# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 09 28_S195 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) will dich ſelig machen. Ich will dir helfen, und das aus lauter Gnaden: du darfſt mir es nicht abdienen, keinen Gottesdienſt aufrichten aus eigenem Dünkel: du ſollt den Ruhm vor mir nicht haben, daß du mir durch dein Verdienſt eiwas abkaufeſt, ich will deinen Dienſt nicht an⸗ ſehen. Soll ich dein GOtt ſein, ſo gebe ich dir alles umſonſt, Leib und Leben, Weib und Kind, Aecker, Wieſen, Reichthum, Ehre und Gut, Ver⸗ gebung der Sünden und das ewige Leben. Wel⸗ ches göttliche Werke und Gaben ſind, die ich dir gebe: und du kannſt mir nichts dafür geben noch thun, denn alleine mir danken, mich preiſen und loben; nicht für das, das du noch empfahen ſollt, ſondern für das, das du jetzund empfangen haſt. Denn die Dankſagung gehet nur auf die empfangenen Güter, nicht auf das, das du noch empfahen ſollteſt. Was dich nun wider dieſe Meinung führen will, das thue hinweg.“ „Die Bilderſtürmer aber fahren zu, reißen die Bilder äußerlich ab. Das wollte ich nicht ſo faſt anfechten. Aber ſie ſetzen hinzu: es müſſe ſein, und es gefalle GOtt wohl. Damit machen ſie nichts anders, denn daß ſie die Bilder aus den Augen ziehen, und ſetzen ſie den Leuten in das Herz, verkehren die Meinung dieſes Gebots. Damit verleugnen ſie GOTT, und rühmen ſich noch, ſie reißen die Bilder um nach GOttes Be⸗ fehl und Wort. Den Teufel auf ihren Kopf! wenn ſie eines abreißen, ſo richten ſie wohl zwan⸗ zig in den Herzen wieder auf: und von demſelben falſchen Vertrauen, daß der Pöbel meinet, er thue GOtt einen Gefallen mit dem Umreißen der Bil⸗ der, ſagen ſie kein Wort. „So iſt das nun der rechte Verſtand, daß Hei⸗ den und Jüden den HErrn für einen GOtt haben, der alles umſonſt gebe ꝛc., es ſage es Mo⸗ ſes, oder wer da will. Ueber das hat GOtt dem jüdiſchen Volke geboten durch Moſen, daß ſie nicht Bilder haben ſollten, damit ſie einen Got⸗ tesdienſt anrichten wollen. Die andern Bilder ſind auch den Jüden nicht verboten; wiewohl ſie ſo närriſch geweſen ſind, und haben es gedeutet, es zieme ihnen, gar kein Bild zu haben. So wird nun in Summa im erſten Gebote ein recht⸗ ſchaffener Glaube und Zuverſicht zu GOtt erfor⸗ dert, und wird nichts Aeußerliches darinnen ge⸗ boten. Den kann aber niemand haben, der Hei⸗ lige Geiſt gebe ihn denn zuvor in das Herz.“ * (Eingeſandt.) Mit einer Hand thaten ſie die Arbeit, mit der äandern hielten ſie die Waffen. Nehem. 4, 17. Mag auch je und dann einmal geſtritten wor⸗ den ſein, um zu ſtreiten und weil man Gefallen am Streiten fand, ſo iſt doch nicht weniger wahr, daß das ganze Leben jedes Chriſten ein aus und im Glauben geführter Kampf gegen alles Falſche, Ungöttliche, Unbibliſche ſein ſoll. Wer möchte es leugnen wollen, daß viele Leute, die immer gern von Frieden reden, dies oft nur darum thun, damit ſie in ihrer Behaglichkeit nicht geſtört, aus ihrer Ruhe nicht herausgeriſſen werden? Lauig⸗ keit, Gleichgültigkeit und Trägheit hält ſie gefan⸗ 19⁵ gen. Andere wünſchen, daß Finſterniß das Erd⸗ reich und Dunkel die Völker decke und geiſtlicher Schlaf über die Menſchenkinder ausgegoſſen ſei, damit ſie im Intereſſe des Feindes und in ihrem eigenen, wenn die Leute ſchlafen, deſto bequemer Unkraut zwiſchen den Waizen ſäen können. Im Trüben iſt gut fiſchen! Noch Andere mögen wohl als aufrichtige Sanftmüthige das Erdreich be⸗ ſitzen wollen und als Friedfertige Gottes Kinder heißen; aber — muß nicht zuweilen um wahren Frieden gekämpft werden, ſowohl im eigenen Her⸗ zen durch einen Kampf gegen Fleiſch, Welt, Sünde und Satan, als auch nach außen gegen Unglauben aller Art, Schwärmerei und ſecti⸗ reriſchen Rottengeiſt? So lange Feinde unſeres Glaubens und unſerer Seligkeit da ſind, darf der Streit nicht ruhen. Gewiß nicht umſonſt ſagt der Apoſtel 1 Tim. 6, 12.: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens!