Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 8 › Seite 61
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-12-22, Seite 61
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibelleſen 41 · Sonntag 10
ſei und wie ſie heiße, damit er die Namen der
nilden Geber richtig in ſeine Liſten und in ſeine
Rechnung eintragen könne.
„Dieſe Perſonen“, antwortete der kleine Heiden⸗
freund, „ſind wir, meine Jenny da und ich,
William Brown.“ Und erzählte dann, wie ſie
Beide treulich zuſammengeholfen hätten, bis das
kleinene Säcklein voll geworden wäre, was noch
eher geſchehen ſein würde, wenn er nicht einmal für
ſeine kranke Mutter den Doctor und Apotheker
daraus bezahlt hätte.
Der Mann in dem ſchwarzen Anzuge dankte
ihm im Namen Gottes und ſchenkte ihm ein Büch⸗
lein, in welchem noch weit mehr von den Heiden
und ihren Helfern ſtand, als William vor einem
Jahre in dem großen Hauſe von ihm gehört hatte.
In der Kapelle aber hielt er am Ende ſeines
Vortrags das gefüllte Säcklein hoch empor und
ſagte den Verſammelten zu Williams Gedächtniß,
was der ſchwache Knabe, von dem HErrn ſeinem
Gott erweckt, gethan hatte.
Ein reicher Kaufmann aber, der jedes Jahr
hundert Pfund und darüber für die armen Heiden
zu geben pflegte, ſchlug beim Auseinandergehen
der Verſammlung an ſeine Bruſt und ſprach bei
ſich ſelber: „Dieſer hat mehr in den Gotteskaſten
gelegt, denn wir Alle eingelegt haben, denn ſie
haben Alle von ihrem Uebrigen eingelegt; dieſer
aber hat von ſeiner Armuth Alles, was er hatte,
eingelegt.“
(Eingeſandt.)
Ein Wort inſonderheit an meine Weſt⸗
phüliſchen Landsleute in Nordamerika.
Theure Brüder! Chriſten ſind allenthalben
in Gefahr, des rechten Weges zu verfehlen und
von dem ewigen Quell der Wahrheit, dem un⸗
trüglichen Worte Gottes, abzuirren, größer aber,
als irgendwo, iſt dieſe Gefahr hier in dieſem un⸗
ſeren neuen Vaterlande. Hier treten leider Irr⸗
lehrer aller Art in ſo täuſchender Geſtalt auf, daß
leicht auch ſolche betrogen werden können, die in
unſerem alten Vaterlande als die treueſten Chri⸗
ſten gewandelt und in der beſten Erkenntniß ge⸗
ſtanden haben. Wie leicht ſelbſt ſolche, die ihrer
theuren Mutterkirche treu bleiben wollen, hier
derſelben, ohne es ſelbſt zu ahnen, untreu werden
können, davon bin ich, der Unterzeichnete, ſelbſt
ein Beiſpiel geworden. Aus Liebe zu meinen
Brüdern und ihnen zur Warnung will ich daher
hier etwas aus meinen Erfahrungen mittheilen.
Ich bin Jahre lang für das amerikaniſche Predigt⸗
amt vorbereitet und es ſind dabei von meinen
Lehrern die Bekenntnißſchriften der evangeliſch⸗
lutheriſchen Kirche zum Grunde gelegt worden. —
Mein Entſchluß war daher, als ich vor einem
halben Jahre hierher kam, dieſer meiner Kirche
und nur ihr zu dienen. Zwar wurde ich von
theuren Männern im alten Vaterlande an den
hieſigen ſogenannten „evangeliſchen Kirchen⸗
verein des Weſtens“ empfohlen; dies geſchah
jedoch ſicher nicht, um mich hier meiner Kirche
untreu zu machen, ſondern in der Meinung, der
genannte Verein habe die Lehre der evangeliſch⸗
61
lutheriſchen Kirche zur Grundlage. Denn in
Weſtphalen bekennt man ſich in den meiſten Ge⸗
meinden zu keiner anderen Lehre, als wie ſie in
dem kleinen und großen Katechismus Luthers und
in der ungeänderten Augsburgiſchen Confeſſion
nach dem untrüglichen Worte Gottes verfaßt iſt.
