Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 16 › Seite 123

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-02, Seite 123

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bann 3 · Venn · Bann 19

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nicht, ſo halte ihn als einen Heiden und Zöllner.“

Da haſt du eine gewiſſe Maaße und Weiſe, in

Gottes Wort gefaſſet, die dich nicht läßt fehlen,
und kannſt den Schlüſſel ohne Furcht und Sorge,
göttlich und wohl brauchen; denn darauf folget
der Text von den Schlüſſeln: „Was ihr auf Er⸗
den binden werdet“ ꝛc. (Vers 18.) ... Du höͤ⸗
reſt hie, daß es müſſen gewiſſe öffentliche Sünden
ſein, gewiſſer bekannter Perſonen, da ein Bruder
den andern ſündigen ſiehet, dazu ſolche Sünde,
die zuvor brüderlich geſtraft und zuletzt öffentlich
vor der Gemeinde überzeuget ſind. Darum die
Bullen und Bannbriefe, darinnen alſo ſtehet:
Excommunicamus ipso facto, lata sententia,
trina tamen monitione praemissa. Item, De
plenitudine potestatis, das heißt man auf
deutſch einen Sch.. bann; ich heiße es des Teu⸗
fels Bann und nicht Gottes Bann, da man die
Leute bannte mit freveler That, ehe ſie öffentlich
überzeuget ſind vor der Gemeine, wider Chriſti
Ordnung... Will ein Biſchof oder Official
jemand in Bann thun, ſo gehe oder ſchicke er ſie
in die Gemeine und vor den Pfarrherr, da der⸗
ſelbige ſoll in Bann gethan werden, und thue
ihm, wie recht iſt, nach dieſen Worten Chriſti.
Und das alles ſage ich darum, denn die Gemeine,
ſo ſolchen ſoll bänniſch halten, ſoll wiſſen und ge⸗
wiß ſein, wie der den Bann verdienet und darein
kommen iſt, wie ſie der Tert Chriſti gibt; ſonſt
möchte ſie betrogen werden, und einen Lügenbann
annehmen und dem Nächſten damit Unrecht thun.
Das wäre denn die Schlüſſel geläſtert und Gott
geſchändet und die Liebe gegen den Nächſten ver⸗
ſehret, welches einer chriſtlichen Gemeine nicht zu
leiden iſt: denn ſie gehöret auch dazu, wenn je⸗
mand bei ihr ſoll verbannet werden, ſpircht hie
Chriſtus, und iſt nicht ſchuldig, des Officials
Zettel noch des Biſchofs Briefe zu gläuben, ja,
ſie iſt ſchuldig, hie nicht zu gläuben, denn Men⸗
ſchen ſoll man nicht gläuben in Gottes Sachen.
So iſt eine chriſtliche Gemeinde nicht eines Offi⸗
cials Dienſtmagd, noch des Biſchofs Stockmeiſter,
daß er möge zu ihr ſagen: da, Gretha, da,
Hans, halt mir den oder den in Bann. .. Awe
ja, ſeid uns willkommen, lieber Official; in welt⸗
licher Obrigkeit hätte ſolches wohl eine Meinung,
aber hie, da es die Seelen betrifft, ſoll die Ge⸗
meine auch mit Richter und Frau ſein (Haus⸗
herrin). St. Paulus war ein Apoſtel, noch
wollte er den nicht in Bann thun, der ſeine Stief⸗
mutter genommen hatte, er wollte die Gemeine
auch dabei haben. 1 Cor. 5, 1—5. Schrift von
den Schlüſſeln von 1530. XIX., 1181. 82.)

12. Durch leichtfertig viel Bannen geſchieht
nicht mehr, denn viel Aergerniß und Urſach zu

Sünden, dadurch Gott erzürnet wird, ſo doch der

Bann ihn zu verſühnen geordnet iſt. (XIX.,
1118.) Es iſt der Bann niemand gefährlicher

und ſchädlicher, denn denen, die ihn fällen, ob er

auch gleich recht und allein um Miſſethat willen

gefället iſt, darum daß ſie ſelten oder nimmer

ſolche Meinung haben (die Seele des Verbann⸗

ten zu retten), dazu ohne Furcht handeln, nicht
bedenken, wie vielleicht ſie vor Gott viel würdiger

wären hundert Bannen. (Ib. 1104.)

