Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 17 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-25, Seite 133

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang · Obrigkeit 18

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Anſchluß an die bekannten Texte geht allen und
überall ſchwerer ein, leicht und gerne aber nimmt
IJeder neue Gedanken an, wenn ſie als friſch⸗
erkannte Fülle alter Wahrheit erſcheinen. Man
mache nur vorurtheilsfreie Erfahrung. — Die
Epiſteln erwählte man ſich von Alters her zu den
Früh⸗ oder Nachmittagsgottesdienſten der Sonn⸗
tage. Auch bei ihnen iſt es wiederum der Anſchluß
ans Bekannte und Eine, was der Prediger ſucht:
die Epiſteln ſtimmen mit den Evan⸗
gelien, die Apoſtel mit Chriſto — Ein
Glaube iſt überall zu finden, Eine
Heilsordnung, Eine Heiligung. — Für
die Wochenkirchen ſchlägt Luther fortlaufende
Erklärung der heiligen Schrift vor.
Aber auch ſie wählt ein verſtändiger Prediger
nicht dazu, daß er, was doch nicht gelingt
und nicht möglich iſt, die Schrift vollſtändig
und im Zuſammenhang der Worte erkläre. Er
begehrt nicht jede Conjunction und Präpoſition,
jedes Nomen, jedes Verbum aufs genaueſte zu er⸗
llären; ſondern überall ſind es die klaren Stel⸗
len, die er herausnimmt und durch welche er das
der Gemeinde Bekannte ſtärken und in neuem
Licht zeigen kann. Seine Weiſſagung iſt immer
dem Glauben ähnlich, und er gibt immer ſeinem
Volke das, was es am bereits empfangenen Lichte,
am Lichte ſeines Katechismus und der Evangelien,
verſtehen kann. Nicht zunächſt Erklärung der
Dunkelheiten, ſondern Beſtätigung und Bewäh⸗
rung im Klaren iſt es, was er will und beabſich⸗
tigt. — Das iſt der Weg der Einfalt, dem jede
Gabe erſprießlich iſt, der für jede Gabe gangbar
iſt, der nicht ſo gelehrt und bibelweiſe ausſieht, als
manch anderer Weg, der ſich aber erweiſ't und be⸗
währt. Er iſt klar gezeigt in der Verſchiedenheit
der Bibelauslegung Dr. M. Luthers auf der einen
und Calvins auf der andern Seite. Dieſem iſt
Bibelkenntniß und Erkenntniß des Schriftverſtan⸗
des nächſtes Ziel, jener ſucht überall die Regula
fidei, die klare Lehre der Schrift neu zu beſtätigen.
Daher iſt Calvin ſo genau (wie es allerdings für
Theologen erſprießlich ſein kann!), Luther aber
verfährt eklektiſch, großartig ſeelſorgeriſch, immer
gegürtet und an Beinen geſtiefelt, zu treiben das
Evangelium des Friedens und den Einen Glau—
ben; und das iſt nöthig den ſchwanken—
den Gemüthern beides der Laien und
der Verſtändigen.
(Löhe. Drei Bücher von der Kirche.)

Der Kaiſerliche Werbe⸗Corporal.

„Wo eure Schätze ſind, da iſt auch euer Herz.“
Matth. 6, 21.

Es iſt in den neunziger Jahren geweſen, als
das deutſche Reich noch beſtand, aber ſchon ge⸗
waltig im Abnehmen begriffen war, und ſeine
Soldaten zuſammenleſen und zuſammenſtehlen
mußte aus aller Herren Länder; da hat in einem
Dorfe, das zur Burg Friedberg gehörte, ein öſt⸗
neichiſcher Werbe⸗Corporal gelegen. Der hat's
dort getrieben, wie Viele ſeines Handwerks; er iſt

umhergezogen in den Häuſern, er hat ſich geſonnt
an den Straßenecken, und hat zugeſchaut und den

