Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 16 › Seite 126

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-02, Seite 126

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u erhabenen Worten Unſinn und Unwahrheiten
vorzutragen. Dies geſchieht leider ſehr häufig im
„Jugendfreunde“. B. 3. Nro. 3, heißt es:

Welch' ein Himmel iſt dein Geiſt,

Menſch, der Gott mit Worten preiſ't.

Allerdings hat der Menſch vor allen übrigen

Geſchöpfen der Erde den Vorzug, daß er Gott
preiſen kann, und dadurch hat er den Himmel be⸗
reits auf Erden; allein den Menſchengeiſt ſelbſt
einen Himmel zu nennen, iſt geradezu Unſinn.
In demſelben Liede verräth ſich auch der gemeinſte
Rationalismus, es heißt nemlich:

Herzenswonnen, Tugendmuth
Biete dar dem höchſten Gut.

Wir,, lieber Chriſtian, waren nach Gottes Wort
immer der Meinung, daß wir dem lieben Gott
nichts anders zu bieten hätten, als ein über ſeine
Sünden trauerndes und zerſchlagenes Herz. Wir
wollen mit Gottes Hülfe auch dabei bleiben und
müſſen deßhalb die „Herzenswonnen“ und den
„Tugendmuth“ dem Herrn „Jugendfreund“ über⸗
laſſen zu ſeinem geſunden Allen towner Obſt und
den anderen Herrlichkeiten. Was dünkt dich,
wenn es in einem Weihnachtsliede ungefähr ſo
lautet:

Machts behaglich in der Stube,

Daß man ſeh', ein Feſt iſt da;

Reich mir Kuchen her, mein Bube,

Mädchen, biſt dem Kaffer nah, u. ſ. w.

Der Geſchmack iſt verſchieden; Herr Brobſt
findet dieß wahrſcheinlich ſchön, mir aber ſcheint,
als ob die Poeſie des Magens mit ſeinen „Her⸗
zenswonnen“ hier ein wenig zu ſtark durchklinge.
B. 3. N. 1. ſagt der „Jugendfreund“ in einem
Liede von Washington:

Kein Größerer iſt mehr geehrt
Auf dieſer Erde Bahnen.

Dagegen werden ſchon chriſtliche Kinder ein⸗
wenden, daß der liebe Gott doch größer iſt, als
Washington, und auf Erden von den Chriſten
wenigſtens auch mehr geehrt wird; auch werden
ſie mit Recht die lieben Apoſtel und Propheten
für größer halten, als Washington. Wenn er
weiter ſpricht vom Auferſtehungsmorgen:

Wo Weſt und Oſt und Süd und Nord

Ihn grüßet als der Freiheit Hort,
ſo heißt das offenbar mit Washington Abgötterei
treiben. In demſelben Liede wird der „Jugend⸗
freund“ ſogar zum Pantheiſten, denn er ſagt mit
dürren Worten:

Des Allgeiſt's Hauch belebt die Welt,

Die Weisheit, die ſie neu erhält.

Die Pantheiſten lehren bekanntlich, daß Gott
und die Welt in eins zuſammen fallen. Sie leug⸗
nen einen perſönlichen, außerweltlichen Gott und
behaupten, daß die Welt Gott, alſo ewig ſei und
daß die Materie oder der Stoff von einer Weltſeele
oder einem Allgeiſte belebt werde, welchen ſie miß⸗
bräuchlich Gott nennen, der aber natürlich ein
ganz anderes Weſen, als der Gott der Chriſten iſt.
Sie glauben nun, daß dieſer Allgeiſt in den Men⸗

ſchen zum Bewußtſein komme und daß dieſelben
Theile der Gottheit ſeien. Dieſer gottesläſterliche
Unſinn liegt manchen heidniſchen Religionen zum
Grunde, ſo der Hinduiſchen. Danach glauben

