Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 17 › Seite 130

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-25, Seite 130

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenjahr · Miſſion · Miſſion 4

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hier einerſeits das Herz König Friedrichs ergriff
und für die armen Heiden bewegte, der hatte ſich
ſchon vorher Männer bereitet, tüchtig zu treiben
das Evangelium.des Friedens. Es war Bartho⸗
lomäus Ziegenbalg' aus dem Städichen
Pulsnitz in der Oberlauſitz. Er war frühe ein
Waiſe geworden. Seine Mutter ſtarb zuerſt. Als
ſie auf dem Todtenbette lag, ſprach ſie zu ihren
Kindern: „Liebe Kinder, ich habe Euch einen
großen Schatz geſammelt, einen ſehr großen Schatz
habe ich Euch geſammelt.“ Als nun die älteſte
Tochter nach dem Orte fragte, wo der Schatz liege,
antwortete ſie: „Suchet ihn in der Bibel, meine
lieben Kinder, da werdet ihr ihn finden, denn ich
habe ein jedwedes Blatt mit meinen Thränen ge⸗
netzt.“ Dieſe Worte, in dem Tone des Abſchieds
geſprochen, haben die Kinder nie wieder vergeſſen
können. Auch der Vater muß ein tief gottſeliger
Mann geweſen ſein, der dem Tode mit Ruhe,
wohl gar mit Freudigkeit entgegenſah. Schon
bei ſeinen Lebzeiten hatte er ſich ſeinen Sarg ma⸗
chen laſſen und denſelben in ſeinem Hauſe hinge⸗
ſtellt. Als er nun einſtmals ſchwer erkrankt war,
brach in dem Städtchen eine Feuersbrunſt aus,
die ſo gewaltig um ſich griff, daß ſie mit ihren
Flammen auch über das Haus des kranken Zie⸗
genbalg zuſammenſchlug. Er war nicht im Stande,
ſich von dem Lager zu erheben. Die Hausgenoſ⸗
ſen wußten auch nicht, was ſie in der Gefahr und
Angſt für ihn thun ſollten. Da entſchloſſen ſie
ſich kurz, betteten ihn in den bereit ſtehenden Sarg,
trugen ihn ſo durch die Flammen auf den Markt
und ſetzten ihn da nieder. Und doit, auf dem
Marikte im Sarge, neben ſeinem brennenden Hauſe,
ging er ein zu ſeiner Ruhe. — Kann es uns wun⸗
dern, daß Kinder, denen ihre Eltern noch im
Sterben ſo mit dem Wort und mit gläubiger To⸗
desfreudigkeit vorleuchten, im Glauben von früher
Jugend an die Wege des HErrn wandeln? Die
älteſte Schweſter vertrat an dem Bartholomäus
Vater- und Mutterſtelle. Noch ſind Briefe von
ihr da, in denen ſie den Knaben auf der Schule
ermahnt, ja den HErrn nicht zu vergeſſen, der ſich
für ihn in den Tod gegeben habe. O wenn doch
die Mütter, die an ihre Kinder auf Schulen ſchrei⸗
ben, heute auch noch ſolche Briefe ſchrieben. In
Berlin und Halle, unter der Führung Ph. Spe⸗
ners und A. H. Frankens ſtudirte der Jüngling
Theologie. Er war der erſte, auf den Frankens
Wahl fiel, als ihm die Aufforderung des Königs
von Dänemark zukam. Zu ihm fügte er dann
noch den Heinrich Plütſchow aus Weſſenberg
in Mecklenburg, von deſſen Jugend ich Euch
nichts zu ſagen weiß. — Dieſe beiden Männer ſind
die erſten Miſſionare unſerer Kirche geweſen. —
Als der König von ihrer Willigkeit zum Miſſions⸗
berufe hörte, ließ er ſie eilig nach Kopenhagen
kommen, ließ ſie dort prüfen und zum Predigt⸗
und Miſſionsamte einſegnen. Den 29ſten No⸗
vember 1705 ſegelte das erſte Schiff mit prote⸗
ſtantiſchen Miſſionaren, Sophia Hedwig, dem
Heidenlande zu.