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Schnurrbart geſtrichen, wenn juſt Tanz im Orte
war. Denn in den Häuſern gab's ſtreitbare Ehe⸗
männer und ungezogene Buben, an den Straßen⸗
ecken ſammelten ſich die Tagediebe, und bei Tänzen
gab's Schnaps und Prügel und blutige Köpfe,
und dort konnte er zur gelegenen Stunde mit gu⸗
tem Wort und Handgeld viel ausrichten. Aus
jener Zeit rührten noch die ſogenannten „Kaiſer⸗
lichen“ her, die man faſt in jedem Orte hatte,
und die mit großen, grauen Schnurrbärten und
oft mit hölzernen Beinen umherhinkten; auch die
alten Uniformen rührten von da her, weiß oder
hechtgrau. Jetzt ſind die „Kaiſerlichen“ faſt
ausgeſtorben, und die verblichenen Uniformſtücke
wahrſcheinlich in die Papiermühlen gewandert.

Alſo damals lag ein Kaiſerlicher Werbe⸗Cor⸗
poral in dem Friedbergſchen Oertchen. Dem Cor⸗
poral wurde dazumal, es war gerade Winter, die
Zeit ſehr lang; das Handwerk ging nicht ſonder⸗
lich. Da kam er denn manchmal Abends in die
Häuſer, wo die Bauern mit einander Rath hiel⸗
ten; denn es war ein redſprächiger Mann und
erzählte gerne; ob lauter Wahres, das weiß ich
nicht, genug, er erzählte gerne, und hörte auch
gerne etwas Neues. So oft aber der Corporal in
ein Haus getreten und die Pfeife ſich angezündet
und den Rath mit angehört, da hat er nichts ver⸗
nommen, als: „Nachbar, wie hoch ſchätzt Ihr
meine Ochſen?“ — „Gevatter, Eure Ochſen ſind
ſchon wacker feiſt!“ — „Vetter, was galt das
Ochſenfleiſch zu Friedberg in der Schirne?“ —
Darob hat der Corporal oft den Kopf geſchüttelt
und iſt in ein zweites Haus gegangen; aber auch
da hat man Rath über die Ochſen gehalten, nur
mit dem Unterſchied, daß auch manchmal ein
Wort vom Ochſenfutter, und dem Ochſenfett, und
den Ochſenhäuten mit einlief. Als der Corporal
das ſo eine Zeitlang mit angehört, da hat er un⸗
willig ſeine Pfeife am Ofen ausgeklopft und hat
geſagt: „Ich muß nun heimgehen in mein Quar⸗
tier, denn bleib ich hier, ſo werd ich halt ſelbſt
zum Ochſen!“

Nun will ich zwar nicht ſagen, daß die Rede des
Werb⸗Corporal eine ſehr feine geweſen ſei, aber
eine treffende war ſie gewiß, denn ſie iſt recht gut
von jenen Ochſenzüchtern und Ochſenliebhabern
verſtanden worden, und wird heute noch erzählt,
und wer ſie erzählt, der lacht darüber.

Das deutſche Reich hat ſeitdem aufgehört, und
die kaiſerlichen Werber ſind auch verſchwunden,
aber es iſt faſt nch wie damals, was den Rath
der Nachbarn unter einander betrifft. Wenn ich
ſo manchmal in die Häuſer komme, ſo höre ich
noch dasſelbe Geſpräch, das der Werb⸗Corporal

gehört, nur mit dem Unterſchied, daß jetzt noch
mehr vom Branntweinbrennen, und von dem

Wollhandel, und von der Eiſenbahn, und von der
Zehentablöſung mit unterläuft. Und dann denke
ich bei mir ſelbſt: „Wie iſt doch ein Winterabend
ſo lang und das Leben ſo kurz; wie iſt doch ſo arm
das Menſchenherz und ſo reich das Chriſtenherz!“
Wie weiß doch ein Chriſt ſo viel, davon der
Ochſenzüchter gar nichts weiß, und wie wird erſt
Acker und Pflug, und Saat und Erndte, und Früh⸗
und Spatregen ſo lieb und werth, wenn das

Sprüchlein verſtanden iſt: „Trachtet am erſten
nach dem Reiche Gottes und nach ſeiner Gerech⸗
tigkeit, dann wird euch ſolches Alles zufallen.“
Matth. 6, 33. (Volksblatt.)

