Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 8 › Seite 59
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-12-22, Seite 59
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Paſtor 9 · Erziehungsmittel · Taufe 20
Antwort: Ja, ſofern die Eltern, nachdem ſie
in der reinen Lehre von der heiligen Taufe den
nöthigen Unterricht empfangen haben, keinen
Widerſpruch dagegen erheben und wenn man be⸗
fürchten muß, daß im Weigerungsfalle des luthe⸗
niſchen Paſtors die Kinder gar nicht getauft
würden.
7. Können die Kinder aus irrgläubigen Ge⸗
neinſchaften oder von kirchloſen Eltern zur Schule
angenommen werden?
Anwort: Ja, ſofern die Eltern nicht begehren,
daß ihre Kinder vom Unterrichte in der bibliſchen
Geſchichte und im Katechismus ausgenommen
werden.
8. Wie hat man ſich zu verhalten, wenn eine
Gemeinde, nachdem ſie ihren Paſtor zuerſt nicht
mieth⸗ und zeitweiſe angenommen, ſpäter zu einem
zeuweiſen Dingen desſelben ſchreiten, oder wenn
die Gemeinde die Verwaltung ſeines Amtes nach
Gottes Ordnung in einigen oder auch nur in
einem einzigen Stücke nicht mehr leiden wollte?
Antwort: Es müſſen der Gemeinde die Gründe
genau auseinandergeſetzt werden, warum ein Pre⸗
diger und Seelſorger ſich nicht könne und dürfe
zeitweiſe dingen laſſen, und daß ſolche Handlungs⸗
weiſe von Seiten der Gemeinde ein Uebergriff
weltlicher Volksherrſchaft in die göttliche Gerecht⸗
ſame des heiligen Predigtamts ſei; denn obgleich
dermalen die Berufung des Dieners der Kirche
zum Paſtor an einer beſtimmten Gemeinde nur
eine mittelbare und durch Menſchen ausgeübte ſei,
ſo ſei es dennoch eine göttliche; denn nach Matthäi
9, 38. ſende immerdar der Vater, als der Herr
der Ernte, Arbeiter in dieſelbige; nach Epheſ. 4,
11. ſetze auch der Sohn allewege „die Hirten und
Lehrer“; nach Ap. Geſch. 20, 28. ſtelle auch der
Heilige Geiſt die unmittelbar Berufenen in ihr
Amt. Aus dieſer Göttlichkeit auch der mittelbaren
Berufung erhelle aber natürlich auch ihre lebens⸗
längliche Geltung, denn was Gott zuſammen⸗
gefügt habe, das ſolle kein Menſch ſcheiden, viel
weniger ſchon im Voraus nach einem gewiſſen
Zeittermin für aufgelöſ't erklären. Und nur dann
böſe ſich dies Band, wenn er entweder in falſche
Lehre oder ärgerliches Leben oder in beides hinein⸗
gerathe und trotz der ſtufenweiſen Ermahnung
nach Maith. 18, 15—17. darin verharre, oder
wenn die Gemeinde die Verwaltung ſeines Amtes
nach göttlicher Ordnung in dieſem oder jenem
Stücke nicht mehr haben wollte, oder wenn ihn
ſeine Gemeinde einer andern, die ihn begehrt und
wo er der Kirche noch wirkſamer dienen kann,
freiwillig überläßt.
Nehme nun die Gemeinde keine Belehrung an
oder gebe ſie nichts darauf und beharre auf ihrer
fleiſchlichen Willkür, ihren Prediger auf beſtimmte
Zein dingen zu wollen, ſo ſei ſie keine chriſtliche
Gemeinde, ſondern ein loſer und gottloſer Haufe
und der Paſtor habe ſie dann zu verlaſſen.
9. Wenn eine Gemeinde ſich an eine Synode
anſchließen will, die eine bekenntnißwidrige Praxis
üdt, ſoll der Prediger ſie dann verlaſſen?
Antwort: Ja! wenn die Gemeinde nach ge⸗
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Handlungsweiſe jener Synode auf ihrem Vor⸗
ſatze beharre.
10. Wie aber, wenn die Gemeinde ſich zwar
keiner kirchlichen Synode anſchließen, ſondern
ganz ohne Verbindung mit einer Synode bleiben
wollte, aber auch den Austritt ihres Paſtors für
ſeine Perſon von einer rechtgläubigen Synode
verlangte?
Antwort: Wenn die Gemeinde, nach gründ⸗
lichem und freundlichem Unterrichte, auf ihrer
Forderung beſtehen ſollte, ſo ſoll der Paſtor lieber
die Gemeinde aufgeben, als von der Synode ab⸗
treten, denn im andern Falle würde er ſich nicht
nur zu einem Menſchenknecht machen und ſeiner
Freiheit auf eine falſche Weiſe berauben laſſen,
ſondern zugleich mittelbar das Bekenntniß ver⸗
leugnen.
11. Wenn der größere Theil der Gemeinde,
augenſcheinlich aus Gleichgültigkeit gegen das
Bekenntniß, ſich an eine unkirchliche Synode an⸗
ſchließen will, darf dann der Paſtor aus dem ge⸗
ringern, bekenntnißtreuen Theile der Gemeinde
eine neue Gemeinde bilden?
Antwort: Ja, wenn alle Verſuche, jene eines
Beſſeren zu belehren, fruchtlos ſind und dieſe feſt
und entſchieden genug ſind, ſein Bleiben für ſich
zu begehren.
