Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 25 › Seite 195

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-28, Seite 195

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3 · Paſtor 11

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will dich ſelig machen. Ich will dir helfen, und
das aus lauter Gnaden: du darfſt mir es nicht
abdienen, keinen Gottesdienſt aufrichten aus
eigenem Dünkel: du ſollt den Ruhm vor mir
nicht haben, daß du mir durch dein Verdienſt
eiwas abkaufeſt, ich will deinen Dienſt nicht an⸗
ſehen. Soll ich dein GOtt ſein, ſo gebe ich dir
alles umſonſt, Leib und Leben, Weib und Kind,
Aecker, Wieſen, Reichthum, Ehre und Gut, Ver⸗
gebung der Sünden und das ewige Leben. Wel⸗
ches göttliche Werke und Gaben ſind, die ich dir
gebe: und du kannſt mir nichts dafür geben noch
thun, denn alleine mir danken, mich preiſen und
loben; nicht für das, das du noch empfahen
ſollt, ſondern für das, das du jetzund empfangen
haſt. Denn die Dankſagung gehet nur auf die
empfangenen Güter, nicht auf das, das du noch
empfahen ſollteſt. Was dich nun wider dieſe
Meinung führen will, das thue hinweg.“

„Die Bilderſtürmer aber fahren zu, reißen

die Bilder äußerlich ab. Das wollte ich nicht ſo
faſt anfechten. Aber ſie ſetzen hinzu: es müſſe
ſein, und es gefalle GOtt wohl. Damit machen
ſie nichts anders, denn daß ſie die Bilder aus
den Augen ziehen, und ſetzen ſie den Leuten in
das Herz, verkehren die Meinung dieſes Gebots.
Damit verleugnen ſie GOTT, und rühmen ſich
noch, ſie reißen die Bilder um nach GOttes Be⸗
fehl und Wort. Den Teufel auf ihren Kopf!
wenn ſie eines abreißen, ſo richten ſie wohl zwan⸗
zig in den Herzen wieder auf: und von demſelben
falſchen Vertrauen, daß der Pöbel meinet, er thue
GOtt einen Gefallen mit dem Umreißen der Bil⸗
der, ſagen ſie kein Wort.
„So iſt das nun der rechte Verſtand, daß Hei⸗
den und Jüden den HErrn für einen GOtt
haben, der alles umſonſt gebe ꝛc., es ſage es Mo⸗
ſes, oder wer da will. Ueber das hat GOtt dem
jüdiſchen Volke geboten durch Moſen, daß ſie
nicht Bilder haben ſollten, damit ſie einen Got⸗
tesdienſt anrichten wollen. Die andern Bilder
ſind auch den Jüden nicht verboten; wiewohl ſie
ſo närriſch geweſen ſind, und haben es gedeutet,
es zieme ihnen, gar kein Bild zu haben. So
wird nun in Summa im erſten Gebote ein recht⸗
ſchaffener Glaube und Zuverſicht zu GOtt erfor⸗
dert, und wird nichts Aeußerliches darinnen ge⸗
boten. Den kann aber niemand haben, der Hei⸗
lige Geiſt gebe ihn denn zuvor in das Herz.“

*

(Eingeſandt.)
Mit einer Hand thaten ſie die Arbeit, mit der
äandern hielten ſie die Waffen. Nehem. 4, 17.

Mag auch je und dann einmal geſtritten wor⸗
den ſein, um zu ſtreiten und weil man Gefallen
am Streiten fand, ſo iſt doch nicht weniger wahr,
daß das ganze Leben jedes Chriſten ein aus und
im Glauben geführter Kampf gegen alles Falſche,
Ungöttliche, Unbibliſche ſein ſoll. Wer möchte es
leugnen wollen, daß viele Leute, die immer gern
von Frieden reden, dies oft nur darum thun,
damit ſie in ihrer Behaglichkeit nicht geſtört, aus
ihrer Ruhe nicht herausgeriſſen werden? Lauig⸗
keit, Gleichgültigkeit und Trägheit hält ſie gefan⸗

