# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 02_S123 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nicht, ſo halte ihn als einen Heiden und Zöllner.“ Da haſt du eine gewiſſe Maaße und Weiſe, in Gottes Wort gefaſſet, die dich nicht läßt fehlen, und kannſt den Schlüſſel ohne Furcht und Sorge, göttlich und wohl brauchen; denn darauf folget der Text von den Schlüſſeln: „Was ihr auf Er⸗ den binden werdet“ ꝛc. (Vers 18.) ... Du höͤ⸗ reſt hie, daß es müſſen gewiſſe öffentliche Sünden ſein, gewiſſer bekannter Perſonen, da ein Bruder den andern ſündigen ſiehet, dazu ſolche Sünde, die zuvor brüderlich geſtraft und zuletzt öffentlich vor der Gemeinde überzeuget ſind. Darum die Bullen und Bannbriefe, darinnen alſo ſtehet: Excommunicamus ipso facto, lata sententia, trina tamen monitione praemissa. Item, De plenitudine potestatis, das heißt man auf deutſch einen Sch.. bann; ich heiße es des Teu⸗ fels Bann und nicht Gottes Bann, da man die Leute bannte mit freveler That, ehe ſie öffentlich überzeuget ſind vor der Gemeine, wider Chriſti Ordnung... Will ein Biſchof oder Official jemand in Bann thun, ſo gehe oder ſchicke er ſie in die Gemeine und vor den Pfarrherr, da der⸗ ſelbige ſoll in Bann gethan werden, und thue ihm, wie recht iſt, nach dieſen Worten Chriſti. Und das alles ſage ich darum, denn die Gemeine, ſo ſolchen ſoll bänniſch halten, ſoll wiſſen und ge⸗ wiß ſein, wie der den Bann verdienet und darein kommen iſt, wie ſie der Tert Chriſti gibt; ſonſt möchte ſie betrogen werden, und einen Lügenbann annehmen und dem Nächſten damit Unrecht thun. Das wäre denn die Schlüſſel geläſtert und Gott geſchändet und die Liebe gegen den Nächſten ver⸗ ſehret, welches einer chriſtlichen Gemeine nicht zu leiden iſt: denn ſie gehöret auch dazu, wenn je⸗ mand bei ihr ſoll verbannet werden, ſpircht hie Chriſtus, und iſt nicht ſchuldig, des Officials Zettel noch des Biſchofs Briefe zu gläuben, ja, ſie iſt ſchuldig, hie nicht zu gläuben, denn Men⸗ ſchen ſoll man nicht gläuben in Gottes Sachen. So iſt eine chriſtliche Gemeinde nicht eines Offi⸗ cials Dienſtmagd, noch des Biſchofs Stockmeiſter, daß er möge zu ihr ſagen: da, Gretha, da, Hans, halt mir den oder den in Bann. .. Awe ja, ſeid uns willkommen, lieber Official; in welt⸗ licher Obrigkeit hätte ſolches wohl eine Meinung, aber hie, da es die Seelen betrifft, ſoll die Ge⸗ meine auch mit Richter und Frau ſein (Haus⸗ herrin). St. Paulus war ein Apoſtel, noch wollte er den nicht in Bann thun, der ſeine Stief⸗ mutter genommen hatte, er wollte die Gemeine auch dabei haben. 1 Cor. 5, 1—5. Schrift von den Schlüſſeln von 1530. XIX., 1181. 82.) 12. Durch leichtfertig viel Bannen geſchieht nicht mehr, denn viel Aergerniß und Urſach zu Sünden, dadurch Gott erzürnet wird, ſo doch der Bann ihn zu verſühnen geordnet iſt. (XIX., 1118.) Es iſt der Bann niemand gefährlicher und ſchädlicher, denn denen, die ihn fällen, ob er auch gleich recht und allein um Miſſethat willen gefället iſt, darum daß ſie ſelten oder nimmer ſolche Meinung haben (die Seele des Verbann⸗ ten zu retten), dazu ohne Furcht handeln, nicht bedenken, wie vielleicht ſie vor Gott viel würdiger wären hundert Bannen. (Ib. 1104.) 