Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 11 › Seite 87

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-02-02, Seite 87

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kommnnismus. —

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„Es ſtehet geſchrieben: Der Menſch lebt nicht
vom Brod allein, ſondern von einem jeglichen
Wort, das durch den Mund Gottes gehet.“

Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges lebte in
Burg eine Pfarrerswittwe. Sie hatte vor wenig
Monden ihren Gatten und all' ihr Hab und Gut
verloren, als ſie ſich im Vertrauen auf Gottes
Geleit aufmachte, in Magdeburg bei Verwand⸗
ten eine Zuflucht zu ſuchen. Unterwegs — es

war kurz vor Magdeburgs Zerſtörung — wird ſie
von Tilly'ſchen Reitern ergriffen, und einer der⸗
ſelben, der ſie erkennen mochte, ſagte zu den an⸗
dern: Schlagt ſie todt, es iſt eine Pfaffenmetze.
Einer hingegen ſprach: Ueberlaßt ſie mir, ich
will's thun. Die Uebrigen ſind's zufrieden, und
ſo führt er ſie beiſeits, und ſpricht nun plötzlich
zu der Geängſtigten in einem ganz unerwarteten
Tone: er habe in dem Kriege ſchon ſo viele
Morde begangen, daß ihm ſein Gewiſſen keine
Ruhe laſſe; wenn ſie denn eines Prieſters Frau
ſei, ſo werde ſie ihm ja ſagen können, ob noch
Vergebung für ihn bei Gott möglich ſei? Sie
antwortet ihm mit einem Troſtwort der heiligen
Schrift, daß ein jeder Sünder, der aufrichtige
Buße thue, bei Gott Gnade finde. Worauf er
ſpricht: wenn ſie ihm das ſage, ſo wolle er ſie
ſicher nach Magdeburg bringen; und er thats.

——893—

Gottes Wort muß wieder in die Häuſer

kommen.

„Als ich das zweite Amt übernahm — erzählt
ein Pfarrer — lebte in dem einen Filialdorfe ein
alter Mann, der in der Gemeinde für einen Son⸗
derling gehalten wurde und auch die Eigenſchaft
hatte, daß er alle Welt Du nannte. Als ich einſt
aus der Kirche kam und nach meiner Meinung
nit aller Wärme und Innigkeit gepredigt hatte,
kam der Alte zu mir heran und ſagte: Dein Pre⸗
digen hilft Dir nichts, und als ich fragte, wes⸗
halb nicht? antwortete er: So lange nicht Gottes
Wort in den Häuſern geleſen wird, wird es auch
in der Kirche nicht gehört. Und als ich ihn
fragte, was ich dabei thun ſolle, ſagte er: Du
nußt ſo lange über Hausandachten predigen, bis
die Leute anfangen, Hausandachten zu halten.
Und als ich das ſechste Mal über Col. 3, 16.17.
gepredigt hatte, kam er wieder und ſagte: Nun
höre auf, es hat ſchon geholfen. Die Kirche
füllte ſich bald, und hier und dort ging der Sa⸗
men auf.“

Pott krigt nichts! oder vom Gütertheilen der
Communiſten.

Nachfolgendes Geſpräch hatte, wie der Einſen⸗
der, dem es mehrfach erzählt, verbürgen kann,
ein Paſtor mit einem Gliede ſeiner Gemeinde zur
Zeit der franzöſiſchen Revolution, als man in
Deutſchland hörte, es wären an einigen Orten
Frankreichs die Edelleute und Gutsbeſitzer von
ihren Gütern vertrieben und die Bauern hätten
dieſelben unter ſich vertheilt, gäben keinen Zehnten
mehr u. dgl. Es zeigt auf eine recht deutliche

Weiſe, was ſo manche Leute von dem Gütertheilen

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halten würden, wenn dasſelbe auch in ihren Ver⸗
hältniſſen eingeführt werden ſollte.

Bauer: Haben Sie gehört, Herr Paſtor, wie
es jetzt in Frankreich hergeht?

