# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 28_S197 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſetzte ſeine Waaren faſt alle ab. Aber er mußte ein jedes Stück erſt ins Feuer werfen, anders nahmen es die Indianer nicht. Als es nun Tag ward, verloren ſich die Indianer. Der Händler will am Tage ſeine eingetauſchten Pelzwaaren ordnen, aber nun findet er nichts als einen gro⸗ ßen Haufen — Baumrinde. Denn die verſtor⸗ benen Indianer ſind nur des Nachts ſichtbar, und ihre Güter nur des Nachts Güter. — Nun ver⸗ ſtand ich auch des Alten erſte Erzählung. Er iſt mit ſeinem Aberglauben ſo zuſammengewach⸗ ſen, daß er meint: es verſtehe ſich ja von ſelbſt, daß die Indianer nach dem Tode in den Weſten ziehen, um dort wie hier zu jagen und Feſte zu feiern, und kein vernünftiger Menſch kann daran zweifeln. Denn wozu würden ihnen ſonſt Schuhe für die weite Reiſe, und Nahrungsmittel, und ein Keſſel, und Feuerzeug ꝛc. mit in das Grab gegeben werden? Daher meinte er auch nicht nöthig zu haben, mir etwas anderes zu erzählen, als einige Thatſachen darüber, wie es dort eigentlich zugeht. Ich frug ihn nun, woher er denn wüßte, daß es nach dem Tode mit ihnen ſo und nicht anders ſtände? Er ſprach: Ja, da ſind mal zwei ſehr gute Freunde geweſen, ſie waren auch verwandt. Die liebten einander ſo ſehr, daß der eine dem andern verſprach, er wolle ſich mit ihm begraben laſſen, im Fall er ihn über⸗ leben ſollte. So geſchah es denn auch; der eine ſtarb, und nichts konnte den andern vermögen, ſein Verſprechen zu brechen. So wurde das Grab weit genug für Beide gemacht, der Lebendige legte ſich mit dem Todten hinein, man brachte Stangen an, daß die Erde den Lebendigen nicht erdrücken konnte, und ſo verſcharrte man ſie Beide. Bald darauf ſchlief der Lebendige ein. Als er erwachte, ſchien es ihm, als ſei er mit ſeinem Freunde in einem Wigwam (Hütte), dort lebten ſie Beide lange Zeit. Sie gingen auf die Jagd, aber nur der Todte konnte was ſchießen. Sie hatten auch oft Beſuch, aber nur der Todte ſah die Beſuchenden. Auch feierten ſie oft Feſte. Endlich ſagte mal der Todte zu dem Lebendigen: Höre, morgen bekommen wir vielen Beſuch. Unſere Leute werden den Fluß hinäb kommen und mich mit ſich nehmen. Du aber kannſt mir dies⸗ mal nicht folgen, darum rathe ich dir, zu deinen lebendigen Brüdern zurückzukehren. Es werden auch morgen welche kommen und das Grab auf⸗ ſcharren. So geſchah es denn auch. Der Leben⸗ dige hörte bald darauf ein Geräuſch über ſich, das immer näher kam, bis die Stangen abgeho⸗ ben und einige Männer ſichtbar wurden. Die Männer ſprachen zu einander: Höre, der Eine hat ja die Augen auf, am Ende lebt er gar! Na freilich lebe ich, antwortete der Begrabene, ſtand auf, kroch aus dem Grabe heraus und erzählte, was er erlebt habe. — Ich frug, wer ihm denn die Geſchichte erzählte. Der Alte ſprach: O, meine Voreltern, und denen ihre Voreltern, bis zu dem hinauf, der begraben war, und zu denen, die ihn gekannt haben. Ich ſprach: So iſt es alſo eine ſehr alte Geſchichte, vielfach erzählt und verunſtaltet, dazu durch nichts verbürgt. Laſſen wir das jetzt. Ich will Ihnen nun erzählen, was 19⁷ Gott über aller Menſchen Zuſtand nach dem Tode ſagt. Denn hier in dieſer Welt ordnen wir ſelbſt unſere Verhältniſſe, und ein jeder hat Frei⸗ heit, ſeine Hütte hier oder dorthin zu bauen und zu leben, wo es ihm gefällt. Aber in jener Welt wird Gott unſre Sachen ordnen, wird Er uns unſre Bleibeſtätten anweiſen, die wir einnehmen und behalten müſſen. Darum kann Gott auch am beſten ſagen, wie es dort ſteht, wie Er es zu machen pflegt, und mit uns machen wird. — Hierauf trug ich ihnen die bibliſche Lehre über Tod und Auferſtehung und Gericht, über ewige Seligkeit und ewige Verdammniß vor. Und dann las ich ihnen noch die betreffende Stelle aus Matth. 25, 31. ff. aus dem indianiſchen Teſta⸗ mente vor. Der Eindruck dieſer Worte ſcheint gewaltig geweſen zu ſein, denn der Alte erſtarrte zugleich mit ſeinen Begleitern für einige Minu⸗ ten, wie Lots Weib auf dem Wege nach Zoar. Endlich ermannte er ſich und ſagte: Ja, das iſt eben ſo. Früher haben viele Indianer auch beten gelernt und ſich taufen laſſen. Aber meiſt iſt ſo ein betender Indianer (ſo nennen ſie alle chriſtli⸗ chen Indianer) ſo wie geſtorben. Sein Geiſt war abweſend, aber in der Kehle zeigte ſich noch ein wenig Leben, ſo daß man ihn nicht begrub. Als er nun wieder zu ſich kam, ſprach er: Da bin ich ſo eben geſtorben geweſen und an den Him⸗ mel der