Als ſie dort ankamen, ergriffen ſie ihr Werk mit
größtem Eifer, aber in herzlicher Demuth. Sie,
die in Deuiſchland zu den tüchtigſten Candidaten

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der Theologie gehört hatten, ſchämten ſich dort
nicht, zu einem heidniſchen Schulmeiſter in die
Schule zu gehen, ſich mit den armen Tamulen⸗
kindern auf den platten Boden niederzuſetzen, und
die Buchſtaben und Wörter der Landesſprache
mit einem Stocke im Sande nachzumalen, damit
ſie nur erſt die Sprache der Eingebornen lernten.
Ein anderes lebendiges Zeugniß von Z.8 großer
Demuth iſt der Ausſpruch, mit dem er in ſchwerer
Krankheit ſpäter ſeine Mitarbeiter tröſtete: „Wenn
ein Knecht auf ſeinem Gute ſtirbt, geht ja damit
die Wirthſchaft nicht zu Grunde; vielweniger die
Kirche Chriſti, wenn ich abgerufen werde.“ —
König Friedrich ſorgte auf's Treueſte für ſeine
Boten. Er wies jedem einen beſtimmten Gehalt
von 200 Thaler an. Dazu ließ er in ſeinen Län⸗
dern für ſie collectiren. Als er hörte, daß ihre
Arbeit dort einigen Erfolg hatte, da käm er, wie
es in den alten Berichten heißt, mit neuer und
mehrerer Bewegung zu ſeinem greiſen Hof⸗
prediger und ſprach: Herr Doctor, ſchafft mir Leute!
Bald ſandte er ihnen noch drei Boten nach, bei
deren Ausrüſtung Hohe und Niedere, Adelige und
Bürgerliche miteinander wetteiferten. Jeder wollte
etwas thun. Als er in Erfahrung brachte, daß
ſein dortiger Statthalter Haſſius an den Miſſio⸗
naren allerlei Härte und Unrecht verübt hatte,
und zwar nicht ohne Zuhetzen der Jeſuiten, die
ſich dort während der proteſtantiſchen Trägheit
eingeniſtet hatten, erklärte er ſeinem ganzen Hofe
bei Tafel, daß er mit dem unverantwortlichen
Tractament, das ſeine Arbeiter hätten
ausſtehen müſſen, durchaus nicht zu⸗
frieden ſei, er werde ſie kräftigſt in ihrem Amte
zu ſchützen wiſſen. Schwätzern und Zungendre⸗
ſchern, die aus eignem Unglauben und aus Träg⸗
heit ſpitze Reden über die Miſſion führten, ſtopfte
er mit ſcharfer Rede den Mund. Im Jahre
1712 machte er eine ewige Stiftung, nach welcher
jährlich 2000 Thaler in Kronenthalern aus den
Poſteinkünften ausgezahlt werden ſollten zur Un⸗
terhaltung von Predigern und Schullehrern in
Indien. Das war das Letzte, was ſein treuer
Rathgeber, der Probſt Lütkens, noch erlebte. Lange
war er ſchon von Krankheit niedergebeugt. Aber
auch in der Krankheit konnte er nie ohne tiefe
Rührung reden von dem Werke, an dem ihn der
HErr gewürdigt hatte Mitarbeiter zu ſein. Sein
Ruhm war, daß er habe Holz zutragen
helfen, als er dies Feuer in der Seele
ſeines königlichen Herrn habe aufgehen
ſehen. Als er die Botſchaft erhielt von der ewigen
Stiftung ſeines Königs, wurde der Geiſt des faſt
erſtorbenen Mannes noch einmal lebendig, die
Freude leuchtete ihm aus dem ganzen Angeſichte
und er rief aus: Nun will ich gerne ſter—
ben, nachdem ich dieſe Freude erlebt
habe. Gott ſegne den König! —Auch nach
ſeinem Tode blieb der König dem begonnenen
Werke in herzlicher Treue zugethan. Trotz des

