Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 17 › Seite 134
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-05-25, Seite 134
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Teufel 5 · Obrigkeit 18
Brüſten der ewigen Weisheit ſich frei geſogen
hatte und fort und fort frei ſog in dieſem Lande
der Knechtſchaft von den verkehrten Meinungen,
von dem Eigenwillen und Eigendünkel der gott⸗
loſen Menſchen gegen den Druck ſchlechter Fürſten
und Obrigkeiten, wie gegen alle ſonſtige Trübſal
andere Waffen in der Rüſtkammer chriſtgläubiger
Menſchen gefunden hat, als eigene Rache und
frevelhafte Empörung:
Jeſaia 26, 16: „HErr, wenn Trübſal da
iſt, ſo ſucht man dich; wenn du ſie züchti⸗
geſt, ſo rufen ſie ängſtiglich.“
Er fähret noch immer fort, die Frommen und
Gottloſen gegen einander zu halten. Das Evan⸗
gelium wird bis an die äußerſten Grenzen der
Erden ausgebreitet, ob ſich gleich alle Fürſten und
Könige darwider ſetzen; allein, die Ausbreitung
desſelben geſchieht in Schwachheit. Denn ſowohl
die Lehrer, als Schüler desſelben werden mit dem
heiligen Kreuz gedrückt, welches deine Zucht iſt,
durch welche du die Deinigen lehreſt und in ihrer
Pflicht erhältſt, welche dem Geiſt ſo nöthig, als
dem Leibe Speiſe und Trank iſt. Denn ohne
Trübſal kann das Wort ſeine Kraft nicht beweiſen.
Und gleichwie das Eiſen, wenn es gebraucht,
glänzend wird, alſo wird auch ein Chriſt durch
die Verſuchungen unterwieſen und ihm geholfen,
gleichwie man im Sprichwort ſagt: Die Ruthe
macht fromme Kinder. Er ſetzt aber eine vor⸗
neffliche Lehre hinzu: Wenn du ſie züchtigeſt, ſo
rufen ſie ängſtiglich, da iſt ein ängſtliches Rufen.
Sie ſchreien nicht, ſie thun nicht kläglich, gleich⸗
wie die Gottloſen im Unglück zu thun pflegen;
ſondern ſie ſchicken unausſprechliche Seufzer ab,
welche durch den Mund gehen als ein Gemurmel,
gleichwie die Beſchwörer zu murmeln pflegen.
Auf dieſe Stelle zielet Paulus im 8. Capitel
an die Römer, wenn er V. 26. ſpricht: Der Geiſt
vertritt uns mit unausſprechlichem Seufzen.
Denn ein Chriſt ſoll in ſeiner Trübſal nicht heu—
len, hin und herlaufen, kläglich thun, nicht klein⸗
müthig werden, läſtern oder verzweifeln, ſondern
zum HErrn ſeufzen mit Geduld. Alſo haben
wir heut zu Tage wider die Fürſten und Biſchöfe,
die unſere Ruthen ſind, kein ander Mittel, als
dieſes Seufzen.
Van den liſtigen Anläufen des Teufels.
(Aus Luthers Predigt von der Chriſten Waffenrüſtung vom
J. 1532. Siehe ſeine Werke, Hall. A. IX, 448 ff.)
Was und wie mancherlei ſeine liſtigen Anläufe
ſind, werden wir nicht erzählen noch erdenken kön⸗
nen, ohne was wir bei uns ſelbſt müſſen erfahren.
Denn hier iſt er Meiſter über Meiſter, und von
tauſend Künſten, mit ſo mancherlei Gedanken und
Eingeben, ſo er dargibt für Gottes Wort,
durch welche er alle Welt von Anfang betrogen
hat, und allerlei Ketzerei mit Gewalt in die Chri⸗
ſtenheit geführet. Denn (wie ich geſagt habe) er
kömmt nicht daher getrollt in ſeiner ſcheußlichen
ſchwarzen Farbe, daß er ſage: Ich bin Satan,
hüte dich vor mir; ſondern ſchleicht haher, wie
eine Schlange, und ſchmücket ſich aufs allerſchönſte
mit Gottes Wort und Namen, bringet eben die
13⁴
Schrift und Sprüche, die wir führen, lieb haben
und uns darauf gründen, und gibt darzu treff⸗
lichen Ernſt und Andacht vor als ein treuer,
frommer Prediger, der da nichts anders ſuche,
denn Gottes Ehre und der Seelen Heil.
