſſen und ſagen: „So halten wir nun, daß der Menſch gerecht werde ohne des Geſetzes Werke allein durch