So ſchloß ich mich denn in guter Meinung dem
evangeliſchen Verein hier an. Doch bald ſind
mir die Augen aufgegangen. Schon von vorn⸗
herein war es mir verdächtig, daß der Verein einen
neuen Katechismus, in welchem die Rormallehre
desſelben enthalten ſein ſoll, verfertigt habe, doch
meinte ich Anfangs bei einem flüchtigen Blick in
denſelben, daß er doch nichts anders als den luthe⸗
riſchen Katechismus enthalte und nur eine andere
äußere Form und Ordnung habe. — Nachdem
ich aber dieſen „evangeliſchen“ Katechismus ge⸗
nauer geprüft habe, habe ich mit Schrecken und
Betrübniß gefunden, daß derſelbe keine Spur von
der Reinheit der Lehre unſerer evangeliſch-luthe⸗
riſchen Kirche erkennen läßt. Der evangeliſche Ver⸗
ein hält ſich offenbar für berufen, ein ganz neues
Lehrſyſtem auf den Plan bringen zu müſſen. Er
geht darauf aus, den theuren, köſtlichen Katechis⸗
mus Luthers, der uns und unſere Väter mit der
Milch der reinen Lehre genährt hat, unſerer
Jugend in Amerika aus den Händen zu ſpielen;
denn eine andere Nothwendigkeit kann den neuen
Katechismus nicht ins Leben gerufen haben.
Nachdem mir nun Gott ſammt meiner lieben
Gemeinde hierüber die Augen geöffnet, ſo fühlte
ich mich in meinem Gewiſſen gedrungen, mich mit
meiner Gemeinde gänzlich von dem evangeliſchen
Kirchenverein zu trennen. Ich konnte unmöglich
meinen theuren, werthen lutheriſchen Katechismus
mit dem evangeliſchen vertauſchen, denn damit
hätte ich offenbar meinen Glauben ſchändlich ver⸗
leugnet. Ich leugne nicht, daß der Verein hie
und da auch ein Bröcklein lutheriſcher Lehre hat,
doch iſt alles ſo ſehr mit dem Sauerteig der refor⸗
mirten Lehre verſäuert, daß man in vielen Lehr⸗
ſätzen nicht weiß, ob man ſie reformirt oder luthe⸗
riſch deuten ſoll. Dies ſoll nun zwar der neue
evangeliſche Katechismus entſcheiden, aber auch
dieſem gilt, was der HErr Luc. 5, 36—39. ſagt:
„Niemand flicket einen Lappen vom neuen Kleid
auf ein altes Kleid, wo anders, ſo reißet das
Neue, und der Lappe vom Neuen reimet ſich nicht
auf das Alte“ u. ſ. w. Für mich und für andere
evangeliſch-lutheriſche Chriſten gehört aber be—
ſonders der 39. Vers: „Und niemand iſt, der vom
alten (Moſt) trinkt, und wolle bald des neuen;
denn er ſpricht: Der alte iſt milder“; das heißt,
niemand, der etwas altes Beſſeres hat, wird das
neue Geringere anſtatt des Beſſeren, vielweniger
das mit dem Gifte der falſchen Lehre Vermiſchte
anſtatt des Reinen und Lauteren begehren. Gebe
der barmherzige Gott, der da will, daß allen Men⸗
ſchen geholfen werde und daß ſie zur Erkenntniß
der Wahrheit kommen, daß recht viele auch durch
mein Beiſpiel gewarnt werden, ſich nicht aus ihrer
theuren evangeliſch-lutheriſchen Kirche durch den
Namen „evangeliſch“ verlocken oder ſich ſonſt von
hieſigen Schwärmern und Sectirern fangen zu
laſſen. Solche handeln als die treuloſeſten Seelen
nicht allein gegen ihre Kirche, der ſie das Gelübde
der Treue an heiliger Stätte geleiſtet haben, und
ſomit gegen Chriſtum, das Haupt der Kirche, ſon⸗
dern auch gegen ihre Kinder, denen ſie das reine,
lautere Lebensbrod entziehen und ihnen dafür einen
Erſatz bieten, der ihren Seelen eher den Tod, als
das Leben ſpenden wird.