12. Gehört der regelmäßige Hausbeſuch zur
Treue im Amte? ö
Beim Amtsantritt ſoll der Prediger allerdings
jede Familie beſuchen und zuſehen, wie es mit dem
Ehefrieden, der Kinderzucht, dem Hausgottes⸗
dienſt, dem Hausweſen, der Benutzung erbaulicher
Bücher u. ſ. f. beſtellt ſei. Darnach aber kann
der regelmäßige Hausbeſuch unterbleiben,
zumal wenn die Beichtanmeldung eingeführt
und die Gemeinde ſehr groß iſt. Es genügt dann,
wann die Häuſer und Familien öfter beſucht wer⸗
den, wo etwa Krante ſind, und ſolche Verhältniſſe
vorliegen, die eine beſondere ſeelſorgerliche Be⸗
handlung nothwendig machen, für welche vielleicht
die Zeit bei der Beichtanmeldung nicht völlig
ausreichte. Ein müßiges, ſogenanntes freund⸗
ſchaftliches Beſuchen, als ſtehende Gewöhnung,
hat der Paſtor jedenfalls zu vermeiden, dazu hat
er weder Amt noch Zeit.
Bei allen Hausbeſuchen aber hat ſich der Paſtor
zu befleißigen, daß er ſich nicht als Zuchtmeiſter,
ſondern als ein Vater in Chriſto erzeige, alſo daß,
ob Gott will, ſeine aufrichtigen Kirchkinder ein
eben ſo herzliches Vertrauen zu ſeiner Perſon ge⸗
winnen, als Ehrerbietung vor dem Amte, das er
trägt, behalten. Demgemäß hat er ſich hier und
in anderweitigen geſelligen Verhältniſſen, wie
z. B. bei Hochzeiten, Kindtaufseſſen u. ſ. w., zu
hüten, daß er weder die Heiligkeit ſeines Amtes
und die Wichtigkeit ſeines Beiſpiels vergeſſe und
vielleicht gar in weltförmige Weiſe gerathe, noch
auf eine herriſche Weiſe ein falſches Amtsanſehen
geltend mache, ſondern ſeine Rede allezeit lieblich
ſein laſſe und mit Salz gewürzet und als ein
Hausvater, der zum Himmelreich gelehrt iſt. Altes
und Neues zum gemeinen Nutz aus ſeinem Schatz
hervor bringe.
ſchloſſen, daß jedes Mitglied der Conferenz eine
Art von amtlichem Tagebuch führe, um darin
wichtige und ſchwierige Fälle zu bemerken, die ihm
in Seelſorge und Kirchenzucht etwa vorkommen,
ſammt der Entſcheidung und Erledigung, die ſit
entweder durch den betreffenden Paſtor unmittel⸗
bar, oder mittelbar durch den Präſes oder die Con⸗
ferenz oder die Synode ſelber gefunden. Auf
dieſe Weiſe würden dann ſchätzbare Materialien
zu einem amerikaniſchen Paſtorale geſammelt, zu⸗
mal wenn die andern Conferenz⸗Diſtricte das ſelbe
Verfahren einſchlügen und ein dazu befähigtes
Glied der Synode beauftragt würde, den er⸗
wachſenden Stoff alljährlich zu ſichten und zu
ordnen.
William und Jenny.
(Eine Erzählung von Stöber.)
Wer es lieſ't, wie viel Geld in England auf die
Bekehrung der armen Heiden verwendet wird, der
ſtaunt, wie über die 5000 Centner Gold und die
10,000 Centner Silber, ſo die Fürſten Davids
zum Bau des Tempels gaben, und fragt, woher
man in Großbritannien das gar viele Geld nehme.
Der Erzähler kann's ihm ſagen, und wenn der
freundliche Leſer nur etliche Zeilen weiter mit ihm
gehen will, ſo wird er auch lernen, daß man dort⸗
ſelbſt aus Sand und Diſteln Silber und Erz ma⸗
chen kann, ohne den Stein der Weiſen oder den
Schlüſſel Salomonis.
In einer Gaſſe in London, da wo Babylon die
Große nach und nach aufbört und die Felder wie⸗
der anfangen, ſaß ein Knabe und zählte die 26
Pence, die er für ſeinen Fegſand gelöſ't hatte, aus
einer Hand in die andere. Neben ihm ſtand ſeine
Eſelin mit geſenktem Haupte und hängenden
Ohren. An ſie lehnte ſich ein anderer Knabe,
und nagte mit ſeinen guten Zähnen an einem
ſteinharten Zwieback, den er von einem Matroſen
oder aus einer andern milden Hand erhalten
hatte. x
Nicht weit davon war ein großes Haus mit
hohen Fenſtern, in welches gerade mehr Leute hin⸗
eingingen, als in andere Häuſer, wo man nur
ſchafft oder genießt, was zu des Leibes Nahrung
und Nothdurft gehört. Auch ſaß kein Mann vor
oder hinter der Thüre, der für den Eintritt Etwas
verlangt hätte.
Darum dachte der kleine Eſelstreiber, nachdem
er ſeine Baarſchaft wieder in ſeine Hoſentaſche
gebracht hatte: „Wenn es nichts koſtet, kann ich
auch in das große Haus mit den hohen Fenſtern
hineingehen und ſchauen, was es darin gibt.“
Und ſagte zu ſeinem Kameraden mit dem Zwieback,
als wäre er ſein Knechtlein: „Du Tom, bleib bei
meinem Thier, und laß ihm nichts geſchehen, bis
ich wieder komme.“
Der Tom ließ ſich auch vor dem Laſtthier auf
das Pflaſter nieder und blieb allda ſitzen, ſo lange
er mit ſeinem harten Brode zu thun hatte. Als
er aber damit fertig war, hielt er nicht mehr lange
aus, ſondern erhob ſich wieder und ſagte zu der
Eſelin: „Jenny, der William hat geſagt, Du
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