Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 7 › Seite 46
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-11-24, Seite 46
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bibelleſen 41 · Einigkeit 1 · Union 1 · Union 3 · Union 6 · Union 9 · Vereinigung 1
innerhalb der Generalſynode vergeblich geſucht
wird, und daß eine Verbindung mit ihr nicht die
mindeſte Garantie (Gewähr) für Bewahrung und
Fortpflanzung der lutheriſchen Lehre gibt, alſo
daß er ſogar unter No. 1 ſeiner Gründe der Be⸗
fürchtung einer Gefährdung derſelben vorbeugen
zu müſſen glaubt. Nichtsdeſtoweniger tritt er als
Advocat dieſer Verbindung auf.
Glaubt denn der Standard wirklich und ernſt⸗
lich, daß nach Gottes Wort eine Synodal-, alſo
kirchliche, folglich auch Glaubensgemeinſchaft mit
denjenigen einzugehen zuläſſig und alſo auch Gott
wohlgefällig iſt, welche Zertrennung und Aerger⸗
niß anrichten, neben der von den Apoſteln empfan⸗
genen Lehre, von welchen die Chriſten nach Got⸗
tes Wort weichen ſollen, Röm. 16, 17.?“ Kann
der Standard leugnen, daß die Generalſynode
dieſe Zertrennung und dieſes Aergerniß wirklich
angerichtet hat? Iſt nicht die erſte Bedingung
einer Synodalvereinignng, welche eine Abſpiege⸗
lung der apoſtoliſchen Einigkeit im Geiſte ſein ſoll,
Einträchtigkeit im Glauben, Lehre und Bekennt⸗
niß, wie uns St. Paulus lehrt Eph. 4, 3—6.2
Und was ſoll eine Vereinigung bezwecken, wenn
ihr höchſter und vornehmſter Zweck, Bewahrung
und Fortpflanzung reiner, heilſamer Lehre, nicht
erreicht wird, wenn man ſich mit der kümmer⸗
lichen Verſicherung begnügen muß, es werde keine
Verleugnung der lutheriſchen Lehre u. ſ. w. ver⸗
langt?*) Wenn ferner der Standard unter Nr. 2
ſeiner Gründe ſagt, es ſchließe eine Vereinigung
mit der Generalſynode nicht nothwendig auch eine
Billigung oder Sanctionirung irgend einer eigen⸗
thümlichen Lehre oder Maaßregel in ſich, welche
von einzelnen Gliedern derſelben vertheidigt werde,
ſo ſteht er offenbar unter dem Einfluſſe einer dop⸗
pelten Illuſion (Selbſttäuſchung), indem er die
Lehre der Generalſynode beſſer findet, als die ein⸗
zelner Glieder derſelben, da es ja notoriſch (all⸗
bekannt und durch Thatſachen erhärtet) iſt, daß
die Generalſynode als ein Körper den Grund des
lutheriſchen Bekenntniſſes in mehreren wichtigen
Artikeln verlaſſen hat, und im Gegentheile wohl
mit mehr Grund der Wahrheit geſagt werden
könnte, die Lehre einzelner Glieder ſei beſſer, als
die des Ganzen; und wie dieſer zweite Grund
das Gewiſſen eines treuen Lutheraners befriedigen
könne, iſt uns unmöglich, einzuſehen. Denn ſoll
„nicht billigen und nicht ſanctioniren“ euphe⸗
miſtiſch (nach einem mildernden Ausdrucke) im
Sinne der lutheriſchen Bekennmißſchriften ſo viel
heißen als: „die Irrlehre verwerfen und verdam⸗
men“, und wollte jemand von dieſer Freiheit, die
Irrlehren der Generalſynode in dieſem Sinne
nicht zu billigen, Gebrauch machen, ſo würde es
bald offenbar werden, daß man eine Concordia
discors (eine uneinige Einigkeit) geſchloſſen hätte,
und der Riß würde nur um ſo ärger werden.
