Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 7 › Seite 52
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-11-24, Seite 52
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibelleſen 41 · Kirchengemeinſchaften 3 · Ordination · Ordination 3
bei anhaltendem Haſſe der Zuhörer gegen ſeine
Perſon, verbunden mit Verachtung ſeiner Lehre,
ſo daß er von beſtändigem Kummer und Gram
aufgerieben wird, wie bei Lot, welchen Gott ſelbſt
aus Sodom führte, da ſeine Zuhörer ſeine ge—
rechte Seele von Tag zu Tag quälten mit ihren
ungerechten Werken, 2 Petr. 2, 8. So auch zu⸗
weilen bei Verfolgungen von äußeren Feinden.
Doch iſt dabei mit der größten Gewiſſenhaftigkeit
alle Leichtfertigkeit und Uebereilung zu vermeiden.
Die Conferenz ſprach nun folgendes als ihre
Anſicht aus:
1. Wer von einer Gemeinde ordentlich berufen
iſt, der iſt damit überhaupt von der ganzen Kirche
für ſein ganzes Leben zum (Predigt-Amte) Dienſte
der Kirche berufen, denn durch einen ſolchen
ordentlichen Beruf wird es klar, daß er von Gott
ſelbſt zum Kirchendienſte berufen ſei.
2. Wenn ein Prediger daher auf unrechtmä⸗
ßige Weiſe verjagt wird, oder ſeine Gemeinde ſich
auflöſ't, oder aus andern Gründen ſein örtlicher
Beruf erliſcht, ſo erliſcht damit ſein allgemeiner
Beruf keineswegs. 1 Cor. 7, 20. Er iſt daher
verpflichtet, ſobald ein ordentlicher Beruf an ihn
gelangt, denſelben anzunehmen. 1 Cor. 9, 16.17.
Matth. 28, 29.
3. Obſchon daher ein ſolcher Prediger in ge⸗
wiſſem Sinne ſich als einen Diener der Kirche
betrachten kann, ſo hat er doch kein Recht, ohne
vorgängigen Beruf Amtshandlungen vorzu⸗
nehmen.
Sechste Sitzung.
Was die Ordination betrifft, ſo iſt dieſelbe nach
Gerhard eine öffentliche und feierliche Beſtätigung
oder Bezeugung der Berufung, wodurch das Pre⸗
digtamt einem tüchtigen dazu von der Kirche be—
rufenen Manne anvertraut wird, wozu derſelbe
unter Gebet und Handauflegung geweiht, ſeiner
rechtmäßigen Berufung vergewiſſert, und öffent⸗
lich von der ganzen Kirche feierlich und ernſt an
ſeine Pflicht erinnert wird, weßhalb wir auch den
Gebrauch der Ordination in unſerer Kirche un⸗
verletzt bewahren.
Dabei leugnet jedoch unſere Kirche die abſolute
Nothwendigkeit der Ordination. Sie verwirft
den papiſtiſchen Irrthum, daß die Ordination ein
Sacrament ſei, welches dem Empfänger ein un⸗
auslöſchliches Zeichen einpräge und ex opere
operato die nöthigen Amtsgaben mittheile. Sie
verwirft überhaupt alle abergläubiſche Ueber—
ſchätzung derſelben. Die Ordination iſt nichts
als eine kirchliche Ceremonie, wenn gleich ehr⸗
würdig durch ihr Alter, erbaulich durch die damit
verbundenen Gebete. Aber durch die Ordination
an ſich, durch die bloße Handauflegung wird keine
Gnade mitgetheilt.
meinde und der Kirchendiener, welche die verhei⸗—
ßene Erhörung finden, um ihretwillen ſchenkt
und mehrt der HErr die nöthigen Amtsgaben.
Nach Gerhard geſchieht die Ordination nur
einmal. Er ſagt nämlich: Darin unterſcheidet
ſich die Inveſtitur von der Ordination, daß die
Ordination nur einmal geſchieht, die Inveſtitur
aber ſo oft wiederholt wird, als Jemand, der ſchon
vorher zum Kirchendienſt ordinirt war, an eine
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andere Gemeinde, oder zu einer andern Stufe des
Amtes an derſelben Gemeinde berufen wird.
