# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 05 25_S130 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) hier einerſeits das Herz König Friedrichs ergriff und für die armen Heiden bewegte, der hatte ſich ſchon vorher Männer bereitet, tüchtig zu treiben das Evangelium.des Friedens. Es war Bartho⸗ lomäus Ziegenbalg' aus dem Städichen Pulsnitz in der Oberlauſitz. Er war frühe ein Waiſe geworden. Seine Mutter ſtarb zuerſt. Als ſie auf dem Todtenbette lag, ſprach ſie zu ihren Kindern: „Liebe Kinder, ich habe Euch einen großen Schatz geſammelt, einen ſehr großen Schatz habe ich Euch geſammelt.“ Als nun die älteſte Tochter nach dem Orte fragte, wo der Schatz liege, antwortete ſie: „Suchet ihn in der Bibel, meine lieben Kinder, da werdet ihr ihn finden, denn ich habe ein jedwedes Blatt mit meinen Thränen ge⸗ netzt.“ Dieſe Worte, in dem Tone des Abſchieds geſprochen, haben die Kinder nie wieder vergeſſen können. Auch der Vater muß ein tief gottſeliger Mann geweſen ſein, der dem Tode mit Ruhe, wohl gar mit Freudigkeit entgegenſah. Schon bei ſeinen Lebzeiten hatte er ſich ſeinen Sarg ma⸗ chen laſſen und denſelben in ſeinem Hauſe hinge⸗ ſtellt. Als er nun einſtmals ſchwer erkrankt war, brach in dem Städtchen eine Feuersbrunſt aus, die ſo gewaltig um ſich griff, daß ſie mit ihren Flammen auch über das Haus des kranken Zie⸗ genbalg zuſammenſchlug. Er war nicht im Stande, ſich von dem Lager zu erheben. Die Hausgenoſ⸗ ſen wußten auch nicht, was ſie in der Gefahr und Angſt für ihn thun ſollten. Da entſchloſſen ſie ſich kurz, betteten ihn in den bereit ſtehenden Sarg, trugen ihn ſo durch die Flammen auf den Markt und ſetzten ihn da nieder. Und doit, auf dem Marikte im Sarge, neben ſeinem brennenden Hauſe, ging er ein zu ſeiner Ruhe. — Kann es uns wun⸗ dern, daß Kinder, denen ihre Eltern noch im Sterben ſo mit dem Wort und mit gläubiger To⸗ desfreudigkeit vorleuchten, im Glauben von früher Jugend an die Wege des HErrn wandeln? Die älteſte Schweſter vertrat an dem Bartholomäus Vater- und Mutterſtelle. Noch ſind Briefe von ihr da, in denen ſie den Knaben auf der Schule ermahnt, ja den HErrn nicht zu vergeſſen, der ſich für ihn in den Tod gegeben habe. O wenn doch die Mütter, die an ihre Kinder auf Schulen ſchrei⸗ ben, heute auch noch ſolche Briefe ſchrieben. In Berlin und Halle, unter der Führung Ph. Spe⸗ ners und A. H. Frankens ſtudirte der Jüngling Theologie. Er war der erſte, auf den Frankens Wahl fiel, als ihm die Aufforderung des Königs von Dänemark zukam. Zu ihm fügte er dann noch den Heinrich Plütſchow aus Weſſenberg in Mecklenburg, von deſſen Jugend ich Euch nichts zu ſagen weiß. — Dieſe beiden Männer ſind die erſten Miſſionare unſerer Kirche geweſen. — Als der König von ihrer Willigkeit zum Miſſions⸗ berufe hörte, ließ er ſie eilig nach Kopenhagen kommen, ließ ſie dort prüfen und zum Predigt⸗ und Miſſionsamte einſegnen. Den 29ſten No⸗ vember 1705 ſegelte das erſte Schiff mit prote⸗ ſtantiſchen Miſſionaren, Sophia Hedwig, dem Heidenlande