Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 25 › Seite 193
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-28, Seite 193
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bilder 1 · Geſetz—Zeremonialgeſetz 2
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Belligirt von C. F. W. Walther.
Der Lutheraner.
„Gottes Mort und uthers Xehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Hahrgang 5.
51. Couis, Mo., den 7. Nuguſt 1849.
No. 25.
vorauszubezahlen und das Vaſhhe
EENur die Briefe, welche
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1
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enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
„Du ſollſt dir kein Bildniß noch irgend ein
Gleichniß machen, weder deß, das oben im
Himmel, noch deß, das unten auf Erden, oder
deß, das im Waſſer unter der Erden iſt. Bete
ſie nicht an und diene ihnen nicht.“
2 Moſ. 20, 45.
Dieſe in den heiligen zehen Geboten mit ent⸗
haltenen Worte hat Luther bekanntlich nicht in
ſeinen kleinen Katechismus mit aufgenommen.
Dies iſt ihm denn auch oft zum Vorwurf gemacht
worden, und nicht ſelten wird jetzt, wie wir hören,
von unirt⸗evangeliſchen Predigern ein fältigen Leu⸗
ten damit der lutheriſche Katechismus verdächtig
gemacht, und das als ein ſonderer Vorzug ihres
neuen Katechismus geprieſen, daß in letzterem
jene Worte buchſtäblich ſo enthalten ſind, wie man
ſie in der Bibel lieſ't. Möge daher Luther in
dem Folgenden ſelbſt über dieſe Sache gehört
werden; es wird ſich dann alsbald deutlich her⸗
ausſtellen, welchen guten Grund Luther zu Weg⸗
laſſung jener Worte gehabt hat und daß diejenigen,
welche auf Beibehaltung derſelben in der Zeit des
Neuen Teſtamentes dringen, damit nur beweiſen,
wie gänzlich es ihnen an wahrer Einſicht in das
Verhältniß des Alten und Neuen Bundes, des
Geſetzes und des Evangeliums, Moſis und Chriſti,
kurz in das wahre Weſen des Chriſtenthums und
der chriſtlichen evangeliſchen Freiheit mangele.
Luther ſchreibt in ſeiner Auslegung über
etliche Capitel des zweiten Buchs Moſe aus den
Jahren 1524 - 1526 über obigen Tert folgender⸗
maßen (Siehe: Werke. Hall. A. III, 1563 —
1573):
Dieſen Text haben die Schwärmergeiſter ge⸗
führet, und haben ihn auf uns treiben wollen.
Darum wollen wir ihn handeln, erſtlich auf Streit⸗
weiſe, nachmals auf einfältige Weiſe. Unſere
Rottengeiſter, Meiſter Klügling, die die Schrift
gar gefreſſen haben, ſprechen: Höreſt du GOttes
Wort, das dir ſaget: Du ſollſt nicht fremde Göt⸗
ter haben, ſchrecken alſo mit dieſem Scheine, daß
ſie GOttes Wort vorwenden, die Menſchen; treiben
ſie mit Gewalt dahin, daß man die Bilder nicht
kiden ſolle, weil es GOtt verboten habe: meinen,
es ſei köſtlich Ding, Götzen ſtürmen. Was wollen
wir aber darzu ſagen? Es iſt ja GOttes Wort,
darzu können wir nicht Nein ſagen.
„Lieben Chriſten, ihr habt alſo gehöret, wenn ſie
mit ihrem Moſe herein kommen, wollen euer Ge⸗
wiſſen mit ſeinen Geſetzen binden, ſo ſprechet zu
ihnen: Lieber Herr, ſetzet die Brille auf die Naſe,
und ſehet den Tert recht an. Wir wiſſen wohl,
daß man GOtt gehorſam ſein ſoll in dem, das er
ſaget, und daß wir GOtt ſo wohl angehören, als
die Jüden. Man muß aber einen Unterſcheid
machen zwiſchen dem Worte GOttes und Worte
GOttes. Darauf ſoll ich Achtung haben, wenn
GOtt etwas redet, ob dasſelbe mich betreffe.
Darum, lieber Geſelle, willt du mich mit GOttes
Worte zwingen, ſo ſage mir einen Text, der mich
angehet; ſonſt kehre ich mich nichts daran, daß du
mir viel aus Moſe ſageſt. Denn Moſes mit ſeinem
Worte iſt uns nicht geſandt; und ob Moſes ſchon
nicht gekommen wäre, ſo hätten wir dennoch gleich⸗
wohl dieſes natürliche Erkenntniß, durch GOtt in
unſere Herzen geſchrieben, gehabt, daß ein GOtt iſt,
der alle Dinge mache und erhalte. Denn auch die
Heiden GOtt angebetet haben, ohne Moſis Lehre;
wiewohl ſie GOttes, gleich wie auch die Jüden,
gefehlet haben.