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gen. Andere wünſchen, daß Finſterniß das Erd⸗
reich und Dunkel die Völker decke und geiſtlicher
Schlaf über die Menſchenkinder ausgegoſſen ſei,
damit ſie im Intereſſe des Feindes und in ihrem
eigenen, wenn die Leute ſchlafen, deſto bequemer
Unkraut zwiſchen den Waizen ſäen können. Im
Trüben iſt gut fiſchen! Noch Andere mögen wohl
als aufrichtige Sanftmüthige das Erdreich be⸗
ſitzen wollen und als Friedfertige Gottes Kinder
heißen; aber — muß nicht zuweilen um wahren
Frieden gekämpft werden, ſowohl im eigenen Her⸗
zen durch einen Kampf gegen Fleiſch, Welt,
Sünde und Satan, als auch nach außen gegen
Unglauben aller Art, Schwärmerei und ſecti⸗
reriſchen Rottengeiſt? So lange Feinde unſeres
Glaubens und unſerer Seligkeit da ſind, darf der
Streit nicht ruhen. Gewiß nicht umſonſt ſagt
der Apoſtel 1 Tim. 6, 12.: „Kämpfe den guten
Kampf des Glaubens!“ Wird nur das Bauen
beim Sireiten nicht vergeſſen, und auf Erſteres
das Hauptaugenmerk, die meiſte Sorgfalt und
der größere Fleiß verwandt, wie es anerkannter⸗
maßen in der lutheriſchen Kirche beſonders durch
die Erziehung der Jugend, durch Halten über
reiner Lehre und rechtem Gebrauche der heiligen
Sacramente geſchieht, dann dürfte es mit dem
Streiten ſo große Gefahr nicht haben. Dann
wird ſicherlich dem in der lutheriſchen Kirche ſich
findenden Pauliniſchen Geiſte auch jetzt noch nicht
verübelt werden dürfen, wenn er, auf Chriſtum
in lebendigem Glauben geſtützt, ſeines Rechtes
ſich bewußt, das Petriniſche Verhalten, wo es
„nicht richtig iſt nach der Wahrheit des Evan⸗
gelii“, wie Gal. 2, 14., zurechtweiſ't und ſtraft,
auf Grund heiliger Schrift. Sagt doch ſchon
der alte Valerius Herberger (ſ. Evang. Herz⸗
Poſtille, herausgegeben von J. T. L. Tauſcher.
Sorau, 1840. S. 552): „Wenn ein treuer Seel⸗
ſorger nicht will ein Schmarotzer, Federleſer und
Verführer ſein, ſondern ein gutes Gewiſſen ha⸗
ben und einen ehrlichen Namen hinter ſich laſſen,
ſo muß er nicht allein, was wahr iſt, hell und
klar ſagen, ſondern auch, was falſch, irrig und
unrecht iſt, mit Ernſt ſtrafen, und gründlich aus
Gottes Wort widerlegen. Darum bindet St.
Paulus dieſe beiden Stücke den zweien jungen
Predigern, Timotheo 1. Cap. 2, 15. 16. und
Tito, Cap. 1, 9., ein, und ſaget, ſie ſollen nicht
allein lehrhaftig und mächtig ſein, zu ermahnen
in heilſamer Lehre, ſondern auch ſtrafen, die der
Wahrheit widerſprechen. Er thuts auch ſelber,
Ap. Geſch. 20, 28. ff., da warnet er die Aelteſten
von Epheſus zu Miletus, desgleichen die Galater,
Cap. 5, 1., und die Coloſſer, Cap. 1, 9., und
allda nimmet er ein ſchönes Gleichniß von ihren
großen Coloſſen und Wunderſäulen, die aus tie⸗
fem Grunde von lauter Werkſtücken geführet, in
einander vergoſſen und verankert, und mit Erz
überzogen waren, daß ſie von keinem Sturmwetter
konnten niedergeworfen werden, und ſaget, ſie
ſollen bleiben im Glauben gegründet, und feſte
und unbeweglich von der Hoffnung des Evan⸗
gelii. Im Büchlein Nehemia, Cap. 4, 17.,
ſtehet ein ſehr ſchönes Bildniß: Die Iſraeliten
müſſen mit einer Hand bauen, mit der andern

