# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 02 02_S84 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Uneinigkeit unter den Lutheranern ſelbſt entſtand, indem ſich mehr und' mehr heimliche Anhänger Calvins (Cryptocalviniſten) unter die Lutheraner einſchlichen, welche unter der Firma, daß ſie Luthe⸗ raner ſeien, die calviniſche Lehre an das Volk als lutheriſche verkaufen und ſo dasſelbe auf die ſchändlichſte Weiſe um ſeinen Glauben betrü⸗ gen wollten. Wohin würde nun die dadurch ent⸗ ſtandene Verwirrung geführt haben, hätten ſich nicht die trenen Bekenner der Wahrheit dreißig Jahre nach Luthers Tode vereinigt, ein neues Bekenntniß, nemlich die Concordienformel, aufzuſetzen, dadurch dem gefährlichen Streite ein Ende zu machen und die unter lutheriſchem Na⸗ men eingeſchlichenen Verkehrer der Wahrheit zu entlarven? Der Verfall der lutheriſchen Kirche, den wir jetzt beklagen, würde ohne die Symbole wohl ſo⸗ gleich nach Luthers Tode erfolgt ſein. Aber da die Prediger und das Volk dieſe reinen Bekennt⸗ niſſe in den Händen hatten, die Prediger feierlich darauf verpflichtet wurden und die Zuhörer ſie darnach prüften, ſo konnte zwei Jahrhunderte lang kein offenbar falſcher Lehrer in unſerer Kirche hauſen und auf die Länge der Zeit die Seelen verführen. Worin liegt aber der Grund, daß ſeit ſechszig bis ſiebenzig Jahren in der lutheriſchen Kirche die frechſten Irrlehren haben Ueberhand nehmen können, anders, als darin, daß man die Symbole der Kirche dem Volke nicht bekannt wer⸗ den ließ, ſondern gefliſſentlich verdeckte? Denn als dieſe den Zuhörern fremd wurden, dann durfte es jeder wagen, ſeines Herzens Gedanken und Ein⸗ fälle als Gottes Wort und als Lehre des Evan⸗ geliums zu verkaufen. Hat man es aber jemals erfahren, von welchem unvergleichlichen Nutzen die Symbole ſind, ſo erfahren wir es jetzt. Was wollten wir jetzt thun, könnten wir aus jenen Bekenntniſſen nicht erwei⸗ ſen, was die wahre evangeliſche Lehre ſei, die einſt Luther und die ganze erſte lutheriſche Kirche ge⸗ glaubt und bekannt hat? Wir müßten ſchweigen und die Zerſtörer unſerer Kirche ihr unheilvolles Werk unter unſerem eigenen Namen ungeſtraft treiben laſſen. Aber auf unſere Symbole hinwei⸗ ſend, können wir nun getroſt allen falſchen Luthe⸗ ranern Trotz bieten und alle redliche Seelen über⸗ zeugen, daß ſie Betrüger und geiſtliche Falſch⸗ münzer ſind. Erkennet hieraus, geliebte Glaubensgenoſſen, wie viel wir weggeben würden, wenn wir jetzt nicht an den öffentlichen Bekenniniſſen unſerer Kirche feſthalten wollten. Trauet darum denen nicht, die, gegen dieſe Bekenntniſſe redend, vor⸗ geben, ſie ſtritten allein gegen Menſchenanſehen, und ſie wollten alle Ehre allein der Bibel gegeben wiſſen. Sie wollen euch täuſchen! Sie möchten gern die Mauer ſtürzen ſehen, welche durch die Symbole um die Kirche gezogen iſt, damit ſie Freiheit haben, Menſchenwitz als göttliche Offen⸗ barung einzuſchmuggeln, und damit niemand ihnen nachweiſen könne, daß ſie die Kirche mit Füßen treten, deren Brod ſie eſſen, daß ſie darin wohnen und arbeiten, nicht um zu bauen, ſondern um niederzureißen. 8⁴ Je mehr man daher jetzt die Bekenntniſſe der Kirche haßt, deſto theurer und werther laßt ſie uns halten. In dem Hauſe jedes Lutheraners ſollten ſie zu finden ſein. Jeder ſollte damit bekannt, ja recht eigentlich vertraut ſein. Mit ihnen ſollte jeder Lutheraner vergleichen, was ihm gepredigt wird und was er in andern Büchern lieſ't. Auf ſie ſollten die Väter und Mütter ſchon ihre Kin⸗ der und ihr Geſinde, die Lehrer ihre Schüler, vor allem aber die Prediger ihre Zuhörer hinweiſen. Gewiß, ſo lange die Bekanntſchaft mit dieſen herr⸗ lichen Zeugniſſen und die Liebe zu ihnen unter uns Lutheranern bleibt, ſo lange wird auch die reine Lehre unter uns eine Wohnſtätte haben. Kein Irrgeiſt wird uns verführen, und wie einſt unſere Väter auf den darin bekannten Glauben ſelig entſchlafen ſind, ſo werden auch wir durch denſelben Glauben Sünde, Tod und Hölle über⸗ winden und ſelig werden. Wir ſchließen mit dem Zeugniß des alten treuen und treuherzigen Selnecker: „Wir können deſſen gewiß ſein, daß, ſo lange man in dieſen und an⸗ dern Landen, Kirchen und Schulen über dieſer Bekenntniß und Erklärung, ſo in dem chriſtlichen Concordienbuch verfaſſet, halten wird, ſo lange werde auch Richtigkeit in Gottes Wort oder in der Lehre, ohne Schwärmerei, neben anderem Se⸗ gen Gottes bei uns ſein und bleiben. So bald aber von demſelben richtigen Bekenntniß wird im Geringſten abgeſetzet werden, daß auch Gott, der uns dieſe große Wohlthat noch zuletzt erzeigt hat, von uns abſetzen und allerlei Läſterung und Schwärmerei unter uns einreißen laſſen werde.