„Darum kannſt du bald alſo antworten: Lieber
Schwärmer, Moſes hin, Moſes her. Willt du,
daß ich dich höre, ſo ſage mir ein Wort, das mich
angehet; oder ich halte dich für einen Verführer
und Teufels Apoſtel; denn du predigeſt, das an⸗
dern, nicht dir, befohlen iſt. Sollte ich alle Worte
GOttes annehmen und halten, ſo müßte ich auch
einen Kaſten bauen, wie Noah; denn GOttes
Wort hat ihm befohlen, daß er einen Kaſten
bauete, 1 Moſ. 6, 14. Nun iſt ja das GOttes
Wort: ſo gehe hin, und thue wie Noah, baue
einen Kaſten. Item, Chriſtus Matih. 17, 27.
hieß Petrum an das Meer gehen, und den Angel
einwerfen und einen Fiſch fahen, der am erſten
aufführe, in welches Mund er finden würde einen
halben Gülden, den ſollte er zu Schoß geben, für
ihn und ſich. Da iſt auch GOttes Wort. Aber
lieber Schwärmer, gehe hin, und thue auch wie
Petrus thät; laß ſehen, wie es dir wird anſtehen.
Solche blinde Köpfe ſind unſere Rottengeiſter,
plumpen hinein in die Schrift, wie ein Bauer in
die Stiefeln. Wie käme ich darzu, daß ſie mir
alle GOttes Wort wollen auflegen? Sie beweiſen
vorhin, daß GOTT die Worte wolle mir gepre⸗
diget haben.
„Darum müſſen GOttes Worte den Zuſatz
haben, daß ich wiſſe, zu wem ſie geſagt ſind. Die
Engel haben auch GOttes Wort; was gehet es
aber uns an, weil es zu uns nicht geſaget iſt.
Darum halten wir uns des Worts, das zu uns
geſagt iſt. Chriſtus trieb Petrum zurücke, da er
fragte von Johanne: Was ſolle dieſer thun?
Chriſtus antwortete: Was gehet es dich an, folge
du mir, Joh. 21, 21. 22. Ich habe es nicht ihm
geſagt, ſondern dir, dir: du, du folge; er wird
ſeinen Beſcheid auch kriegen. Ich ſage es nicht
ihm, ſondern dir. Darum habe ich geſagt, daß
GoOtt einen jeglichen inſonderheit angreifet, als
habe er ſonſt mit keinem zu thun, denn mit ihm.
Wenn er nun dir ein Wort aufleget, nimm es an,
und halte dich deines Befehls, und laß einen an⸗
dern ſeines Befehls warten. Es ſind heilloſe
Tröpfe und rechte Säue, wollen große Doctores
ſein, ſchreiben große Bücher, wiſſen doch keinen
Unterſchied des Wortes GOttes. Abraham hat
von Goit empfangen die Beſchneidung zu einem
Zeichen ſeines Glaubens, wie Paulus auch an⸗
zeiget Röm. 4, 11. Das iſt GOttes Wort. Es
iſt aber aus mit der Beſchneidung Abrahä, es
ſtehet alleine da zum Exempel des Glaubens,
bindet aber und zwinget mich nicht.
„Alſo ſage ich hier, daß das Bilderſtürmen und
Umreißen der Götzen nicht mag erzwungen werden
aus dieſem Texte. Denn es iſt den Jüden alleine
geſagt, und nicht uns. Weiſe mir einen Text,
damit mir GOtt verboten hat die Bilder; nicht,
daß ich den Bildern hold ſei, ſondern daß wir ge⸗
wiß wiſſen ſollen, worauf unſer Glaube gegründet
ſei, daß wir nicht auf den Sand bauen, und un⸗
ſern Widerſachern können antworten. Denn ein
Previger, ja, auch ein jeglicher Chriſt, ſoll und
muß ſeiner Lehre gewiß ſein; nicht auf einen
Wahn bauen, oder mit Menſchendünkel umgehen,
ſondern der Sache gar gewiß ſein, daß alſo ſei,
und nicht anders, Col. 2, 2., das Paulus Pliro⸗
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