Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 17 › Seite 129
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-25, Seite 129
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Miſſion · Miſſion 4
Belligirt von C. H. W. Walther.
der Lutheraner.
„Gottes Mlort und Kuthers Xehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
hahrgang 5.
Ht. Jouis, Mo., den 17. Rpril 1849.
No. 17.
Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
vorauszubezablen und das Poſtgeld
ENur die Briefe, welche
tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. ‚
ittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Waither, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
Wie es einſt mit der lutheriſchen Miſſion
ſeinen Anfang genommen.
An einem Abende des Jahres 1705, im Monat
Miärz, hatte König Friedrich IV. von Dänemark
gegen acht Uhr ſeine Miniſter entlaſſen. Dieſer
Friedrich gehörte zu jener alten frommen Königs⸗
familie, die das gereinigte Evangelium gleich im
Anfange der Reformation mit voller Liebe ergriff.
Sein Vorfahr Friedrich II. hatte, als es mit ihm
zu Rüſte ging, mit allem Fleiß befohlen, daß man
ihm ja im Sterben den Spruch vorläſe: Alſo hat
Gott die Welt geliebt ꝛc. Dieſes theuer werthe
Wort war unter ſeinen Nachkommen gleichſam
Familienſterbetroſt geblieben. Unſer Friedrich IV.
nun ſaß in mancherlei Gedanken über die ſchwere
Zeit verſunken in ſeinem rothſammtnen Lehnſtuhle.
Zwei wilde Kriege durchtobten damals Eu ropa,
und an beiden hatte er Theil. Neben'ihm auf
dem geglätteten Fußboden ſtand ein einfacher
eichener Kaſten, zu dem er allein den Schlüſſel
hatte. Er enthielt Bittſchriften, die den Tag über
eingelaufen waren, und die er jeden Abend ſelbſt
durchzuſehen pflegte. Da kam ihm eine vor, wohl
zierlich in der Schrift, aber ſehr betrübt im In⸗
halte. Eine Wittwe. Mutter von fünf Kindern,
flehte ſeine Gnade an. Ihr Mann und ihr älteſter
Sohn waren vor zwei Jahren mit einer däniſchen
Truppenabtheilung nach Oſtindien hinausgegan⸗
gen. Sie hatten in Trankebar auf der Küſte Co⸗
romandel, das Offre Giedde, ein Abgeſandter
König Chriſtian's IV., im Jahre 1618 vom Sul⸗
tan von Tandſchure für die Krone Dänemark er⸗
worben, in Beſatzung geſtanden. Bei einem Spa⸗
zierritte waren ſie von den heidniſchen Eingebor⸗
nen überfallen und grauſam ermordet worden.
Ihre beiden Verſorger waren nun todt; ſie flehte
den König um Unterhalt für ſich und ihre Kinder
an. Könige ſind von Gott geſetzt, Verſorger der
Wittwen und Väter der Waiſen zu ſein. Das
wußte Herr Friedrich recht wohl. Ein Federſtrich
und der Noth der Verwaisten war abgeholfen. —
Aber Gott hatte dieſe Biitſchrift noch zu einem
andern Ende in ſeine Hände gegeben. An dem
Briife waren ſeine Gedanken hinausgepilgert nach
Oſtindien. Ueber der Ermordung ſeiner Diener
war ihm das Heidenthum ſeiner dortigen Unter⸗
thanen in ganzer Finſterniß vor die Seele getreten.
Schon bei Lebzeiten ſeines Vaters, Chriſtian V.,
war ihm die Blindheit der Heiden oft ſchwer aufs
Herz gefallen. Er hatte ſich manchmal gewundert,
daß die proteſtantiſche Kirche ſo gar nichts zu ihrer
Bekehrung thue. So nahm er denn dieſen Abend
keine andere Binſchrift mehr aus dem Kaſten.
Rechte Königsgedanken gingen ihm durchs Herz.
„Wozu hat der HErr uns Königen das Scepter
in die Hand gegeben? wozu hat er uns zu Hirten
der Völker geſetzt? Wir ſollen ihm als treue
Knechte die verirrten Schafe wiederbringen. Den
armen Indiern muß das Evangelium gepredigt
werden!“ Er klingelte. Ein Diener trat herein.