12²

Durch den Bann ſoll Niemand an
ſeiner bürgerlichen Nahrung
beſtraft werden.

13. Aber ich fürchte auf unſerm Theil, unſere
Pfarrherrn werden ſo kühn ſein und in die leibli⸗
chen Dinge, nach dem Gut, greifen, wie der
Pabſt; wenn er einen ercommunicirte und in den
Bann thät, und er kehrete ſich nicht dran, ſo ſagte
er: Ei, wir müſſen ihm auch den Markt ꝛc. ver⸗
bieten, daß er nicht kaufe oder verkaufe. Das iſt
der Teufel, wenn man zu weit greifen will.
(XXII., 975.)

Kraft des Bannes.

14. Sprichſt du aber, wie die Rottengeiſter
und Sophiſten auch thun: hören doch viel der
Schlüſſel Binden und Löſen, kehren ſich dennoch
nicht dran und bleiben ungebunden und unge⸗
löſet; darum muß etwas anders da ſein, denn
das Wort und die Schlüſſel: der Geiſt, Geiſt,
Geiſt muß thun. Meinſt du aber, daß der nicht
gebunden ſei, der dem Bindeſchlüſſel nicht gläu⸗
bet? Er ſoll's wohl erfahren zu ſeiner Zeit, daß
um ſeines Unglaubens willen das Binden nicht
vergeblich geweſen iſt, und gefehlet hat. Alſo
auch, wer nicht gläubet, daß er los ſei und ſeine
Sünde (durch den Löſeſchlüſſel oder die Abſolu⸗
tion) vergeben, der ſoll's mit der Zeit noch wohl
erfahren, wie gar gewiß ihm jetzt ſeine Sünde
vergeben ſind geweſen, und er's nicht hat wollen
gläuben. St. Paulus ſpricht Röm. 3, 3.: Um
unſers Unglaubens willen wird Gott nicht fehlen.
So reden wir auch jetzt nicht, wer den Schlüſſeln
gläube oder nicht; wiſſen faſt wohl, daß wenig
gläuben; ſondern wir reden davon, was die
Schlüſſel thun und geben. Wer's nicht an⸗
nimmt, der hat freilich nichts; der Schlüſſel feh⸗
let darum nicht. Viel gläuben dem Evangelio
nicht, aber das Evangelium fehlet und lüget
darum nicht. Ein König gibt dir ein Schloß;
nimmſt du es nicht an, ſo hat der König darum
nicht gelogen noch gefehlet, ſondern du haſt dich
betrogen und iſt deine Schuld; der König hat's
gewiß gegeben. (Schrift von den Schlüſſeln von
1530. XIX., 1175. 76.0

15. Der Bindeſchlüſſel iſt die Macht oder
Amt, den Sünder (ſo nicht büßen will) zu ſtra⸗
fen mit einem öffentlichen Urtheil zum ewigen
Tode durch Abſonderung von der Chriſtenheit.
Und wenn ſolch Urtheil gehet, ſo iſt's eben ſo

bleibet, iſt er gewiß ewiglich verdammet. (XIX.,
1183.)

16. Es iſt nicht ein ſchlecht gering Ding um
den Bann, als der da ſtracks ausſchleußet und
abſondert von dem Reich Chriſti, behält die
Sünde, ohne Hoffnung der Vergebung, es ſei
denn, daß man Buße thut. (XXII., 963.)

Zweck des Bannes.