ſchweren Krieges ſandte er im Jahie 1714 außer
dem Gehalte aus der Poſtkaſſe den Miſſionaren

noch 2000 Thaler. Das Schiff Dansborg aber,
das dieſelben überbringen ſollte, ging bei Skagen

andere 2000 Thaler durch ein engliſches Schif
und ſchreibet dazu mit eigener Hand: da das Schiff
durch göttliche Zulaſſung in dem großen Sturme
untergegangen ſei, wolle er ſie doch an dieſem Un⸗
glücksfall ſeinen Theil nehmen laſſen, er ſchickt
ihnen hiermit dieſelbe Summe wieder. Im Jahre
1715 kam Ziegenbalg nach Europa, beſuchte ſei⸗
nen König im Kriegslager vor Stralſund und
ſtellte ihm einen bekehrten indiſchen Knaben vor,
der ihm für ſeine dem armen Heidenvolk bewieſene
Liebe dankte. Der König ließ ihn im Lager vor
ſich predigen, und freute ſich über den Glaubens⸗
muth des Mannes, der ſo bald als möglich in ſein
Heidenland zurückkehren wollte. Der König ver⸗
ſicherte ihn ſeiner Treue und Hülfe auf alle Zeiten.
Weil aber ſein treuer Probſt zu ſeiner Ruhe ein⸗
gegangen war, ſtiftete er ein Collegium, das für
die Zukunft dem Miſſionswerke mit Einſicht und
Kraft vorſtehen ſollte. Die Stiftungsurkunde
ſchließt mit den Worten: „So laßt uns denn ins⸗
geſammt mit vereinigten Kräften und Herzen
ſchaffen, was der gute und wohlgefällige Wille
Gottes anweiſet und das Elend der Menſchen er⸗
fordert. Die Gelegenheit iſt jetzt vorhanden, die
Ernte iſt groß. Als wir denn nun Zeit haben, ſo
laßt uns Gutes thun, auf daß wir zu ſeiner Zeit
ernten ohne Aufhören. Er ſelbſt der HErr, der
ewige Gott, wird zu unſerm Pflanzen und Be⸗
gießen das Gedeihen geben, daß der Same ſeines
Wortes, der unter den Heiden ausgeſtreuet wird,
hundertfältige Frucht trage. Der HErr iſt treu,
der es verheißen hat, er wird's auch thun. Ihm
ſei Ehre in Ewigkeit!“ —

Das iſt der Anfang, die Geburt und Kindheit
unſerer lutheriſchen Miſſion. Nach und nach ſind
in Trankebar dem HErrn an 30,000 Seelen aus
dem Heidenvolke gewonnen.

*

(Eingeſandt von Paſtor Keyl.)
Die urſprüngliche Gattesdienſtordnung in den
deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes.

(Fortſetzung.)

Das Himmelfahrtsfeſt iſt je und je als
ein ganzer Feiertag begangen worden; das Evan⸗
gelium zeigt uns eine ſelige Frucht der Himmel⸗
fahrt Chriſti und ſeines Sitzens zur rechten Hand
Goites, nemlich die Verkündigung des Evangelii
in aller Welt, die Epiſtel aber gibt uns Bericht
über die Himmelfahrt ſelbſt. ö

Der Sonntag Exaudi enthält in ſeinem
Evangelio eine tröſtliche Verheißung von der Sen⸗
dung des Heiligen Geiſtes zur Verkündigung des
Evangeliums und zur Ueberwindung des damit
verbundenen Kreuzes. x

Das Pfingſtfeſt wird gefeiert zu Lob und
Preis Goties des Heiligen Geiſtes und ſeiner
Werke. Das erſte Evangelium, Joh. 14., lehret,
wie Dr. Luther ſagt, daß das ganze Leben eines
Chriſten ein rechter herrlicher neuer Pfingſttag
werde, indem der Heilige Geiſt des Menſchen Herz
ſelbſt zubereitet und weihet zum heiligen Haus
und Wohnung Gottes; von dem allen iſt die Ge⸗
ſchichte der Ausgießung des Heiligen Geiſtes

im Sturm unter. Da ſchickt er ſeinen Arbeitern Apoſtelg. 2. ein liebliches Vorbild. Das zweite

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