Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 25 › Seite 196
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-09-28, Seite 196
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3 · Miſſion 29
nommen, wurde in einem Hauſe zuerſt der Haus⸗
herr mit derſelben befallen und ſtarb nach drei
Tagen. Bald darauf erkrankten drei ſeiner Kin⸗
der, ein Mägdlein von acht, eins von fünf und
ein Knäblein von drei Jahren. Das älteſte
Mägolein, als es dem Tode nahe war, tröſtete es
ſeine damals noch geſunde Mutter mit der Gegen⸗
wart des gütigen Gottes, der geſagt hätte: Ich
bin bei ihm in der Noth ꝛc., fing darauf an zu
ſagen, wie bald ſie und ihre beiden kranken Ge⸗
ſchwiſter abſcheiden würden, wie auch, daß die
Mutter und der älteſte Sohn zwar auch erkranken,
aber wieder aufkommen und geneſen, dem klein⸗
ſten *) aber, das an der Mutter Brüſten lag, kein
Leid widerfahren würde, welches auch hernach
erfolgte. Das Mägdlein von fünf Jahren fing
an, mit einer ungewöhnlich hellen und lieblichen
Stimme den Geſang: Gott der Vater wohn uns
bei, u. ſ. w., und deſſen drei Verſe, wie es in der
Kirche geſungen wird, ganz deutlich zu ſingen,
da man doch denſelben nie von ihr gehört, auch
nicht vermeint, daß ihr ſolch Lied bekannt, und
ſchloß damit fröhlich ihr zeitliches Leben. Das
Knäblein, wie es in der Todesangſt lag, fing mit
heiterem und fröhlichem Geſicht an: Ach Mutter,
ſeht! ſeht! Sie: Was denn, mein Sohn? Er:
Ein güldener Wagen vor unſerer Thüre. Sie:
Wer wird darauf fahren? Er: Ich, in den
Himmel; welches auch bald darauf geſchehen.
Ferner erzählt Scriver: Wir haben dergleichen
im Jahr 1681, da uns in dieſer Stadt (Magde⸗
burg) der gütigſte Gott, nach ſeinem heiligſten
Rath, auch mit der Peſt⸗Ruthe hart geſtäupet,
mit Freuden erfahren. Ich habe bemerkt, daß
der gnädige und langmüthige Gott, der nicht will
den Tod des Sünders, ſondern daß er ſich bekehre
und lebe, gemeiniglich in einem Hauſe, welches
er heimzuſuchen beſchloſſen, den Anfang gemacht
von den Kindern, und zwar von den kleinſten;
wenn er die hatte zur Ruhe gebracht, hielt er zu⸗
weilen vierzehn Tage, zuweilen drei oder vier
Wochen inne, daß die Erwachſenen Zeit hatten,
zum ſeligen Abſchied bußfertig ſich zu bereiten;
die Jugend aber ſtarb vielfältig mit Freuden
und großer Verſicherung des Himmels und der
Seligkeit. Wir haben Kinder gehabt, die den
Himmel offen geſehen und vor Freuden gelacht,
die Hände zuſammengeſchlagen und mit Luſt
geſtorben. Ich will nur ein Exempel, das ſehr
ausnehmend iſt, erzählen. Ein Knäblein von
neun Jahren, eines frommen Vaters frommes
Kind, war in währender Peſtzeit immer fröhlich,
ſang, betete und preiſete Gott zu großer Verwun⸗
derung ſeiner Eltern. An einem Morgen hatte
es ein Geſicht, ſeinem Bericht nach, nicht im
Schlaf, ſondern wachend; es ward die Schlaf⸗
*) Obwohl Seriver bei dieſer Erzählung die Namen
verſchweigt, ſo iſt doch aus ſeiner Lebensgeſchichte zu ſchlie⸗
ßen, daß er ſelbſt dieſer Säugling war. Denn in eben dem
Jahr 1629, den 2. Januar, wurde Scriver geboren, und in
demſelben Jahr ſein Vater, ein angeſehener Bürger und
Kaufmann in Rendsburg, von der Peſt hingerafft. Auch
ſeine ihn noch ſtillende Mutter wurde damals von der
Seuche ergriffen und tödtlich krank; aber wunderbarer
Weiſe wurde das Kind bewahrt und die Mutter genas
ebenfalls.
