Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 13 › Seite 98
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-02-16, Seite 98
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 3 · Taufe 1 · Taufe 2 · Taufe 11 · Taufe 50 · Taufe 75
ſo geſchah es durch die treue Fürſorge des HErrn
der Kirche alſo, daß gerade das Gegentheil erfolgte.
So hoffen wir denn auch, daß die Angriffe des
hieſigen methodiſtiſchen Freibeuters auf die hei⸗
lige Taufe uns Lutheraner nur um ſo feſter und
gewiſſer in der heilſamen Lehre des göttlichen
Wortes von dieſem heiligen Sacramente machen
werden, wie freilich die heilige Kirche, als Pfeiler
und Grundveſte der Wahrheit, von Anfang ge—
lehret, aber zur Zeit, da die Reformirten und
Taufſchwärmer aufkamen, vornehmlich durch Lu—
thers Arbeit, noch klarer an Tag gekommen iſt
Wir wollen alſo, nach Anleitung un ſers Tertes,
Matth. 28, 18 — 20., und unter dem Beiſtande
Gottes des Heiligen Geiſtes mit einander handeln:
Hon der heiligen Caufe;
und zwar in dieſer erſten Predigt in folgenden
zwei Fragen:
J. Was iſt ſie?
II. Was wirket ſie?
J. Was iſt ſie?
Unſer Methodiſt, ein abgefallener Lutheraner,
hält ſie, auf gut und altſchwärmeriſch, und der
Meinung der Reformirten gemäß, für eine blos
äußerliche Waſſertaufe, die an und für ſich nichts
ſei als ein Unterſcheidungszeichen zwiſchen Chri⸗
ſten und Heiden und keine Gnade mitthelle, wenn
nicht die Geiſtes- und Bluttaufe hinzukomme;
wer ſelig werden wolle, müſſe alle dieſe drei Tau⸗
fen haben.
Darauf iſt nun Folgendes zu erwidern:
Was nämlich zuerſt die Geiſtes- und Bluttaufe
betrifft, ſo iſt klar und offenbar, daß hier das
Wort: Taufe nicht in ſeiner eigentlichen Be—
deutung ſteht, ſondern bildlich zu verſtehen iſt, wie
ja auch in den Stellen, die davon handeln, die
Taufe nicht eigentlich von dem HErrn Chriſto
eingeſetzt iſt. Wenn alſo der Heiland Luc 12,
50. von ſeiner Leidenstaufe handelt (vergleiche
Matth. 20, 22.), ſo meint er dieſes, daß, wie der
Täufling (dem urſprünglichen Brauche gemäß)
ganz und gar unter das Waſſer getaucht und von
dieſem bedeckt werde, alſo müſſe auch Er gleichſam
von Strömen des Leidens, zumal am Fluchholze,
überfluthet und in ſein blutiges Sterben gar ver—
ſenket werden. Aehnlich hält es ſich denn auch
mit der andern Stelle von der Geiſtestaufe.
Denn wenn Johannes der Täufer Matth. 3, 11.
(vergleiche Luc. 3, 16.N ausſagt, daß der HErr
Chriſtus werde mit dem Heiligen Geiſte und mit
Feuer taufen, ſo iſt wiederum dies die Meinung,
daß die Jünger gleichſam mit einem Feuerſtrom
des Heiligen Geiſtes würden überſtrömt und mit
ihm ſeliglich bedeckt werden. Und dieſes ging ja
auch, wie wir wiſſen, am Tage der Pfingſten in
Erfüllung, wobei zugleich die feurigen Zungen die
Gaben der verſchiedenen Sprachen anzeigten, in
welchen ſofort die Apoſtel die großen Thaten Got⸗
tes verkündigten. (Apg. 2, 1—11.)
