# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 02_S87 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „Es ſtehet geſchrieben: Der Menſch lebt nicht vom Brod allein, ſondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet.“ Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges lebte in Burg eine Pfarrerswittwe. Sie hatte vor wenig Monden ihren Gatten und all' ihr Hab und Gut verloren, als ſie ſich im Vertrauen auf Gottes Geleit aufmachte, in Magdeburg bei Verwand⸗ ten eine Zuflucht zu ſuchen. Unterwegs — es war kurz vor Magdeburgs Zerſtörung — wird ſie von Tilly'ſchen Reitern ergriffen, und einer der⸗ ſelben, der ſie erkennen mochte, ſagte zu den an⸗ dern: Schlagt ſie todt, es iſt eine Pfaffenmetze. Einer hingegen ſprach: Ueberlaßt ſie mir, ich will's thun. Die Uebrigen ſind's zufrieden, und ſo führt er ſie beiſeits, und ſpricht nun plötzlich zu der Geängſtigten in einem ganz unerwarteten Tone: er habe in dem Kriege ſchon ſo viele Morde begangen, daß ihm ſein Gewiſſen keine Ruhe laſſe; wenn ſie denn eines Prieſters Frau ſei, ſo werde ſie ihm ja ſagen können, ob noch Vergebung für ihn bei Gott möglich ſei? Sie antwortet ihm mit einem Troſtwort der heiligen Schrift, daß ein jeder Sünder, der aufrichtige Buße thue, bei Gott Gnade finde. Worauf er ſpricht: wenn ſie ihm das ſage, ſo wolle er ſie ſicher nach Magdeburg bringen; und er thats. ——893— Gottes Wort muß wieder in die Häuſer kommen. „Als ich das zweite Amt übernahm — erzählt ein Pfarrer — lebte in dem einen Filialdorfe ein alter Mann, der in der Gemeinde für einen Son⸗ derling gehalten wurde und auch die Eigenſchaft hatte, daß er alle Welt Du nannte. Als ich einſt aus der Kirche kam und nach meiner Meinung nit aller Wärme und Innigkeit gepredigt hatte, kam der Alte zu mir heran und ſagte: Dein Pre⸗ digen hilft Dir nichts, und als ich fragte, wes⸗ halb nicht? antwortete er: So lange nicht Gottes Wort in den Häuſern geleſen wird, wird es auch in der Kirche nicht gehört. Und als ich ihn fragte, was ich dabei thun ſolle, ſagte er: Du nußt ſo lange über Hausandachten predigen, bis die Leute anfangen, Hausandachten zu halten. Und als ich das ſechste Mal über Col. 3, 16.17. gepredigt hatte, kam er wieder und ſagte: Nun höre auf, es hat ſchon geholfen. Die Kirche füllte ſich bald, und hier und dort ging der Sa⸗ men auf.“ Pott krigt nichts! oder vom Gütertheilen der Communiſten. Nachfolgendes Geſpräch hatte, wie der Einſen⸗ der, dem es mehrfach erzählt, verbürgen kann, ein Paſtor mit einem Gliede ſeiner Gemeinde zur Zeit der franzöſiſchen Revolution, als man in Deutſchland hörte, es wären an einigen Orten Frankreichs die Edelleute und Gutsbeſitzer von ihren Gütern vertrieben und die Bauern hätten dieſelben unter ſich vertheilt, gäben keinen Zehnten mehr u. dgl. Es zeigt auf eine recht deutliche Weiſe, was ſo manche Leute von dem Gütertheilen 87 halten würden, wenn dasſelbe auch in ihren Ver⸗ hältniſſen eingeführt werden ſollte. Bauer: Haben Sie gehört, Herr Paſtor, wie es jetzt in Frankreich hergeht? Paſtor: Das ſei Gott geklagt, da wird alle göttliche und menſchliche Ordnung mit Füßen ge⸗ treten. B. So ſchlimm iſt es doch nicht, Herr Paſtor; es wird nur den armen Leuten zu ihrem Rechte verholfen, und die Adligen und Gutsbeſitzer müſ⸗ ſen herausgeben, was ſie ſich angemaßt haben. P. Mein lieber Nachbar, was die Adligen und Gutsbeſitzer an Lehen und Gütern haben, haben ihre Vorfahren auf rechtmäßige Weiſe erhalten, entweder für Dienſte, welche ſie geleiſtet haben, oder für Geld, und es iſt gewiß Unrecht, ihren Kindern das zu nehmen, was ſie von ihren Eltern ererbt haben. B. Herr Paſtor, die Bauern müſſen doch die Arbeit thun, drum gebührt ihnen billig auch das Land und der Segen, den es hervorbringt! Sind denn die Edelleute beſſer, als wir? P. Ich glaube nicht, daß Euch dieſe neue fran⸗ zöſiſche Einrichtung gefiele, wenn ſie auch bei Euch eingeführt werden ſollte. B. Gewiß, Herr Paſtor. Ich wünſchte, bei uns wäre es auch ſo! Wie wäre uns Allen ge⸗ holfen, wenn der Gutsacker getheilt würde, und die ſchönen Wieſen, und wir brauchten keinen Zehnten mehr zu geben! Wie würde ich mich freuen, wenn es bei uns bald los ginge. I ch würde gewiß das Meiſte bekommen, denn ich habe den größten Hof. P. Wenn es nun aber die kleinen Leute mit Euch Bauern ſo machten, wie Ihr es mit den Gutsherren vorhabt? — Wenn z. B. Pott, Euer erſter Mäher, zu den andern