zu. Als ſie dort ankamen, ergriffen ſie ihr Werk mit größtem Eifer, aber in herzlicher Demuth. Sie, die in Deuiſchland zu den tüchtigſten Candidaten 130 der Theologie gehört hatten, ſchämten ſich dort nicht, zu einem heidniſchen Schulmeiſter in die Schule zu gehen, ſich mit den armen Tamulen⸗ kindern auf den platten Boden niederzuſetzen, und die Buchſtaben und Wörter der Landesſprache mit einem Stocke im Sande nachzumalen, damit ſie nur erſt die Sprache der Eingebornen lernten. Ein anderes lebendiges Zeugniß von Z.8 großer Demuth iſt der Ausſpruch, mit dem er in ſchwerer Krankheit ſpäter ſeine Mitarbeiter tröſtete: „Wenn ein Knecht auf ſeinem Gute ſtirbt, geht ja damit die Wirthſchaft nicht zu Grunde; vielweniger die Kirche Chriſti, wenn ich abgerufen werde.“ — König Friedrich ſorgte auf's Treueſte für ſeine Boten. Er wies jedem einen beſtimmten Gehalt von 200 Thaler an. Dazu ließ er in ſeinen Län⸗ dern für ſie collectiren. Als er hörte, daß ihre Arbeit dort einigen Erfolg hatte, da käm er, wie es in den alten Berichten heißt, mit neuer und mehrerer Bewegung zu ſeinem greiſen Hof⸗ prediger und ſprach: Herr Doctor, ſchafft mir Leute! Bald ſandte er ihnen noch drei Boten nach, bei deren Ausrüſtung Hohe und Niedere, Adelige und Bürgerliche miteinander wetteiferten. Jeder wollte etwas thun. Als er in Erfahrung brachte, daß ſein dortiger Statthalter Haſſius an den Miſſio⸗ naren allerlei Härte und Unrecht verübt hatte, und zwar nicht ohne Zuhetzen der Jeſuiten, die ſich dort während der proteſtantiſchen Trägheit eingeniſtet hatten, erklärte er ſeinem ganzen Hofe bei Tafel, daß er mit dem unverantwortlichen Tractament, das ſeine Arbeiter hätten ausſtehen müſſen, durchaus nicht zu⸗ frieden ſei, er werde ſie kräftigſt in ihrem Amte zu ſchützen wiſſen. Schwätzern und Zungendre⸗ ſchern, die aus eignem Unglauben und aus Träg⸗ heit ſpitze Reden über die Miſſion führten, ſtopfte er mit ſcharfer Rede den Mund. Im Jahre 1712 machte er eine ewige Stiftung, nach welcher jährlich 2000 Thaler in Kronenthalern aus den Poſteinkünften ausgezahlt werden ſollten zur Un⸗ terhaltung von Predigern und Schullehrern in Indien. Das war das Letzte, was ſein treuer Rathgeber, der Probſt Lütkens, noch erlebte. Lange war er ſchon von Krankheit niedergebeugt. Aber auch in der Krankheit konnte er nie ohne tiefe Rührung reden von dem Werke, an dem ihn der HErr gewürdigt hatte Mitarbeiter zu ſein. Sein Ruhm war, daß er habe Holz zutragen helfen, als er dies Feuer in der Seele ſeines königlichen Herrn habe aufgehen ſehen. Als er die Botſchaft erhielt von der ewigen Stiftung ſeines Königs, wurde der Geiſt des faſt erſtorbenen Mannes noch einmal lebendig, die Freude leuchtete ihm aus dem ganzen Angeſichte und er rief aus: Nun will ich gerne ſter— ben, nachdem ich dieſe Freude erlebt habe. Gott ſegne den König! —Auch nach ſeinem Tode blieb der König dem begonnenen Werke in herzlicher Treue zugethan. Trotz des ſchweren Krieges ſandte er im Jahie 1714 außer dem Gehalte aus der Poſtkaſſe