# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 16_S98 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſo geſchah es durch die treue Fürſorge des HErrn der Kirche alſo, daß gerade das Gegentheil erfolgte. So hoffen wir denn auch, daß die Angriffe des hieſigen methodiſtiſchen Freibeuters auf die hei⸗ lige Taufe uns Lutheraner nur um ſo feſter und gewiſſer in der heilſamen Lehre des göttlichen Wortes von dieſem heiligen Sacramente machen werden, wie freilich die heilige Kirche, als Pfeiler und Grundveſte der Wahrheit, von Anfang ge— lehret, aber zur Zeit, da die Reformirten und Taufſchwärmer aufkamen, vornehmlich durch Lu— thers Arbeit, noch klarer an Tag gekommen iſt Wir wollen alſo, nach Anleitung un ſers Tertes, Matth. 28, 18 — 20., und unter dem Beiſtande Gottes des Heiligen Geiſtes mit einander handeln: Hon der heiligen Caufe; und zwar in dieſer erſten Predigt in folgenden zwei Fragen: J. Was iſt ſie? II. Was wirket ſie? J. Was iſt ſie? Unſer Methodiſt, ein abgefallener Lutheraner, hält ſie, auf gut und altſchwärmeriſch, und der Meinung der Reformirten gemäß, für eine blos äußerliche Waſſertaufe, die an und für ſich nichts ſei als ein Unterſcheidungszeichen zwiſchen Chri⸗ ſten und Heiden und keine Gnade mitthelle, wenn nicht die Geiſtes- und Bluttaufe hinzukomme; wer ſelig werden wolle, müſſe alle dieſe drei Tau⸗ fen haben. Darauf iſt nun Folgendes zu erwidern: Was nämlich zuerſt die Geiſtes- und Bluttaufe betrifft, ſo iſt klar und offenbar, daß hier das Wort: Taufe nicht in ſeiner eigentlichen Be— deutung ſteht, ſondern bildlich zu verſtehen iſt, wie ja auch in den Stellen, die davon handeln, die Taufe nicht eigentlich von dem HErrn Chriſto eingeſetzt iſt. Wenn alſo der Heiland Luc 12, 50. von ſeiner Leidenstaufe handelt (vergleiche Matth. 20, 22.), ſo meint er dieſes, daß, wie der Täufling (dem urſprünglichen Brauche gemäß) ganz und gar unter das Waſſer getaucht und von dieſem bedeckt werde, alſo müſſe auch Er gleichſam von Strömen des Leidens, zumal am Fluchholze, überfluthet und in ſein blutiges Sterben gar ver— ſenket werden. Aehnlich hält es ſich denn auch mit der andern Stelle von der Geiſtestaufe. Denn wenn Johannes der Täufer Matth. 3, 11. (vergleiche Luc. 3, 16.N ausſagt, daß der HErr Chriſtus werde mit dem Heiligen Geiſte und mit Feuer taufen, ſo iſt wiederum dies die Meinung, daß die Jünger gleichſam mit einem Feuerſtrom des Heiligen Geiſtes würden überſtrömt und mit ihm ſeliglich bedeckt werden. Und dieſes ging ja auch, wie wir wiſſen, am Tage der Pfingſten in Erfüllung, wobei zugleich die feurigen Zungen die Gaben der verſchiedenen Sprachen anzeigten, in welchen ſofort die Apoſtel die großen Thaten Got⸗ tes verkündigten. (Apg. 2, 1—11.) Dieſelbe Bewandtniß hat es auch noch mit einer dritten Stelle, wo gleichfalls bildlich und uneigenilich vom Taufen die Rede iſt. Denn wenn Paulus 1 Cor. 10, 1.2. ſagt: „unſere Vä⸗ ter ſind alle unter der Wolke geweſen und ſind 9 alle durch das Meer gegangen und ſind alle unter Moſes getauft mit der Wolke und mit dem Meer“, ſo will er damit Folgendes anzeigen: Gleichwie die Kinder Iſrael, unter der Führung der Lichtwolke und des Moſes, das rothe Meer durchſchritten und dadurch von der Herrſchaft Pharao's errettet wurden, dieſer dagegen mit all ſeinem Heer im Meer umkam, alſo werden wir durch die heilige Taufe von der Herrſchaft des hölliſchen Pharao, d. i. des Teufels und der Sünde befreiet. Ferner — denn Pharao iſt nicht blos ein Bild des Satans, ſondern auch des alten Adams — wie Pharao mit den Seinen vom Meere erſäuft ward, alſo wird durch die heilige Taufe, als das Bad der Wiedergeburt, der alte Menſch mit ſeinen Sünden ertränkt. — Aus näherer Betrachtung dieſer Stellen alſo, die von der Blut-, Geiſtes- und Wolkentaufe handeln, haben wir hoffentlich ſattſam gelernet, daß ſie mancherlei Aehnlichkeit mit der heiligen Taufe, keineswegs aber das Weſen derſelben ausdrücken und daß es die Unart der Schwär⸗ mer ſei, ſolche bildliche Stellen als eigentlich zu nehmen. Zum andern aber iſt es durchaus unwahr, wenn unſer Taufſchwärmer, nach Art ſeiner Brü⸗ der, verächtlich von der heiligen Taufe redet und ſie eine blos „äußerliche Waſſertaufe“ nennt, „die nicht den Heiligen Geiſt mittheile“, den er freilich viel eher von der Bußbank und anderweitigen methodiſtiſchen Bekehranſtalten erwartet; denn der heilige Apoſtel nennt dieſe verachtete Waſſer— taufe Epheſ. 