12² Durch den Bann ſoll Niemand an ſeiner bürgerlichen Nahrung beſtraft werden. 13. Aber ich fürchte auf unſerm Theil, unſere Pfarrherrn werden ſo kühn ſein und in die leibli⸗ chen Dinge, nach dem Gut, greifen, wie der Pabſt; wenn er einen ercommunicirte und in den Bann thät, und er kehrete ſich nicht dran, ſo ſagte er: Ei, wir müſſen ihm auch den Markt ꝛc. ver⸗ bieten, daß er nicht kaufe oder verkaufe. Das iſt der Teufel, wenn man zu weit greifen will. (XXII., 975.) Kraft des Bannes. 14. Sprichſt du aber, wie die Rottengeiſter und Sophiſten auch thun: hören doch viel der Schlüſſel Binden und Löſen, kehren ſich dennoch nicht dran und bleiben ungebunden und unge⸗ löſet; darum muß etwas anders da ſein, denn das Wort und die Schlüſſel: der Geiſt, Geiſt, Geiſt muß thun. Meinſt du aber, daß der nicht gebunden ſei, der dem Bindeſchlüſſel nicht gläu⸗ bet? Er ſoll's wohl erfahren zu ſeiner Zeit, daß um ſeines Unglaubens willen das Binden nicht vergeblich geweſen iſt, und gefehlet hat. Alſo auch, wer nicht gläubet, daß er los ſei und ſeine Sünde (durch den Löſeſchlüſſel oder die Abſolu⸗ tion) vergeben, der ſoll's mit der Zeit noch wohl erfahren, wie gar gewiß ihm jetzt ſeine Sünde vergeben ſind geweſen, und er's nicht hat wollen gläuben. St. Paulus ſpricht Röm. 3, 3.: Um unſers Unglaubens willen wird Gott nicht fehlen. So reden wir auch jetzt nicht, wer den Schlüſſeln gläube oder nicht; wiſſen faſt wohl, daß wenig gläuben; ſondern wir reden davon, was die Schlüſſel thun und geben. Wer's nicht an⸗ nimmt, der hat freilich nichts; der Schlüſſel feh⸗ let darum nicht. Viel gläuben dem Evangelio nicht, aber das Evangelium fehlet und lüget darum nicht. Ein König gibt dir ein Schloß; nimmſt du es nicht an, ſo hat der König darum nicht gelogen noch gefehlet, ſondern du haſt dich betrogen und iſt deine Schuld; der König hat's gewiß gegeben. (Schrift von den Schlüſſeln von 1530. XIX., 1175. 76.0 15. Der Bindeſchlüſſel iſt die Macht oder Amt, den Sünder (ſo nicht büßen will) zu ſtra⸗ fen mit einem öffentlichen Urtheil zum ewigen Tode durch Abſonderung von der Chriſtenheit. Und wenn ſolch Urtheil gehet, ſo iſt's eben ſo bleibet, iſt er gewiß ewiglich verdammet. (XIX., 1183.) 16. Es iſt nicht ein ſchlecht gering Ding um den Bann, als der da ſtracks ausſchleußet und abſondert von dem Reich Chriſti, behält die Sünde, ohne Hoffnung der Vergebung, es ſei denn, daß man Buße thut. (XXII., 963.) Zweck des Bannes. 