# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 08_S165 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) len noch, um doch ſeinen Groll auszulaſſen, feige beſchimpft und läſtert. Hier zu Lande ſcheint es hingegen, daß ſie ihre Kampfesbahn von neuem zu durchlaufen haben wird. Nun wohlan denn, in Gottes Namen! Gegen dieſe Eintrachtsformel ſind denn auch die vier Pfeile des Miſſionsboten gerichtet, die wir nun ohne weiteres näher ins Auge faſſen wollen. 1. „Die Verdammungsurtheile der Concor⸗ dienformel ſind gegen den Geiſt des Evange⸗ liums“, ſo ſagt der Miſſionsbote. Da ihm nun aber doch Galat. 1, 8. zu ſtark in den Weg tritt, ſo fügt er hinzu: „Wohl ſpricht der Apoſtel Pau⸗ lus: Wer ein anderes Evangelium predigt, als ich euch verkündigt habe, der ſei verflucht.“ Aber um ſich dem Eindrucke dieſer Worte zu entziehen, meint er, „wir müſſen unterſcheiden das Evange⸗ lium als die frohe Botſchaft, daß wir allein durch IEſum gerecht und ſelig werden, und die verſchie⸗ denen Auffaſſungen von Glaubenslehren. Es können zwei im Evangelio einig ſein, aber in der Auffaſſung von Glaubensartikeln ſind ſie ver⸗ ſchieden.“ — O lieber Miſſionsbote, si tacuisses etc., da du aber redeſt, und zwar ſo ungeſalzen redeſt, ſo erkennt man nur zu gut, wer du biſt. Nach deiner „Ueberzeugung“ iſt alſo das Evange⸗ lium weiter nichts, als „die frohe Botſchaft, daß wir allein durch IEſum gerecht und ſelig wer— den“. Nun darinn ſind freilich alle chriſtlichen Secten einig, auch die vor einigen Jahren in Deutſchland entſtandene Secte der Neukatholiken, deren gottesläſterliche Lehre längſt offenbar iſt. Auch ſie lehrt, daß der Menſch allein durch JEſum gerecht und ſelig werde, weil nemlich IEſus zu⸗ erſt und allein den Menſchen den Weg der Ge⸗ rechtigkeit und des Lebens gewieſen habe, auf welchem ſie nun nur (freilich in eigner Kraft und Weisheit) froh fortzuſchreiten hätten. In dieſem Evangelium ſind ſich freilich nicht nur zwei, ſon— dern alle, auch die tollſten, Secten einig, aber „in der Auffaſſung von Glaubensartikeln ſind ſie ver⸗ ſchieden“. Doch, was ſollte das ſchaden? „Auch die Reformirte Kirche bekennt ja das Evangelium von Herzen“, was ſollte es daher ſchaden, daß ſie Gott läſtert und lehrt: Er (Gott) ſei eigentlich Urheber der Sünde, er habe den Sündenfall ge⸗ wollt und vorher beſtimmt! Gott erbarme ſich nicht aller ſeiner Geſchöpfe, er wolle nicht, daß allen Menſchen geholfen werde und zur Er⸗ kenntniß der Wahrheit kommen (1 Timoth. 2, 4.), ſondern er erbarme ſich nur eines Theils, alle übrigen aber habe er zur ewigen Verdammniß vorher beſtimmt! Was ſchadet es, daß ſie lehrt: unſer ewiger Hoherprieſter, der da Mitleiden haben kann mit unſrer Schwachheit, weil er verſucht iſt allenthalben, gleichwie wir, doch ohne Sünde (Hebr. 4, 15.), ſei nicht bei uns alle Tage, bis an der Welt Ende (Matthäi 28, 20.), ſei nicht mitten unter uns, wo irgend wir verſammelt ſind in ſeinem Namen (Matth. 