# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 25_S133 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Anſchluß an die bekannten Texte geht allen und überall ſchwerer ein, leicht und gerne aber nimmt IJeder neue Gedanken an, wenn ſie als friſch⸗ erkannte Fülle alter Wahrheit erſcheinen. Man mache nur vorurtheilsfreie Erfahrung. — Die Epiſteln erwählte man ſich von Alters her zu den Früh⸗ oder Nachmittagsgottesdienſten der Sonn⸗ tage. Auch bei ihnen iſt es wiederum der Anſchluß ans Bekannte und Eine, was der Prediger ſucht: die Epiſteln ſtimmen mit den Evan⸗ gelien, die Apoſtel mit Chriſto — Ein Glaube iſt überall zu finden, Eine Heilsordnung, Eine Heiligung. — Für die Wochenkirchen ſchlägt Luther fortlaufende Erklärung der heiligen Schrift vor. Aber auch ſie wählt ein verſtändiger Prediger nicht dazu, daß er, was doch nicht gelingt und nicht möglich iſt, die Schrift vollſtändig und im Zuſammenhang der Worte erkläre. Er begehrt nicht jede Conjunction und Präpoſition, jedes Nomen, jedes Verbum aufs genaueſte zu er⸗ llären; ſondern überall ſind es die klaren Stel⸗ len, die er herausnimmt und durch welche er das der Gemeinde Bekannte ſtärken und in neuem Licht zeigen kann. Seine Weiſſagung iſt immer dem Glauben ähnlich, und er gibt immer ſeinem Volke das, was es am bereits empfangenen Lichte, am Lichte ſeines Katechismus und der Evangelien, verſtehen kann. Nicht zunächſt Erklärung der Dunkelheiten, ſondern Beſtätigung und Bewäh⸗ rung im Klaren iſt es, was er will und beabſich⸗ tigt. — Das iſt der Weg der Einfalt, dem jede Gabe erſprießlich iſt, der für jede Gabe gangbar iſt, der nicht ſo gelehrt und bibelweiſe ausſieht, als manch anderer Weg, der ſich aber erweiſ't und be⸗ währt. Er iſt klar gezeigt in der Verſchiedenheit der Bibelauslegung Dr. M. Luthers auf der einen und Calvins auf der andern Seite. Dieſem iſt Bibelkenntniß und Erkenntniß des Schriftverſtan⸗ des nächſtes Ziel, jener ſucht überall die Regula fidei, die klare Lehre der Schrift neu zu beſtätigen. Daher iſt Calvin ſo genau (wie es allerdings für Theologen erſprießlich ſein kann!), Luther aber verfährt eklektiſch, großartig ſeelſorgeriſch, immer gegürtet und an Beinen geſtiefelt, zu treiben das Evangelium des Friedens und den Einen Glau— ben; und das iſt nöthig den ſchwanken— den Gemüthern beides der Laien und der Verſtändigen. (Löhe. Drei Bücher von der Kirche.) Der Kaiſerliche Werbe⸗Corporal. „Wo eure Schätze ſind, da iſt auch euer Herz.“ Matth. 6, 21. Es iſt in den neunziger Jahren geweſen, als das deutſche Reich noch beſtand, aber ſchon ge⸗ waltig im Abnehmen begriffen war, und ſeine Soldaten zuſammenleſen und zuſammenſtehlen mußte aus aller Herren Länder; da hat in einem Dorfe, das zur Burg Friedberg gehörte, ein öſt⸗ neichiſcher Werbe⸗Corporal gelegen. Der hat's dort getrieben, wie Viele ſeines Handwerks; er iſt umhergezogen in den Häuſern, er hat ſich geſonnt an den Straßenecken, und hat zugeſchaut und den 133 Schnurrbart geſtrichen, wenn juſt Tanz im Orte war. Denn in den Häuſern gab's ſtreitbare Ehe⸗ männer und ungezogene Buben, an den Straßen⸗ ecken ſammelten ſich die Tagediebe, und bei Tänzen gab's Schnaps und Prügel und blutige Köpfe, und dort konnte er zur gelegenen Stunde mit gu⸗ tem Wort und Handgeld viel ausrichten. Aus jener Zeit rührten noch die ſogenannten „Kaiſer⸗ lichen“ her, die man faſt in jedem Orte hatte, und die mit großen, grauen Schnurrbärten und oft mit hölzernen Beinen umherhinkten; auch die alten Uniformen rührten von da her, weiß oder hechtgrau. Jetzt ſind die „Kaiſerlichen“ faſt ausgeſtorben, und die verblichenen Uniformſtücke wahrſcheinlich in die Papiermühlen gewandert. Alſo damals lag ein Kaiſerlicher Werbe⸗Cor⸗ poral in dem Friedbergſchen Oertchen. Dem Cor⸗ poral wurde dazumal, es war gerade Winter, die Zeit ſehr lang; das Handwerk ging nicht ſonder⸗ lich. Da kam er denn manchmal Abends in die Häuſer, wo die Bauern mit einander Rath hiel⸗ ten; denn es war ein redſprächiger Mann und erzählte gerne; ob lauter Wahres, das weiß ich nicht, genug, er erzählte gerne, und hörte auch gerne etwas Neues. So oft aber der Corporal in ein Haus getreten und die Pfeife ſich angezündet und den Rath mit angehört, da hat er nichts ver⸗ nommen, als: „Nachbar, wie hoch ſchätzt Ihr meine Ochſen?“ — „Gevatter, Eure Ochſen ſind ſchon wacker feiſt!“ — „Vetter, was galt das Ochſenfleiſch zu Friedberg in der Schirne?