Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 13 › Seite 100
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-02-16, Seite 100
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 58
tes in verklärten Leibern, d. i. das ewige Leben —
daß Alles dies eine Folge und Wirkung der heili⸗
gen Taufe ſei. —
Was wollen nun die Schwärmer ſolcher klaren
Stelle gegenüber thun? dürfen ſie es wagen, die⸗
ſelbe nach beliebter und gewohnter Weiſe zu über⸗
hüpfen und die Wiedergeburt und Erneuerung
ihren Feld⸗ und verlängerten Verſammlungen,
ihrer Bußbank nebſt Zubehör, ihren Knie- und
Schreigebeten oder irgendwelchen ſelbſtgemachten
Geſetzeswerken und Treibereien zuzueignen? Frei⸗
lich wagen ſie es; aber ſie beweiſen eben damit,
daß ſie mit ſehenden Augen nicht ſehen und mit
hörenden Ohren nicht hören.
Daß allerdings zu dieſer geſegneten Wirkung
der heiligen Taufe von Seiten Gottes der Glaube
von Seiten der Menſchen gehöre, iſt aus Mare.
16, 16 klar und offenbar, da es heißt: „Wer da
glaubet und getauft wird, der wir ſelig werden.“
Denn wie zum Licht das offene Auge gehört, da⸗
mit man ſehe, zum Schall das Ohr, damit man
höre, zur Speiſe die Zunge und der Magen, da⸗
mit man ſchiecke und verdaue, zum Almoſen die
offene Hand, damit man empfange, ſo gehört auch
zu Gottes geiſtlicher Gnaden- und Gebehand in
der heiligen Taufe die geiſtliche Nehmehand des
Menſchen, d. i. der Glaube, damit man jene gna⸗
denreichen Wirkungen der Taufe empfange und
jener göttlichen Heilsgüter theilhaftig werde.
Aber ſo wenig dein Auge der Sonne ihr Licht
gibet oder leuchten hilft, ſo wenig dein Ohr den
Schall macht oder tönen hilft u. ſ. f., eben ſo we⸗
nig macht der Glaube das Weſen und die Wir⸗
kung der heiligen Taufe oder hilft ſie machen, wie
meiſt die Schwänner verworren durcheinander
plaudern. Gottes Werk, Wille und Ordnung
iſt es allein, daß z. B. die Sonne leuchtet, Du
mögeſt dein Auge auf- oder zumachen; eben ſo iſt
es lediglich des HErrn Chriſti Einſetzungs⸗ und
Verheihungswort, daß die heilige Taufe jenen
Segen in ſich enthält und von ſich gibt, Du mö⸗
geſt glauben oder nicht; aber ſo gewiß Du im
Finſtern bleibeſt, wenn Du dem Sonnenlicht Dein
Auge verſchließeſt, ſo gewiß bleibeſt Du in der
Schuld der Erbſünde, unter dem Fluche des Ge⸗
ſetzes und dem Zorne Gottes, wenn Du der gött⸗
lichen Gnade und Verheißung im Evangelio und
der heiligen Taufe durch Unglauben Dein Herz
verſchließeſt.
Das ſei nun auf diesmal genug von dem We⸗
ſen und der Wirkung der heiligen Taufe wider
die Angriffe der Schwärmer; das nächſte Mal
wollen wir noch kürzlich von dem rechten Ge—
brauch und dem Mißbrauch der heiligen
Taufe handeln. Der getreue Gott wolle es aus
Gnaden verleihen, daß wir durch gegenwärtige
Betrachtung in der Erkenntniß der heilſamen
Lehre von der heiligen Taufe von Neuem befeſtigt
ſeien, um IEſu Chriſti, unſers HErrn willen,
Amen! —
10⁰
Briefe des „Beſuchers“ (einheimiſchen Miſſio⸗
narz) der deutſchen evang.⸗lutheriſchen Synode
von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten an
den Redacteur.
(Fortſetzung.)
Davenport, Jowa, (Sonntag Abends)
19ten November.
Die Feindſchaft der Welt gegen das Evange⸗
lium blieb hier nicht aus. Als ich am heutigen
Morgen mich nach dem Courthauſe begeben wollte,
um dort den Gottesdienſt zu halten, wurde mir
gemeldet, daß ein gottloſer Menſch den Schlüſſel
zu dem betreffenden Saale ſich liſtiger Weiſe zu
verſchaffen gewußt hätte, um die Abhaltung des
Gottesdienſtes zu verhindern und dafür mit ſeines
Gleichen eine Berathung zur Bildung eines deut—
ſchen Krankenvereins zu veranſtalten! Um ſo er⸗
freulicher war es daher, daß mir die Pres byteria⸗
ner für den Nachmittag auf ein paar Stunden
ihre Kirche einräumten, in der ich denn vor einer
nicht gar kleinen Verſammlung über Matth. 16,
26. predigte. Freilich, der Inhalt meiner Pre⸗
digt mag manchem nicht gemundet haben.
Nach der Predigt machte ich zu meinem Erſtau⸗
nen die Bekanntſchaft eines holſteiniſchen Paſtors,
der hauptſächlich um der bedenklichen politiſchen
Verhältniſſe Holſteins willen ſein Pfarramt nie⸗
dergelegt hatte, vor etlichen Wochen mit ſeiner
Familie erſt angekommen iſt und dermalen im
Lande bei ſeinem Bruder, einem der Schullehrer,
ſich aufhält. Er erkundigte ſich genau nach den
pfarramtlichen Verhältniſſen in Nordamerika, wie
auch nach unſerer Synode, und als ich ihn fragte,
ob er denn nicht Luſt hätte, den deutſchen Luthe⸗
ranern in Davenport als Paſtor vorzuſtehen, ver⸗
neinte er es aus denſelben Gründen, die meine
Hoffnung für dieſen Ort ſchon vorher ſo herabge⸗
ſtimmt hatten.
