Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 16 › Seite 127

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-02, Seite 127

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fahr, immer ein kaltes Herz zu behalten. Bd. 3
Nr. 3. In einem alten deutſchen Liebesbrief, ge⸗
ſchrieben im Jahre 1678, wird ein Kuß der vierte
Grad von Liebe genannt. Bd. 3. Nr. 5. Eine
Zeitung meint, die Mädchen ſollten es ſich zur
Regel machen, nie einen jungen Mann zu küſſen,
der Tabak kaut. In der Lebenszeit eines jeden
Mädchens ſind zwei viel bedeutende Perioden:
eine, wenn ſie denkt, „„wen will ich““, und die
andere, wenn ſie wundert, „„wer will mich.““ Und
nun gar das ſchändliche Türkenlied, mit der
Ueberſchrift: das Weib, Bd. 3, Nr. 6.“ Doch
es iſt zu ekelhaft, um daraus etwas mitzutheilen.

Wer dieſe unkeuſchen Späſſe als kindliche, un⸗
ſchuldige Tändeleien vertheidigt, der beweiſ't eben
damit, daß er ein unreines, vom Hurengeiſt völ⸗
lig beherrſchtes Herz hat. Das Sündengift in
den mitgetheilten Stücken iſt um ſo gefährlicher,
je mehr es unter einer anſcheinend harmloſen
Form verborgen iſt, recht darauf berechnet, die
böſe Luſt zu reizen und zur hellen Flamme anzu⸗
fachen. Kennt Seine Ehrwürden, der Herr Paſtor
Brobſt, das ſechste Gebot nicht: Du ſollſt nicht
ehebrechen? Weiß er nicht, als Paſtor ſollte er
es billig wiſſen, daß es in der Auslegung heißt:
Wir ſollen Gott fürchten und lieben, daß wir
keuſch und züchtig leben in Worten und Werken?
Herr Brobſt rühmt ſich, daß er viel in der Bibel
leſe; hat er nie geleſen Eph. 5, 3. A4.: Hurerei
aber und alle Unreinigkeit oder Geiz laſſet
nicht von euch geſagt werden, wie den Heiligen
zuſtehet; auch ſchandbare Worte und Nar⸗
rentheidinge oder Scherz, welche euch nicht
geziemen, ſondern vielmehr Dankſagung? Kennt
er nicht Phil. 4, 8.: Was wahrhaftig iſt, was
ehrbar iſt, was gerecht, was keuſch, was
lieblich, was wohl lautet, iſt etwa eine
Tugend, iſt etwa ein Lob, dem denket nach?
Kennt er nicht das heilige Gebot, welches Gott
durch ſeinen Apoſtel einem jeden Prediger gibt:
Halte dich ſelber keuſch? 1 Tim. 5, 22.

Wäre Herr Brobſt, was er vorgibt, ein wahrer
Freund der Jugend, ſo würde er es ſich zur Auf⸗
gabe machen, den Kindern beſonders das ſechste
Gebot mit herzlichem, väterlichen Ernſte immer
wieder bald durch Lehre und Ermahnung, bald
durch Warnung und Beiſpiele vorzuhalten und
einzuprägen. Zu dem Ende würde er dieſes Ge⸗
bot unter Gebet erſt ſelbſt ſtudiren, alle dahin zie⸗
lenden Sprüche der heiligen Schrift ſorgfältig
ſammeln, vergleichen und betrachten und ſich ſelbſt
von den Schauern der göttlichen Heiligkeit leben⸗
dig durchdringen laſſen. Dann würde er erken⸗
nen, daß Gott in dieſem Gebote eine vollkommene
Keuſchheit und Herzensreinheit von uns verlangt,
wie das beſonders die Worte des HErrn zeigen:
Ich aber ſage euch: Wer ein Weib anſiehet, ihrer
zu begehren, der hat ſchon mit ihr die Ehe gebro⸗
chen in ſeinem Herzen, Matth. 5, 28. Dadurch
würde er ſich zu einer ernſten und aufrichtigen
Buße leiten laſſen und in dem Glauben an den
HErrn IEſum Chriſtum Vergebung der Sünden
und ein reines Herz ſuchen. Und wenn er ſieht,