Verſteht aber der Lutheran Standard das „nicht
*) Gerade ſo ſagte auch Se. Maj. der König von Preußen
zu den Lutheranern, als dieſe ſich nicht uniren laſſen woll⸗
ten, aber was helfen Verſicherungen der Gründer einer
Union, daß man darum keine Verleugnung des lutheriſchen
Glaubens fordere, wenn dieſelbe nun doch damit ge⸗
ſchieht? D. R.
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billigen und ſanctioniren“, im Sinne der Laodi⸗
ceer, als ein „anderer Meinung ſein“ in gewiſſen
Lehren, die jedoch nicht weſentliche Lehren ſind
(nach dem beliebten Grundſatz der Generalſynode:
Einigkeit in weſentlichen, Freiheit in unweſent⸗
lichen Lehren, zu welchen letzteren ſie auch die
Lehre von der wahren Gegenwart des Leibs und
Bluts Chriſti im Abendmahl zählt), dann thut
es uns herzlich leid, den Lutheran Standard
auf Seiten dieſer vulgären Union zu ſehen; denn
zwiſchen einer Union der Lutheraner und Refor⸗
mirten und der der Lutheraner und Pſeudoluthe⸗
raner (Schein-oder Afterlutheraner) wiſſen wir
keinen weſentlichen Unterſchied zu machen.
Wenn endlich der Standard ſagt, eine Synode
könne eine Verbindung mit der Generalſynode
eingehen und doch ihre gegenwärtige Conſtitution
beibehalten, ſo mag dies wohl von vielen Syno⸗
dalconſtitutionen gelten; aber was kann uns, die
man Altlutheraner nennt, der Standard zum
Troſte ſagen, wie wir mit unſerer Conſtitution
durchkommen ſollen? wird uns die Generalſynode
nicht die Verpflichtung auflegen, etliche ihr an⸗
ſtößige Paragraphen umzuändern? oder, wenn das
ſelbſt nicht geſchähe, wie würden wir vor unſerm
eignen Gewiſſen den Widerſpruch verbergen kön⸗
nen, in den wir mit unſerer Conſtitution ge⸗
riethenꝰ
In der That, wir hätten vom Standard eine
ganz andere Erwiederung auf die Vereinigungs⸗
anträge der Generalſynode erwartet. Anſtatt die
unbedingte Zuläſſigkeit einer ſolchen Vereinigung
mit zehn Gründen beweiſen zu wollen, hätte er
die unerläßlichen Bedingungen einer wahrhaft
apoſtoliſchen Einigkeit im Geiſte nach Epheſ. 4.
entwickeln und es alsdann der Generalſynode
überlaſſen ſollen, ob ſie ihm über denſelben die
Hand bieten wolle. So, dünkt uns, ſollte es
einem Blatte gebühren, welches den Beruf über⸗
nommen hat, ein Lutheran Standard zu ſein.
Nachbemerkung des Redaeteurs. Da
die Synode von Ohio, deren Organ der Stand-
ard iſt, ſich erſt vor kurzem zu ſämmtlichen ſym⸗
boliſchen Büchern unſerer Kirche aufs neue öffent⸗
lich bekannt hat, ſo fragen wir: Wie reimt ſich
dies mit einer Vereinigung mit der General⸗—
ſynode? Was nach unſern Bekenntnißſchriften
von einer ſolchen Union zu halten ſei, zeigen fol⸗
gende Ausſprüche. Erſtlich heißt es in der Augs⸗
burgiſchen Confeſſion: „Es wird auch gelehrt,
daß allezeit müſſe eine heilige chriſtliche Kirche
ſein und bleiben, welche die Verſammlung aller
Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein
geprediget, und die heiligen Sacramente laut des
Evangelii gereicht werden.“ (Art. 7.) Ferner
heißt es in der Apologie: „Doch ſoll man fal⸗
ſche Lehrer nicht annehmen oder hören, denn
dieſelbigen ſind nicht mehr an Chriſtus ſtatt, ſon⸗
dern ſind Widerchriſten.“ (Art. 8.) Ferner im
kleinen Katechismus: „Wer aber anders leh⸗
ret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der
entheiliget unter uns den Namen Gottes; da
behüt uns für, himmliſcher Vater.“ (3. Haupt⸗
ſtück, 1. Bitte.) Ferner in den Schmalkaldiſchen
Artikeln: „Paulus gebeut, daß man falſche Pre⸗
diger meiden und als ein Greuel verfluchen ſoll.
