Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 12 › Seite 95
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-02-05, Seite 95
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gottesdienſt 3 · Lehre. — Reine Lehre 5 · Regierung 11
Antwort: Wenn er ſie hinlänglich darüber
belehrt hat, ſchiebe er die Sache in ihr Gewiſſen.
Außer den vorangeführten Punkten kam zwar
noch mehreres zur Sprache; es ſollte ſolches jedoch
nicht mitgetheilt werden.
Gott aber wolle Alles, was zur Stärkung
unſeres Glaubens ꝛc. geſprochen worden, mit ſei⸗
nem reichen Segen krönen.
Ludwig W. Habel, als Seeretär.
—..—
Zuletzt, meine Brüder, ſeid ſtark in dem HErrn
und in der Macht ſeiner Stärke. Epheſ. 6, 10.
Wollet ihr ſtark und unüberwindlich ſein, ſo
laſſet den HErrn Chriſtum eure Stärke ſein, den
faſſet wohl, und übet euch in ihm, daß er euch
wohl bekannt ſei, und ſein Wort rein behaltet und
mit allem Fleiß lernet, täglich damit umgehet und
ins Herz hineintreibet, alſo gar, daß aus Gottes
Wort und euren Herzen Ein Ding werde, und der
Sachen ſo gewiß ſeid und viel gewiſſer, als eures
eigenen Lebens, wenn ihr das habt, ſo ſeid ihr
recht ſtark und feſte, daß ihr wohl unumgeſtoßen
und ſicher bleiben könnet, es komme der Teufel
oder ſeine Boten. Luther.
Die Pfarrer ſind ſelbſt nicht einig.
——
1.
Die Pfarrer ſind ſelbſt nicht einig,
hört man oft den Bürger und Bauern ſagen,
wie ſollen denn wir wiſſen, was die
Wahrheit und der rechte Weg zum
ewigen Leben ſei? Und, Leſer, ich kann
nicht anders, wenn ich nicht lügen und heucheln
will, muß ich dir zugeſtehen, daß die Pfarrer ſel⸗
ber nicht mehr einig ſind! Es ſind zwei Partien
unter ihnen, von denen die eine gerade das Gegen⸗
theil von dem ſagt, was die andere behauptet:
was hilft's, wenn man das leugnen will? Es
kann's jeder herausbringen, der etwa die nächſten
vier, fünf Prediger um ſeinen Wohnort her pre⸗
digen hört. Die einen ſagen: „Die menſchliche
Natur iſt verderbt und der Menſch wird in Sün⸗
den geboren“, — die andern: „Es iſt nicht wahr,
die menſchliche Natur iſt nicht verderbt, ſondern
der Menſch wird unſchuldig geboren und wird
nur durch die böſe Welt verderbt.“ Die einen
predigen: „Gott iſt gerecht, er muß alle Menſchen
beſtrafen, weil alle von Seinen Geboten abwei⸗
chen“; die andern proteſtiren dagegen und ſagen:
„Gott ſei eben ein mitleidiger Vater und wiſſe
ſchon, daß die Menſchen ſchwach ſeien, er nehme
es nicht ſo genau mit den Sünden, wie ihre Geg⸗
ner ſagen.“ Die einen lehren: „Wenn der Sohn
Gottes nicht Menſch geworden wäre und anſtatt
der Menſchen die Strafen der Sünder abgebüßt
hätte, ſo könnte kein Menſch ſelig werden, —
und Er ſei allein die Urſache unſerer Seligkeit“;
die andere Partie predigt: „Der Menſch kann
ſchon ſelig werden, wenn er ſich nur beſſert und
von ſeinen groben Sünden läßt; denn die feinen
Sünden abzulegen, ſteht doch in keines Menſchen
Macht.“ Dagegen ſagen die erſten wieder: „Der
Menſch kann ſich ja gar nicht von ſelbſt beſſern;
der Heilige Geiſt muß erſt kommen, Buße und
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Glauben an das Verdienſt Chriſti im Menſchen
wirken, dann könne man ſich erſt beſſern, weil die
Beſſerung aus dem Glauben komme. Die Beſſe⸗
rung ſei alſo im Grunde bloß Werk des Heiligen
Geiſtes, weil ſie aus dem Glauben komme, der erſt
wieder ſelber von dem Heiligen Geiſte komme.“
So ſagen und ſetzen ſie immer das Gegentheil,
es iſt eine weltbekannte Sache und man kannf
drum auch öffentlich davon reden. Es iſt zu ver⸗
wundern, wie gar uneinig die Leute ſind, welche
doch alle einen und denſelben Rock und Kragen
anhaben, eine und dieſelbe Bibel haben und auf
ſie vereidigt werden!
2.
„Drum ſag ich's ja“, wirſt du etwa, Leſer,
ſchmunzelnd und ganz wohlgefällig ſprechen, „s' iſt
nichts mit den Pfarrern, ſie wiſſen nichts, man
könnte ſie alle mit einander entbehren!“ Aber,
Freund, ich muß dich aufmerkſam machen, daß du
zu viel ſagſt, und was zu viel iſt, das iſt einmal
zu viel, — und über die Wahrheit hinaus muß
keiner ſchwatzen. Siehſt du, du freuſt dich, daß
die Pfarrer nicht einig ſind, und ſollteſt lieber
drüber traurig ſein! Du ſagſt dein „es iſt nichts
mit den Pfarrern, ſie wiſſen nichts“, mit einer
ſolchen Miene, als machteſt du einer Spinne den
Garaus! Du meinſt, wenn die Pfarrer nichts
wiſſen, brauch' ich auch nichts zu wiſſen; aber
weißt du, warum du's ſagſt? Mit den Pfarrern
möchte es deinetwegen etwas oder nichts ſein, das
iſt dir im Grunde gleich; aber du wünſcheſt, daß
es mit allem nichts ſein möge, was die Pfarrer
lehren, die einen, wie die andern. Die Pfarrer
ſind doch immer noch beſſer, wie du, ſie kümmern
ſich doch noch, die einen wie die andern, um das
Ewige, — du aber willſt gar nichts von der Ewig⸗
keit wiſſen. Weil die Pfarrer ſtreiten, ſo meinſt
du, es gebe gar keine Ewigkeit, — du biſt froh,
daß ſie, wie du mit Unrecht meinſt, alle nichts
wiſſen, ſo können ſie dir doch nach deiner Einbil⸗
dung auch nichts Gewiſſes predigen und du kannſt
ihre Predigt deſto eher ganz und gar in den Wind
ſchlagen, weil ſie eben nicht gewiß iſt. —
(Fortſetzung folgt.)
