# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 12 22_S59 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Antwort: Ja, ſofern die Eltern, nachdem ſie in der reinen Lehre von der heiligen Taufe den nöthigen Unterricht empfangen haben, keinen Widerſpruch dagegen erheben und wenn man be⸗ fürchten muß, daß im Weigerungsfalle des luthe⸗ niſchen Paſtors die Kinder gar nicht getauft würden. 7. Können die Kinder aus irrgläubigen Ge⸗ neinſchaften oder von kirchloſen Eltern zur Schule angenommen werden? Anwort: Ja, ſofern die Eltern nicht begehren, daß ihre Kinder vom Unterrichte in der bibliſchen Geſchichte und im Katechismus ausgenommen werden. 8. Wie hat man ſich zu verhalten, wenn eine Gemeinde, nachdem ſie ihren Paſtor zuerſt nicht mieth⸗ und zeitweiſe angenommen, ſpäter zu einem zeuweiſen Dingen desſelben ſchreiten, oder wenn die Gemeinde die Verwaltung ſeines Amtes nach Gottes Ordnung in einigen oder auch nur in einem einzigen Stücke nicht mehr leiden wollte? Antwort: Es müſſen der Gemeinde die Gründe genau auseinandergeſetzt werden, warum ein Pre⸗ diger und Seelſorger ſich nicht könne und dürfe zeitweiſe dingen laſſen, und daß ſolche Handlungs⸗ weiſe von Seiten der Gemeinde ein Uebergriff weltlicher Volksherrſchaft in die göttliche Gerecht⸗ ſame des heiligen Predigtamts ſei; denn obgleich dermalen die Berufung des Dieners der Kirche zum Paſtor an einer beſtimmten Gemeinde nur eine mittelbare und durch Menſchen ausgeübte ſei, ſo ſei es dennoch eine göttliche; denn nach Matthäi 9, 38. ſende immerdar der Vater, als der Herr der Ernte, Arbeiter in dieſelbige; nach Epheſ. 4, 11. ſetze auch der Sohn allewege „die Hirten und Lehrer“; nach Ap. Geſch. 20, 28. ſtelle auch der Heilige Geiſt die unmittelbar Berufenen in ihr Amt. Aus dieſer Göttlichkeit auch der mittelbaren Berufung erhelle aber natürlich auch ihre lebens⸗ längliche Geltung, denn was Gott zuſammen⸗ gefügt habe, das ſolle kein Menſch ſcheiden, viel weniger ſchon im Voraus nach einem gewiſſen Zeittermin für aufgelöſ't erklären. Und nur dann böſe ſich dies Band, wenn er entweder in falſche Lehre oder ärgerliches Leben oder in beides hinein⸗ gerathe und trotz der ſtufenweiſen Ermahnung nach Maith. 18, 15—17. darin verharre, oder wenn die Gemeinde die Verwaltung ſeines Amtes nach göttlicher Ordnung in dieſem oder jenem Stücke nicht mehr haben wollte, oder wenn ihn ſeine Gemeinde einer andern, die ihn begehrt und wo er der Kirche noch wirkſamer dienen kann, freiwillig überläßt. Nehme nun die Gemeinde keine Belehrung an oder gebe ſie nichts darauf und beharre auf ihrer fleiſchlichen Willkür, ihren Prediger auf beſtimmte Zein dingen zu wollen, ſo ſei ſie keine chriſtliche Gemeinde, ſondern ein loſer und gottloſer Haufe und der Paſtor habe ſie dann zu verlaſſen. 9. Wenn eine Gemeinde ſich an eine Synode anſchließen will, die eine bekenntnißwidrige Praxis üdt, ſoll der Prediger ſie dann verlaſſen? Antwort: Ja! wenn die Gemeinde nach ge⸗ 59 Handlungsweiſe jener Synode auf ihrem Vor⸗ ſatze beharre. 10. Wie aber, wenn die Gemeinde ſich zwar keiner kirchlichen Synode anſchließen, ſondern ganz ohne Verbindung mit einer Synode bleiben wollte, aber auch den Austritt ihres Paſtors für ſeine Perſon von einer rechtgläubigen Synode verlangte? Antwort: Wenn die Gemeinde, nach gründ⸗ lichem und freundlichem Unterrichte, auf ihrer Forderung beſtehen ſollte, ſo ſoll der Paſtor lieber die Gemeinde aufgeben, als von der Synode ab⸗ treten, denn im andern Falle würde er ſich nicht nur zu einem Menſchenknecht machen und ſeiner Freiheit auf eine falſche Weiſe berauben laſſen, ſondern zugleich mittelbar das Bekenntniß ver⸗ leugnen. 11. Wenn der größere Theil der Gemeinde, augenſcheinlich aus Gleichgültigkeit gegen das Bekenntniß, ſich an eine unkirchliche Synode an⸗ ſchließen will, darf dann der Paſtor aus dem ge⸗ ringern, bekenntnißtreuen Theile der Gemeinde eine neue Gemeinde bilden? Antwort: Ja, wenn alle Verſuche, jene eines Beſſeren zu belehren, fruchtlos ſind und dieſe feſt und entſchieden genug ſind, ſein Bleiben für ſich zu begehren. 