Die Ordination geſchieht nur einmal, weil die
Kirche aus der erſtmaligen Berufung eines Chri⸗
ſten zum Predigtamt erkennt, daß derſelbe von
Gott ſelbſt zum Dienſt der Kirche ausgewählt ſei,
und es hinreicht, daß ſie dies bei dieſer Gelegen⸗
heit öffentlich und feierlich bezeuge. Es wäre
überflüſſig, wenn eine ſolche Bezeugung wieder⸗
holt würde.
Damit aber, daß ein Chriſt durch die Berufung
für ſein ganzes Leben von Gott zum Dienſte der
Kirche verpflichtet wird, iſt keineswegs der Be⸗
griff eines ausſchließlich ſogenannten geiſtlichen
Standes gegeben. Denn einmal kann jeder Chriſt,
welcher die erforderlichen Gaben, Kenntniſſe und
Eigenſchaften beſitzt, zum Dienſte der Kirche be—
rufen werden; dann gebietet auch Gottes Wort,
daß derjenige Prediger, welcher ſich ſeines Beru—
fes unwürdig gemacht habe, ſeines Amtes entſetzt
werde.
Die Conferenz machte es einem jeden ihrer
Glieder zur Pflicht, über dieſen Gegenſtand noch
weiter nachzuforſchen, und beſchloß, die Berathung
über dieſen Gegenſtand mit der Hülfe des HErrn
in ihren nächſten Sitzungen wieder aufzunehmen.
Hermann Fick, Secretär.
*Für die gaſtfreundliche Aufnahme im
Pfarrhauſe zu Neu-Melle konnten wir den theu⸗
ren Bewohnern desſelben unſern geringen Dank
beim Abſchiede ſagen; aber für die thätige Theil⸗
nahme der lieben Gemeinde, da ſie uns als ihre
Gäſte mitanſah und zu unſerer leiblichen Er⸗
quickung ſo freundlich beitrug, ſoll ich im Auf—
trage der Brüder hierdurch unſern aufrichtigen
Dank abſtatten mit dem herzlichen Wunſche, daß
der HErr ihr fort und fort ſein reines, ſelig⸗
machendes Wort erhalten möge.
F. Bünger.
2*
*
(Eingeſandt.)
Urſache, vor der Lehre der Methodiſten und
der Seelſorge ihrer Prediger zu
erſchreiken.
Ich kann nicht umhin, folgende Geſchichte, bei
der ich zum Theil ſelbſt Augen- und Ohrenzeuge
war, den geehrten Leſern des Lutheraners mitzu⸗
theilen. Gott wolle Gnade geben, daß auch durch
ſie, die auf beiden Seiten hinken, im Glauben be—
feſtiget, und die ein Gelüſten nach methodiſtiſcher
Heiligkeit haben, davon abgeſchreckt werden, und
demüthig ihren Frieden in der Rechtfertigung aus
Gnaden allein durch den Glauben ſuchen lernen.
Uns aber, denen der Himmelsglanz leuchtet,
Es ſind die Gebete der Ge⸗
möge ſie ermahnen, dem HErrn aufs Neue für
ſein uns gegebenes Licht zu danken, und dieſes
werth zu halten.
Ich erlaube mir, vorliegender Geſchichte einige
Worte über die Entſtehung der hieſigen Methodiſten⸗
Gemeinde vorangehen zu laſſen.
In Clay Townſhip, Auglaize Co., O., woſelbſt
ich, als ein berufener Diener Chriſti, ſtehe, haben
ſich die biſchöflichen Methodiſten vor ohngefähr
drei Jahren eingeſchlichen. Vorgeblich getrieben
von dem Heiligen Geiſte, gingen ſie von Haus zu
Haus, um die verlaſſenen Lutheraner zu „bekehren“
(verlaſſen von ihrem Prediger war die Gemeinde
allervings; dieſer hatte ſich nämlich, nachdem er
auf der für ihn eröffneten Beitragsliſte nicht die
Zahl der Thaler fand, die er geſucht hatte, als
„ſein Jahr aus war“, auf und davon gemacht).