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kammer mit Klarheit erfüllt, und erſchien ihm ein
Mann, der ihm bei Namen rief, und ſagte:
Schicke dich und bete, über vierzehn Tage will ich
wieder kommen, und dich in den Garten führen,
da dieſe ſchönen Blumen wachſen. Er trug
aber einen Korb, der ſehr glänzte, mit überaus
lieblichen und ſchönen Blumen, dergleichen ich,
ſprach das Kind, mein Lebenlang nicht geſehen.
Ach! wie habe ich mich über den Glanz des
Mannes und die Schönheit des Korbes und der
Blumen erfreut! Indeß fuhr es fort mit ſeinem
Singen und Fröhlichſein, bis es am eilften Tage
nach ſolchem Geſichte erkrankte. Am letzten Tage
ſeines zeitlichen Lebens, welches der vierzehnte
war, ließ es ſeine Mutter rufen, dankte ihr herzlich
und mit einer Rede, die man ſonſt von ſolchem
Kinde nicht erwarten kann, für alle mütterliche
Liebe und Treue, die ſie an ihm erwieſen, für alle
Mühe, die ſie mit ihm gehabt, und inſonderheit,
daß ſie ihn zur Schule gehalten und den Kate⸗
chismus und viel Pſalmen und Sprüche lernen
laſſen, wünſchte ihr Gottes Gnadenvergeltung,
befahl ſie in Gottes Schutz und ermahnte, daß
ſeines Abſterbens halber ſie ſich nicht betrüben
ſollte; er würde nun bald in den Garten kom⸗
men, da die ſchönen Blumen wüchſen, davon er
ihr vor vierzehn Tagen geſagt hätte; bat ſie auch,
ſie möchte ihrem Handelsdiener, den er mit Na⸗
men nannte, ſagen: Er meinete zwar, er wolle
mit einem guten Trunk Wein, den er täglich mit
Luſt in guter Geſellſchaft zu ſich nehme, ſich vor
der Peſt verwahren, es würde ihm aber nicht hel⸗
fen, er müßte mit fort, darum möchte er ſich ge⸗
faßt machen, nach ſieben Tagen würde er folgen
müſſen. Welches auch geſchehen. Hierauf legte
er ſich wieder zu Bette (denn er hatte mit der
Mutter am Fenſter ſtehend geredet), und fing bald
hernach an, mit fröhlichem Geſicht zu rufen: Ach
ſehet, der glänzende Mann mit ſeinen ſchönen
Blumen iſt da! und entſchlief alſo in dem HErrn
ſelig, nachdem er den Tod nicht, wohl aber das
Leben geſchmeckt.
(Eingeſandt von Miſſionar Baierlein.)
Einiges über die Ureinwohner dieſes Landes,
und was von der evangeliſch⸗lutheriſchen
Kirche für ſie gethan wird.
II. Gedanken der Indianer über ihren
Zuſtand nach dem Tode.