“ — Darob hat der Corporal oft den Kopf geſchüttelt und iſt in ein zweites Haus gegangen; aber auch da hat man Rath über die Ochſen gehalten, nur mit dem Unterſchied, daß auch manchmal ein Wort vom Ochſenfutter, und dem Ochſenfett, und den Ochſenhäuten mit einlief. Als der Corporal das ſo eine Zeitlang mit angehört, da hat er un⸗ willig ſeine Pfeife am Ofen ausgeklopft und hat geſagt: „Ich muß nun heimgehen in mein Quar⸗ tier, denn bleib ich hier, ſo werd ich halt ſelbſt zum Ochſen!“ Nun will ich zwar nicht ſagen, daß die Rede des Werb⸗Corporal eine ſehr feine geweſen ſei, aber eine treffende war ſie gewiß, denn ſie iſt recht gut von jenen Ochſenzüchtern und Ochſenliebhabern verſtanden worden, und wird heute noch erzählt, und wer ſie erzählt, der lacht darüber. Das deutſche Reich hat ſeitdem aufgehört, und die kaiſerlichen Werber ſind auch verſchwunden, aber es iſt faſt nch wie damals, was den Rath der Nachbarn unter einander betrifft. Wenn ich ſo manchmal in die Häuſer komme, ſo höre ich noch dasſelbe Geſpräch, das der Werb⸗Corporal gehört, nur mit dem Unterſchied, daß jetzt noch mehr vom Branntweinbrennen, und von dem Wollhandel, und von der Eiſenbahn, und von der Zehentablöſung mit unterläuft. Und dann denke ich bei mir ſelbſt: „Wie iſt doch ein Winterabend ſo lang und das Leben ſo kurz; wie iſt doch ſo arm das Menſchenherz und ſo reich das Chriſtenherz!“ Wie weiß doch ein Chriſt ſo viel, davon der Ochſenzüchter gar nichts weiß, und wie wird erſt Acker und Pflug, und Saat und Erndte, und Früh⸗ und Spatregen ſo lieb und werth, wenn das Sprüchlein verſtanden iſt: „Trachtet am erſten nach dem Reiche Gottes und nach ſeiner Gerech⸗ tigkeit, dann wird euch ſolches Alles zufallen.“ Matth. 6, 33. (Volksblatt.) —— (Eingeſandt von P. Röbbelen.) Noch ein Zeugniß, daß jede Revolution oder gewaltſame Auflehnung der Unterthanen gegen ihre Obrigkeit eine Sünde gegen das vierte Gebhat und gottlos iſt. Weil Gott das Herz anſieht, ſo iſt man auch hier zu Lande in Gefahr, dieſelbe Sünde zu be⸗ gehen, welche nun ſchon mehrfach durch den lieben „Lutheraner“ an denen geſtraft worden iſt, die ſie in andern Ländern und namentlich in unſerm deutſchen Heimathlande begangen haben. So wenig nun dieſe Gefahr von dem Geiſte geachtet wird, der dadurch in unſerer böſen Zeit herrſcht, daß er die armen Seelen der Menſchenkinder unter ſeine Lügen beugt und zwar in unſerm Fall einem von ihm gezeugten und von verführten Gei⸗ ſtern der Menſchen empfangenen Trugbilde den Namen fälſchlich zueignet, der doch nach Joh. 8. nur einer Freiheit zukommt, die vor dem und mit deſſen Wort beſteht, der geſagt hat: „Gebet dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt“; ſo ſoll das doch Niemand hindern, ſich dieſelbe ſo groß vorzuſtel⸗ len, wie ſie Gottes Wort ihm zeigt, und lieber von dem Uriheil aller Welt ſich verwerfen zu laſſen als in ein ſolches einzuſtimmen, das nicht etwa Fürſten und Obrigkeiten, ſon dern den verwirft, der ſie eingeſetzt hat. Da es aber der kranken Menſchennatur gar ſchwer fällt, ſich, wenn auch nur in einem Grundſatz, gegen einen großen Hau⸗ fen zu ſetzen, und die von der Afterfreiheit unſrer Tage benebelten Köpfe denen, die anderer Mei⸗ nung ſind, blutwenig davon zugutkommen laſſen, was ſie für ſich in Anſpruch nehmen; ſo thut es auch Solchen, welche ſelbſt nicht in das wüthende Geſchrei: „Nieder mit den Fürſten!“ willigen, ſehr wohl, ſich untereinander durch gleiches Bekenntniß zu ſtärken. Einſender dieſes hat wenigſtens mit aufrichtigem Dank die Zeugniſſe geleſen, welche ſchon zu wiederholten Malen beſtätigt haben, daß der treue Zeuge der Wahrheit, in welchem ſie laut geworden ſind, nicht, wie es gar häufig in unſrer gleißneriſchen Zeit ſonſt geſchieht, nur um ein ſchönes Motto zu haben, das Wort an ſeiner Stirne trägt: „Gottes Wort — — vergehet nun und nimmermehr.“ Um aber auch das: „und Luther's Lehr“ als einen ſolchen Zuſatz aufs Neue zu rechtfertigen, der nur wegen der genauen Uebereinſtimmung dieſer Lehre mit Gottes Wort im Motto des „Lutheraner“ ſteht und zugleich den Glauben an Gottes Wort in allen ſeinen Ausſprüchen, na⸗ mentlich in denen, die wie Röm. 13, 1. ff. die untemnerung unter die Obrigkeit fordern, durch das Bekenntniß des theuren Mannes zu ſtärken, welcher als ein durch Gottes Wort neugebornes Kindlein in unſern letzten Zeiten einzig daſteht in einfältiger Annahme desſelben, folgt hier ſeine Eiklärung des Spruches Jeſ. 26, 16., woraus ein Jeder ſehen kann, daß der, welcher an den