# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 02_S126 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) u erhabenen Worten Unſinn und Unwahrheiten vorzutragen. Dies geſchieht leider ſehr häufig im „Jugendfreunde“. B. 3. Nro. 3, heißt es: Welch' ein Himmel iſt dein Geiſt, Menſch, der Gott mit Worten preiſ't. Allerdings hat der Menſch vor allen übrigen Geſchöpfen der Erde den Vorzug, daß er Gott preiſen kann, und dadurch hat er den Himmel be⸗ reits auf Erden; allein den Menſchengeiſt ſelbſt einen Himmel zu nennen, iſt geradezu Unſinn. In demſelben Liede verräth ſich auch der gemeinſte Rationalismus, es heißt nemlich: Herzenswonnen, Tugendmuth Biete dar dem höchſten Gut. Wir,, lieber Chriſtian, waren nach Gottes Wort immer der Meinung, daß wir dem lieben Gott nichts anders zu bieten hätten, als ein über ſeine Sünden trauerndes und zerſchlagenes Herz. Wir wollen mit Gottes Hülfe auch dabei bleiben und müſſen deßhalb die „Herzenswonnen“ und den „Tugendmuth“ dem Herrn „Jugendfreund“ über⸗ laſſen zu ſeinem geſunden Allen towner Obſt und den anderen Herrlichkeiten. Was dünkt dich, wenn es in einem Weihnachtsliede ungefähr ſo lautet: Machts behaglich in der Stube, Daß man ſeh', ein Feſt iſt da; Reich mir Kuchen her, mein Bube, Mädchen, biſt dem Kaffer nah, u. ſ. w. Der Geſchmack iſt verſchieden; Herr Brobſt findet dieß wahrſcheinlich ſchön, mir aber ſcheint, als ob die Poeſie des Magens mit ſeinen „Her⸗ zenswonnen“ hier ein wenig zu ſtark durchklinge. B. 3. N. 1. ſagt der „Jugendfreund“ in einem Liede von Washington: Kein Größerer iſt mehr geehrt Auf dieſer Erde Bahnen. Dagegen werden ſchon chriſtliche Kinder ein⸗ wenden, daß der liebe Gott doch größer iſt, als Washington, und auf Erden von den Chriſten wenigſtens auch mehr geehrt wird; auch werden ſie mit Recht die lieben Apoſtel und Propheten für größer halten, als Washington. Wenn er weiter ſpricht vom Auferſtehungsmorgen: Wo Weſt und Oſt und Süd und Nord Ihn grüßet als der Freiheit Hort, ſo heißt das offenbar mit Washington Abgötterei treiben. In demſelben Liede wird der „Jugend⸗ freund“ ſogar zum Pantheiſten, denn er ſagt mit dürren Worten: Des Allgeiſt's Hauch belebt die Welt, Die Weisheit, die ſie neu erhält. Die Pantheiſten lehren bekanntlich, daß Gott und die Welt in eins zuſammen fallen. Sie leug⸗ nen einen perſönlichen, außerweltlichen Gott und behaupten, daß die Welt Gott, alſo ewig ſei und daß die Materie oder der Stoff von einer Weltſeele oder einem Allgeiſte belebt werde, welchen ſie miß⸗ bräuchlich Gott nennen, der aber natürlich ein ganz anderes Weſen, als der Gott der Chriſten iſt. Sie glauben nun, daß dieſer Allgeiſt in den Men⸗ ſchen zum Bewußtſein komme und daß dieſelben Theile der Gottheit ſeien. Dieſer gottesläſterliche Unſinn liegt manchen heidniſchen Religionen zum Grunde, ſo der Hinduiſchen. Danach glauben 12⁵ die armen verblendeten Hindu's, alle Sünden, welche ſie begehen, thun nicht ſie, ſondern Gott durch ſie. Eine Geſchichte möge dies verdeut⸗ lichen. Einſt wurde ein Hindu, welcher geſtohlen hatte, vor den Richter gebracht. Der Richter ver⸗ urtheilte ihn wegen ſeines Verbrechens zu einer Anzahl Ruthenhiebe. Der Dieb aber rechtfertigte ſich gegen den Richter: „Du darfſt mich nicht ſchlagen laſſen, denn nicht ich habe geſtohlen, ſon⸗ dern der Gott (der Allgeiſt) in mir.