Obſchon jedoch die Lutheraner verlaſſen waren, ſo
würden ſie doch nicht erlaubt haben, daß in ihrer
Mitte Methodiſten⸗Prediger predigten, hätten dieſe
ſich als ſolche dargeſtellt. Die ſchlauen Metho⸗3
diſten wußten das wohl, daher thaten ſie dies denn
auch nicht, ſondern traten unter den Argloſen un⸗
ter dem Namen „lutheriſch“ auf. Und ſiehe, ſo
fanden ſie denn auch bei Etlichen Eingang, und
erſt als ein gewiſſer Herr Peter ſchon Anhänger
gefunden, merkte die betrogene Gemeinde, daß ſie
in der Perſon dieſes Mannes einen Methodiſten
in ihre Mitte bekommen hatte. Doch die Anhänger
waren noch nicht „bekehrt“. Ihre Bekehrung
ſollte daher vor ſich gehen. Was thut Herr Peter?
Er „führt zuerſt die Weiblein gefangen“ (2 Tim.
3, 6.); wartet die Zeit ab, in welcher der Mann
nicht zu Hauſe iſt, und betet dann mit den Wei⸗
bern ſo lange, bis dieſe, durch ſein fürchterliches
Lärmen gereizt, zu zittern und zu zagen anfingen.
Hatte er dieſes einmal bemerkt, ſo hörte er nicht
früher auf, bis ſie vollends „hindurchgedrungen“
waren. Da nun bei den Methodiſten ſich eine
jegliche Seele berufen fühlt, die noch „draußen“
ſind, zum Methodismus zu bekehren, ſo haben nun
auch die Weiber das Ihre an den Männern ver⸗
ſucht, und leider mit Erfolg. Auf dieſe Weiſe
entſtand denn nach und nach eine kleine Metho⸗
diſten⸗Gemeinde, die jetzt noch beſteht, und ſechs
Familien zählt. Herr Peter war ihr bisheriger
Seelſorger (2). Dieſer, an der Spitze der Ge⸗
meinde, welche ſich ſtolz rühmte, der „Teufels⸗
kirche“ abgeſchworen zu haben, ſuchte ſie in ihrem
unſeligen Wahne zu beſtärken und auf eine recht
hohe Stufe zu ſtellen. Es dünkten ſich auch bald
etliche den höchſten Grad der Heiligkeit erreicht zu
haben, ja vollkommen zu ſein. Das Wort Got⸗
tes, welches ihnen entgegen gehalten wurde, wenn
ſie darauf ausgingen, mich zu „bekehren“, wurde
gering geachtet.
Und ſo wie ſie nicht hören wollten, wollten ſie
auch nicht ſehen, wenn Gott der HErr klar vor
Augen legte, wie ſehr ihm das Thun und Treiben
der falſchen Geiſter mißfalle. So geſchah es,
daß bei einer camp meeting hier eine junge
Weibsperſon, nachdem ſie in ihrem „Bußkampfe“
gleich einem Klotz auf die Erde gefallen und nach
einer kleinen Weile wieder aufgeſprungen war,
abermals niederfiel und zwar dermaßen, daß ſie in
Folge dieſes Falles ſchwer krank wurde und das
Bett einige Wochen lang hüten mußte. Aber
freilich, wie ſollte das Volk ſeine Thoͤrheiten und
Sünden dadurch einſehen gelernt haben, da ſelbſt
die Prediger das Geſchehene für ein Werk des
Heiligen Geiſtes ausgaben! Wider beſſeres
Wiſſen und Gewiſſen ſündigte vornehmlich ein
früher allgemein geachteter Mann.
Wir kommen nun zu unſerer eigentlichen Ge⸗
ſchichte.
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