Dieſen Abend beſprach ich noch mit Etlichen die
Bildung einer lutheriſchen Gemeinde und die Be⸗
rufung eines Paſtors und empfahl ihnen als ge⸗
eigneten Mann unſern lieben holſteiniſchen Freund
St. Aber eben die meiſten, und unter ihnen die
Einflußreichſten, wollen einen Mann haben, der
gelehrt, vielſeitig gebildet, ein hinreißender Redner
und dabei doch ſo glatt und abgeſchliffen iſt, daß
er bei keinem anſtößt, ſondern Allen wohlgefällt.
Nun, nach einem ſolchen mögen ſie wohl lange
ſuchen!
Soweit ich nun die Leute kennen lernte, fand
ich, daß die Zahl derjenigen, die ihren einfältigen
Katechismusglauben noch nicht als unbrauchbare
Waare auf die Seite gelegt haben, ſehr gering iſt.
Dieſe ſind, wie mir das einer ſelbſt bekannte, mit
dem Weſen und Treiben der Mehrzahl nicht zu⸗
frieden und möchten wohl gerne einen rechtgläu⸗
bigen Paſtor haben; aber zum Theil ſind ſie zu
ſchwach, theils zu muthlos, um ſich mit eiwas
ſchweren Opfern die lautere Predigt zu erkau⸗
fen. Dieſen Wenigen ſollten wir daher einen Pre⸗
diger ſetzen und aus unſerer Synodalkaſſe ſo lange
unterſtützen können, bis die Gemeinde an Zahl
größer geworden wäre. Das würde ſo gar lange
nicht anſtehen. Es würden ſich um einen bekennt⸗
nißtreuen Paſtor vielleicht mehr ſammeln, als es
den Anſchein hat, und, wie mir jener Paſtor und
noch andere verſicherten, iſt für das kommende
Jahr ein bedeutender Nachzug aus Holſtein zu
erwarten. Wie viel geſchieht doch in dieſer Weiſt
von den Secten! Sollien wir Lutheraner an Eifer
für einheimiſche Miſſion hinter denſelben immer
noch zurückſtehen wollen?
Davenport liegt ſo lieblich und für das deutſche
Gemüth ſo anziehend; deutſche Sprache und Sitte
könnte hier ſo leicht erhalten und recht gepflegt
werden — und in den Herzen und Häuſern ſiehts
ſo öd' und traurig aus für ein Auge, das mehr
als eine äußerliche Bildung ſucht! O HErr, daß
doch in dieſem irdiſchen Garten auch dein reines
Wort und Sacrament ſich noch finden ſollte und
um dasſelbe her ein Häuflein lebendiger Be⸗
kenner!
Ich bealeite dieſen Brief morgen noch bis
Bloomington. Von da an mag er allein ſeines
Weges ziehen und bald in deine Hände gelangen.
Gedenke dabei fürbittend
Deines ꝛc. ö
Lochner.
Bloomington, Jowa, den 26. November.
Lieber Bruder!
Seit ein paar Tagen liege ich hier, ſehnſüchtig
auf ein Dampfboot wartend, das mich nach Bur⸗
lington bringen ſoll. Das Zimmer des Gaſt⸗
hofes, in dem ich logire, iſt angefüllt von Gäſten
und „Dollars“ und „Prozent“ das ewige Einer⸗
lei der Unterhaltung. Müde, ſolches Geſpräch
noch länger anzuhören, habe ich mich in einen
Winkel zurückgezogen und Feder und Papier zur
Hand genommen, um Dir mit dieſem Briefe nur
um ſo viel näher zu rücken.
Es iſt dies ſchon das zweite Mal, daß ich hier
bin. Als ich am Montag hier aukam, vemahm
ich, daß am andern Morgen eine Gelegenheit nach
Jowa City gehe, das dreißig Meilen von hier
landeinwärts liegt. Ich hatte ſchon auf meiner
Reiſe hieher gehört, daß in dieſer erſt aufblühenden
Stadt viel predigerloſe Deutſche wohnten, und ſo
war ich denn alsbald entſchloſſen, am andern
Morgen dahin abzugehen. In Geſellſchaft eines
presbyterianiſchen Predigers, der erſt ſeit kurzem
als Miſſionar ſich in Jowa City aufhält, kam ich
am Dienstag-Abend daſelbſt an. Durch einen
Fleiſcher aus Gera, den ich kurz vor meiner Abreiſe
kennen lernte, wurde ich an eine Wittwe empfoh⸗
len, die ich denn auch ſogleich nach meiner Ankunft
aufſuchte. Die Frau betrachiete mich anfangs
mit mißtrauiſchen Augen, und erzählte nir, was
ſie ſchon alles ſowohl in ihrem früheren Wohnort
in Ohio, als hier in Jowa City von geiſtlichen
Vagabunden zu erleiden gehabt hätte; voch als
ich mich mit ihr weiter unterhielt und ihr dann
Katechismen und einige andere Schriften anbot,
ließ ſie das Mißtrauen fahren und wurde ganz
offenherzig. Sie klagte mir unter anderem, daß
ſie als Lutheranerin ſchon ſeit lange bitteren Man⸗
gel an Seelenpflege leide, und weil gar keine Aus⸗
ſicht ſei, daß je ein rechtgläubiger Prediger nach
Jowa City komme, und die Sehnſucht nach Got⸗
tesdienſt oft zu ſtark in ihr werde, ſo gehe ſie, weil
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