Dieſelbe Bewandtniß hat es auch noch mit
einer dritten Stelle, wo gleichfalls bildlich und
uneigenilich vom Taufen die Rede iſt. Denn
wenn Paulus 1 Cor. 10, 1.2. ſagt: „unſere Vä⸗
ter ſind alle unter der Wolke geweſen und ſind
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alle durch das Meer gegangen und ſind alle unter
Moſes getauft mit der Wolke und mit dem
Meer“, ſo will er damit Folgendes anzeigen:
Gleichwie die Kinder Iſrael, unter der Führung
der Lichtwolke und des Moſes, das rothe Meer
durchſchritten und dadurch von der Herrſchaft
Pharao's errettet wurden, dieſer dagegen mit all
ſeinem Heer im Meer umkam, alſo werden wir
durch die heilige Taufe von der Herrſchaft des
hölliſchen Pharao, d. i. des Teufels und der Sünde
befreiet. Ferner — denn Pharao iſt nicht blos ein
Bild des Satans, ſondern auch des alten Adams —
wie Pharao mit den Seinen vom Meere erſäuft
ward, alſo wird durch die heilige Taufe, als das
Bad der Wiedergeburt, der alte Menſch mit
ſeinen Sünden ertränkt. —
Aus näherer Betrachtung dieſer Stellen alſo,
die von der Blut-, Geiſtes- und Wolkentaufe
handeln, haben wir hoffentlich ſattſam gelernet,
daß ſie mancherlei Aehnlichkeit mit der heiligen
Taufe, keineswegs aber das Weſen derſelben
ausdrücken und daß es die Unart der Schwär⸗
mer ſei, ſolche bildliche Stellen als eigentlich zu
nehmen.
Zum andern aber iſt es durchaus unwahr,
wenn unſer Taufſchwärmer, nach Art ſeiner Brü⸗
der, verächtlich von der heiligen Taufe redet und
ſie eine blos „äußerliche Waſſertaufe“ nennt, „die
nicht den Heiligen Geiſt mittheile“, den er freilich
viel eher von der Bußbank und anderweitigen
methodiſtiſchen Bekehranſtalten erwartet; denn
der heilige Apoſtel nennt dieſe verachtete Waſſer—
taufe Epheſ. 5, 26. „das Waſſerbad im Worte“,
durch welche der HErr Chriſtus ſeine Ge—
meinde reinige; dies Wort aber, nämlich
das der Einſetzung. Matth. 28, 19., iſt ja kein
Menſchenwort, ſondern das Wort des allmäch—
tigen Sohnes Gottes, durch den Himmel und
Erde geſchaffen ſind und der durch dies ſein
Wort auch im Waſſer ausrichten kann, was Er
will; es iſt das Wort des wahrhaftigen
Sohnes Gottes, der durch dies ſein Wort im Waſ⸗
ſer auch wirklich ausrichtete, was er Marc. 16, 16.
verheißen und zugeſagt hat.
Daher iſt die heilige Taufe oder dies „Waſſer—
bad im Worte“ ein Gotteswerk, eine gött—
liche Ordnung und ein göttliches Gnaden—
mittel, durch welches der HErr im irdiſchen Mittel
des Waſſers himmliſche Güter dem einzelnen
Menſchen anbietet, zueignet und verſiegelt. Und
wenn gleich die taufenden Diener der Kirche
ſündhafte und ſterbliche Menſchen ſind, ſo iſt doch
das Wort des Befehls und der Einſetzung: ich
taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geiſtes, auch in ihrem Munde
das lebendige und kräftige Goiteswort, welches
dasſelbe iſt und wirkt von ſeiner erſten Sprechung
an bis zum jüngſten Tage; und gleichwie die
Sonne am Himmel jetzt und am letzten Tage die⸗
ſes Weltlaufs mit demſelben Glanze ſtrahlet, mit
derſelben Kraft und Schönheit wärmet und leuch—
tet als am Tage ihrer Schöpfung, alſo hält es ſich
auch mit der Sonne der Wahrheit zur Seligkeit,
mit Gottes Wort, das auch im Munde ohn⸗
mächtiger Menſchen nimmer veraltet und ab⸗
nimmt und dieſelbe Macht und Herrlichkeit be—
hält, ja das da bleibet, wenn Himmel und Erde
vergehen.