Paſtor: Das ſei Gott geklagt, da wird alle
göttliche und menſchliche Ordnung mit Füßen ge⸗
treten.

B. So ſchlimm iſt es doch nicht, Herr Paſtor;
es wird nur den armen Leuten zu ihrem Rechte
verholfen, und die Adligen und Gutsbeſitzer müſ⸗
ſen herausgeben, was ſie ſich angemaßt haben.

P. Mein lieber Nachbar, was die Adligen und
Gutsbeſitzer an Lehen und Gütern haben, haben
ihre Vorfahren auf rechtmäßige Weiſe erhalten,
entweder für Dienſte, welche ſie geleiſtet haben,
oder für Geld, und es iſt gewiß Unrecht, ihren
Kindern das zu nehmen, was ſie von ihren Eltern
ererbt haben.

B. Herr Paſtor, die Bauern müſſen doch die
Arbeit thun, drum gebührt ihnen billig auch das
Land und der Segen, den es hervorbringt! Sind
denn die Edelleute beſſer, als wir?

P. Ich glaube nicht, daß Euch dieſe neue fran⸗
zöſiſche Einrichtung gefiele, wenn ſie auch bei Euch
eingeführt werden ſollte.

B. Gewiß, Herr Paſtor. Ich wünſchte, bei
uns wäre es auch ſo! Wie wäre uns Allen ge⸗
holfen, wenn der Gutsacker getheilt würde, und
die ſchönen Wieſen, und wir brauchten keinen
Zehnten mehr zu geben! Wie würde ich mich
freuen, wenn es bei uns bald los ginge. I ch
würde gewiß das Meiſte bekommen,
denn ich habe den größten Hof.

P. Wenn es nun aber die kleinen Leute mit
Euch Bauern ſo machten, wie Ihr es mit den
Gutsherren vorhabt? — Wenn z. B. Pott, Euer
erſter Mäher, zu den andern ſagte: Wißt ihr
was, Leute, wir müſſen doch die Arbeit für den
Herrn thun, drum iſt es billig, daß wir auch ſei⸗
nen Acker an uns nehmen. Ich nehme das Na⸗
gelbohr und die langen Zwanzig (die beiden beſten
Ackerſtücke des Bauern), denn ich bin am längſten
auf dem Hofe.

B. (ganz eifrig): Nein, Herr Paſtor, Pott
krigt nichts!

P. Seht Ihr wohl? Was dem Einen recht
iſt, iſt dem Andern billig.

Der Bauer hat nichts wieder von der Güter⸗
theilung geſagt. Ob er aber in ſeinem Herzen
die Wünſche aufgegeben hat, iſt freilich eine andere
Frage. (Volksblatt.)

Vernunft⸗ und Taleranz⸗Prahler.

Der berühmte deutſche Dichter Göthe hat
gegen die in der Ueberſchrift Genannten ein Zeug⸗
niß abgelegt, das man kaum von ihm erwarten
ſollte. Deſto mehr haben die Betreffenden dieſes
Zeugniß zu beherzigen. Es lautet, wie folgt:

„Es iſt nichts jämmerlicher, als Leute unauf⸗
hörlich von Vernunft reden zu hören, mittler⸗
weile ſie allein nach Vorurtheilen handeln.
Es liegt ihnen nichts ſo ſehr am Herzen, als die
Toleranz, und ihr Spott über alles, was nicht
ihrer Meinung iſt, beweiſ't, wie wenig Friede
man von ihnen zu hoffen hat.“

Deut. 27, 26.
Alle Gebote Gottes halten wir dann, wenn uns
alles das, was wir nicht halten, vergeben wird.
St. Auguſtinus.

Warnung.