——

(Eingeſandt von P. Röbbelen.)
Noch ein Zeugniß, daß jede Revolution oder
gewaltſame Auflehnung der Unterthanen gegen
ihre Obrigkeit eine Sünde gegen das vierte
Gebhat und gottlos iſt.

Weil Gott das Herz anſieht, ſo iſt man auch
hier zu Lande in Gefahr, dieſelbe Sünde zu be⸗
gehen, welche nun ſchon mehrfach durch den lieben
„Lutheraner“ an denen geſtraft worden iſt, die
ſie in andern Ländern und namentlich in unſerm
deutſchen Heimathlande begangen haben. So
wenig nun dieſe Gefahr von dem Geiſte geachtet
wird, der dadurch in unſerer böſen Zeit herrſcht,
daß er die armen Seelen der Menſchenkinder
unter ſeine Lügen beugt und zwar in unſerm Fall
einem von ihm gezeugten und von verführten Gei⸗
ſtern der Menſchen empfangenen Trugbilde den
Namen fälſchlich zueignet, der doch nach Joh. 8.
nur einer Freiheit zukommt, die vor dem und mit
deſſen Wort beſteht, der geſagt hat: „Gebet dem
Kaiſer, was des Kaiſers iſt“; ſo ſoll das doch
Niemand hindern, ſich dieſelbe ſo groß vorzuſtel⸗
len, wie ſie Gottes Wort ihm zeigt, und lieber von
dem Uriheil aller Welt ſich verwerfen zu laſſen
als in ein ſolches einzuſtimmen, das nicht etwa
Fürſten und Obrigkeiten, ſon dern den verwirft,
der ſie eingeſetzt hat. Da es aber der kranken
Menſchennatur gar ſchwer fällt, ſich, wenn auch
nur in einem Grundſatz, gegen einen großen Hau⸗
fen zu ſetzen, und die von der Afterfreiheit unſrer
Tage benebelten Köpfe denen, die anderer Mei⸗
nung ſind, blutwenig davon zugutkommen laſſen,
was ſie für ſich in Anſpruch nehmen; ſo thut es
auch Solchen, welche ſelbſt nicht in das wüthende
Geſchrei: „Nieder mit den Fürſten!“ willigen, ſehr
wohl, ſich untereinander durch gleiches Bekenntniß
zu ſtärken. Einſender dieſes hat wenigſtens mit
aufrichtigem Dank die Zeugniſſe geleſen, welche
ſchon zu wiederholten Malen beſtätigt haben, daß
der treue Zeuge der Wahrheit, in welchem ſie laut
geworden ſind, nicht, wie es gar häufig in unſrer
gleißneriſchen Zeit ſonſt geſchieht, nur um ein
ſchönes Motto zu haben, das Wort an ſeiner
Stirne trägt: „Gottes Wort — — vergehet nun
und nimmermehr.“

Um aber auch das: „und Luther's Lehr“ als
einen ſolchen Zuſatz aufs Neue zu rechtfertigen,
der nur wegen der genauen Uebereinſtimmung
dieſer Lehre mit Gottes Wort im Motto des
„Lutheraner“ ſteht und zugleich den Glauben an
Gottes Wort in allen ſeinen Ausſprüchen, na⸗
mentlich in denen, die wie Röm. 13, 1. ff. die
untemnerung unter die Obrigkeit fordern, durch
das Bekenntniß des theuren Mannes zu ſtärken,
welcher als ein durch Gottes Wort neugebornes
Kindlein in unſern letzten Zeiten einzig daſteht in
einfältiger Annahme desſelben, folgt hier ſeine
Eiklärung des Spruches Jeſ. 26, 16., woraus
ein Jeder ſehen kann, daß der, welcher an den

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