5, 26. „das Waſſerbad im Worte“, durch welche der HErr Chriſtus ſeine Ge— meinde reinige; dies Wort aber, nämlich das der Einſetzung. Matth. 28, 19., iſt ja kein Menſchenwort, ſondern das Wort des allmäch— tigen Sohnes Gottes, durch den Himmel und Erde geſchaffen ſind und der durch dies ſein Wort auch im Waſſer ausrichten kann, was Er will; es iſt das Wort des wahrhaftigen Sohnes Gottes, der durch dies ſein Wort im Waſ⸗ ſer auch wirklich ausrichtete, was er Marc. 16, 16. verheißen und zugeſagt hat. Daher iſt die heilige Taufe oder dies „Waſſer— bad im Worte“ ein Gotteswerk, eine gött— liche Ordnung und ein göttliches Gnaden— mittel, durch welches der HErr im irdiſchen Mittel des Waſſers himmliſche Güter dem einzelnen Menſchen anbietet, zueignet und verſiegelt. Und wenn gleich die taufenden Diener der Kirche ſündhafte und ſterbliche Menſchen ſind, ſo iſt doch das Wort des Befehls und der Einſetzung: ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geiſtes, auch in ihrem Munde das lebendige und kräftige Goiteswort, welches dasſelbe iſt und wirkt von ſeiner erſten Sprechung an bis zum jüngſten Tage; und gleichwie die Sonne am Himmel jetzt und am letzten Tage die⸗ ſes Weltlaufs mit demſelben Glanze ſtrahlet, mit derſelben Kraft und Schönheit wärmet und leuch— tet als am Tage ihrer Schöpfung, alſo hält es ſich auch mit der Sonne der Wahrheit zur Seligkeit, mit Gottes Wort, das auch im Munde ohn⸗ mächtiger Menſchen nimmer veraltet und ab⸗ nimmt und dieſelbe Macht und Herrlichkeit be— hält, ja das da bleibet, wenn Himmel und Erde vergehen. Weil alſo dies Wort Gottes mit und bei dem Waſſer iſt und das ſelbe durchdringt, ſo iſt es durchgeiſtetes, durchchriſtetes, durchgottetes Wa⸗ ſer und es iſt entweder grobe Unwiſſenheit oder 3 böswillige Läſterung, wenn die Taufſchwärmer; immerdar ſchreien: „Waſſertaufe, Waſſer— taufe!“ „Wie kann Waſſer ſolche große Dinge thun?“ als ſei Gottes Wort, das mit dem Waf⸗ ſer ſacramentlich verbunden iſt, eben ſo leer und nichtig als ihr eigenes Wort. Oder iſt es nicht alſo, daß unſer HErr Chriſtus von all ſeinen Worten ſagt: „ſie ſind Geiſt und Leben“? Und ſollten davon die feierlichen und inhaltsſchweren Worte, darin er die heilige Taufe ſtiftet, eine Ausnahme machen? Sollten gerade dieſe geiſtlos ſein, alſo auch Geiſt und Leben nicht mittheilen, ſondern müßig und leer daſtehen und die Mit⸗ theilung des Heiligen Geiſtes den ſelbſtgemachten Uebungen und Anſtalten, dem Beten, Singen,! Schreien, Seufzen, Stöhnen, Aechzen u. ſ. w. der werktreiberiſchen Schwärmer überlaſſen, die in ihren geiſtloſen Fündlein und Künſten, zu Schmach und Beſchädigung des einfältigen Evan⸗ geliums und der unſcheinbaren Taufe, ein neues Geſetz aufrichten und ihren Verführten ein neues Joch aufladen? Das ſei ferne! — ö Vielmehr ſei es alſo, wie unſer HErr Chriſtus dem Nikodemus ſagte, der ohne Zweifel die Frage in ſeinem Herzen bewegte: „Was ſoll ich thun, daß ich in das Reich Gottes komme und ſelig werde?“ — Wie ſaget da der Herzenskündiget. Joh. 3, 5.? „Wahrlich, wahrlich, ich ſage dir“ (mit dieſer zwiefachen Betheurung hebet er an), „es ſei denn, daß Jemand geboren werde aus dem Waſſer und Geiſt, ſo kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Mit dieſem gewichtigen Worte hat denn die ſelbſtſtändige Wahrheit und Weisheit auch alle Taufſchwärmer aller Zeiten und Völker berichtet; denn daraus iſt erſichtlich, daß es nicht zwei und zweierlei wirkliche Taufen giebt, eine Waſſer- und eine Geiſtestaufe; das Wörtlein „aus“ nemlich gehört zu „Waſſer“ eben ſo als zu „Geiſt“ und jenem wie dieſem wird das Wiedergebären zugeſprochen, welches alſo weder der Heilige Geiſt ohne das Waſſer, noch das Waſſer ohne den Hei⸗ ligen Geiſt ausrichtet. Was aber verbindet beide? Nichts anderes, als eben jenes Befehls⸗ und Einſetzungswort des allmächtigen Sohnes Got⸗ tes; ohne dieſes Wort iſt freilich das Waſſer ſchlecht, d. i. gewöhnlich Waſſer und keine Taufe, aber mit dem Worte Gottes iſt es eine Taufe, d. i. ein gnadenreich Waſſer des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geiſte. Der Inhalt aber dieſes Wortes iſt ein dreifacher. Zuerſt nemlich heißt „im Namen“ des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geiſtes taufen, die⸗ ſes auf Befehl und Geheiß desſelben ausrichten, wie ja auch Botſchafter irdiſcher Fürſten nur auf Befehl derſelben ihren Auftrag vollziehen. Zum! Andern aber heißt „im Namen“ u. ſ. w. auch dieſes, anſtatt und in Vertretung des dreieinigen