So eben, da dieſe Nummer geſchloſſen werden
ſoll, kommt das in Nro. 25, Jahrgang IV. des
„Lutheraner“ angezeigte Büchlein: „Hübner's
Bibliſche Hiſtorien aus dem Alten und Neuen
Teſtamente, herausgegeben von C. G. Weyl,
Prediger an der evangeliſch-lutheriſchen Dreieinig⸗
keitskirche in Baltimore“ und Herausgeber des
ſogenannten lutheriſchen Kirchenboten in unſere
Hände. Es ſchmerzt uns tief, vor dieſer Ausgabe
des alten treuen Hübner hierdurch alle diejenigen
ernſtlich warnen zu müſſen, wilche ihre Kinder
nicht frühzeitig vom Gifte der gräulichſten Irrlehre
und des fadeſten Vernunft⸗ und Tugendgeſchwätzes
vergiften laſſen wollen. Herr Weyl hat nämlich
ſein Verſprechen, das Buch „in ſeiner alten un⸗
veränderten Form und Weſen“ wieder abdrucken
zu laſſen, ſchmählich gebrochen und (wir hoffen,
aus Unwiſſenheit) eine von einem Rationaliſten
ſchändlich zugerichtete Ausgabe des Hübner wieder
abdrucken laſſen. In nächſter Nummer gedenken
wir die Beweiſe für dieſe unſere Behauptung un⸗
ſern lieben Leſern vorzulegen.

E Erinnerung an die Betreffenden.
Diejenigen, welche während der letzten Syno⸗
dalverſammlung eine oder mehre der bewußten
Aktien genommen haben, ſind dringend erſucht,
den Betrag bald möglichſt an den Unterzeichneten
einzuſenden. F. W. Barthel.

Mittheilung von Welthändeln.

Die lieben Leſer, welche ſich vielleicht nicht ſehr
mit politiſchen Zeitungen befaſſen, werden begierig
ſein zu wiſſen, was ſich jüngſthin in der Welt er⸗
eignet hat. Wir können uns kurz faſſen. In
Deutſchland ſcheint, wenigſtens vor der Hand, die
Zeit der Volksherrſchaft vorüber zu ſein. In
Wien hat die ſogenannte Freiheitspartei den
empfindlichſten Schlag bekommen. Der Kaiſer,
oder vielmehr die ſiegreiche Hofpartei, hat an
ihren Widerſachern furchtbare Rache genommen;
Hängen und Erſchießen iſt dort zeither die Ord⸗
nung des Tages geweſen, ja, man erzählt Sce⸗
nen, die den entſetzlichſten Greueln, die im 30jäh⸗
rigen Krieg begangen wurden, nicht nachſtehen.
Von Wien aus iſt eine mächtige Armee aufge⸗
brochen zur Züchtigung der empörten Ungarn.
Was dort geſchehen iſt, iſt noch nicht bekannt, doch
iſt es kaum zweifelhaft, auf weſſen Seite der Sieg
ſein wird. Nach den neueſten Berichten hat der
Kaiſer Ferdinand ſeine Krone niedergelegt und
ſeinem 18jährigen Neffen, Franz Joſeph, aufs
Haupt geſetzt.

Durch die Wendung der Wiener Sachen er⸗
muthigt, hat der König von Preußen auch
energiſche Maßregeln ergriffen; er verlegte den
Reichstag von Berlin nach Brandenburg, ließ den
widerſpenſtigen Theil des Reichstags mit Sol⸗
daten auseinander treiben, die Bürgergarde von
Berlin entwaffnen und die Stadt in Belage⸗
rungszuſtand verſetzen. Bisher ging alles ohne
Blutvergießen von Statten, die Gegenbeſtrebun⸗
gen der demokratiſchen Partei blieben ohne Er⸗
folg und der wohlhabende Mittelſtand ſcheint ſich,
wenn auch nicht aus Liebe zum König, doch aus
Furcht vor Anarchie, in den Willen des Königs
zu finden. Zur Zufriedenſtellung ſeines Volks
hat der König unlängſt eine Conſtitution ſeiner
eignen Wahl bekannt gemacht, welche höchſt libe⸗
ral ſein und den Unterthanen politiſche und reli⸗

giöſe Freiheit ſichern ſoll.

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