“ Wird nur das Bauen beim Sireiten nicht vergeſſen, und auf Erſteres das Hauptaugenmerk, die meiſte Sorgfalt und der größere Fleiß verwandt, wie es anerkannter⸗ maßen in der lutheriſchen Kirche beſonders durch die Erziehung der Jugend, durch Halten über reiner Lehre und rechtem Gebrauche der heiligen Sacramente geſchieht, dann dürfte es mit dem Streiten ſo große Gefahr nicht haben. Dann wird ſicherlich dem in der lutheriſchen Kirche ſich findenden Pauliniſchen Geiſte auch jetzt noch nicht verübelt werden dürfen, wenn er, auf Chriſtum in lebendigem Glauben geſtützt, ſeines Rechtes ſich bewußt, das Petriniſche Verhalten, wo es „nicht richtig iſt nach der Wahrheit des Evan⸗ gelii“, wie Gal. 2, 14., zurechtweiſ't und ſtraft, auf Grund heiliger Schrift. Sagt doch ſchon der alte Valerius Herberger (ſ. Evang. Herz⸗ Poſtille, herausgegeben von J. T. L. Tauſcher. Sorau, 1840. S. 552): „Wenn ein treuer Seel⸗ ſorger nicht will ein Schmarotzer, Federleſer und Verführer ſein, ſondern ein gutes Gewiſſen ha⸗ ben und einen ehrlichen Namen hinter ſich laſſen, ſo muß er nicht allein, was wahr iſt, hell und klar ſagen, ſondern auch, was falſch, irrig und unrecht iſt, mit Ernſt ſtrafen, und gründlich aus Gottes Wort widerlegen. Darum bindet St. Paulus dieſe beiden Stücke den zweien jungen Predigern, Timotheo 1. Cap. 2, 15. 16. und Tito, Cap. 1, 9., ein, und ſaget, ſie ſollen nicht allein lehrhaftig und mächtig ſein, zu ermahnen in heilſamer Lehre, ſondern auch ſtrafen, die der Wahrheit widerſprechen. Er thuts auch ſelber, Ap. Geſch. 20, 28. ff., da warnet er die Aelteſten von Epheſus zu Miletus, desgleichen die Galater, Cap. 5, 1., und die Coloſſer, Cap. 1, 9., und allda nimmet er ein ſchönes Gleichniß von ihren großen Coloſſen und Wunderſäulen, die aus tie⸗ fem Grunde von lauter Werkſtücken geführet, in einander vergoſſen und verankert, und mit Erz überzogen waren, daß ſie von keinem Sturmwetter konnten niedergeworfen werden, und ſaget, ſie ſollen bleiben im Glauben gegründet, und feſte und unbeweglich von der Hoffnung des Evan⸗ gelii. Im Büchlein Nehemia, Cap. 4, 17., ſtehet ein ſehr ſchönes Bildniß: Die Iſraeliten müſſen mit einer Hand bauen, mit der andern Hand die Waffen halten, wider der Feinde Streif⸗ rotten. Prediger ſind geiſtliche Bauleute. Pſ. 118, 22. Denn ſie klippern an den baufälligen Herzen ihrer Zuhörer. Derowegen müſſen ſie nicht allein auf einer Seite die rechte Religion bewahren, ſondern auch auf der andern Seite alles, was dieſem Seelenbau zu Schaden laufen will, widerlegen. Machens doch alle beſcheidene Medici auch alſo, ſie helfen nicht allein ihrem Patienten zu rechter Geſundheit, ſondern warnen ihn auch vor allen ſchädlichen Sachen. „Eben dieſe Weiſe behält auch der Oberſte unter allen Predigern auf Erden, IEſus Chriſtus. Er hat uns bisher in den abgehandelten Evangelien Alles gefaſſet, was zur Richtigleit im Glauben und Leben gehöret; heute (am VIII. Sonntag nach Trinit.) kehret er das Blatt um, warnet treulich vor dem, was uns beides, in Glaubens⸗ ſachen und auch im Leben möchte ſchädlich ſein. Denn er redet zugleich von falſchen Propheten und falſchen Chriſten.“ C. A. S. —— — —.————— Ermunternde Exempel freudig ſterbender Kinder zur Zeit der Peſt. Aus Seriver's Seelen⸗Schatz. Man findet bei den Geſchichtsſchreibern, daß im Jahre 1347 und 1348 die Peſt allenthalben ſchrecklich graſſirt hat, alſo daß etliche geſchrieben, es wäre nach der Sündfluth ſolche elende Zeit, die ſo viel Menſchen aufgerieben, nicht geweſen, zumal ganze Städte und Länder ausgeſtorben, und das Vieh im Felde herumgelaufen und ver⸗ wildert, weil niemand war, der es hätte in Acht genommen. Es ſollen damals allein zu Lübeck an die 90,000 Menſchen geſtorben ſein. Es iſt aber in ſolchem großen Elend dieſes inſonderheit merklich und den Leuten tröſtlich geweſen, daß die liebe Jugend und die kleinen Kinder mit ſonder⸗ barer Freudigkeit dem Tode entgegen geſehen, und ihre innerliche Verſicherung des ewigen Lebens mit Singen, Gott loben, Lachen und Jauchzen zu verſtehen gegeben. Unter Andern wird erzählt, daß ein Mägdlein von 12 Jahren, als es an der Seuche tödtlich darniedergelegen, unvermuthlich mit einem anmuthigen und fröhlichen Geſicht angefangen, in die Hände zu klopfen, zu lachen und zu jauchzen. Als es gefragt ward: Warum es ſo fröhlich wäre? fing es an: Ach! ſehet ihr nicht den offenen Himmel, und wie ſo viel hell ſcheinende Lichter immer hinauf fahren? Als man zu wiſſen verlangte, was es für Lichter wären, antwortete es: Es ſind die Seelen der Auserwählten, welche die heiligen Engel gen Himmel führen. Damit ihr aber wiſſet, daß es wahr iſt, was ich ſage, ſo habt dies zum Zeichen: Dieſe Nacht werde ich von hinnen ſcheiden, und ihr, liebe Mutter, werdet mir am dritten Tage folgen; hierauf reckte es die Hand aus, und zeigte noch andere ſieben Perſonen, und benannte die Zeit, wann eine jede ihren Abſchied aus der Welt nehmen würde, welches auch alſo erfolgte. Ferner erzählt Seriver: Als im Jahre 1629 die Peſt in meinem Va⸗ terland (Rendsburg in Holſtein) überhand ge⸗