# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S100 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) tes in verklärten Leibern, d. i. das ewige Leben — daß Alles dies eine Folge und Wirkung der heili⸗ gen Taufe ſei. — Was wollen nun die Schwärmer ſolcher klaren Stelle gegenüber thun? dürfen ſie es wagen, die⸗ ſelbe nach beliebter und gewohnter Weiſe zu über⸗ hüpfen und die Wiedergeburt und Erneuerung ihren Feld⸗ und verlängerten Verſammlungen, ihrer Bußbank nebſt Zubehör, ihren Knie- und Schreigebeten oder irgendwelchen ſelbſtgemachten Geſetzeswerken und Treibereien zuzueignen? Frei⸗ lich wagen ſie es; aber ſie beweiſen eben damit, daß ſie mit ſehenden Augen nicht ſehen und mit hörenden Ohren nicht hören. Daß allerdings zu dieſer geſegneten Wirkung der heiligen Taufe von Seiten Gottes der Glaube von Seiten der Menſchen gehöre, iſt aus Mare. 16, 16 klar und offenbar, da es heißt: „Wer da glaubet und getauft wird, der wir ſelig werden.“ Denn wie zum Licht das offene Auge gehört, da⸗ mit man ſehe, zum Schall das Ohr, damit man höre, zur Speiſe die Zunge und der Magen, da⸗ mit man ſchiecke und verdaue, zum Almoſen die offene Hand, damit man empfange, ſo gehört auch zu Gottes geiſtlicher Gnaden- und Gebehand in der heiligen Taufe die geiſtliche Nehmehand des Menſchen, d. i. der Glaube, damit man jene gna⸗ denreichen Wirkungen der Taufe empfange und jener göttlichen Heilsgüter theilhaftig werde. Aber ſo wenig dein Auge der Sonne ihr Licht gibet oder leuchten hilft, ſo wenig dein Ohr den Schall macht oder tönen hilft u. ſ. f., eben ſo we⸗ nig macht der Glaube das Weſen und die Wir⸗ kung der heiligen Taufe oder hilft ſie machen, wie meiſt die Schwänner verworren durcheinander plaudern. Gottes Werk, Wille und Ordnung iſt es allein, daß z. B. die Sonne leuchtet, Du mögeſt dein Auge auf- oder zumachen; eben ſo iſt es lediglich des HErrn Chriſti Einſetzungs⸗ und Verheihungswort, daß die heilige Taufe jenen Segen in ſich enthält und von ſich gibt, Du mö⸗ geſt glauben oder nicht; aber ſo gewiß Du im Finſtern bleibeſt, wenn Du dem Sonnenlicht Dein Auge verſchließeſt, ſo gewiß bleibeſt Du in der Schuld der Erbſünde, unter dem Fluche des Ge⸗ ſetzes und dem Zorne Gottes, wenn Du der gött⸗ lichen Gnade und Verheißung im Evangelio und der heiligen Taufe durch Unglauben Dein Herz verſchließeſt. Das ſei nun auf diesmal genug von dem We⸗ ſen und der Wirkung der heiligen Taufe wider die Angriffe der Schwärmer; das nächſte Mal wollen wir noch kürzlich von dem rechten Ge— brauch und dem Mißbrauch der heiligen Taufe handeln. Der getreue Gott wolle es aus Gnaden verleihen, daß wir durch gegenwärtige Betrachtung in der Erkenntniß der heilſamen Lehre von der heiligen Taufe von Neuem befeſtigt ſeien, um IEſu Chriſti, unſers HErrn willen, Amen! — 10⁰ Briefe des „Beſuchers“ (einheimiſchen Miſſio⸗ narz) der deutſchen evang.⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten an den Redacteur. (Fortſetzung.) Davenport, Jowa, (Sonntag Abends) 19ten November. Die Feindſchaft der Welt gegen das Evange⸗ lium blieb hier nicht aus. Als ich am heutigen Morgen mich nach dem Courthauſe begeben wollte, um dort den Gottesdienſt zu halten, wurde mir gemeldet, daß ein gottloſer Menſch den Schlüſſel zu dem betreffenden Saale ſich liſtiger Weiſe zu verſchaffen gewußt hätte, um die Abhaltung des Gottesdienſtes zu verhindern und dafür mit ſeines Gleichen eine Berathung zur Bildung eines deut— ſchen Krankenvereins zu veranſtalten! Um ſo er⸗ freulicher war es daher, daß mir die Pres byteria⸗ ner für den Nachmittag auf ein paar Stunden ihre Kirche einräumten, in der ich denn vor einer nicht gar kleinen Verſammlung über Matth. 