17. Wo der Bann recht und verdienet, billig
gefället wird, da iſt er ein Zeichen, BVermahnung
und Strafe, daran der Verbannte erkennen ſoll,
daß er ſelbſt ſeine Seele durch Miſſethat und
Sünde dem Teufel übergeben habe, ſich beraubet
der Gemeinſchaft aller Heiligen mit Chriſto.

viel, als urtheilete Chriſtus ſelbſt; und, wo er ſo

Denn ſolchen unträglichen Schaden der Sünde
will die Mutter der heiligen Kirchen ihrem lieben
Sohn anzeigen durch die Strafe des Bannes
und ihn damit wieder vom Teufel zu Gott brin⸗
gen. Gleich als ob eine natürliche leibliche
Mutter ihrem Sohne dräuet und ſtrafet, wo er
übel thut, damit gibt ſie ihn nicht dem Henker
oder Wolfe, auch macht ihn nicht zum Buben,
ſondern wehret und zeiget ihm mit derſelben
Strafe, wie er zum Henker kommen möchte, und
behält ihn bei des Vaters Erbe. Alſo wo eine
geiſtliche Obrigkeit) jemand in Bann thut, ſoll
ſie alſo gedenken: ſiehe da, du haſt dies und das

gethan, damit du deine Seele dem Teufel geben,

Gottes Zorn verdienet, dich beraubt aller chriſtli⸗
chen Gemeinſchaft und in innerlichen geiſtlichen
Bann vor Gott gefallen, und willſt nicht auf⸗
hören noch wieder kommen; wohlan, ſo thue ich
dich auch äußerlich vor den Menſchen in den
Bann und dir zu Schanden beraube ich dich des
Sacraments und Gemeinſchaft der Leute, ſo lange
(bis) du zu dir ſelbſt kömmſt und deine arme
Seele wiederbringſt. (Luthers Sermon vom
Bann vom Jahre 1519. Werke. Hall. A. XIX.,
1103. 4.) ö

Heilſamkeit des Bannes oder
Bindeſchlüſſels.

18. Und ſind alle beide Schlüſſel aus der
Maßen nöthige Stücke in der Chriſtenheit, davor
man Gott nimmermehr danken kann. Denn
ein recht erſchrocken ſündiges Gewiſſen kann kein
Menſch tröſten in ſeinen Sünden; es hat noch
Mühe, daß der Löſeſchlüſſel ſolches ausrichte; ſo
eine große Krankheit iſt's um ein blödes ſchwach
Gewiſſen, daß hie der Glaube auf des Schlüſſels
Urtheil gar gewaltiglich muß getrieben werden
durch Prediger, Pfarrherr und andere Chriſten.
Von welchem Glauben im Pabſtthum nie kein
Wort jemals gehöret iſt. Wiederum ſind unter
den Chriſten etliche rohe freche Herzen und wilde
Leute, daß die Frommen vor ſolchen falſchen
Chriſten keine Ruhe noch Friede haben könnten,
wo der Bindeſchlüſſel mit ſeiner Ruthen nicht da
wäre und eitel Gnade und Sicherheit geſpüret
würde; hat's doch alſo noch Mühe, wie ſcharf
und groß ſolche Strafe und Urtheil iſt. Alſo iſt
der eiſerne und harte Bindeſchlüſſel den from⸗
men Chriſten ein großer Troſt, Schutz, Mauer
und Burg, wider die Böſen, und doch daneben
auch den Böſen ſelbſt eine heilſame Arzrei,
Nutz und Frommen, ob's gleich dem Fleiſch
ſchrecklich und verdrießlich iſt. Derhalben wir

die lieben Schlüſſel alle beide theuer und werth

ſollen haben von Grund unſres Herzens, als un⸗
ſer zween unausſprechliche Schätze und Kleinod
vor unſere Seelen. Denn der liebe Mann, der
treue herzliche Biſchof unſerer Seelen, IEſus
Chriſtus, hat wohl geſehen, daß ſeine lieben Chri⸗
ſten gebrechlich, darzu vom Teufel, Fleiſch, Welt
manchfaltig und ohne Aufhören angefochten, zu⸗
weilen fallen und ſündigen würden. Dagegen
hat er dieſe Arznei geſetzt, den Bindeſchlüſſel, daß

*) Das iſt nach unſerer hieſigen Verfaſſung jede Ge⸗
meindt, die Zuhörer mit ihrem Prediger.

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