„Finſterniß bedecket das Erdreich
und Dunkel die Völker.“
Ueber die harte Knechtſchaft der Finſterniß, in
welcher die armen Indianerheiden gefangen ge⸗
halten werden, verſprach ich dir, lieber Leſer, noch
manche Mittheilung zu thun. Hier will ich nun
den Anfang von der Erfüllung meines Verſpre⸗
chens machen. Daß die armen Heiden, und
darum auch die Indianer, von Gott nichts wiſſen,
und darum auch über ihr eigenes Daſein, über
Zweck des Lebens und Urſach des Todes, inſon⸗
derheit aber über Dinge, die, von dieſer Zeitlich⸗
feit unbegrenzt, jenſeit des Grabes liegen, ver⸗
worrene Begriffe haben, das wird dich gewiß nicht
wundern, lieber Lefer. Denn du haſt ja aus dem
Worte Gottes gelernt, daß auch du von Natur
blind biſt in Dingen, die des Geiſtes und Goo⸗
tes ſind, und daß du deine Erleuchtung nicht dit
ſelbſt und deiner Weisheit, ſondern Gott und ſei⸗
nem Worte zu verdanken haſt. Denn wenn Gott
uns nicht das Licht ſeines Wortes angezündtt,
und in Chriſto ſeine Herrlichkeit ſelbſt uns hätte
erſcheinen laſſen, ſo würde Dunkel eben alle Völ⸗
ker, auch dich und mich, bedecken, Alle würden
wir im Schatten des Todes ſitzen, ohne das Licht
des Lebens zu ſehen, oder auch nur davon zu
wiſſen. — Wenn aber Heiden mit ihren thörich⸗
ten Gedanken über Dinge, die doch über das Br⸗
reich der fünf Sinne hinausliegen, förmlich zu⸗
ſammengewachſen, und wie verknöchert ſind, ſo
iſt das allerdings zu verwundern, und nur durch
den Einfluß der Macht der Finſterniß zu erklä⸗
ren. Was nun unſere Indianer betrifft, ſo iſt
von ihnen wohl hinlänglich bekaunt, daß ſie von
Jagdgefilden auch nach dem Tode träumen, und
von Tauſchhandel, und von Feſtgelagen ꝛc., aber
wie ſicher ſie in dieſer Thorheit ſind, wird man
ſich ſchwerlich vorſtellen können. Heut erhielt ich
darüber einige Proben. Ich hatte nemlich in mei⸗
ner Predigt eben dieſe und ähnliche ihrer Thorhei⸗
ten mit dem Worte Gottes beleuchtet und wider⸗
legt. Nach dem Gottesdienſte nun blieben drri
Männer, unter ihnen der Aelteſte unter der Horde,
ein Greis von über 70 Jahren, ſitzen. Ich ver⸗
ſah ſie mit Tabak, und ſo fingen ſie ſchmauchend
ein Geſpräch mit mir an. Ich frug den Alten,
um die Rede auf die Predigt zu lenken, wie ſie
ſich eigentlich ihren Zuſtand nach dem Tode den⸗
ken? Der Alte ſprach: Als die Weißen zuerſt in
dieſes Land kamen, ließen ſie ſich am Ufer eines
Fluſſes nieder. Eines Abends nun kamen ſeht
viele Indianer um ſie herum. Die Weißen ſuch⸗
ten ihre Freundſchaft und machten ihnen daher
allerlei Geſchenke; aber keiner der Indianer
wollte etwas anrühren. Darüber wurden die
weißen Leute böſe und warfen ihre guten Sachen
ins Feuer. Nun aber ſprangen die Indianer
hinein, und holten ſich alles heraus. Auf dieſe
Weiſe nahmen die Indianer alle Geſchenke von
den Weißen, aber ohne aus dem Feuer nahmen
ſie nichts. — Dieſe curioſe Antwort befremdete
mich, und ich meinte, der Alte habe meine Frage
nicht verſtanden. Daher ſagte ich: Das mag
wohl ſein, aber ich will jetzt nichts von dieſer
Welt hören, ſondern wie ſie ſich ihren Zuſtand in
jener Welt denken. Der Alte machte ein ſehr
ernſtes Geſicht und ſprach: Mi saw iin, das
iſ's ja eben. Da hat mal ein Franzoſe eine In⸗
dianerin zur Frau gehabt. Die haben gut mit
einander gelebt. Als er nun aber ſeines Han⸗
dels wegen eine Reiſe in den fernen Weſten
machen wollte, ließ er ſein Weib daheim. Als er
nun in den Weſten kam, ſah er eine Frau, die
ſeinem Weibe ganz ähnlich war, und ſcheute ſich,
mit ihr zu handeln. Aber das war wirklich ſeine
Frau, die war inzwiſchen geſtorben und ſchneller
als er nach dem Weſten gekommen. Eines
Abends nun fanden ſich ſehr viele Indianer ein,
und brachten dem Händler ſehr gute Pelzwaaren.
Der Franzoſe machte ſehr gute Geſchäfte, und
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