wie ſelbſt der Mann nach dem Herzen Gottes,

der König David, in Sünden gegen das ſechste

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Gebot fallen konnte, ſo würde er lernen, zu wa⸗
chen und zu beten, alle Verſuchungen zu fliehen
und mit David zu flehen: Schaffe in mir, Gott,
ein reines Herz und gib mir einen neuen gewiſſen
Geiſt, Pſ. 51, 12. So würde er ſich endlich
ſchämen, ferner Zoten zu reißen und damit die
armen Kinderherzen zu vergiften; ſtatt deſſen
würde er ſich Hiob zum Vorbilde nehmen und
mit ihm ſprechen, Hiob 31, 1.: Ich habe einen
Bund gemacht mit meinen Augen, daß ich nicht
achtete auf eine Jungfrau; ja, es würde ſeine
Luſt ſein, die Kinder treulich zur Nachahmung

des heiligen Joſephs anzufeuern, der der Verſu⸗

chung ſo ritterlich widerſtand mit den Worten:
„Wie ſollte ich ein ſolch' großes Uebel thun, und
wider Gott ſündigen?“ 1 Moſ. 39, 9., der ſich
lieber ins Gefängniß werfen ließ und lieber den
qualvollſten Tod erduldet haben würde, als daß
er dieſes Gebot auch nur mit einem Worte über⸗
treten hätte. Zugleich würde er auf die ſchreck⸗
lichen zeitlichen und ewigen Strafen hinweiſen,
womit Gott die Uebertreter des ſechsten Gebotes
heimſucht, ſo wie auf den ſeligen Lohn des keu⸗
ſchen Kampfes. Welch' einen Segen könnte Herr
Brobſt auf dieſe Weiſe ſtiften, wenn er ſo die
Lämmer Chriſti wirklich mit dem Worte Gottes
weidete!

Wenn aber Herr Paſtor Brobſt fortfahren will,
ſein Blatt mit ſchandbaren Witzen zu würzen,
dann könnteſt du, lieber Chriſtian, ihn wohl grü⸗
ßen und ihm ſagen, er möge die Jugend wenig⸗
ſtens nicht mehr unter dem Schein des chriſtlichen
Namens verführen. Darum möge er von ſeinem
Blatte das chriſtliche Schild mit den Worten:
Holy bible und der Unterſchrift: Weide meine
Lämmer, herabnehmen; auch möge er darin den
Namen unſeres lieben Gottes nicht mehr gebrau⸗
chen, denn Gottes heiliges Wort und Name hät⸗
ten mit ſeinem Blatte nichts zu thun. Er könnte
ſich ja leicht eine andere Ueberſchrift machen von
„Herzenswonne“, „Tugendmuth“ oder vom „All⸗
geiſte“ oder auch von „geſundem Allentowner
Obſte“, die letztere namentlich ſei ja ganz popu⸗
lär, ſo daß es jedes Kind verſtehen könne, und
dafür würden ihn dann auch ſeine Freunde wie⸗
der loben.

Ach welch' eine ſchwere Rechenſchaft werden die⸗
jenigen geben müſſen, welche die armen Kinder
mit leichtfertigen Worten zur Sünde reizen!
Welch' ein ernſtes Wort unſeres Heilandes: Wer
aber ärgert dieſer geringſten einen, die an mich
glauben, dem wäre beſſer, daß ein Mühlſtein an
ſeinen Hals gehängt würde und er erſäuft würde
im Meere, da es am tiefſten iſt, Matth. 18, 6.
Möge doch Herr Brobſt dieſes beden ken, in ſich
gehen und Buße thun, damit ihn dieſes Wort
dereinſt nicht treffe.

