Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 11 › Seite 84

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-02-02, Seite 84

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften · Bekenntnisſchriften 2 · DWW S Verenumioſchrinen

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Uneinigkeit unter den Lutheranern ſelbſt entſtand,
indem ſich mehr und' mehr heimliche Anhänger
Calvins (Cryptocalviniſten) unter die Lutheraner
einſchlichen, welche unter der Firma, daß ſie Luthe⸗
raner ſeien, die calviniſche Lehre an das Volk
als lutheriſche verkaufen und ſo dasſelbe auf
die ſchändlichſte Weiſe um ſeinen Glauben betrü⸗
gen wollten. Wohin würde nun die dadurch ent⸗
ſtandene Verwirrung geführt haben, hätten ſich
nicht die trenen Bekenner der Wahrheit dreißig
Jahre nach Luthers Tode vereinigt, ein neues
Bekenntniß, nemlich die Concordienformel,
aufzuſetzen, dadurch dem gefährlichen Streite ein
Ende zu machen und die unter lutheriſchem Na⸗
men eingeſchlichenen Verkehrer der Wahrheit zu
entlarven?

Der Verfall der lutheriſchen Kirche, den wir
jetzt beklagen, würde ohne die Symbole wohl ſo⸗
gleich nach Luthers Tode erfolgt ſein. Aber da
die Prediger und das Volk dieſe reinen Bekennt⸗
niſſe in den Händen hatten, die Prediger feierlich
darauf verpflichtet wurden und die Zuhörer ſie
darnach prüften, ſo konnte zwei Jahrhunderte lang
kein offenbar falſcher Lehrer in unſerer Kirche
hauſen und auf die Länge der Zeit die Seelen
verführen. Worin liegt aber der Grund, daß ſeit
ſechszig bis ſiebenzig Jahren in der lutheriſchen
Kirche die frechſten Irrlehren haben Ueberhand
nehmen können, anders, als darin, daß man die
Symbole der Kirche dem Volke nicht bekannt wer⸗
den ließ, ſondern gefliſſentlich verdeckte? Denn als
dieſe den Zuhörern fremd wurden, dann durfte es
jeder wagen, ſeines Herzens Gedanken und Ein⸗
fälle als Gottes Wort und als Lehre des Evan⸗
geliums zu verkaufen.

Hat man es aber jemals erfahren, von welchem
unvergleichlichen Nutzen die Symbole ſind, ſo
erfahren wir es jetzt. Was wollten wir jetzt thun,
könnten wir aus jenen Bekenntniſſen nicht erwei⸗
ſen, was die wahre evangeliſche Lehre ſei, die einſt
Luther und die ganze erſte lutheriſche Kirche ge⸗
glaubt und bekannt hat? Wir müßten ſchweigen
und die Zerſtörer unſerer Kirche ihr unheilvolles
Werk unter unſerem eigenen Namen ungeſtraft
treiben laſſen. Aber auf unſere Symbole hinwei⸗
ſend, können wir nun getroſt allen falſchen Luthe⸗
ranern Trotz bieten und alle redliche Seelen über⸗
zeugen, daß ſie Betrüger und geiſtliche Falſch⸗
münzer ſind.

Erkennet hieraus, geliebte Glaubensgenoſſen,
wie viel wir weggeben würden, wenn wir jetzt
nicht an den öffentlichen Bekenniniſſen unſerer
Kirche feſthalten wollten. Trauet darum denen
nicht, die, gegen dieſe Bekenntniſſe redend, vor⸗
geben, ſie ſtritten allein gegen Menſchenanſehen,
und ſie wollten alle Ehre allein der Bibel gegeben
wiſſen. Sie wollen euch täuſchen! Sie möchten
gern die Mauer ſtürzen ſehen, welche durch die
Symbole um die Kirche gezogen iſt, damit ſie
Freiheit haben, Menſchenwitz als göttliche Offen⸗
barung einzuſchmuggeln, und damit niemand
ihnen nachweiſen könne, daß ſie die Kirche mit
Füßen treten, deren Brod ſie eſſen, daß ſie darin
wohnen und arbeiten, nicht um zu bauen, ſondern
um niederzureißen.