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die armen verblendeten Hindu's, alle Sünden,
welche ſie begehen, thun nicht ſie, ſondern Gott
durch ſie. Eine Geſchichte möge dies verdeut⸗
lichen. Einſt wurde ein Hindu, welcher geſtohlen
hatte, vor den Richter gebracht. Der Richter ver⸗
urtheilte ihn wegen ſeines Verbrechens zu einer
Anzahl Ruthenhiebe. Der Dieb aber rechtfertigte
ſich gegen den Richter: „Du darfſt mich nicht
ſchlagen laſſen, denn nicht ich habe geſtohlen, ſon⸗
dern der Gott (der Allgeiſt) in mir.“ Der Rich⸗
ter entgegnete ruhig: „Freund, du bekommſt auch
keine Schläge, ſondern nur der Gott in dir.“ —
Auf's Gelindeſte geſagt, iſt es von einem Manne,
der an den dreieinigen Gott glaubt, ſehr unvor⸗
ſichtig, ſolche Allgeiſtslieder der chriſtlichen Jugend
mitzutheilen. In Gott leben, weben und ſind
wir, Apgeſch. 17, 28. Gott wirket alles in allem,
1 Cor. 12, 6. Gott trägt alle Dinge mit ſeinem
kräftigen Wort, Hebr. 1, 3.; wir können uns die
Vorſehung des allgegenwärtigen Gottes, welche
ſich auch auf die geringſten Geſchöpfe, Matth.
10, 29., und auf die kleinſten Umſtände unſeres
Lebens erſtreckt, nach dem Worte Gottes nicht
lebendig genug vorſtellen, und nicht innig genug
glauben, aber den Spuck einer geſpenſtiſchen All⸗
geiſterei laß uns haſſen, wie den Teufel ſelbſt.
Das haſt du wohl ſchon ſelbſt bemerkt, mein
theuerſter Chriſtian, daß der Herr Brobſt kein
wahrer Lutheraner iſt, ſondern ein Unioniſt. Dies
geht beſonders deutlich aus einem Artikel Bd. 3.
Nr. 10. hervor, wo es folgendermaßen heißt:
„Als bei unſerer Conferenz in Howertown der
Beſchluß, welcher den Gebrauch des lutheriſchen
Katechismus in Sonntagsſchulen beſonders em⸗
pfiehlt, angenommen wurde, ſprachen ſich die ge⸗
genwärtigen Prediger dahin aus, daß in gemein⸗
ſchaftlichen Schulen mit dem lutheriſchen auch
der reformirte Katechismus gebraucht werden ſolle.
Dies kann ja leicht geſchehen. Die Kinder von
lutheriſchen Eltern lernen den lutheriſchen, und
die von reformirten Eltern den reformirten Kate⸗
chismus auswendig.“ Ein wahrer lutheriſcher
Chriſt, der durch Gottes Wort und den Heiligen
Geiſt zu der Erkenntniß gekommen iſt, daß die
lutheriſche Lehre mit der heiligen Schrift überein⸗
ſtimmet, und ſomit die einzig richtige iſt, muß
natürlich die entgegengeſetzten reformirten Irrthü⸗
mer entſchieden verwerfen, wird alſo dieſelben auf
keine Weiſe ausbreiten und befördern, vielmehr
wird er die Reformirten mit Gottes Wort in herz⸗
licher Liebe zu bewegen ſuchen, ihre Irrthümer
zu erkennen und fahren zu laſſen. Aber, möchte
Jemand einwenden, wenn ein evangeliſch-luthe⸗
riſcher Lehrer von ſeinen reſpectiven Schülern den
reformirten Katechismus nur auswendig lernen
läßt, ſo hilft er damit ja noch keinesweges
die reformirten Irrlehren ausbreiten. Ich ant⸗
worte: gerade dadurch befördert er dieſelben auf
die wirkſamſte Weiſe. Würde er den Kindern
die reformirten Irrlehren bloß predigen, ſo wür⸗
den die Kinder Manches nicht verſtehen; wenn
er aber von ihnen den reformirten Katechismus
auswendig lernen läßt, ſo behalten ſie denſelben
ihr ganzes Leben lang. Katechismen ſind ja eben
darum entſtanden, um durch ſie eine Lehre auf die