18, 20.), ſondern ſei ſehr fern von uns oben im Him⸗ mel, und nur ein Theil von Ihm, dem Unzer⸗ theilten, ſeine Gottheit nemlich, ſei überall! Was ſchadet es, daß ſie lehrt: Chriſtus habe zwar ge⸗ 16⁴ ſagt: Nehmet hin und eſſet, das iſt mein Leib, der für euch gegeben wird ꝛc., allein das müſſe man nicht ſo verſtehen, wie es der Mund der ewigen Wahrheit geredet hat; denn hienieden ge⸗ nieße man eben nur Brod und Wein; wolle man was mehr haben, ſo müſſe man mit dem Glau⸗ ben ſich in den Himmel erheben und Chriſtum dort genießen im Geiſte! Was ſchadet es, daß ſie lehrt, die heilige Taufe ſei nicht das Bad der Wiedergeburt (Tit. 3, 5.), in der heiligen Taufe werden nicht unſre Sünden abgewaſchen (Apoſt. Geſch. 22, 16.), ſondern die Taufe ſei nur „ein göttliches Wahrzeichen und Verſicherung der Ab⸗ waſchung der Sünde“, die ganz unabhängig von der Taufe geſchehe im Geiſt! — Was ſchadet all' dieſe gottesläſterliche, und troſtloſe, und falſche Lehre, wenn nur das Evangelium bekannt wird! O heiliger Apoſtel Paulus, wie konnteſt du doch gleich einen Hymenäus dem Satan übergeben, weil er nur in dem Einen Glaubensartikel von der Auferſtehung der Todten „verſchieden“ lehrte! Hat doch auch er gewiß das Evangelium bekannt, daß man „allein durch IEſum gerecht und ſelig werde“. Und du, heiliger Jünger der Liebe, St. Johannes, o daß du keine amerikaniſche Unionsliebe hatteſt, ſondern ſo ſchroff warſt, daß du einen Falſchgläubigen nicht ins Haus aufzu⸗ nehmen und nicht zu grüßen befahlſt, und mit einem Cerinth ſo gar keine Gemeinſchaft haben wollteſt, obgleich er doch auch in dem Evange⸗ lium mit dir einig war, daß man „allein durch IEſum gerecht und ſelig werde“. Wahrlich, hät⸗ teſt du amerikaniſche Unionsliebe gehabt, du wärſt nicht nur mit Cerinth, ſondern auch mit Baſili⸗ des, mit Valentinus und allen Gnoſtikern, und mit Arius dazu „einig“ geweſen. Denn dieſe Liebe kann alles lieben, auch was Gott und ſeine Apoſtel haſſen und verwerfen. Dieſe Liebe kann ſich über alles freuen, auch über die Unwahrheit und Ungerechtigkeit. Ihr Unionsmantel iſt weit genug, alle Secten zu umhüllen, und ihr ſynkre⸗ tiſtiſcher Hut breit genug, alle zu bedecken. Nur für die Kirche von reinem Wort und reinem Sa⸗ crament und allerdings ſchriftgemäßem Bekennt⸗ niß hat ſie kein Herz und keine Duldung. Und darum kann ſie auch die „Verdammungsurtheile“ d. i. die ſchriftgemäße Verwerfung der Irrlehre nicht leiden. — Uebrigens muß es uns wundern, wie der Miſſionsbote nicht aus demſelben Grunde auch die Augsburgiſche Confeſſion verwirft, da ja auch ſieꝑ„Verdammungsurtheile“, wie er es zu nennen beliebt, enthält. 2. meint der Miſſionsbote: „Es iſt aus der Schrift nicht nachzuweiſen, daß ſich die Eigen⸗ ſchaften der beiden Naturen in Chriſto (Commu- nicatio idiomatum) ſo verhalten, wie es in der Con cordienformel dargelegt iſt, ſondern daß es iſt, wie die Augsburgiſche Confeſſion ſagt: „„Chri⸗ ſtus iſt wahrhaftiger Gott und Menſch in per⸗ ſönlicher Einheit.