8⁴

Je mehr man daher jetzt die Bekenntniſſe der
Kirche haßt, deſto theurer und werther laßt ſie uns
halten. In dem Hauſe jedes Lutheraners ſollten
ſie zu finden ſein. Jeder ſollte damit bekannt, ja
recht eigentlich vertraut ſein. Mit ihnen ſollte
jeder Lutheraner vergleichen, was ihm gepredigt
wird und was er in andern Büchern lieſ't. Auf
ſie ſollten die Väter und Mütter ſchon ihre Kin⸗
der und ihr Geſinde, die Lehrer ihre Schüler, vor
allem aber die Prediger ihre Zuhörer hinweiſen.
Gewiß, ſo lange die Bekanntſchaft mit dieſen herr⸗
lichen Zeugniſſen und die Liebe zu ihnen unter
uns Lutheranern bleibt, ſo lange wird auch die
reine Lehre unter uns eine Wohnſtätte haben.
Kein Irrgeiſt wird uns verführen, und wie einſt
unſere Väter auf den darin bekannten Glauben
ſelig entſchlafen ſind, ſo werden auch wir durch
denſelben Glauben Sünde, Tod und Hölle über⸗
winden und ſelig werden.

Wir ſchließen mit dem Zeugniß des alten treuen
und treuherzigen Selnecker: „Wir können deſſen
gewiß ſein, daß, ſo lange man in dieſen und an⸗
dern Landen, Kirchen und Schulen über dieſer
Bekenntniß und Erklärung, ſo in dem chriſtlichen
Concordienbuch verfaſſet, halten wird, ſo lange
werde auch Richtigkeit in Gottes Wort oder in
der Lehre, ohne Schwärmerei, neben anderem Se⸗
gen Gottes bei uns ſein und bleiben. So bald
aber von demſelben richtigen Bekenntniß wird im
Geringſten abgeſetzet werden, daß auch Gott, der
uns dieſe große Wohlthat noch zuletzt erzeigt hat,
von uns abſetzen und allerlei Läſterung und
Schwärmerei unter uns einreißen laſſen werde.“
(Vit. Sax. El. Augusti.)

Die Evang.⸗Lutheriſche Tenneſſee⸗Synode.

Dieſe Synode hat vom 30. September bis
5. October v. J. ihre 28ſte Sitzung gehalten in
der Salomons⸗Kirche im County Shenandoah
in Virginien. Der Bericht hiervon liegt ſowohl
in deutſcher als engliſcher Sprache vor uns. Auch
dieſer Bericht, wie der vorjährige, liefert den Be⸗
weis, daß dieſe Synode zu den wenigen gehört,
welche nicht nur lutheriſch heißen, ſondern es
auch ſein und bleiben wollen.

Zugegen waren 10 Prediger und 20 Laien⸗
Deputirte; 14 zur Synode gehörende Prediger
waren abweſend, und zwar mehrere von dieſen,
weil ſie Armuthshalber die Koſten der Reiſe nicht
hatten aufbringen können, daher die Synode un⸗
ter Anderem den Beſchluß gefaßt hat: „Daß wir
unſeren Gemeindegliedern aufs feierlichſte und
ernſtlichſte anrathen, ihren Predigern mehr Unter⸗
ſtützung zu leiſten, damit ſie die nöthigen Anord⸗
nungen machen können, der Synode beizuwohnen.“

Wir hoffen, unſeren Leſern eine Freude zu
machen, wenn wir ihnen aus dem Berichte noch
Folgendes mittheilen:

„Dr. Henkel berichtete der Synode, daß es mit
der Ueberſetzung des chriſtlichen Concordien—
buchs (in die engliſche Sprache) ſchon ſeit eini⸗
ger Zeit vorwärts gegangen und daß dieſelbe be⸗
reits einmal durchgegangen worden iſt, daß aber
das Ganze noch fernere Berichtigung erhalten

muß, ehe es zum Druck bereit ſein wird. Er
hofft, es den nächſten Sommer zur Ueberlieferung
bereit haben zu können. Die Urſache, warum die
Herausgabe verzögert wird, iſt, um Zeit zu be⸗

zu machen.