den Miſſionaren noch 2000 Thaler. Das Schiff Dansborg aber, das dieſelben überbringen ſollte, ging bei Skagen andere 2000 Thaler durch ein engliſches Schif und ſchreibet dazu mit eigener Hand: da das Schiff durch göttliche Zulaſſung in dem großen Sturme untergegangen ſei, wolle er ſie doch an dieſem Un⸗ glücksfall ſeinen Theil nehmen laſſen, er ſchickt ihnen hiermit dieſelbe Summe wieder. Im Jahre 1715 kam Ziegenbalg nach Europa, beſuchte ſei⸗ nen König im Kriegslager vor Stralſund und ſtellte ihm einen bekehrten indiſchen Knaben vor, der ihm für ſeine dem armen Heidenvolk bewieſene Liebe dankte. Der König ließ ihn im Lager vor ſich predigen, und freute ſich über den Glaubens⸗ muth des Mannes, der ſo bald als möglich in ſein Heidenland zurückkehren wollte. Der König ver⸗ ſicherte ihn ſeiner Treue und Hülfe auf alle Zeiten. Weil aber ſein treuer Probſt zu ſeiner Ruhe ein⸗ gegangen war, ſtiftete er ein Collegium, das für die Zukunft dem Miſſionswerke mit Einſicht und Kraft vorſtehen ſollte. Die Stiftungsurkunde ſchließt mit den Worten: „So laßt uns denn ins⸗ geſammt mit vereinigten Kräften und Herzen ſchaffen, was der gute und wohlgefällige Wille Gottes anweiſet und das Elend der Menſchen er⸗ fordert. Die Gelegenheit iſt jetzt vorhanden, die Ernte iſt groß. Als wir denn nun Zeit haben, ſo laßt uns Gutes thun, auf daß wir zu ſeiner Zeit ernten ohne Aufhören. Er ſelbſt der HErr, der ewige Gott, wird zu unſerm Pflanzen und Be⸗ gießen das Gedeihen geben, daß der Same ſeines Wortes, der unter den Heiden ausgeſtreuet wird, hundertfältige Frucht trage. Der HErr iſt treu, der es verheißen hat, er wird's auch thun. Ihm ſei Ehre in Ewigkeit!“ — Das iſt der Anfang, die Geburt und Kindheit unſerer lutheriſchen Miſſion. Nach und nach ſind in Trankebar dem HErrn an 30,000 Seelen aus dem Heidenvolke gewonnen. * (Eingeſandt von Paſtor Keyl.) Die urſprüngliche Gattesdienſtordnung in den deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes. (Fortſetzung.) Das Himmelfahrtsfeſt iſt je und je als ein ganzer Feiertag begangen worden; das Evan⸗ gelium zeigt uns eine ſelige Frucht der Himmel⸗ fahrt Chriſti und ſeines Sitzens zur rechten Hand Goites, nemlich die Verkündigung des Evangelii in aller Welt, die Epiſtel aber gibt uns Bericht über die Himmelfahrt ſelbſt. ö Der Sonntag Exaudi enthält in ſeinem Evangelio eine tröſtliche Verheißung von der Sen⸗ dung des Heiligen Geiſtes zur Verkündigung des Evangeliums und zur Ueberwindung des damit verbundenen Kreuzes. x Das Pfingſtfeſt wird gefeiert zu Lob und Preis Goties des Heiligen Geiſtes und ſeiner Werke. Das erſte Evangelium, Joh. 14., lehret, wie Dr. Luther ſagt, daß das ganze Leben eines Chriſten ein rechter herrlicher neuer Pfingſttag werde, indem der Heilige Geiſt des Menſchen Herz ſelbſt zubereitet und weihet zum heiligen Haus und Wohnung Gottes; von dem allen iſt die Ge⸗ ſchichte der Ausgießung des Heiligen Geiſtes im Sturm unter. Da ſchickt er ſeinen Arbeitern Apoſtelg. 2. ein liebliches Vorbild. Das zweite