Weißen gekommen. Aber da hat man mich abgewieſen und geſagt: Rothe Leute gehö⸗ ren hierher nicht. Darum bin ich wieder gekom⸗ men. Nun geſchah es nach einiger Zeit, daß der⸗ ſelbe Mann zum zweiten Male in eben denſelben Zuſtand gerieth. Als er wieder zu ſich kam, ſagte er: Da bin ich nun eben wieder geſtorben ge⸗ weſen und bin dann an den Himmel der India⸗ ner gegangen. Aber da hat man mich auch ab⸗ gewieſen und geſagt: Du gehörſt hierher nicht; du biſt ja ein betender Indianer; hier wird nicht gebetet. Darum bin ich nochmal wieder gekom⸗ men. Und da man mich ſo nirgends annehmen will, ſo halte ich es fürs Beſte, das Beten aufzu⸗ geben, ſo hoffe ich doch in den Indianerhimmel zu kommen. Dies that er denn auch, ſtarb zum dritten Male und kam nicht mehr wieder. Seit dem ſcheuen ſich die Indianer, zu beten. Ich ſagte: Haben Sie mir nicht geſagt, daß der Mann das erſte und zweite Mal nicht todt war? Der Alte: Ja wohl, denn es regte ſich in der Kehle noch ein wenig Leben, darum man ihn auch nicht begrub. Ich: Nun wohl, ſo hat er geträumt. Und von euren Träumen habe ich ja in der Pre⸗ digt nachgewieſen, daß ſie des Teufels Werk ſind, der euch durch allerlei Vorſpiegelungen von Gott und ſeinem Worte abzuhalten trachtet, da⸗ mit er euch ewig in ſeiner Sclaverei behalte, und einſt zu Theilnehmern ſeiner ewigen Verdamm⸗ niß bekomme. — Der Alte hielt mir nun, wohl um auszuweichen, das unſinnige Treiben der Methodiſten vor, um einen Einwand gegen das Chriſtenthum überhaupt zu haben. Darauf er⸗ widerte ich, daß ich ja ſchon in der Predigt nach⸗ gewieſen, wie zur Verdammniß viele, zur Se⸗ ligkeit aber nur ein Weg führe; daß es zum Verdammtwerden gleichgültigzſei, ob man dies oder das vom Leben, Tode, Gott, Ewigkeit ꝛc. denke, ſich mit oder ohne Branntwein berauſche, dieſen oder jenen Weg einſchlage: aber um ſelig zu werden, muß man den Weg einſchlagen, den Gott ſelbſt uns gezeigt, und das glauben, was Gott ſelbſt uns geoffenbaret hat. Die Metho⸗ diſten nun haben einen der vielen Seitenwege eingeſchlagen, die der Teufel erfunden hat, um die Menſchen von dem einigen richtigen Wege abzuhalten. Daß es aber ſolche Menſchen gebe, wundert einen Chriſten gar nicht, weil Gott ſie längſt in ſeinem Worte beſchrieben und vor ihnen gewarnt hat. Hierauf las ich ihnen 1 Tim. 4, 1. 2. und 2 Tim. 3, 1. 2. 5. und 6. vor. Nach⸗ dem nun noch einiges über die Schamloſigkeit und Lüge der Methodiſten geredet worden war, wurde das Geſpräch abgebrochen. Nun weißt du, lieber Leſer, durch welche arm⸗ ſelige Geſchichten der Teufel die armen blinden Heiden in ſeinen Banden zu erhalten ſucht, und wie er ſie zu blenden und zu feſſeln weiß, daß ſie ſich gar nicht davon trennen mögen, auch wenn ihnen Gottes heiliges klares Wort vorgetragen wird. Wohl hat dieſes ſeine Gotteskraft auch an dieſem ergrauten Sünder, deſſen Hände mit Menſchenblut befleckt ſind, nicht verleugnet, wie namentlich bei den Stellen vom jüngſten Gericht offenbar wurde; aber Satanas hat ihn und ſei⸗ nesgleichen mit den Ketten der Finſterniß ſo feſt gebunden, daß es vor Menſchenaugen wohl nicht abzuſehen iſt, ob ſie auch je loskommen werden. Dazu kommt, daß die vorhin erwähn⸗ ten Schleicher ihnen leider Urſache genug zum gerechten Unwillen, zur Verachtung und Ver⸗ ſpottung ihres Thuns und Treibens geben. Und da ſie mit dem Schein der Gottſeligkeit, aber in gleißneriſcher Lügenrede behaupten, die einzig wahren Chriſten zu ſein, ſo dehnt ſich ihr Haß und Verachtung über das ganze Chriſtenthum aus. Und es hält bei dem Haß, den die India⸗ ner in Folge des unausgeſetzten Betruges von Seiten der Weihen gegen dieſe haben, ſehr ſchwer, ſie zu überzeugen, daß das Chriſtenthum dennoch der einzig rechte, von Gott ſelbſt geoffen⸗ barte Weg zur Seligkeit ſei, ob auch Viele, die ſich Chriſten nennen, das Chriſtenthum bis zur Carricatur verunſtalten, und unter dem Schein der Gottſeligkeit die größte Goͤttloſig⸗ keit treiben. Aber „bei Gott iſt ja kein Ding un⸗ möglich“, auch das nicht, dieſes arme zertretene Volk aus den Banden der Finſterniß zu erlöſen. Darum, mein lieber Leſer, der du dich der herr⸗ lichen Freiheit des Evangelii, der Seligleit in Chriſto erfreuſt, vergiß nie der Worte deines HErrn, und übe ſie auch täglich mit inbrünſtigem Geiſte und demüthigem Glauben, nemlich die Worte: „Bittet den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in ſeine Ernte ſende.“ Der Menſch kennt ſich ſelbſt nicht, bis er ſich in der Anfechtung kennen lernt. Auguſtinus.