“ (Vit. Sax. El. Augusti.) Die Evang.⸗Lutheriſche Tenneſſee⸗Synode. Dieſe Synode hat vom 30. September bis 5. October v. J. ihre 28ſte Sitzung gehalten in der Salomons⸗Kirche im County Shenandoah in Virginien. Der Bericht hiervon liegt ſowohl in deutſcher als engliſcher Sprache vor uns. Auch dieſer Bericht, wie der vorjährige, liefert den Be⸗ weis, daß dieſe Synode zu den wenigen gehört, welche nicht nur lutheriſch heißen, ſondern es auch ſein und bleiben wollen. Zugegen waren 10 Prediger und 20 Laien⸗ Deputirte; 14 zur Synode gehörende Prediger waren abweſend, und zwar mehrere von dieſen, weil ſie Armuthshalber die Koſten der Reiſe nicht hatten aufbringen können, daher die Synode un⸗ ter Anderem den Beſchluß gefaßt hat: „Daß wir unſeren Gemeindegliedern aufs feierlichſte und ernſtlichſte anrathen, ihren Predigern mehr Unter⸗ ſtützung zu leiſten, damit ſie die nöthigen Anord⸗ nungen machen können, der Synode beizuwohnen.“ Wir hoffen, unſeren Leſern eine Freude zu machen, wenn wir ihnen aus dem Berichte noch Folgendes mittheilen: „Dr. Henkel berichtete der Synode, daß es mit der Ueberſetzung des chriſtlichen Concordien— buchs (in die engliſche Sprache) ſchon ſeit eini⸗ ger Zeit vorwärts gegangen und daß dieſelbe be⸗ reits einmal durchgegangen worden iſt, daß aber das Ganze noch fernere Berichtigung erhalten muß, ehe es zum Druck bereit ſein wird. Er hofft, es den nächſten Sommer zur Ueberlieferung bereit haben zu können. Die Urſache, warum die Herausgabe verzögert wird, iſt, um Zeit zu be⸗ zu machen. Dr. Henkel meldete ferner, da die unterſchei⸗ denden Lehren der lutheriſchen Kirche von den Sacramenten unter den Engliſchen nicht allge⸗ mein verſtanden werden, welches daher rühre, daß 4 Luthers Schriften meiſt nur in deutſcher 1 und lateiniſcher Sprache zu haben ſind, ſo kün⸗ dige er unſerem Körper an, daß er geſonnen ſei,! einen Band herauszugeben, enthaltend eine eng⸗ liſche Ueberſetzung von Luthers Brief von der Wiedertaufe und deſſen Predigt von der Taufe, worin der Artikel von der Taufe völlig erklärt wird; wie auch Luthers großes Be— kenntniß vom heiligen Abendmahl, worin dit- ſer Artikel ausführlich erklärt wird. — Er ſchlägt, vor, wenn es die Synode für gut erachtet, An⸗ ſtalten zu treffen, das Werk ſo bald als möglich zu überſetzen und im Druck herauszugeben. Beſchloſſen: Daß die Synode Dr. Henkels Vorſchlag völlig genehmigt, und daß wir unſern Gemeinen das Werk mit Freuden empfehlen.“ — Es heißt im Berichte weiter: „Da ein Werk, genannt „„Die Geſchichte der amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirche““, von Dr. Ha⸗ zelius von Lexington, S. C., herausgegeben wurde, in welchem ſich falſche Darſtellungen in Hinſicht unſeres Körpers befinden, und da unterſchiedene kirchliche Körperſchaften und reli⸗ giöſe Zeitſchriften ſelbiges Werk dem Publicum anempfehlen, und da es unter ſolchen Umſtänden wohl geeignet iſt, das Publicum irre zu führen und gegen uns mit Vorurtheil anzufüllen, und der Wahrheit ſehr nachtheilig zu ſein, ſo wurde Beſchloſſen: Daß Pfr. A. Henkel, J. Steuerwalt, J. Killian, Dr. S. G. Henkel und Hr. Socrates Henkel zur Committee beſtimmt ſeien, ſolches zu unterſuchen und die Irrthümet, die ſie darin finden, zu berichtigen, und daß ſie die Herausgeber des Lutheran Standard, Lu- theran Observer und ſolcher anderer Zeitſchrif⸗ ten, die dazu geeignet erſcheinen mögen, erſuchen, ihre Berichtigungen nebſt dieſem Eingang und Beſchluß zu veröffentlichen.“ Der Bericht meldet ferner, daß eine Committer niedergeſetzt wurde, welche über die Ausſichten zur Eröffnung einer freundlichen Correſpondenz mit der Weſtlichen Virginier Synode Bericht zu erſtatten hatte. Unter anderem legte dieſe Com⸗ mittee, beſtehend aus den PP. J. R. Moſer, H. Wetzel, T. Moſer und Dr. S. G. Henkel, eine Bittſchrift von der St. Paulus-Kirche in Auguſta, Virginien, vor, worin die Bittenden zu erkennen geben, daß „ſie wider alle Vereinigung der Kräfte und Hülfsmittel zwiſchen uns und den Neu⸗ lutheranern ſind, es ſei denn, daß ſie zuerſt allen ihren antilutheriſchen (unlutheriſchen) Leh⸗. ren und Maßregeln u. ſ. w. entſagen“. Hierauf wurde von der Committee folgender Beſchluß der Synode empfohlen und von ſelbiger einmüthig⸗ lich angenommen: kommen, die Ueberſetzung ſo fehlerfrei als möglich 1