Der „Jugendfreund“ wurde mir ohne mein
Bitten und Begehren zugeſandt und fordert ſeine
Leſer beſtändig auf, ihn möglichſt zu verbreiten.
Dieſe Zuvorkommenheit ſchien mir eines Gegen⸗
dienſtes werth. Ich verſuchte daher, denſelben
mit Gottes Wort zu beleuchten und dieſe Beleuch⸗
tung ſende ich dir, mein theuerſter Chriſtian, da⸗
mit du wiſſeſt, was du von demſelben zu halten

habeſt. Uebrigens werde ich dem „Jugendfreunde“
ſobald als möglich ſein Geld ſchicken, worauf er
es wohl hauptſächlich abſehen mag. Für uns
aber gilt in Beziehung auf jenes ſcheinheilige,
unzüchtige Blatt das Wort des HErrn: Sehet
euch vor vor den falſchen Propheten, die in
Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber
ſind ſie reißende Wölfe, Matth. 7, 15., und:
Mache dich nicht theilhaftig fremder Sünden,
1 Tim. 5, 22. Darum iſt es unſere Pflicht,
chriſtliche Eltern und chriſtliche Kinder davor zu
warnen.

Wie geht es dir, lieber Chriſtian? Schreibe

mir bald. Gott ſegne uns! Alle grüßen dich.
Dein

Hermann Fick.

Neu-Melle, Mo., den 20. Februar 1850.

(Eingeſandt.)

Ich theile hiermit meinen Freunden, beſonders
aber meinen lieben Amtsbrüdern, und allen, wel⸗
chen die Schwierigkeiten meiner frühern Amts⸗
führung bekannt ſind, folgendes der Wahrheit ge⸗
mäß mit. Ich, der Unterzeichnete, ſchloß mich auf
Empfehlung des Ehrw. P. Moritz von Jowa an
die evangeliſch-lutheriſche Synode von Indiana
als Student der Theologie im Jahre 1844 an.
Im Jahre 1846 wurde ich licenfirt, durfte aber
das heilige Abendmahl nicht austheilen noch co⸗
puliren. Im folgenden Jahre wurde ich von der
Schleiferskirche, Clinton Co., Indiana, von der
Zionskirche, Tippecanoe Co., Ind., und von der
St. Georgenskirche, Shelby Co., Ind., zu ihrem
Paſtor berufen. Da aber die Beamten der
Synode, nämlich: E. Rudiſill, S. Good und
E. Morkert, die Unſterblichkeit der verdammten
Seelen der Menſchen, ihre Auferſtehung, ein
jüngſtes Gericht und ewige Verdammniß leug⸗
neten, trat ich öffentlich, mit der Bibel und dem
Concodienbuch in der Hand, gegen ſie auf. Die⸗
ſes Zeugniß hatte bei den genannten Herren zur
Folge, daß nicht nur die dringende Bitte der Ge⸗
meinden nicht gehört wurde, ſondern daß ſie mich
auch verfolgten, und in dem öffentlichen Gottes⸗
dienſte mich ſtörten, und, um auch meine Gemein⸗
den in Abhängigkeit zu erhalten, mich unter ihrer
beſchränkenden Licenz ſchmachten ließen, da doch
die Gemeinden keinen der genannten Prediger um
ihrer Irrlehre willen verlangten, wie es ſich bei
der Wahl vor der Synode 1847 herausſtellte. Da
nun die Gemeinden ihre Bitte erneuerten, wurde
ich der Lehre des Concordienbuches und der Con⸗
ſtitution der Synode gemäß von den PP. Abraham
und David Müller, beide Glieder der Synode, den
10. December 1847 feierlich ordinirt. Als Beleg
für die Gültigkeit meiner Vocation will ich eine
Stelle aus dem Concordienbuche anführen;
Schmalkaldiſche Artikel, betitelt: „Weihe
und Vocation.“ Nürnberger Ausgabe 1847.
Seite 348: „Wenn die Biſchöffe wollten rechte
Biſchöffe ſein, und ſich der Kirchen und des Evan⸗
gelii annehmen, ſo möchte man ihnen das um der
Liebe und Einigkeit willen, doch nicht aus Noth,
laſſen gegeben ſein, daß ſie uns und unſere Pre⸗
diger ordinirten und confirmirten, doch hinten an⸗

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