Neu⸗Bielefeld an der Bellefountain Road,
St. Louis Co., Mo., den 22. Nov. 1848.
Carl Schliepſiek.
Um gewiſſer Umſtände willen erlaubt ſich der
Unterzeichnete noch folgenden, an den unirt⸗evan⸗
geliſchen Paſtor Herrn Ries gerichteten Brief
als einen Beleg für ſeinen erfolgten Austritt aus
dem hieſigen Kirchenverein und ſomit aus der
unirt⸗evangeliſchen Kirche und für ſeine Wieder⸗
kehr in die evangeliſch-lutheriſche Kirche ungeän⸗
derter Augsburgiſcher Confeſſion den lieben Leſern
des „Lutheraner“ miizutheilen:
Hochgeehrteſter Herr Paſtor!
Nach meiner letzten Beſprechung, die ich mit
Ihnen in Bezug des kleinen lutheriſchen Kate⸗
chismus anſtellte, welcher hier als Gemeinde⸗
Katechismus eingeführt worden iſt, und von dem
die Gemeinde entſchieden erklärt hat, daß ſie den⸗
ſelben für keinen Preis für den evangeliſchen,
welcher in Ihren evangeliſchen Gemeinden ge⸗
braucht wird, vertauſchen könne, habe ich mich
ſeitdem vielfach und gründlich nach der Lehre der
lutheriſchen Kirche in ihren Bekenntnißſchriften
geprüft und muß zufolge deſſen, Pflicht meines
Gewiſſens, bekennen und hiermit bezeugen, daß
ich das Bekenntniß der lutheriſchen Kirche nur
als mein Bekenntniß im Lehren und Lernen an⸗
nehmen kann; und zwar aus den Gründen, weil
ſolche Bekenntnißſchriften nicht allein aus der
lauteren Quelle des untrüglichen göttlichen Wor⸗
tes geſchöpft ſind, ſondern auch und namentlich
weil ſie ſich als ein wahres Fundament durch
Jahrhunderte unter den furchtbarſten Stürmen
und Anfeindungen von Seiten der⸗-Irrlehrer als
bewährt bewieſen haben, daß man wohl in das
Sprüchwort einſtimmen kann: Gottes Wort und
Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.
Sie ſehen alſo, Herr Paſtor, daß ich wider mein
Gewiſſen handeln würde, wenn ich ob dem
Grunde des reinen lutheriſchen Bekenntniſſes
nicht verbleiben wollte. Aus ſolchen Gründen
kann auch ich nach meinem Wiſſen und Gewiſſen
mich nicht dazu verſtehen, daß ich den lutheriſchen
Katechismus beim Unterricht mit dem evangeli⸗
ſchen vertauſche. Da ich mit der Gemeinde hier
unter ſolchem Bekenutniß freilich fernerhin nicht
mehr als zur evangeliſchen Gemeinſchaft gehörig
nach Ihrer Erklärung angeſehen werden kann, ſo
will ich ſolches nicht als ein Unrecht anſehen.
Im Uebrigen bin und verbleibe ich mit aller Hoch⸗
achtung Ihr ergebener Carl Schliepſiek.
Einige Regeln für das Bibelleſen.
(Aus dem „Pilger aus Sachſen.“ Jahrg. 1846.)
Lies fleißig in der heiligen Schrift.
Einem Chriſten ſollte billig kein Tag vergehen,
an dem er nicht Etwas aus dem Worte Gottes
English translation
Not yet translated.