Hand die Waffen halten, wider der Feinde Streif⸗
rotten. Prediger ſind geiſtliche Bauleute. Pſ.
118, 22. Denn ſie klippern an den baufälligen
Herzen ihrer Zuhörer. Derowegen müſſen ſie
nicht allein auf einer Seite die rechte Religion
bewahren, ſondern auch auf der andern Seite
alles, was dieſem Seelenbau zu Schaden laufen
will, widerlegen. Machens doch alle beſcheidene
Medici auch alſo, ſie helfen nicht allein ihrem
Patienten zu rechter Geſundheit, ſondern warnen
ihn auch vor allen ſchädlichen Sachen.

„Eben dieſe Weiſe behält auch der Oberſte unter
allen Predigern auf Erden, IEſus Chriſtus. Er
hat uns bisher in den abgehandelten Evangelien
Alles gefaſſet, was zur Richtigleit im Glauben
und Leben gehöret; heute (am VIII. Sonntag
nach Trinit.) kehret er das Blatt um, warnet
treulich vor dem, was uns beides, in Glaubens⸗
ſachen und auch im Leben möchte ſchädlich ſein.
Denn er redet zugleich von falſchen Propheten
und falſchen Chriſten.“ C. A. S.

—— — —.—————

Ermunternde Exempel freudig ſterbender
Kinder zur Zeit der Peſt.
Aus Seriver's Seelen⸗Schatz.

Man findet bei den Geſchichtsſchreibern, daß
im Jahre 1347 und 1348 die Peſt allenthalben
ſchrecklich graſſirt hat, alſo daß etliche geſchrieben,
es wäre nach der Sündfluth ſolche elende Zeit,
die ſo viel Menſchen aufgerieben, nicht geweſen,
zumal ganze Städte und Länder ausgeſtorben,
und das Vieh im Felde herumgelaufen und ver⸗
wildert, weil niemand war, der es hätte in Acht
genommen. Es ſollen damals allein zu Lübeck
an die 90,000 Menſchen geſtorben ſein. Es iſt
aber in ſolchem großen Elend dieſes inſonderheit
merklich und den Leuten tröſtlich geweſen, daß die
liebe Jugend und die kleinen Kinder mit ſonder⸗
barer Freudigkeit dem Tode entgegen geſehen, und
ihre innerliche Verſicherung des ewigen Lebens
mit Singen, Gott loben, Lachen und Jauchzen
zu verſtehen gegeben. Unter Andern wird erzählt,
daß ein Mägdlein von 12 Jahren, als es an der
Seuche tödtlich darniedergelegen, unvermuthlich
mit einem anmuthigen und fröhlichen Geſicht
angefangen, in die Hände zu klopfen, zu lachen
und zu jauchzen. Als es gefragt ward: Warum
es ſo fröhlich wäre? fing es an: Ach! ſehet ihr
nicht den offenen Himmel, und wie ſo viel hell
ſcheinende Lichter immer hinauf fahren? Als
man zu wiſſen verlangte, was es für Lichter
wären, antwortete es: Es ſind die Seelen der
Auserwählten, welche die heiligen Engel gen
Himmel führen. Damit ihr aber wiſſet, daß es
wahr iſt, was ich ſage, ſo habt dies zum Zeichen:
Dieſe Nacht werde ich von hinnen ſcheiden, und
ihr, liebe Mutter, werdet mir am dritten Tage
folgen; hierauf reckte es die Hand aus, und zeigte
noch andere ſieben Perſonen, und benannte die
Zeit, wann eine jede ihren Abſchied aus der
Welt nehmen würde, welches auch alſo erfolgte.

Ferner erzählt Seriver:

Als im Jahre 1629 die Peſt in meinem Va⸗
terland (Rendsburg in Holſtein) überhand ge⸗

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