Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 25 › Seite 197
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-28, Seite 197
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Miſſion 29
ſetzte ſeine Waaren faſt alle ab. Aber er mußte
ein jedes Stück erſt ins Feuer werfen, anders
nahmen es die Indianer nicht. Als es nun Tag
ward, verloren ſich die Indianer. Der Händler
will am Tage ſeine eingetauſchten Pelzwaaren
ordnen, aber nun findet er nichts als einen gro⸗
ßen Haufen — Baumrinde. Denn die verſtor⸗
benen Indianer ſind nur des Nachts ſichtbar, und
ihre Güter nur des Nachts Güter. — Nun ver⸗
ſtand ich auch des Alten erſte Erzählung. Er
iſt mit ſeinem Aberglauben ſo zuſammengewach⸗
ſen, daß er meint: es verſtehe ſich ja von ſelbſt,
daß die Indianer nach dem Tode in den Weſten
ziehen, um dort wie hier zu jagen und Feſte zu
feiern, und kein vernünftiger Menſch kann daran
zweifeln. Denn wozu würden ihnen ſonſt Schuhe
für die weite Reiſe, und Nahrungsmittel, und
ein Keſſel, und Feuerzeug ꝛc. mit in das Grab
gegeben werden? Daher meinte er auch nicht
nöthig zu haben, mir etwas anderes zu erzählen,
als einige Thatſachen darüber, wie es dort
eigentlich zugeht. Ich frug ihn nun, woher er
denn wüßte, daß es nach dem Tode mit ihnen ſo
und nicht anders ſtände? Er ſprach: Ja,
da ſind mal zwei ſehr gute Freunde geweſen, ſie
waren auch verwandt. Die liebten einander ſo
ſehr, daß der eine dem andern verſprach, er wolle
ſich mit ihm begraben laſſen, im Fall er ihn über⸗
leben ſollte. So geſchah es denn auch; der eine
ſtarb, und nichts konnte den andern vermögen,
ſein Verſprechen zu brechen. So wurde das Grab
weit genug für Beide gemacht, der Lebendige
legte ſich mit dem Todten hinein, man brachte
Stangen an, daß die Erde den Lebendigen nicht
erdrücken konnte, und ſo verſcharrte man ſie
Beide. Bald darauf ſchlief der Lebendige ein.
Als er erwachte, ſchien es ihm, als ſei er mit
ſeinem Freunde in einem Wigwam (Hütte), dort
lebten ſie Beide lange Zeit. Sie gingen auf die
Jagd, aber nur der Todte konnte was ſchießen.
Sie hatten auch oft Beſuch, aber nur der Todte
ſah die Beſuchenden. Auch feierten ſie oft Feſte.
Endlich ſagte mal der Todte zu dem Lebendigen:
Höre, morgen bekommen wir vielen Beſuch.