Wie er jetzt thut durch unſere Sacraments⸗
rotten und andere, welche auch eitel Schrift wider
uns führen, und ihre Dinge daraus gründen wol⸗
len, halten uns unſere eigene Sprüche und Artikel
vor, und führen hohe treffliche Worte, Chriſti Ehre
und Namen, dazu großen Ernſt zur Wahrheit,
treffliche Liebe und Sorge für die Seelen. Siehe,
lieber Chriſt, (ſprechen ſie,) da haſt du Gottes
Wort, ſo hält dein eigner Glaube, daß Chriſtus
gen Himmel gefahren, droben ſitzt zur. Rechten
des Vaters, da ſoll man ihn ſuchen ꝛc. Wie
kömmſt du denn dazu, daß er ſollte im Brod und
Wein ſein, und ſich herab laſſen bannen durch
ein Ziſchen eines Menſchen über dem Altar ꝛc.
O, das wäre der Ehre Chriſti viel zu nahe; und
was mehr dergleichen Worte ſind, ſo darzu ge⸗
hören. Siehe, das iſt ein recht Anlaufen und
Anklopfen, nicht als vom Satan; ſondern ge⸗
ſchmückt als des HErrn Chriſti Wort und Wahr—
heit, damit er die armen, unverſtändigen und
ſichenn Seelen gewinnet, und plötzlich dahin
reißet.
Alſo hat er vorzeiten auch gethan durch die
Arianer, (ſo den Artikel von Chriſti Gottheit leug⸗
neten,) und andere Ketzer, die traun auch nicht
wider die Schrift fechten wollten, ſondern eben
dieſelbige für ſich führeten, und der Chriſten Mei⸗
nung deuteten als wider die Schrift, als die die
Gottheit theileten, und mehr denn einen Gott
macheten ꝛc., ſchmückten ſolches mit ſo trefflichem
Schein und köſtlichen Worten, daß ſie damit Kai⸗
ſer und alle Welt an ſich zogen, bis kaum ein
Biſchof oder zween ſtehen blieben, durch welche
Gott die Chriſtenheit erhielte.
Aber nach dieſen iſt kommen ein anderer An⸗
lauf des ſchalkhaftigen Teufels, durch die Werk—
lehre des Pabſts, wider die Gerechtigkeit des
Glaubens durch Chriſtum, damit er auch hat ſo
liſtig eingebrochen durch die Schrift, von guten
Werken und äußerlicher Gerechtigkeit herzugezogen,
großen Schein der Heiligkeit und geiſtlichen Le—
bens eingeführet. Das hat erſt den Schaden
gethan, und mit Gewalt eingeriſſen als eine Fluth,
und die ganze Welt voll geſchwemmet, und ein
ſolch Regiment des Pabſtthums aufgerichtet, mit
ſo mancherlei Gottesdienſt, Meſſen, Orden, Wall⸗
fahrten, Gelübden, Heiligendienſt ꝛc., welche auch
mit Wunder (aber doch falſchen) durch den Teu⸗
fel beſtätiget; wie Chriſtus und die Apoſtel zuvor
geweiſſaget haben, daß auch die Auserwähl—
ten möchten darüber in Irrthum ge—
führet werden. Matth. 24, 24.
Denn alſo gehet es: wo der Teufel erſtlich eine
Lücke offen findet, und nicht wackere Piediger ſind,
die da wehren, da bricht er bald weiter, und reißet
immer fort, ſo lange, bis er gar Ueberhand kriegt,
und alles wieder einnimmt. Denn er kömmt
allewege mit ſolchem ſchönen Vorgeben, das der
Vernunft und menſchlicher Weisheit gemäß iſt,
und ſie verſtehen und begreifen kann, und ihr na⸗
türlich wohlgefället, daß ſie ſich gerne gefangen
gibt, und fället denn alles mit Hanfen zu, als ſei
es köſtlich Ding, das niemand kann wehren.