“ Der Rich⸗ ter entgegnete ruhig: „Freund, du bekommſt auch keine Schläge, ſondern nur der Gott in dir.“ — Auf's Gelindeſte geſagt, iſt es von einem Manne, der an den dreieinigen Gott glaubt, ſehr unvor⸗ ſichtig, ſolche Allgeiſtslieder der chriſtlichen Jugend mitzutheilen. In Gott leben, weben und ſind wir, Apgeſch. 17, 28. Gott wirket alles in allem, 1 Cor. 12, 6. Gott trägt alle Dinge mit ſeinem kräftigen Wort, Hebr. 1, 3.; wir können uns die Vorſehung des allgegenwärtigen Gottes, welche ſich auch auf die geringſten Geſchöpfe, Matth. 10, 29., und auf die kleinſten Umſtände unſeres Lebens erſtreckt, nach dem Worte Gottes nicht lebendig genug vorſtellen, und nicht innig genug glauben, aber den Spuck einer geſpenſtiſchen All⸗ geiſterei laß uns haſſen, wie den Teufel ſelbſt. Das haſt du wohl ſchon ſelbſt bemerkt, mein theuerſter Chriſtian, daß der Herr Brobſt kein wahrer Lutheraner iſt, ſondern ein Unioniſt. Dies geht beſonders deutlich aus einem Artikel Bd. 3. Nr. 10. hervor, wo es folgendermaßen heißt: „Als bei unſerer Conferenz in Howertown der Beſchluß, welcher den Gebrauch des lutheriſchen Katechismus in Sonntagsſchulen beſonders em⸗ pfiehlt, angenommen wurde, ſprachen ſich die ge⸗ genwärtigen Prediger dahin aus, daß in gemein⸗ ſchaftlichen Schulen mit dem lutheriſchen auch der reformirte Katechismus gebraucht werden ſolle. Dies kann ja leicht geſchehen. Die Kinder von lutheriſchen Eltern lernen den lutheriſchen, und die von reformirten Eltern den reformirten Kate⸗ chismus auswendig.“ Ein wahrer lutheriſcher Chriſt, der durch Gottes Wort und den Heiligen Geiſt zu der Erkenntniß gekommen iſt, daß die lutheriſche Lehre mit der heiligen Schrift überein⸗ ſtimmet, und ſomit die einzig richtige iſt, muß natürlich die entgegengeſetzten reformirten Irrthü⸗ mer entſchieden verwerfen, wird alſo dieſelben auf keine Weiſe ausbreiten und befördern, vielmehr wird er die Reformirten mit Gottes Wort in herz⸗ licher Liebe zu bewegen ſuchen, ihre Irrthümer zu erkennen und fahren zu laſſen. Aber, möchte Jemand einwenden, wenn ein evangeliſch-luthe⸗ riſcher Lehrer von ſeinen reſpectiven Schülern den reformirten Katechismus nur auswendig lernen läßt, ſo hilft er damit ja noch keinesweges die reformirten Irrlehren ausbreiten. Ich ant⸗ worte: gerade dadurch befördert er dieſelben auf die wirkſamſte Weiſe. Würde er den Kindern die reformirten Irrlehren bloß predigen, ſo wür⸗ den die Kinder Manches nicht verſtehen; wenn er aber von ihnen den reformirten Katechismus auswendig lernen läßt, ſo behalten ſie denſelben ihr ganzes Leben lang. Katechismen ſind ja eben darum entſtanden, um durch ſie eine Lehre auf die einfachſte, ſchnellſte und nachhaltigſte Weiſe aus⸗ zubreiten. Ferner bekennt ein Lehrer ſich ſelbſt dadurch, daß er den reformirten Katechismus auswendig lernen läßt, thatſächlich zur reformir⸗ ten Religion, er bekennt damit, daß er dieſelbe für Wahrheit halte, und empfiehlt dieſelbe als ſolche ſeinen Schulkindern. Laß uns doch die Sachen nehmen, wie ſie ſind. Denke dir ein Kind, welches in einer Sonntagsſchule, die ein ev.