Unſere Leute werden den Fluß hinäb kommen und
mich mit ſich nehmen. Du aber kannſt mir dies⸗
mal nicht folgen, darum rathe ich dir, zu deinen
lebendigen Brüdern zurückzukehren. Es werden
auch morgen welche kommen und das Grab auf⸗
ſcharren. So geſchah es denn auch. Der Leben⸗
dige hörte bald darauf ein Geräuſch über ſich,
das immer näher kam, bis die Stangen abgeho⸗
ben und einige Männer ſichtbar wurden. Die
Männer ſprachen zu einander: Höre, der Eine
hat ja die Augen auf, am Ende lebt er gar! Na
freilich lebe ich, antwortete der Begrabene, ſtand
auf, kroch aus dem Grabe heraus und erzählte,
was er erlebt habe. — Ich frug, wer ihm denn
die Geſchichte erzählte. Der Alte ſprach: O,
meine Voreltern, und denen ihre Voreltern, bis
zu dem hinauf, der begraben war, und zu denen,
die ihn gekannt haben. Ich ſprach: So iſt es
alſo eine ſehr alte Geſchichte, vielfach erzählt und
verunſtaltet, dazu durch nichts verbürgt. Laſſen
wir das jetzt. Ich will Ihnen nun erzählen, was
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Gott über aller Menſchen Zuſtand nach dem Tode
ſagt. Denn hier in dieſer Welt ordnen wir
ſelbſt unſere Verhältniſſe, und ein jeder hat Frei⸗
heit, ſeine Hütte hier oder dorthin zu bauen und
zu leben, wo es ihm gefällt. Aber in jener Welt
wird Gott unſre Sachen ordnen, wird Er uns
unſre Bleibeſtätten anweiſen, die wir einnehmen
und behalten müſſen. Darum kann Gott auch
am beſten ſagen, wie es dort ſteht, wie Er es zu
machen pflegt, und mit uns machen wird. —
Hierauf trug ich ihnen die bibliſche Lehre über
Tod und Auferſtehung und Gericht, über ewige
Seligkeit und ewige Verdammniß vor. Und
dann las ich ihnen noch die betreffende Stelle aus
Matth. 25, 31. ff. aus dem indianiſchen Teſta⸗
mente vor. Der Eindruck dieſer Worte ſcheint
gewaltig geweſen zu ſein, denn der Alte erſtarrte
zugleich mit ſeinen Begleitern für einige Minu⸗
ten, wie Lots Weib auf dem Wege nach Zoar.
Endlich ermannte er ſich und ſagte: Ja, das iſt
eben ſo. Früher haben viele Indianer auch beten
gelernt und ſich taufen laſſen. Aber meiſt iſt ſo
ein betender Indianer (ſo nennen ſie alle chriſtli⸗
chen Indianer) ſo wie geſtorben. Sein Geiſt
war abweſend, aber in der Kehle zeigte ſich noch
ein wenig Leben, ſo daß man ihn nicht begrub.
Als er nun wieder zu ſich kam, ſprach er: Da bin
ich ſo eben geſtorben geweſen und an den Him⸗
mel der Weißen gekommen. Aber da hat man
mich abgewieſen und geſagt: Rothe Leute gehö⸗
ren hierher nicht. Darum bin ich wieder gekom⸗
men. Nun geſchah es nach einiger Zeit, daß der⸗
ſelbe Mann zum zweiten Male in eben denſelben
Zuſtand gerieth. Als er wieder zu ſich kam, ſagte
er: Da bin ich nun eben wieder geſtorben ge⸗
weſen und bin dann an den Himmel der India⸗
ner gegangen. Aber da hat man mich auch ab⸗
gewieſen und geſagt: Du gehörſt hierher nicht;
du biſt ja ein betender Indianer; hier wird nicht
gebetet. Darum bin ich nochmal wieder gekom⸗
men. Und da man mich ſo nirgends annehmen
will, ſo halte ich es fürs Beſte, das Beten aufzu⸗
geben, ſo hoffe ich doch in den Indianerhimmel
zu kommen. Dies that er denn auch, ſtarb zum
dritten Male und kam nicht mehr wieder. Seit
dem ſcheuen ſich die Indianer, zu beten. Ich
ſagte: Haben Sie mir nicht geſagt, daß der
Mann das erſte und zweite Mal nicht todt war?
Der Alte: Ja wohl, denn es regte ſich in der Kehle
noch ein wenig Leben, darum man ihn auch nicht
begrub. Ich: Nun wohl, ſo hat er geträumt.
Und von euren Träumen habe ich ja in der Pre⸗
digt nachgewieſen, daß ſie des Teufels Werk
ſind, der euch durch allerlei Vorſpiegelungen von
Gott und ſeinem Worte abzuhalten trachtet, da⸗
mit er euch ewig in ſeiner Sclaverei behalte, und
einſt zu Theilnehmern ſeiner ewigen Verdamm⸗
niß bekomme. — Der Alte hielt mir nun, wohl
um auszuweichen, das unſinnige Treiben der
Methodiſten vor, um einen Einwand gegen das
Chriſtenthum überhaupt zu haben. Darauf er⸗
widerte ich, daß ich ja ſchon in der Predigt nach⸗
gewieſen, wie zur Verdammniß viele, zur Se⸗
ligkeit aber nur ein Weg führe; daß es zum
Verdammtwerden gleichgültigzſei, ob man dies
oder das vom Leben, Tode, Gott, Ewigkeit ꝛc.