12. Gehört der regelmäßige Hausbeſuch zur Treue im Amte? ö Beim Amtsantritt ſoll der Prediger allerdings jede Familie beſuchen und zuſehen, wie es mit dem Ehefrieden, der Kinderzucht, dem Hausgottes⸗ dienſt, dem Hausweſen, der Benutzung erbaulicher Bücher u. ſ. f. beſtellt ſei. Darnach aber kann der regelmäßige Hausbeſuch unterbleiben, zumal wenn die Beichtanmeldung eingeführt und die Gemeinde ſehr groß iſt. Es genügt dann, wann die Häuſer und Familien öfter beſucht wer⸗ den, wo etwa Krante ſind, und ſolche Verhältniſſe vorliegen, die eine beſondere ſeelſorgerliche Be⸗ handlung nothwendig machen, für welche vielleicht die Zeit bei der Beichtanmeldung nicht völlig ausreichte. Ein müßiges, ſogenanntes freund⸗ ſchaftliches Beſuchen, als ſtehende Gewöhnung, hat der Paſtor jedenfalls zu vermeiden, dazu hat er weder Amt noch Zeit. Bei allen Hausbeſuchen aber hat ſich der Paſtor zu befleißigen, daß er ſich nicht als Zuchtmeiſter, ſondern als ein Vater in Chriſto erzeige, alſo daß, ob Gott will, ſeine aufrichtigen Kirchkinder ein eben ſo herzliches Vertrauen zu ſeiner Perſon ge⸗ winnen, als Ehrerbietung vor dem Amte, das er trägt, behalten. Demgemäß hat er ſich hier und in anderweitigen geſelligen Verhältniſſen, wie z. B. bei Hochzeiten, Kindtaufseſſen u. ſ. w., zu hüten, daß er weder die Heiligkeit ſeines Amtes und die Wichtigkeit ſeines Beiſpiels vergeſſe und vielleicht gar in weltförmige Weiſe gerathe, noch auf eine herriſche Weiſe ein falſches Amtsanſehen geltend mache, ſondern ſeine Rede allezeit lieblich ſein laſſe und mit Salz gewürzet und als ein Hausvater, der zum Himmelreich gelehrt iſt. Altes und Neues zum gemeinen Nutz aus ſeinem Schatz hervor bringe. ſchloſſen, daß jedes Mitglied der Conferenz eine Art von amtlichem Tagebuch führe, um darin wichtige und ſchwierige Fälle zu bemerken, die ihm in Seelſorge und Kirchenzucht etwa vorkommen, ſammt der Entſcheidung und Erledigung, die ſit entweder durch den betreffenden Paſtor unmittel⸗ bar, oder mittelbar durch den Präſes oder die Con⸗ ferenz oder die Synode ſelber gefunden. Auf dieſe Weiſe würden dann ſchätzbare Materialien zu einem amerikaniſchen Paſtorale geſammelt, zu⸗ mal wenn die andern Conferenz⸗Diſtricte das ſelbe Verfahren einſchlügen und ein dazu befähigtes Glied der Synode beauftragt würde, den er⸗ wachſenden Stoff alljährlich zu ſichten und zu ordnen. William und Jenny. (Eine Erzählung von Stöber.) Wer es lieſ't, wie viel Geld in England auf die Bekehrung der armen Heiden verwendet wird, der ſtaunt, wie über die 5000 Centner Gold und die 10,000 Centner Silber, ſo die Fürſten Davids zum Bau des Tempels gaben, und fragt, woher man in Großbritannien das gar viele Geld nehme. Der Erzähler kann's ihm ſagen, und wenn der freundliche Leſer nur etliche Zeilen weiter mit ihm gehen will, ſo wird er auch lernen, daß man dort⸗ ſelbſt aus Sand und Diſteln Silber und Erz ma⸗ chen kann, ohne den Stein der Weiſen oder den Schlüſſel Salomonis. In einer Gaſſe in London, da wo Babylon die Große nach und nach aufbört und die Felder wie⸗ der anfangen, ſaß ein Knabe und zählte die 26 Pence, die er für ſeinen Fegſand gelöſ't hatte, aus einer Hand in die andere. Neben ihm ſtand ſeine Eſelin mit geſenktem Haupte und hängenden Ohren. An ſie lehnte ſich ein anderer Knabe, und nagte mit ſeinen guten Zähnen an einem ſteinharten Zwieback, den er von einem Matroſen oder aus einer andern milden Hand erhalten hatte. x Nicht weit davon war ein großes Haus mit hohen Fenſtern, in welches gerade mehr Leute hin⸗ eingingen, als in andere Häuſer, wo man nur ſchafft oder genießt, was zu des Leibes Nahrung und Nothdurft gehört. Auch ſaß kein Mann vor oder hinter der Thüre, der für den Eintritt Etwas verlangt hätte. Darum dachte der kleine Eſelstreiber, nachdem er ſeine Baarſchaft wieder in ſeine Hoſentaſche gebracht hatte: „Wenn es nichts koſtet, kann ich auch in das große Haus mit den hohen Fenſtern hineingehen und ſchauen, was es darin gibt.“ Und ſagte zu ſeinem Kameraden mit dem Zwieback, als wäre er ſein Knechtlein: „Du Tom, bleib bei meinem Thier, und laß ihm nichts geſchehen, bis ich wieder komme.“ Der Tom ließ ſich auch vor dem Laſtthier auf das Pflaſter nieder und blieb allda ſitzen, ſo lange er mit ſeinem harten Brode zu thun hatte. Als er aber damit fertig war, hielt er nicht mehr lange aus, ſondern erhob ſich wieder und ſagte zu der Eſelin: „Jenny, der William hat geſagt, Du