einfachſte, ſchnellſte und nachhaltigſte Weiſe aus⸗
zubreiten. Ferner bekennt ein Lehrer ſich ſelbſt
dadurch, daß er den reformirten Katechismus
auswendig lernen läßt, thatſächlich zur reformir⸗
ten Religion, er bekennt damit, daß er dieſelbe für
Wahrheit halte, und empfiehlt dieſelbe als ſolche
ſeinen Schulkindern. Laß uns doch die Sachen
nehmen, wie ſie ſind. Denke dir ein Kind, welches
in einer Sonntagsſchule, die ein ev.⸗lutheriſcher
Lehrer hält, den reformirten Katechismus aus⸗
wendig lernt. Wird dieſes Kind nicht in ſeiner
Einfalt glauben: „Mein Lehrer, der mich beten

lehrt, läßt mich gewiß nur einen ſolchen Katechis⸗

mus lernen, den er wenigſtens ſelbſt für Wahr⸗
heit hält.“ Und in ſolchem Vertrauen würde
das Kind ſo ruhig und ſicher ſein, daß es den

verlachen würde, welcher ihm ſagen wollte, daß

ſein lieber Lehrer ſelbſt den Katechismus für falſch
halte, welchen es von ihm gelernt habe. Wie
nun? wenn das Kind endlich zur Erken nin iß
kömmt? wenn es ſich geſtehen muß: „Es iſt wahr,
mein Lehrer hat mich einen Katechismus gelehrt,
den er ſelbſt nicht für wahr hält“: wird ein ſo
betrogener Menſch nicht ſeinen Lehrer mit Fug
und Recht für einen Heuchler halten, als welcher
ihn mit Bewußtſein Falſches gelehrt habe? und
wird er nicht endlich dahin gebracht, daß er gar
nichts mehr glaubt? Gewiß: iſt derjenige ein
ſchändlicher Betrüger, welcher eine ihm als falſch
bekannte Geldnote ſeinem Nächſten für echt gibt,
ſo iſt derjenige ev.⸗lutheriſche Lehrer ein Erzheuch⸗
ler, der von der Falſchheit der reformirten Lehre
überzeugt iſt, und dennoch von den armen Kin⸗
dern den reformirten Katechismus auswendig
lernen läßt. Ein ſolcher geiſtlicher Komödiant
iſt kein Chriſt, kein Lutheraner mehr; ein ſo ge⸗
wiſſenloſer Menſch würde auch ohne Bedenlen
einen methodiſtiſchen, ja ſelbſt papiſtiſchen Kate⸗
chismus von ſeinen Schülern auswendig lernen
laſſen. Du ſiehſt, lieber Chriſtian, wie die heutige
Religionsmengerei, die ſich fälſchlich mit dem
ſchönen Namen der Union ſchmückt, und welche
auch der „Jugendfreund“ empfiehlt, eine Quelle
von lauter Unredlichkeit iſt, welche endlich nur
größeren Haß und ſchärfere Trennungen gebiert;
du ſiehſt auch, wie der Vorſchlag des Herrn
Brobſt, welcher auf den erſten Blick ſo ehrlich zu
ſein ſcheint, ſich doch nur bei völliger Gewiſſen⸗
loſigkeit durchführen läßt. „

Doch ſo groß auch alle dieſe Fehler und Män⸗
gel des „Jugendfreundes“ ſind, ſo wollte ich ſie
noch gerne mit dem Mangel an Erkenntniß ent⸗
ſchuldigen, wenn er den Kindern nur das ſechste
Gebot ernſtlich einprägte. Was aber einen jeden
chriſtlichen Leſer empören muß, iſt, daß in dem
„Jugendfreunde“ trotz aller ſcheinheiligen Fröm⸗
melei ein verſteckter, giftiger Hurengeiſt herrſcht.
Ich will nur Folgendes zum Beweiſe anführen.
B. 3. N. 6. „Beide zu Hauſe. „„Ich werde näch⸗
ſten Sonntag zu Hauſe ſein““, ſagte ein Mädchen

zu ihrem Geliebten, als er Abſchied nahm. Weil

aber dieſer etwas unbeſtändig in ſeiner Liebe war,
ſo erwiederte er: „„Ja, da werde ich auch zu Hauſe
bleiben.““ — Ein Mann, der ſich nicht verliebt,
bis er die dreißig Jahre erreicht hat, ſieht in Ge⸗

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