Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 25 › Seite 194

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-28, Seite 194

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phorian nennet; auf daß er ſtehen könnte in aller
Anfechtung, und dem Teufel und allen ſeinen
Engeln, ja, GOtt ſelber ohne alles Wanken ant⸗
worten.

„Darum müſſen ſie einen andern Grund auf⸗
bringen, damit ſie beweiſen, man müſſe Bilder
ſtürmen. Denn wenn man ſie anfechten würde,
und hätten keinen andern Grund, ſo müßten ſie
zurücke fliehen, könnten nicht beſtehen, und würden
nichts ausrichten. Darum ſage ich, ſo muß man
der Sache gewiß ſein, wenn man andere lehren
will mit GOttes Wort. Alſo lehret auch Petrus
1. Epiſt. 4, 11., daß niemand reden ſoll, er rede es
denn als GOttes Wort, das GOtt geheißen habe
und ihm gefalle: und ſo jemand ein Amt hat,
daß er es thue als aus dem Vermögen, das GOtt
darreichet, Röm. 12, 6. 7. Sie aber können nichts
aufbringen, daß es GOtt befohlen habe, Bilder
zu ſtürmen und umzureißen.

„Zum andern ſage ich, daß man die Bilder ſoll
alſo abreißen und ausrotten, daß man die Herzen
davon reiße und abwende. Denn was hindert
mich ein Bild, wenn mein Herz nicht daran han⸗
get. Denn aber hanget das Herz nicht daran, wenn
ich nicht an die Bilder gläube, mich nicht darauf
verlaſſe, und ſie nicht ſonderlich anrufe, als wollte
ich mit den Bildern GOdT eine große Ehre und
Dienſt erzeigen; wie bisher geſchehen. Denn wir
haben bisher unſer Frauen, St. Annä, Crucifixe
und dergleichen Bilder gemacht, und die Meinung
darzu gehabt, daß es beſſer wäre, denn ander Holz
und Steine; ja, daß wir daran GOtt einen gro⸗
ßen Gefallen thäten, wenn wir ſie ehreten; haben
alſo eine Zuverſicht darzu gehabt. Da brachten
ſie uns denn nicht alleine um das Geld, ſondern
auch um die Seele. Nun muß man ſolchen Bil⸗
dern nicht Arm und Bein brechen, ſie zerſchlagen;
denn das Herz bliebe gleichwohl unrein; ſondern
man muß das Volk mit dem Worte dahin bringen,
daß ſie keine Zuverſicht haben zun Bildern, als
könnten ſie ihnen helfen, oder als wollten ſie GOtt
einen beſondern Dienſt damit thun; denn das
Herz muß wiſſen, daß ihm nichts frommet noch
hilft, denn GOttes Gnade und Güte alleine.

„Daß die Bildeiſtürmer aber ſolches lehreten,
laſſen ſie wohl anſtehen, fahren viel lieber zu, und
reizen das Volk, daß ſie die Bilder ſtürmen. Da
bleibet denn das Herz voll Abgötterei, meinet nicht
anders, denn es thue wohl daran, und GOtt
einen Gefallen, daß es die Bilder ſtürme, und
fähret zu, richtet die andern, die es nicht thun;
ſo doch kein Wort noch Befehl GOttes da iſt.
Wo aber das Volk unterwieſen würde, daß vor
GOtt nichts helfe, denn ſeine Gnade und Barm⸗
herzigkeit, ſo würden die Bilder von ihnen ſelber
wohl fallen, und in Verachtung kommen. Denn
ſie würden gedenken: Soll es denn kein gut Werk
ſein, Bilder machen, ſo mache der Teufel Bilder
und gemalte Tafeln: ich will nun fortan mein
Geld wohl behalten, oder beſſer anlegen. Aber
die Rottengeiſter müſſen etwas ſonderliches an⸗
richten, ſonſt würde man nichts von ihnen halten.