Weil alſo dies Wort Gottes mit und bei dem
Waſſer iſt und das ſelbe durchdringt, ſo iſt es
durchgeiſtetes, durchchriſtetes, durchgottetes Wa⸗
ſer und es iſt entweder grobe Unwiſſenheit oder 3
böswillige Läſterung, wenn die Taufſchwärmer;
immerdar ſchreien: „Waſſertaufe, Waſſer—
taufe!“ „Wie kann Waſſer ſolche große Dinge
thun?“ als ſei Gottes Wort, das mit dem Waf⸗
ſer ſacramentlich verbunden iſt, eben ſo leer und
nichtig als ihr eigenes Wort. Oder iſt es nicht
alſo, daß unſer HErr Chriſtus von all ſeinen
Worten ſagt: „ſie ſind Geiſt und Leben“? Und
ſollten davon die feierlichen und inhaltsſchweren
Worte, darin er die heilige Taufe ſtiftet, eine
Ausnahme machen? Sollten gerade dieſe geiſtlos
ſein, alſo auch Geiſt und Leben nicht mittheilen,
ſondern müßig und leer daſtehen und die Mit⸗
theilung des Heiligen Geiſtes den ſelbſtgemachten
Uebungen und Anſtalten, dem Beten, Singen,!
Schreien, Seufzen, Stöhnen, Aechzen u. ſ. w. der
werktreiberiſchen Schwärmer überlaſſen, die in
ihren geiſtloſen Fündlein und Künſten, zu
Schmach und Beſchädigung des einfältigen Evan⸗
geliums und der unſcheinbaren Taufe, ein neues
Geſetz aufrichten und ihren Verführten ein neues
Joch aufladen? Das ſei ferne! — ö
Vielmehr ſei es alſo, wie unſer HErr Chriſtus
dem Nikodemus ſagte, der ohne Zweifel die Frage
in ſeinem Herzen bewegte: „Was ſoll ich thun,
daß ich in das Reich Gottes komme und ſelig
werde?“ — Wie ſaget da der Herzenskündiget.
Joh. 3, 5.? „Wahrlich, wahrlich, ich ſage dir“
(mit dieſer zwiefachen Betheurung hebet er an),
„es ſei denn, daß Jemand geboren werde aus dem
Waſſer und Geiſt, ſo kann er nicht in das Reich
Gottes kommen.“
Mit dieſem gewichtigen Worte hat denn die
ſelbſtſtändige Wahrheit und Weisheit auch alle
Taufſchwärmer aller Zeiten und Völker berichtet;
denn daraus iſt erſichtlich, daß es nicht zwei und
zweierlei wirkliche Taufen giebt, eine Waſſer- und
eine Geiſtestaufe; das Wörtlein „aus“ nemlich
gehört zu „Waſſer“ eben ſo als zu „Geiſt“
und jenem wie dieſem wird das Wiedergebären
zugeſprochen, welches alſo weder der Heilige Geiſt
ohne das Waſſer, noch das Waſſer ohne den Hei⸗
ligen Geiſt ausrichtet. Was aber verbindet beide?
Nichts anderes, als eben jenes Befehls⸗ und
Einſetzungswort des allmächtigen Sohnes Got⸗
tes; ohne dieſes Wort iſt freilich das Waſſer
ſchlecht, d. i. gewöhnlich Waſſer und keine Taufe,
aber mit dem Worte Gottes iſt es eine Taufe,
d. i. ein gnadenreich Waſſer des Lebens und
ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geiſte.
Der Inhalt aber dieſes Wortes iſt ein dreifacher.
Zuerſt nemlich heißt „im Namen“ des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geiſtes taufen, die⸗
ſes auf Befehl und Geheiß desſelben ausrichten,
wie ja auch Botſchafter irdiſcher Fürſten nur auf
Befehl derſelben ihren Auftrag vollziehen. Zum!
Andern aber heißt „im Namen“ u. ſ. w. auch
dieſes, anſtatt und in Vertretung des dreieinigen
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