(Eingeſandt.)
Es gibt ein Paradies hienieden.
Es gibt ein Paradies hienieden,
Und alle Heiligen erſcheinen,
Mit Kronen in dem duft'gen Haar,
Und alle Seligen vereinen
Sich, Gott zu preiſen immerdar.
Hier prangt ein Lenz von ew'ger Schöne,
Und ſeine Blüthen welken nicht;
Hier klingen ſelge Himmelstöne,
Hier leuchtet Gottes Angeſicht.
Und in den dunklen Laubgebüſchen
Da glänzt es goldig, ſchön und roth
Von Früchten; die ſich d'ran erfriſchen,
Die ſchmecken nicht den bittern Tod.
Mag draußen grimmer Donner brüllen,
Hier iſt des Friedens ſtilles Haus.
Mag auch die Welt in Nacht ſich hüllen,
Hier löſcht das Licht doch niemals aus.
Wenn noch ſo wild die Meere brauſen,
So bleibet dieſer Fels doch ſteh'n.
Wenn noch ſo laut die Stürme ſauſen,
Hier ſäuſelt ſanft des Geiſtes Wehn.
Aus dieſem Erze ſind geſchaffen
Die Schwerter, die die Welt beſiegt,
Von dieſem Golde ſind die Waffen,
Vor welchen Satan unterliegt.
Mit dieſem Demant iſt gegründet
Die heil'ge Bahn zur ew'gen Ruh,
D'rauf alle Gläubigen verbündet
Hinpilgern ihrer Heimath zu.
Das iſt fürwahr ein ſel'ges Eden,
Weil hier der Mund der Lüge ſchweigt,
Hier hören wir Gott ſelber reden,
Der ſich zu uns vom Himmel neigt.
Ja, wer kann Dich genug erheben,
Du unſres Gottes heilges Wort,
Wodurch der HErr uns Geiſt und Leben
Und Gnade ſchenket fort und fort.
Ach, wäreſt Du mir nicht erſchloſſen;
Viel beſſer wäre nie gebor'n
Und wieder in das Nichts zerfloſſen,
Als ewig hier und dort verlor'n.
Verzweifelnd ſtarrt' ich in die Wüſte,
Worin kein Born des Lebens quillt,
Bis ich zuletzt verſchmachten müßte,
Die Sehnſucht ewig ungeſtillt.
Mein treuer Hirt! Du wollſt mich weiden
Auf grünen, waſſerreichen Au'n,
So werd ich keinen Mangel leiden
Und Dich in Deinem Worte ſchau'n.
Im Worte willſt Du zu mir nahen,
Wie Deine Wahrheit mir verhieß,
So kann mein Glaube Dich umfahen
Ini Wort: d'rum iſt's mein Paradies.
Hermann Fick.
Kyrie eleiſon.
Ein Eden, ein verborg'nes Thal;
Da findet man des Himmels Frieden,
D'rin iſt bereit ein herrlich Mahl.
Und an dem Baum des Lebens fließen
Viel friſche Lebensbäche hin,
Und Lilien und Roſen ſprießen:
Die Saronsblume blüht darin.
Und in den grünen Zweigen ſitzen
Und ſingen Vögel hell und fein;
Und in den hohen Bergen blitzen
Viel Gold und edeles Geſtein;
Und Perlen ſchimmern in den Fluthen,
Wie Stierne in der ſtillen Nacht;
Und rings gekrönt mit Strahlengluthen
Erglänzt der Sonne hehre Pracht.
Und Engel ſchweben in den Lüften
Mit goldnen Schaalen hoch empor,
Und opfern in den Morgendüften,
Und loben Gott im höhern Chor.
Maria, die Königin von England, (ſtarb
1558) hatte während ihrer ganzen Regierung mit
unerſättlicher Grauſamkeit gegen die Bekenner des
proteſtantiſchen Glaubens in dieſem Königreiche
gewüthet. Die verdienteſten Männer waren als
Opfer ihrer blinden Wuth gefallen.“) Jetzt faßte
ſie noch den Entſchluß, auch die Proteſtanten in
Irland ihren Haß fühlen zu laſſen, und unter⸗
ſchrieb einen Befehl zu blutiger Verfolgung der⸗
ſelben. Die Vollſtreckung ihres Willens trug ſie
einem Manne auf, der den Haß gegen die Pro⸗
teſtanten völlig mit ihr theilte, und deswegen ſeine
Reiſe nach Irland möglichſt beſchleunigte. Ehe
*) Nach Hume's Angabe wurden binnen drei Jahren
5 Biſchöfe, 21 Geiſtliche, 8 Edelleute, 84 Bürger, 100
Landleute, Dienſtboten und Handwerker, 55 Frauen und
4 Kinder verbrannt.
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