⸗lutheriſcher Lehrer hält, den reformirten Katechismus aus⸗ wendig lernt. Wird dieſes Kind nicht in ſeiner Einfalt glauben: „Mein Lehrer, der mich beten lehrt, läßt mich gewiß nur einen ſolchen Katechis⸗ mus lernen, den er wenigſtens ſelbſt für Wahr⸗ heit hält.“ Und in ſolchem Vertrauen würde das Kind ſo ruhig und ſicher ſein, daß es den verlachen würde, welcher ihm ſagen wollte, daß ſein lieber Lehrer ſelbſt den Katechismus für falſch halte, welchen es von ihm gelernt habe. Wie nun? wenn das Kind endlich zur Erken nin iß kömmt? wenn es ſich geſtehen muß: „Es iſt wahr, mein Lehrer hat mich einen Katechismus gelehrt, den er ſelbſt nicht für wahr hält“: wird ein ſo betrogener Menſch nicht ſeinen Lehrer mit Fug und Recht für einen Heuchler halten, als welcher ihn mit Bewußtſein Falſches gelehrt habe? und wird er nicht endlich dahin gebracht, daß er gar nichts mehr glaubt? Gewiß: iſt derjenige ein ſchändlicher Betrüger, welcher eine ihm als falſch bekannte Geldnote ſeinem Nächſten für echt gibt, ſo iſt derjenige ev.⸗lutheriſche Lehrer ein Erzheuch⸗ ler, der von der Falſchheit der reformirten Lehre überzeugt iſt, und dennoch von den armen Kin⸗ dern den reformirten Katechismus auswendig lernen läßt. Ein ſolcher geiſtlicher Komödiant iſt kein Chriſt, kein Lutheraner mehr; ein ſo ge⸗ wiſſenloſer Menſch würde auch ohne Bedenlen einen methodiſtiſchen, ja ſelbſt papiſtiſchen Kate⸗ chismus von ſeinen Schülern auswendig lernen laſſen. Du ſiehſt, lieber Chriſtian, wie die heutige Religionsmengerei, die ſich fälſchlich mit dem ſchönen Namen der Union ſchmückt, und welche auch der „Jugendfreund“ empfiehlt, eine Quelle von lauter Unredlichkeit iſt, welche endlich nur größeren Haß und ſchärfere Trennungen gebiert; du ſiehſt auch, wie der Vorſchlag des Herrn Brobſt, welcher auf den erſten Blick ſo ehrlich zu ſein ſcheint, ſich doch nur bei völliger Gewiſſen⸗ loſigkeit durchführen läßt. „ Doch ſo groß auch alle dieſe Fehler und Män⸗ gel des „Jugendfreundes“ ſind, ſo wollte ich ſie noch gerne mit dem Mangel an Erkenntniß ent⸗ ſchuldigen, wenn er den Kindern nur das ſechste Gebot ernſtlich einprägte. Was aber einen jeden chriſtlichen Leſer empören muß, iſt, daß in dem „Jugendfreunde“ trotz aller ſcheinheiligen Fröm⸗ melei ein verſteckter, giftiger Hurengeiſt herrſcht. Ich will nur Folgendes zum Beweiſe anführen. B. 3. N. 6. „Beide zu Hauſe. „„Ich werde näch⸗ ſten Sonntag zu Hauſe ſein““, ſagte ein Mädchen zu ihrem Geliebten, als er Abſchied nahm. Weil aber dieſer etwas unbeſtändig in ſeiner Liebe war, ſo erwiederte er: „„Ja, da werde ich auch zu Hauſe bleiben.““ — Ein Mann, der ſich nicht verliebt, bis er die dreißig Jahre erreicht hat, ſieht in Ge⸗