„Die Jüden haben zwar ein Gebot, daß ſie
nicht ſollen Bilder haben; aber das Gebot haben
ſie zu enge geſpannet. Denn GOtt verbeut die

Bilder, die man aufrichtet, anbetet, und an GOt⸗—
tes Statt ſetzet. Denn es ſind zweierlei Bil⸗
der. Darum machet er einen Unterſcheid, und
gibet eine Regel, welche Bilder verboten ſind, die
man aufrichtet, als wären ſie GOttes Bilder; wie
denn der Text gewaltiglich ſchleußt. Darum iſt
denen hier das Maul geſtopfet, die da ſagen:
Denen Jüden ſind alle Bilder verboten.

„Die Jüden ſind auch zu abergläubig, daß ſie
dieſen Tert zu ſtrenge ziehen und machen: wie
unſere tolle Sophiſten mit dem Sonntage und
Feiertage fahren, die bald eine Sünde daraus
machen, wenn man am Sonntage Kraut feil hat,
oder ſonſt etwas geringers thut. Wenn ſie es ſo
enge ſpannen wollen, ſo wäre es beſſer, daß man
den ganzen Feiertag über ſchliefe; denn ſonſt kann
man nicht ohne Arbeit ſein, wie es die Jüden und
Sophiſten deuten. Denn es iſt ja eine Arbeit,
einen Rock anziehen, Schuhe ausziehen, gehen,
ſtehen, aufſtehen, eſſen und trinken. Wenn man
aber die Schrift und das Wort GOttes alſo will
auslegen, was will daraus werden? Das iſt aber
die Meinung mit der Feier, daß ſie kein Werk thun
ſollten, dadurch GOttes Werk verhindert würde.

„Alſo auch hier wird kein Bild verboten, denn
die, dadurch der Gottesdienſt verhindert wird. So
wird nun hier kein ander Bild verboten, denn
GOttes Bild, das man anbetet.

„Man wehret den Kindern, daß ſie nicht ſollen
auf die Bank ſteigen, und auf den Tiſch ſitzen,
daß ſie nicht herab fallen; item, daß ſie nicht zum
Waſſer gehen, daß ſie nicht erſaufen; man läſſet
ihnen nicht Brodmeſſer in den Händen, daß ſie ſich
nicht ſtechen; alſo wehret man den Kindern, das
doch die Natur nicht verbeut. Denn weil die
Kinder unverſtändig und ſchwach ſind, möchten
ſie Schaden nehmen, wo man ihnen nicht wehrete.
Alſo hat auch GOtt das grobe jüdiſche Volk ge⸗
führet mit ſolchen Geboten, wehret ihnen die äußer⸗
lichen Bilder, daß ſie ihrer nicht mißbraucheten,
nicht in Abgötterei fielen. Welche aber verſtändig
ſind, und voll des Heiligen Geiſtes, dürfen ſolcher
Gebote nicht.

„Wenn man mir verbieten wollte, ich ſollte kein
Meſſer in die Hand nehmen, Brod damit zu
ſchneiden, daß ich mir nicht Schaden thäte; oder
ſollte über kein Waſſer gehen, denn geſtern wäre
ein Kind im Waſſer erſoffen; oder auf keine Bank
ſteigen, daß ich nicht herab fiele: ſo wäre es ein
närriſch, lächerlich Gebot, möchte ich ſprechen:
Du Narr, ſieheſt du mich für ein Kind an, ſoll ich
mich erſt wiegen laſſen? Alſo thun unſere
Schwärmergeiſter auch, geben ſolch närriſch Kin⸗
derſpiel vor, und wollen doch für große Lehrer ge⸗
halten ſein; aber ſie mögen noch wohl eine Weile
zur Schule gehen. Moſes iſt ein Zuchtmeiſter
der Jüden geweſen, wie Paulus Gal. 3, 24.
ſpricht, welches ein grobes fleiſchliches Volk war,
dem mußte man äußerlich ein Gebot geben von
Bildern, daß ſie ſich nicht daran ärgerten. Und
es könnte noch heutiges Tages geſchehen, daß man
ſolche Gebote dem groben Volke gäbe; aber wir
Chriſten, die wir GOttes Wort haben, dürfen ſol⸗
ches Gaukelwerks nicht, wir gehören nicht in Mo⸗
ſis Schule, wir haben einen beſſern Meiſter.

