Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 16 › Seite 122
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-02, Seite 122
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vorauszubezahlen und das Poſtgeld
Der Cutheraner.
„Gottes Mort und Juthers Tehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Syuode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Belligirt von C. F. W. Walther.
Zahrgang 6.
St. Louis, Mo., den 2. April 1850.
No. 16.
Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
Nur die Briefe, welche
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welche Geſchäfiliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
Luther vom Bann.
Was der Bann ſei.
1. Der rechte chriſtliche Bann iſt, daß man
offenbarliche, halsſtarrige Sünder nicht ſoll laſſen
zum Sacrament oder andere Gemeinſchaft der
Kirchen kommen, bis ſie ſich beſſern und die Sünde
meiden. (Schmalk. Art. III., 9. Concordienbuch.
New Rorker Ausgabe, Seite 311.)
2. In dem „Unterricht der Viſitatoren, an die
Pfarrherren im Kurfürſtenthum Sachſen, durch
Lutherum corrigiret“, vom Jahre 1538, heißt es:
„Es wäre auch gut, daß man die Strafé des
rechten und chriſtlichen Bannes, davon geſchrie⸗
ben ſtehet Matthäi 18, 17. 18., nicht ließe ab⸗
gehen.
als Ehebruch, täglicher Völlerei und dergleichen
liegen, und davon nicht laſſen wollen, ſollen nicht
zu dem heiligen Sacrament zugelaſſen werden.
Doch ſollen ſie etlichemal zuvor vermahnet wer⸗
den, daß ſie ſich beſſern. Darnach, ſo ſie ſich nicht
beſſenn, mag man ſie in Bann verkündigen.
Dieſe Strafe ſoll auch nicht verachtet werden.
Denn weil ſie ein Fluch iſt, von Gott geboten
über die Sünder, ſo ſoll man's nicht geringe ach⸗
ten; denn ſolcher Fluch iſt nicht vergeblich; wie
denn Paulus 1 Cor. 5, 5. den, der mit ſeiner
Stiefmutter zu ſchaffen gehabt, dem Teufel zum
Verderben des Fleiſches übergab, auf daß der
„Geiſt ſelig würde am Tage des HErrn. Es mö⸗
gen auch die Verbannten wohl in die Predigt
gehen; denn läßt man doch auch die Juden und
Heiden in die Predigt gehen.“
3. Der Bann oder Abſonderung, ſo ſie recht
gebraucht wird, iſt mehr ein Zeichen und Bedeu⸗
tung, daß die Seele dem Teufel gegeben ſe i und
der geiſtlichen Gemeinſchaft der Kirche beraubet.
Denn ſie über den ergehet, der ſich durch Tod⸗
ſünde aller Gemeinſchaft der Liebe ſelbſt beraubet
und dem Teufel ſelbſt übergeben hat; gleichwie
hinwiederum die Verſöhnung ein äußerlich Zei⸗
chen und Bedeutung iſt der innerlichen Verſöh⸗
nung und Aufnehmung zur chriſtlichen Gemein⸗
ſchaft; daher denn wahr iſt, daß der Bann oder
Ausſchließung der Kirchen nicht allererſt aufer⸗
Darum, welche in öffentlichen Laſtern,
lege, ſondern, als zuvor gegenwärtig und erkannt,
erkläre, daß einer bereits zuvor im Tode und
Sünden ſtehe, das iſt, mit der That geiſtlich von
der Kirchen⸗Gemeinſchaft ausgeſchloſſen ſei. (Ser⸗
mon von der Kraft des Bannes vom J. 1518.
XIX., 1091.)
4. Einer, der wegen der Bosheit ſeines Her⸗
zens und öffentlichen Verbrechen halben ſoll in
Bann gethan werden, iſt ſchon ausgeſchloſſen, ehe
er noch ſichtbarlich ausgeſchloſſen wird. Demnach
iſt der äußere Bann nur ein bloßes Zeichen des
inneren Bannes. (XIX., 1121.)
5. Die Execution des Worts, und Chriſti Be⸗
fehl vollſtrecken und ausrichten, iſt der Bann.
(XXIII., 956.)
Wer ſoll in den Bann gethan
werden?