16, 26. predigte. Freilich, der Inhalt meiner Pre⸗ digt mag manchem nicht gemundet haben. Nach der Predigt machte ich zu meinem Erſtau⸗ nen die Bekanntſchaft eines holſteiniſchen Paſtors, der hauptſächlich um der bedenklichen politiſchen Verhältniſſe Holſteins willen ſein Pfarramt nie⸗ dergelegt hatte, vor etlichen Wochen mit ſeiner Familie erſt angekommen iſt und dermalen im Lande bei ſeinem Bruder, einem der Schullehrer, ſich aufhält. Er erkundigte ſich genau nach den pfarramtlichen Verhältniſſen in Nordamerika, wie auch nach unſerer Synode, und als ich ihn fragte, ob er denn nicht Luſt hätte, den deutſchen Luthe⸗ ranern in Davenport als Paſtor vorzuſtehen, ver⸗ neinte er es aus denſelben Gründen, die meine Hoffnung für dieſen Ort ſchon vorher ſo herabge⸗ ſtimmt hatten. Dieſen Abend beſprach ich noch mit Etlichen die Bildung einer lutheriſchen Gemeinde und die Be⸗ rufung eines Paſtors und empfahl ihnen als ge⸗ eigneten Mann unſern lieben holſteiniſchen Freund St. Aber eben die meiſten, und unter ihnen die Einflußreichſten, wollen einen Mann haben, der gelehrt, vielſeitig gebildet, ein hinreißender Redner und dabei doch ſo glatt und abgeſchliffen iſt, daß er bei keinem anſtößt, ſondern Allen wohlgefällt. Nun, nach einem ſolchen mögen ſie wohl lange ſuchen! Soweit ich nun die Leute kennen lernte, fand ich, daß die Zahl derjenigen, die ihren einfältigen Katechismusglauben noch nicht als unbrauchbare Waare auf die Seite gelegt haben, ſehr gering iſt. Dieſe ſind, wie mir das einer ſelbſt bekannte, mit dem Weſen und Treiben der Mehrzahl nicht zu⸗ frieden und möchten wohl gerne einen rechtgläu⸗ bigen Paſtor haben; aber zum Theil ſind ſie zu ſchwach, theils zu muthlos, um ſich mit eiwas ſchweren Opfern die lautere Predigt zu erkau⸗ fen. Dieſen Wenigen ſollten wir daher einen Pre⸗ diger ſetzen und aus unſerer Synodalkaſſe ſo lange unterſtützen können, bis die Gemeinde an Zahl größer geworden wäre. Das würde ſo gar lange nicht anſtehen. Es würden ſich um einen bekennt⸗ nißtreuen Paſtor vielleicht mehr ſammeln, als es den Anſchein hat, und, wie mir jener Paſtor und noch andere verſicherten, iſt für das kommende Jahr ein bedeutender Nachzug aus Holſtein zu erwarten. Wie viel geſchieht doch in dieſer Weiſt von den Secten! Sollien wir Lutheraner an Eifer für einheimiſche Miſſion hinter denſelben immer noch zurückſtehen wollen? Davenport liegt ſo lieblich und für das deutſche Gemüth ſo anziehend; deutſche Sprache und Sitte könnte hier ſo leicht erhalten und recht gepflegt werden — und in den Herzen und Häuſern ſiehts ſo öd' und traurig aus für ein Auge, das mehr als eine äußerliche Bildung ſucht! O HErr, daß doch in dieſem irdiſchen Garten auch dein reines Wort und Sacrament ſich noch finden ſollte und um dasſelbe her ein Häuflein lebendiger Be⸗ kenner! Ich bealeite dieſen Brief morgen noch bis Bloomington. Von da an mag er allein ſeines Weges ziehen und bald in deine Hände gelangen. Gedenke dabei fürbittend Deines ꝛc. ö Lochner. Bloomington, Jowa, den 26. November. Lieber Bruder! Seit ein paar Tagen liege ich hier, ſehnſüchtig auf ein Dampfboot wartend, das mich nach Bur⸗ lington bringen ſoll. Das Zimmer des Gaſt⸗ hofes, in dem ich logire, iſt angefüllt von Gäſten und „Dollars“ und „Prozent“ das ewige Einer⸗ lei der Unterhaltung. Müde, ſolches Geſpräch noch länger anzuhören, habe ich mich in einen Winkel zurückgezogen und Feder und Papier zur Hand genommen, um Dir mit dieſem Briefe nur um ſo viel näher zu rücken. Es iſt dies ſchon das zweite Mal, daß ich hier bin. Als ich am Montag hier aukam, vemahm ich, daß am andern Morgen eine Gelegenheit nach Jowa City gehe, das dreißig Meilen von hier landeinwärts liegt. Ich hatte ſchon auf meiner Reiſe hieher gehört, daß in dieſer erſt aufblühenden Stadt viel predigerloſe Deutſche wohnten, und ſo war ich denn alsbald entſchloſſen, am andern Morgen dahin abzugehen. In Geſellſchaft eines presbyterianiſchen Predigers, der erſt ſeit kurzem als Miſſionar ſich in Jowa City aufhält, kam ich am Dienstag-Abend daſelbſt an. Durch einen Fleiſcher aus Gera, den ich kurz vor meiner Abreiſe kennen lernte, wurde ich an eine Wittwe empfoh⸗ len, die ich denn auch ſogleich nach meiner Ankunft aufſuchte. Die Frau betrachiete mich anfangs mit mißtrauiſchen Augen, und erzählte nir, was ſie ſchon alles ſowohl in ihrem früheren Wohnort in Ohio, als hier in Jowa City von geiſtlichen Vagabunden zu erleiden gehabt hätte; voch als ich mich mit ihr weiter unterhielt und ihr dann Katechismen und einige andere Schriften anbot, ließ ſie das Mißtrauen fahren und wurde ganz offenherzig. Sie klagte mir unter anderem, daß ſie als Lutheranerin ſchon ſeit lange bitteren Man⸗ gel an Seelenpflege leide, und weil gar keine Aus⸗ ſicht ſei, daß je ein rechtgläubiger Prediger nach Jowa City komme, und die Sehnſucht nach Got⸗ tesdienſt oft zu ſtark in ihr werde, ſo gehe ſie, weil