Und 2 Cor. 6. ſpricht er: Ziehet nicht am fren⸗
den Joch mit den Ungläubigen, denn was hat
das Licht für Gemeinſchaft mit der Finſterniß? a.
Schwer iſt es, daß man von ſo viel Landen und
Leuten ſich trennen und eine ſondere Lehre fühten
will. Aber hie ſtehet Gottes Befehl, daß Jeder⸗
mann ſich ſoll hüten, und nicht mit denen einhel⸗
lig ſein, ſo unrechte Lehre führen ꝛc.“ (Siehe im
Anhang. New Yorker Ausg. des Concomb.
Seite 324.) Ferner heißt es in dor Concordien⸗
formel ſelbſt von Mitteldingen, daß ſie denn nicht
anzunehmen ſeien: „wann ſolche Ceremonien da⸗
hin gemeint, alſo erfordert oder aufgenommen
(werden), als ob damit und dadurch beide wider⸗
wärtige Religionen verglichen und Ein Corpus
werden.“ (C. B. S. 629.) Endlich heißt es in
demſelben Bekenntniſſe: „Ich rechne ſie alle in
Einen Kuchen, das iſt, für Sacramentirer und
Schwärmer, wie ſie auch ſind, die nicht glauben
wollen, daß des HErrn Brod im Abendmahl ſei ſein
rechter natürlicher Leib, welchen der Gottloſe und
Judas eben ſowohl mündlich empfänget, als St.
Petrus und alle Heiligen: wer das (ſage ich)
nicht glauben will, der laſſe mich nur zufrieden,
und hoffe bei mir nur keiner Gemein-—
ſchaft, da wird nichts anders aus.“ (S. 590.)
Einigkeit.
Nur das iſt eine wahre Einigkeit, die im Glau⸗
ben beſteht; wo dieſe nicht iſt, da iſt Uneinigkeit
gut, Einigkeit verderblich. Gregor v. Nazianz.
Mittheilung von Welthändeln.
Die letzten europäiſchen Nachrichten, welche bis
zum 14. October reichen, ſind immer wieder ſehr
aufregender Beſchaffenheit und geben Raum zu
noch ſchlimmern Befürchtungen. In Berlin iſt
zwar der befürchtete Aufſtand nicht erfolgt, indem
der König nachgegeben und dem Reichstag ſeinen
Willen gethan hat; dagegen iſt am 6. October in
Wien eine große Revolution ausgebrochen, in
welcher die Volks⸗ oder demokratiſche Partei den
Sieg davon getragen hat. Der Kriegsminiſter La⸗
tour iſt auf barbariſche Weiſe ermordet und noch
an ſeinem Leichnam hat man unmenſchliche Rache
ausgeübt. In Folge deſſen iſt der Kaiſer mit
dem ganzen Hofe geflohen und hat ein Manifeſt
hinterlaſſen, worin er ſagt, er werde bald wieder⸗
kehren, um ſeinem von einer kleinen, aber kühnen
Partei unterjochten Volke zu Hülfe zu kommen.
Die nächſte Urſache dieſes Aufſtandes iſt das
Offenbarwerden der reactionären Geſinnung des
Hofes; der Kaiſer nemlich hatte, nachdem bereits
große Truppenmaſſen in der Nähe Wiens con⸗
centrirt worden waren, eine Proclamation er⸗
laſſen, in welcher der Ungariſche Reichstag auf⸗
gelöſet und der verhaßte Croatenfürſt Jellachich,
der mit ſeinen ſiegreichen Horden bis in die Nähe
von Peſt vorgedrungen war, zum Generalgouver⸗
neur von Ungarn ernannt worden war, und als
nun am 6. October ſogar deutſche Grenadier⸗
Regimenter ausrücken ſollten, um gegen die Un⸗
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