„Darum waren den Jüden, als einem groben
tölpiſchen Volke, die Bilder alleine verboten, daran
ſie GOtt wollten eine Ehre thun.
Jüden ſind dennoch gleichwohl ſo närriſch nicht,
daß ſie die guten Gülden und dicke Groſchen, deren
ſie viel haben, wegwürfen, ob gleich Marien oder
St. Johannis Bild darauf geſchlagen iſt, ſo ſie
doch, wenn ihnen alle Bilder verboten wären, auch
dieſe meiden müßten. Aber es iſt lauter Narren⸗
theiding. Chriſtus iſt wohl ſo klug und gelahrt,
als die Schwärmergeiſter; dennoch fürchtet er ſich
nicht, daß er Sünde daran thät, da er den Zins⸗ 4
groſchen angriff, darauf des Kaiſers, der ein Heide
war, Bild ſtund; da er auch fragte Matth. 22,
19. 20., weß das Bild und die Ueberſchrift wäre,
ſprach er nicht zun Jüden: Pfui, daß euch diß
und jenes angehe, warum weiſet ihr mir ein ſolch
Bild, das euch GOtt verboten hat? ihr ſollet es
beileibe nicht angreifen. Darum greifet man es
an der Wand, daß nicht alle Bilder verboten ſind.
Wollten wir aber den Schwärmern folgen, ſo
müßte man kein Geld münzen, in kein Waſſer
ſehen, und alles, was nur ein Bild hat, hinweg⸗
legen; ja, man müßte den Leuten die Augen aus⸗
ſtechen, wenn man gar kein Bild haben ſollte;
denn man ſiehet Bilder auf dem Gelde, im Waſ⸗
ſer, im Spiegel. Sind nun das nicht feine Pre⸗
diger? Darum ſieheſt du klar, daß GOtt nicht
allerlei Bilder meinet.

„So antworte nun den Schwärmern: Lieber,
was hält das erſte Gebot in ſich? Was iſt ſeine
Meinung? Es lehret ja nicht von äußerlichen
Dingen, von Acker pflügen, von Schuh machen;
ſondern wie man GOtt ſoll ehren und ihm dienen,
innerlich und äußerlich. Willt du nun wohl leh⸗
ren, und die Bibel recht auslegen, ſo mußt du die
rechte Meinung treffen. Nun, das erſte Gebot
lehret, daß ich einen GOtt haben ſoll, demſelben
alleine dienen und ihn ehren: auf den Sinn und
Verſtand gehen alle Worte in dieſem erſten Gebote.
Darum werden hier die Bilder verboten, die man
brauchet wider die Meinung und Verſtand dieſes
Gebots, nemlich, daß man nicht Zuverſicht habe
zun Bildern; ſondern alleine zu GOTT ſich alles
Gutes verſehe, und meide alles, das uns an der
Zuverſicht hindert.

„So werden nun durch dieſen Text: Du ſollt
keine andere Götter neben mir haben, alleine die
göttiſchen Bilder verboten; darzu den Jüden,
und nicht uns. Denn dieſes wird alleine den
Jüden geſagt. Die Worte ſind wohl zu merken.
Er ſpricht nicht: Du ſollt kein ander Bild haben
vor dir; ſondern ſpricht: Du ſollt keine andere
Götter haben neben mir, oder vor mir.
heißet Götter haben? Hölzerne, ſteinerne und
ſilberne Bilder, die da Götter ſind; wie folget.
Denn die Menſchen werden dadurch verurſachet,
daß ſie Abgöttiſche werden; und wenn ſie gleich
Holz, Stein, Silber und Gold nicht anbeten, ſo
haben ſie doch das Vertrauen, daß GOtt wohl⸗
gefalle, ihm zu Ehren Bilder aufzurichten; wel⸗
ches denn wider die Meinung des erſten Gebots
iſt: Ich bin der HErr, dein GOtt, du ſollt nicht ꝛr.

„Darum habe Acht auf die Meinung dieſes
Gebots: Ich will, ſpricht er, dein GOdi ſein,

Doch, din

Was

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