Denn es gehört ein höherer geiſtlicher Verſtand
dazu, der Gottes Wort rein und lauter habe und
behalte, daß er ſolches erkennen und widerlegen
könne. Darum ſollen und müſſen in der Chri⸗
ſtenheit ſein kluge und treue Previger und Bi⸗
ſchöfe, die auf allen Orten wachen und zuſehen,
daß nicht irgend ein Teufelsgeſchmeiß heimlich
hereinſchleiche, und eine Lücke gewinne. Daher
ſie auch den Namen haben, daß ſie Biſchöft,
Episcopi heißen, das iſt, Wächter und Aufſeher,
die darauf lauern ſollen, wo der Feind herein
wolle, und ihn zurück jagen; ſonſt hat er gar
leichtlich durchgebrochen und alles verderbt.
Denn wo er es dahin bringet, daß man ihm in
einem Artikel einräumet, ſo hat er gewonnen, und
iſt eben ſo viel, als hätte er ſie alle, und Chriſtum
ſchon verloren, kann darnach auch wohl andere
zerrütten und nehmen: denn ſie ſind alle in ein⸗
ander gewunden und geſchloſſen, wie eine güldene
Kette, daß, wo man ein Glied auflöſet, ſo iſt it
ganze Kette aufgelöſet, und gehet alles von ein⸗
ander. Und iſt kein Artikel, den er nicht könne
umwerfen, wenn er es dazu bringet, daß die Ver⸗
nunft drein fället und klügeln will, und weiß
darnach die Schrift fein darauf zu drehen und zu
dehnen, daß ſichs mit ihr reime; das gehet denn
ein, wie ein ſüßes Gift. Darum ſehen wir auch
jetzt, weil der Teufel einmal Raum gewonnen
hat, daß er immer eine Ketzerei und Rotten⸗
geſchmeiß über das andere einführet, heute dieſen,
morgen einen andern Artikel angreift; als er be⸗
reits jetzt auf der Bahn iſt, durch ſeine Vorlauft,
dadurch er Chriſti Gottheit, item, die Auferſte⸗
hung der Todten, will wieder anfechten ꝛc. Das
ſind nun ſolche Anläufte, damit er die ganze
Chriſtenheit angreifet.
Ueber das greifet er einen jeglichen auch ſon⸗
derlich an, zuvor mit den hohen geiſtlichen Anfech⸗
tungen des Glaubens ꝛc., und über dem hohen
Artikel von Chriſto: da kann er ſo mancherlei
Gedanken vorgeben, dadurch er dir das Won
wegrückt oder verkehre, und Chriſtum aus den
Augen ſetze, daß du auf dich ſelbſt ſeheſt, was du
gethan oder nicht gethan haſt ꝛc. Denn er ſoll
dir ſich ſo malen und fürbilden, als ſei er Chri⸗
ſtus ſelbſt in der Majeſtät, und dich ſchrecken als
ein Richter, der deine Werke von dir fordere ꝛe.
Ja, auch deine eignen Gedanken von Chriſto und
dem Glauben betrügen, daß du meineſt, du ſeieſt
recht daran, und iſt doch nichts, denn dein Dün⸗
kel oder Andacht. Wenn du denn ſolchem nach⸗
hängeſt, und nicht kannſt mit Gottes Wort weh⸗
ren, und läſſeſt dich aus deiner Wehre locken, daß
du mit ihm disputireſt, ſo treibet er dich endlich
ein, und machet dich ſo irre, daß du nicht weißeſt,
wo Chriſtus oder ſein Wort und Glaube bleibet.
Aber davon wiſſen wenig Leute, die ſich mit ihm
ſchlagen und wehren. Der andere rohe Hauft
kömmt nimmer darzu, die der Teufel reitet mit
Sicherheit, daß ſie Gottes Wort nicht achten, oder
laſſen ſich dünken, ſie können es allzuwohl.
Darum iſt wohl vonnöthen, daß ein jeglicher
hier wacker und ſorgfältig ſei, und ſich allenthal⸗
ben umſehe, und wiſſe, daß der Teufel nicht weit
von uns, ſondern ſtets um uns iſt, und lauett,
wie er uns erhaſche, daß er uns nicht ſeine Ge⸗
danken oder Schein für Gottes Wort dargebe.
Wir haben die Artikel unſers Glaubens in der
Schrift gnugſam gegründet, da halte dich an, und.
laß dir es nicht mit Gloſſen drehen, und nach der
Vernunft deuten, wie ſichs reime oder nicht ꝛr.,
ſondern wenn man dir anders aus der Vernunft
und deinen Gedanken will hinan ſchmieren, ſo
ſprich: Hier habe ich das dürre Gottes Wort und
English translation
Not yet translated.