denke, ſich mit oder ohne Branntwein berauſche,
dieſen oder jenen Weg einſchlage: aber um ſelig
zu werden, muß man den Weg einſchlagen, den
Gott ſelbſt uns gezeigt, und das glauben, was
Gott ſelbſt uns geoffenbaret hat. Die Metho⸗
diſten nun haben einen der vielen Seitenwege
eingeſchlagen, die der Teufel erfunden hat, um
die Menſchen von dem einigen richtigen Wege
abzuhalten. Daß es aber ſolche Menſchen gebe,
wundert einen Chriſten gar nicht, weil Gott ſie
längſt in ſeinem Worte beſchrieben und vor ihnen
gewarnt hat. Hierauf las ich ihnen 1 Tim. 4,
1. 2. und 2 Tim. 3, 1. 2. 5. und 6. vor. Nach⸗
dem nun noch einiges über die Schamloſigkeit und
Lüge der Methodiſten geredet worden war, wurde
das Geſpräch abgebrochen.
Nun weißt du, lieber Leſer, durch welche arm⸗
ſelige Geſchichten der Teufel die armen blinden
Heiden in ſeinen Banden zu erhalten ſucht, und
wie er ſie zu blenden und zu feſſeln weiß, daß ſie
ſich gar nicht davon trennen mögen, auch wenn
ihnen Gottes heiliges klares Wort vorgetragen
wird. Wohl hat dieſes ſeine Gotteskraft auch
an dieſem ergrauten Sünder, deſſen Hände mit
Menſchenblut befleckt ſind, nicht verleugnet, wie
namentlich bei den Stellen vom jüngſten Gericht
offenbar wurde; aber Satanas hat ihn und ſei⸗
nesgleichen mit den Ketten der Finſterniß ſo
feſt gebunden, daß es vor Menſchenaugen wohl
nicht abzuſehen iſt, ob ſie auch je loskommen
werden. Dazu kommt, daß die vorhin erwähn⸗
ten Schleicher ihnen leider Urſache genug zum
gerechten Unwillen, zur Verachtung und Ver⸗
ſpottung ihres Thuns und Treibens geben. Und
da ſie mit dem Schein der Gottſeligkeit, aber in
gleißneriſcher Lügenrede behaupten, die einzig
wahren Chriſten zu ſein, ſo dehnt ſich ihr Haß
und Verachtung über das ganze Chriſtenthum
aus. Und es hält bei dem Haß, den die India⸗
ner in Folge des unausgeſetzten Betruges von
Seiten der Weihen gegen dieſe haben, ſehr
ſchwer, ſie zu überzeugen, daß das Chriſtenthum
dennoch der einzig rechte, von Gott ſelbſt geoffen⸗
barte Weg zur Seligkeit ſei, ob auch Viele, die
ſich Chriſten nennen, das Chriſtenthum bis
zur Carricatur verunſtalten, und unter dem
Schein der Gottſeligkeit die größte Goͤttloſig⸗
keit treiben. Aber „bei Gott iſt ja kein Ding un⸗
möglich“, auch das nicht, dieſes arme zertretene
Volk aus den Banden der Finſterniß zu erlöſen.
Darum, mein lieber Leſer, der du dich der herr⸗
lichen Freiheit des Evangelii, der Seligleit in
Chriſto erfreuſt, vergiß nie der Worte deines
HErrn, und übe ſie auch täglich mit inbrünſtigem
Geiſte und demüthigem Glauben, nemlich die
Worte:
„Bittet den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter
in ſeine Ernte ſende.“
Der Menſch kennt ſich ſelbſt nicht, bis er ſich
in der Anfechtung kennen lernt.
Auguſtinus.
English translation
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