17. Wo der Bann recht und verdienet, billig gefället wird, da iſt er ein Zeichen, BVermahnung und Strafe, daran der Verbannte erkennen ſoll, daß er ſelbſt ſeine Seele durch Miſſethat und Sünde dem Teufel übergeben habe, ſich beraubet der Gemeinſchaft aller Heiligen mit Chriſto. viel, als urtheilete Chriſtus ſelbſt; und, wo er ſo Denn ſolchen unträglichen Schaden der Sünde will die Mutter der heiligen Kirchen ihrem lieben Sohn anzeigen durch die Strafe des Bannes und ihn damit wieder vom Teufel zu Gott brin⸗ gen. Gleich als ob eine natürliche leibliche Mutter ihrem Sohne dräuet und ſtrafet, wo er übel thut, damit gibt ſie ihn nicht dem Henker oder Wolfe, auch macht ihn nicht zum Buben, ſondern wehret und zeiget ihm mit derſelben Strafe, wie er zum Henker kommen möchte, und behält ihn bei des Vaters Erbe. Alſo wo eine geiſtliche Obrigkeit) jemand in Bann thut, ſoll ſie alſo gedenken: ſiehe da, du haſt dies und das gethan, damit du deine Seele dem Teufel geben, Gottes Zorn verdienet, dich beraubt aller chriſtli⸗ chen Gemeinſchaft und in innerlichen geiſtlichen Bann vor Gott gefallen, und willſt nicht auf⸗ hören noch wieder kommen; wohlan, ſo thue ich dich auch äußerlich vor den Menſchen in den Bann und dir zu Schanden beraube ich dich des Sacraments und Gemeinſchaft der Leute, ſo lange (bis) du zu dir ſelbſt kömmſt und deine arme Seele wiederbringſt. (Luthers Sermon vom Bann vom Jahre 1519. Werke. Hall. A. XIX., 1103. 4.) ö Heilſamkeit des Bannes oder Bindeſchlüſſels. 18. Und ſind alle beide Schlüſſel aus der Maßen nöthige Stücke in der Chriſtenheit, davor man Gott nimmermehr danken kann. Denn ein recht erſchrocken ſündiges Gewiſſen kann kein Menſch tröſten in ſeinen Sünden; es hat noch Mühe, daß der Löſeſchlüſſel ſolches ausrichte; ſo eine große Krankheit iſt's um ein blödes ſchwach Gewiſſen, daß hie der Glaube auf des Schlüſſels Urtheil gar gewaltiglich muß getrieben werden durch Prediger, Pfarrherr und andere Chriſten. Von welchem Glauben im Pabſtthum nie kein Wort jemals gehöret iſt. Wiederum ſind unter den Chriſten etliche rohe freche Herzen und wilde Leute, daß die Frommen vor ſolchen falſchen Chriſten keine Ruhe noch Friede haben könnten, wo der Bindeſchlüſſel mit ſeiner Ruthen nicht da wäre und eitel Gnade und Sicherheit geſpüret würde; hat's doch alſo noch Mühe, wie ſcharf und groß ſolche Strafe und Urtheil iſt. Alſo iſt der eiſerne und harte Bindeſchlüſſel den from⸗ men Chriſten ein großer Troſt, Schutz, Mauer und Burg, wider die Böſen, und doch daneben auch den Böſen ſelbſt eine heilſame Arzrei, Nutz und Frommen, ob's gleich dem Fleiſch ſchrecklich und verdrießlich iſt. Derhalben wir die lieben Schlüſſel alle beide theuer und werth ſollen haben von Grund unſres Herzens, als un⸗ ſer zween unausſprechliche Schätze und Kleinod vor unſere Seelen. Denn der liebe Mann, der treue herzliche Biſchof unſerer Seelen, IEſus Chriſtus, hat wohl geſehen, daß ſeine lieben Chri⸗ ſten gebrechlich, darzu vom Teufel, Fleiſch, Welt manchfaltig und ohne Aufhören angefochten, zu⸗ weilen fallen und ſündigen würden. Dagegen hat er dieſe Arznei geſetzt, den Bindeſchlüſſel, daß *) Das iſt nach unſerer hieſigen Verfaſſung jede Ge⸗ meindt, die Zuhörer mit ihrem Prediger.