““ Das iſt nun eine gewaltige Anklage gegen die arme Concordienformel, da wird ſie ſchweren Stand bekommen; denn man beſchuldigt ſie ja, mit der heiligen Schrift und mit der Augsburgiſchen Confeſſion im Wider⸗ ſpruch zu ſtehen. Und, wahrlich, wäre dem ſo, ſo wäre es um ſie geſchehen und wir wollten ſie ſelbſt gern unvertheidigt laſſen und Schwarzes weiß zu nennen uns nicht unterfangen. Allein einſtweilen behalten wir noch guten Muth; denn beſchuldigen, das kann ein jeder, aber beweiſen, lieber Miſſionsbote, beweiſen, das iſt die Sache. Und womit haſt du denn deine Be⸗ ſchuldigung bewieſen? Auch nicht mit einem Wörtlein. Die Concordienformel hat ihre Lehre von der communicatio idiomatum aus der hei⸗ ligen Schrift bewieſen und begründet, dazu noch ſehr viele Zeugniſſe der älteſten Lehrer der Kirche angeführt, die mit ihr übereinſtimmen; darum beliebe doch auch du, lieber Miſſions⸗ bote, erſt zu beweiſen, daß die Concordien⸗ formel und die Väter der erſten chriſtlichen Jahr⸗ hunderte geirrt haben, und verſuche es nicht, mit leeren Beſchuldigungen uns „Sand in die Augen jagen“ zu wollen. Du forderſt „gründliche Be⸗ weiſe aus der heiligen Schrift“; ei, ſo gib doch auch du ſie für deine „Ueberzeugung“, und dann werden wir dir „gründliche Beweiſe aus der hei⸗ ligen Schrift“ nicht ſchuldig bleiben. So lange aber noch unſere Beweiſe in der Concordienformel unangetaſtet ſind, wäre es eben ſo thöricht, dir neue bringen zu wollen, als es thöricht iſt, welche zu fordern. Unterdeſſen geben wir dir den wohl⸗ gemeinten Rath, die Concordienformel erſt recht gründlich zu ſtudiren; denn wenn du das thun, und Gott dabei anrufen wirſt, dich in alle Wahr⸗ heit zu leiten: ſo wirſt du von ſelbſt den Irrthum deines Weges einſehen, und nicht nur viel Be⸗ lehrung, ſondern auch viel Troſt und Freude aus der Erkennmiß der reinen Lehre davon tragen. Auch das Studium der Augsburgiſchen Confeſſion wollen wir dir hiemit anempfohlen haben, dann wird es dir auch nicht beikommen, die Concowien⸗ formel mit der Augsburgiſchen Confeſſion in Widerſpruch zu ſetzen, noch auch letztere ſo unrich⸗ tig zu citiren. 3. heißt es: „Es kann aus der heiligen Schrift nicht bewieſen werden, daß wir in, unter und mit dem Brod und Wein und mit dem Munde den Leib und das Blut Chriſti empfahen, wie es die Concordienformel darlegt, denn ein ſolcher Genuß kann nur körperlich ſein.“ Und 4. „Es iſt unnachweisbar aus der Schrift, daß die UÜbiquitätslehre der Concordienformel recht ſei.“ — Auch dieſe beiden Punkte bitten wir uns beweiſen zu wollen, und nicht ſo in's Blaue hinein zu behaupten: „Es kann nicht bewieſen werden.“ Unſere Lehre iſt längſt bewieſen. Die Concordienformel be⸗ hauptet nirgends etwas, ſondern beweiſ't es un⸗ umſtößlich aus dem Worte Gottes. Darum iſt es an dir, mein lieber Miſſionsbote, zu beweiſen, daß die Concordienformel irrt, und du recht ha⸗ beſt. Aber mit ſolchen ungeſalzenen Beſchuldi⸗ gungen und thörichten Behauptungen komm uns nicht wieder, oder wenn du's doch nicht laſſen kannſt, ſo erwarte keine Antwort. So viel über die vier unbewieſenen Beſchuldi⸗ gungen der Concordienformel. Was nun die übrigen Ungereimtheiten dieſes Artikels des Miſ- ſionsboten betrifft, ſo wäre es ſchade um die Zeit,