6. Der Bann ſoll nicht allein gefället werden
über die, ſo im Glauben ſpenſtig ſind“), ſondern
über alle, die öffentlich ſündigen, wie droben iſt
angezeiget aus Pauli 1 Cor. 5, 11., der die
Schwörer, Wucherer, Unkeuſchen, Trunkenen ꝛc.
heißet verbannen. (Sermon von der Kraft des
Bannes von 1518. XIX., 1118. 19.) ö
7. So ein Pfarrherr weiß, daß die Sünde
öffentlich, ſtadt⸗ und landrüchtig iſt, ſo iſt er
ſchuldig, daß er ſolche Leute zum Sacrament des
wahren Leibes und Blutes JIéEſu Chriſti nicht
zulaſſe, es ſei denn, daß ſie zuvor Buße thun, das
iſt, aufhören zu ſündigen, und mit wahrhaftiger
Bekenntniß und rechtſchaffenen Früchten anzeigen
und beweiſen, daß ſie der Sünden feind ſeien,
und ſie verdammen; doch ſoll eine chriſtliche und
ernſte Vermahnung vorhergehen. (XXII., 965.
66.)
8. So er (der Prediger) ſiehet einen Hurer,
Ehebrecher, Trunkenbold, Spieler, Wucherer, Af⸗
terreder oder ſonſt mit anderem öffentlichen Laſter
berüchtiget, den ſoll er allerdings vom Abendmahl
ausſchließen, er beweiſe daun mit kindlichem An⸗
zeigen, daß er ſein Leben geändert und gebeſſert
hat. Den andern aber, die zuweilen fallen und
wiederkehren, und ihnen leid iſt, daß ſie gefallen
*) D. h. gegen die reine Lehre ſich widerſpenſtig zeigen
und falſche Lehre halsſtarrig feſthalten.
ſind, ſoll man nicht allein das Sacrament nicht
verſagen, ſondern wiſſen ſoll man, daß es eben
um derſelben willen vornehnlich eingeſetzet iſt,
daß ſie dadurch erquicket und geſtärket werden.
Denn wir fehlen alle mannigfaltig, Jac. 3, 2.,
und trägt billig einer des andern Laſt, weil einer
dem andern beſchwerlich iſt, Gal. 6, 2. Denn
ich rede hier von den Verächtern, die unverſchämt,
ohne Furcht ſündigen, und rühmen doch nichts
deſto weniger große Stücke vom Evangelio.
(Weiſe, chriſtliche Meſſe zu halten, und zum
Tiſch Gottes zu gehen, vom J. 1523. X., 2766.)
9. Der Brauch des Bannes iſt und ſoll der
ſein, daß man die öffentlichen Laſter ſtrafe, als:
Raub, Ehebruch, Hurerei, Mord, Haß, Wucher,
Säuferei, item Ketzerei, Läſterung und der⸗
gleichen; wie unſer HErr IEſus lehret Matth.
18, 17., daß der Bann ſolle gehen über die, ſo
der Kirchen oder ſeiner Gemeine nicht gehorchen
wollen: ſo lehret die Kirche ja nichts anderes,
denn Gottes Wort. (Vermahnung an die Geiſt⸗
lichen, verſammelt auf dem Reichstag zu Augs⸗
burg 1530. XVI., 1148.
Proceß des Bannes oder Verfahren
bei dem Bann.
10. Die Strafe des Bannes muß aus Demuth
betrübter und nicht aus Stolz und Hochmuth
grauſamer Geiſilichen angefangen werden. (XIX.,
1120.)
11. Wie ſoll man denn thun, ſo man der
Schlüſſel will recht brauchen, daß es gewiß ſei
vor Gott? Da haſt du Matth. 18, 15. ꝛc. einen
gewiſſen Text, da Chriſtus ſelbſt das Schlüſſel⸗
amt alſo faſſet, daß du nicht fehlen kannſt, wo
du dem folgeſt; wo du aber nicht folgeſt, ſondern
eine neue eigene Weiſe vornimmſt, ſo wiſſe
auch dargegen, daß du fehleſt und die rechten
Schlüſſel nicht haſt. So lautet aber der Tert:
„Sündiget aber dein Bruder an dir, ſo gehe hin
und ſtrafe ihn zwiſchen dir und ihm allein. Höret
er dich, ſo haſt du deinen Bruder gewonnen.
Höret er dich nicht, ſo nimm noch einen oder zween
zu dir, auf daß alle Sache beſtehe auf zweier oder
dreier Zeugen Mund. Höret er die nicht, ſo
ſage es der Gemeine. Höret er die Gemeine
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