ſagte: Wißt ihr was, Leute, wir müſſen doch die Arbeit für den Herrn thun, drum iſt es billig, daß wir auch ſei⸗ nen Acker an uns nehmen. Ich nehme das Na⸗ gelbohr und die langen Zwanzig (die beiden beſten Ackerſtücke des Bauern), denn ich bin am längſten auf dem Hofe. B. (ganz eifrig): Nein, Herr Paſtor, Pott krigt nichts! P. Seht Ihr wohl? Was dem Einen recht iſt, iſt dem Andern billig. Der Bauer hat nichts wieder von der Güter⸗ theilung geſagt. Ob er aber in ſeinem Herzen die Wünſche aufgegeben hat, iſt freilich eine andere Frage. (Volksblatt.) Vernunft⸗ und Taleranz⸗Prahler. Der berühmte deutſche Dichter Göthe hat gegen die in der Ueberſchrift Genannten ein Zeug⸗ niß abgelegt, das man kaum von ihm erwarten ſollte. Deſto mehr haben die Betreffenden dieſes Zeugniß zu beherzigen. Es lautet, wie folgt: „Es iſt nichts jämmerlicher, als Leute unauf⸗ hörlich von Vernunft reden zu hören, mittler⸗ weile ſie allein nach Vorurtheilen handeln. Es liegt ihnen nichts ſo ſehr am Herzen, als die Toleranz, und ihr Spott über alles, was nicht ihrer Meinung iſt, beweiſ't, wie wenig Friede man von ihnen zu hoffen hat.“ Deut. 27, 26. Alle Gebote Gottes halten wir dann, wenn uns alles das, was wir nicht halten, vergeben wird. St. Auguſtinus. Warnung. So eben, da dieſe Nummer geſchloſſen werden ſoll, kommt das in Nro. 25, Jahrgang IV. des „Lutheraner“ angezeigte Büchlein: „Hübner's Bibliſche Hiſtorien aus dem Alten und Neuen Teſtamente, herausgegeben von C. G. Weyl, Prediger an der evangeliſch-lutheriſchen Dreieinig⸗ keitskirche in Baltimore“ und Herausgeber des ſogenannten lutheriſchen Kirchenboten in unſere Hände. Es ſchmerzt uns tief, vor dieſer Ausgabe des alten treuen Hübner hierdurch alle diejenigen ernſtlich warnen zu müſſen, wilche ihre Kinder nicht frühzeitig vom Gifte der gräulichſten Irrlehre und des fadeſten Vernunft⸗ und Tugendgeſchwätzes vergiften laſſen wollen. Herr Weyl hat nämlich ſein Verſprechen, das Buch „in ſeiner alten un⸗ veränderten Form und Weſen“ wieder abdrucken zu laſſen, ſchmählich gebrochen und (wir hoffen, aus Unwiſſenheit) eine von einem Rationaliſten ſchändlich zugerichtete Ausgabe des Hübner wieder abdrucken laſſen. In nächſter Nummer gedenken wir die Beweiſe für dieſe unſere Behauptung un⸗ ſern lieben Leſern vorzulegen. E Erinnerung an die Betreffenden. Diejenigen, welche während der letzten Syno⸗ dalverſammlung eine oder mehre der bewußten Aktien genommen haben, ſind dringend erſucht, den Betrag bald möglichſt an den Unterzeichneten einzuſenden. F. W. Barthel. Mittheilung von Welthändeln. Die lieben Leſer, welche ſich vielleicht nicht ſehr mit politiſchen Zeitungen befaſſen, werden begierig ſein zu wiſſen, was ſich jüngſthin in der Welt er⸗ eignet hat. Wir können uns kurz faſſen. In Deutſchland ſcheint, wenigſtens vor der Hand, die Zeit der Volksherrſchaft vorüber zu ſein. In Wien hat die ſogenannte Freiheitspartei den empfindlichſten Schlag bekommen. Der Kaiſer, oder vielmehr die ſiegreiche Hofpartei, hat an ihren Widerſachern furchtbare Rache genommen; Hängen und Erſchießen iſt dort zeither die Ord⸗ nung des Tages geweſen, ja, man erzählt Sce⸗ nen, die den entſetzlichſten Greueln, die im 30jäh⸗ rigen Krieg begangen wurden, nicht nachſtehen. Von Wien aus iſt eine mächtige Armee aufge⸗ brochen zur Züchtigung der empörten Ungarn. Was dort geſchehen iſt, iſt noch nicht bekannt, doch iſt es kaum zweifelhaft, auf weſſen Seite der Sieg ſein wird. Nach den neueſten Berichten hat der Kaiſer Ferdinand ſeine Krone niedergelegt und ſeinem 18jährigen Neffen, Franz Joſeph, aufs Haupt geſetzt. Durch die Wendung der Wiener Sachen er⸗ muthigt, hat der König von Preußen auch energiſche Maßregeln ergriffen; er verlegte den Reichstag von Berlin nach Brandenburg, ließ den widerſpenſtigen Theil des Reichstags mit Sol⸗ daten auseinander treiben, die Bürgergarde von Berlin entwaffnen und die Stadt in Belage⸗ rungszuſtand verſetzen. Bisher ging alles ohne Blutvergießen von Statten, die Gegenbeſtrebun⸗ gen der demokratiſchen Partei blieben ohne Er⸗ folg und der wohlhabende Mittelſtand ſcheint ſich, wenn auch nicht aus Liebe zum König, doch aus Furcht vor Anarchie, in den Willen des Königs zu finden. Zur Zufriedenſtellung ſeines Volks hat der König unlängſt eine Conſtitution ſeiner eignen Wahl bekannt gemacht, welche höchſt libe⸗ ral ſein und den Unterthanen politiſche und reli⸗ giöſe Freiheit ſichern ſoll.