Der König befahl ihm: Rufe mir auf der Stelle
den Probſt Lütkens. Dieſer Probſt Lütkens
war ſein Hofprediger, und früher in Cöln au der
Spree, einem Theile von dem jetzigen Berlin, an⸗
geſtellt geweſen. Als Lütkens eintrat, ſagte ihm
der König: „Wundert Euch nicht, daß ich Euch
noch ſo ſpät rufen laſſe; der HErr Himmels und
der Erden bedarf Eurer, durch mich ergeht ſein
Ruf an Euch.“ Darauf führte er den Greis an
die Karte des Gebietes von Trankebar, und fuhr
fort: „Dies Stück Land hat der HErr meinem
trefflichen Ahnherrn, Chriſtian IV., in Beſitz ge⸗
geben. Ihr wißt, wie ich alljährlich Truppen aus⸗
ſende, dasſelbe meiner Krone zu ſichern. Herr
Doctor“, fuhr er dann leiſer fort, „was meint Ihr?
Apoſtel will ich hinſenden, dem HErrn den Weg
zu bereiten! Ich baue Leuchtthürme an die Küſten,
damit die Schiffe keinen Schaden nehmen, damit
die Leute an Leib und Habe keinen Schaden neh⸗
men. Ich will auch Leuchter aufrichten, damit
meine armen Heiden an der Seele nicht Schiff⸗
bruch leiden. Schafft mir dazu Leute!“
„„Mein Herr und König““, antwortete Lütkens,
„„den Gedanken hat Euch Gott ins Herz gege⸗
ben. Er ſegne Euch reichlich. Aber wen wollt Ihr
hinſenden? Wo iſt ein Paulus, der die Gefahren
nicht ſcheut, die jenſeit des Meeres ſeiner warten?
Doch“ “, fuhr der Greis mit verklärtem Angeſicht
fort, „„einen weiß ich, der dem Rufe des HErrn
folgt zu den Völkern, die im Schatten des Todes
ſitzen. Mein König, ſendet mich!““ „Nimmer⸗
mehr“, fiel ihm Friedrich ins Wort, „Ihr bleibt,
Ihr ſollt mir als Freund und Rathgeber zur Seite
ſtehn. Ihr ſollt Euer graues Haupt den Gefah⸗
ren der Seereiſe nicht ausſetzen. Ihr ſollt Eure
Geſundheit jenem gefräßigen Klima nicht zum
Raube geben. Herr Doctor, ſchafft uns
Leute. Bedenket Euch ſelber und ſprecht außerdem
mit dem Biſchof Bornemann von Seeland. Könnt
Ihr aber in meinem Reiche keine finden, ſo ſollt
Ihr nach Deuiſchland ſchreiben.“ Lütkens ſtand
auf und ging. Er lobte in ſeiner Seele Gott, in
deſſen Hand das Herz der Könige iſt. Nach et⸗
lichen Tagen kam er wieder zum Könige, der ihn
mit den Worten empfing: „Ich habe ſchon auf
Euch gewartet, wir haben ſchon zu lange geſäumt
in ſo hochnöthiger Arbeit. Habt Ihr Arbeiter ge⸗
funden?“ „„Nein““, war Lütkens Antwort,, „ich
weiß keinen in Ew. Majeſtät Reiche, und Dr.
Bornemann weiß auch nicht zu rathen.““ „Das
thut mir ſehr wehe“, fiel der König ein, daß mein
Reich keine ſolche Rüſtzeuge Gottes hat. Das
iſt keine feine Gottesgelahrtheit, in der keine Liebe
für die armen verfinſterten Heiden lebet. Nun ſo
ſchreibet nach Deutſchland.“ Lütkens ſchrieb an
den Prediger Lyſius in Königsſtadt, und an ſeinen
ehemaligen Collegen Chriſtian Campe in Cöln
an der Spree. Dieſe aber wußten nichts Beſſeres
zu thun, als die Briefe Auguſt Hermann Franke
in Halle zuzuſchicken, und ihn um Rath und
Hülfe zu bitten. So kam denn in kurzer Zeit an
den Probſt Lütkens die Antwort, daß zwei feine
Männer vorhanden ſeien, die Gott von Herzen
fürchtelen, und in der ſeligmachenden Lehre Grund
genug hätten, dieſe wollten ſich dazu bequemen,
den Antrag anzunehmen. — Doch wir müſſen hier
ein wenig inne halten und die wunderbaren Wege
des HErrn neben einander ſchauen. Derſelbe
Gott, der in der Apoſtelgeſchichte den Hauptmann
Cornelius angewieſen hat, bei Simon Petrus
nach dem Wege des Heilandes zu fragen, hat zu⸗
gleich dieſen Simon Petrus in einem Geſicht be⸗
deutet, daß Leute aus allerlei Volk in die Kirche
aufgenommen werden ſollen. Derſelbe Gott, der
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