Dr. Henkel meldete ferner, da die unterſchei⸗
denden Lehren der lutheriſchen Kirche von den
Sacramenten unter den Engliſchen nicht allge⸗
mein verſtanden werden, welches daher rühre, daß 4
Luthers Schriften meiſt nur in deutſcher 1
und lateiniſcher Sprache zu haben ſind, ſo kün⸗
dige er unſerem Körper an, daß er geſonnen ſei,!
einen Band herauszugeben, enthaltend eine eng⸗
liſche Ueberſetzung von Luthers Brief von der
Wiedertaufe und deſſen Predigt von der
Taufe, worin der Artikel von der Taufe völlig
erklärt wird; wie auch Luthers großes Be—
kenntniß vom heiligen Abendmahl, worin dit-
ſer Artikel ausführlich erklärt wird. — Er ſchlägt,
vor, wenn es die Synode für gut erachtet, An⸗
ſtalten zu treffen, das Werk ſo bald als möglich
zu überſetzen und im Druck herauszugeben.

Beſchloſſen: Daß die Synode Dr. Henkels
Vorſchlag völlig genehmigt, und daß wir unſern
Gemeinen das Werk mit Freuden empfehlen.“ —

Es heißt im Berichte weiter:

„Da ein Werk, genannt „„Die Geſchichte der
amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirche““, von Dr. Ha⸗
zelius von Lexington, S. C., herausgegeben
wurde, in welchem ſich falſche Darſtellungen
in Hinſicht unſeres Körpers befinden, und da
unterſchiedene kirchliche Körperſchaften und reli⸗
giöſe Zeitſchriften ſelbiges Werk dem Publicum
anempfehlen, und da es unter ſolchen Umſtänden
wohl geeignet iſt, das Publicum irre zu führen
und gegen uns mit Vorurtheil anzufüllen, und
der Wahrheit ſehr nachtheilig zu ſein, ſo wurde

Beſchloſſen: Daß Pfr. A. Henkel, J.
Steuerwalt, J. Killian, Dr. S. G. Henkel und
Hr. Socrates Henkel zur Committee beſtimmt
ſeien, ſolches zu unterſuchen und die Irrthümet,
die ſie darin finden, zu berichtigen, und daß ſie
die Herausgeber des Lutheran Standard, Lu-
theran Observer und ſolcher anderer Zeitſchrif⸗
ten, die dazu geeignet erſcheinen mögen, erſuchen,
ihre Berichtigungen nebſt dieſem Eingang und
Beſchluß zu veröffentlichen.“

Der Bericht meldet ferner, daß eine Committer
niedergeſetzt wurde, welche über die Ausſichten
zur Eröffnung einer freundlichen Correſpondenz
mit der Weſtlichen Virginier Synode Bericht zu
erſtatten hatte. Unter anderem legte dieſe Com⸗
mittee, beſtehend aus den PP. J. R. Moſer, H.
Wetzel, T. Moſer und Dr. S. G. Henkel, eine
Bittſchrift von der St. Paulus-Kirche in Auguſta,
Virginien, vor, worin die Bittenden zu erkennen
geben, daß „ſie wider alle Vereinigung der Kräfte
und Hülfsmittel zwiſchen uns und den Neu⸗
lutheranern ſind, es ſei denn, daß ſie zuerſt
allen ihren antilutheriſchen (unlutheriſchen) Leh⸗.
ren und Maßregeln u. ſ. w. entſagen“. Hierauf
wurde von der Committee folgender Beſchluß der
Synode empfohlen und von ſelbiger einmüthig⸗
lich angenommen:

kommen, die Ueberſetzung ſo fehlerfrei als möglich 1

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