# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 11 24_S52 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) bei anhaltendem Haſſe der Zuhörer gegen ſeine Perſon, verbunden mit Verachtung ſeiner Lehre, ſo daß er von beſtändigem Kummer und Gram aufgerieben wird, wie bei Lot, welchen Gott ſelbſt aus Sodom führte, da ſeine Zuhörer ſeine ge— rechte Seele von Tag zu Tag quälten mit ihren ungerechten Werken, 2 Petr. 2, 8. So auch zu⸗ weilen bei Verfolgungen von äußeren Feinden. Doch iſt dabei mit der größten Gewiſſenhaftigkeit alle Leichtfertigkeit und Uebereilung zu vermeiden. Die Conferenz ſprach nun folgendes als ihre Anſicht aus: 1. Wer von einer Gemeinde ordentlich berufen iſt, der iſt damit überhaupt von der ganzen Kirche für ſein ganzes Leben zum (Predigt-Amte) Dienſte der Kirche berufen, denn durch einen ſolchen ordentlichen Beruf wird es klar, daß er von Gott ſelbſt zum Kirchendienſte berufen ſei. 2. Wenn ein Prediger daher auf unrechtmä⸗ ßige Weiſe verjagt wird, oder ſeine Gemeinde ſich auflöſ't, oder aus andern Gründen ſein örtlicher Beruf erliſcht, ſo erliſcht damit ſein allgemeiner Beruf keineswegs. 1 Cor. 7, 20. Er iſt daher verpflichtet, ſobald ein ordentlicher Beruf an ihn gelangt, denſelben anzunehmen. 1 Cor. 9, 16.17. Matth. 28, 29. 3. Obſchon daher ein ſolcher Prediger in ge⸗ wiſſem Sinne ſich als einen Diener der Kirche betrachten kann, ſo hat er doch kein Recht, ohne vorgängigen Beruf Amtshandlungen vorzu⸗ nehmen. Sechste Sitzung. Was die Ordination betrifft, ſo iſt dieſelbe nach Gerhard eine öffentliche und feierliche Beſtätigung oder Bezeugung der Berufung, wodurch das Pre⸗ digtamt einem tüchtigen dazu von der Kirche be— rufenen Manne anvertraut wird, wozu derſelbe unter Gebet und Handauflegung geweiht, ſeiner rechtmäßigen Berufung vergewiſſert, und öffent⸗ lich von der ganzen Kirche feierlich und ernſt an ſeine Pflicht erinnert wird, weßhalb wir auch den Gebrauch der Ordination in unſerer Kirche un⸗ verletzt bewahren. Dabei leugnet jedoch unſere Kirche die abſolute Nothwendigkeit der Ordination. Sie verwirft den papiſtiſchen Irrthum, daß die Ordination ein Sacrament ſei, welches dem Empfänger ein un⸗ auslöſchliches Zeichen einpräge und ex opere operato die nöthigen Amtsgaben mittheile. Sie verwirft überhaupt alle abergläubiſche Ueber— ſchätzung derſelben. Die Ordination iſt nichts als eine kirchliche Ceremonie, wenn gleich ehr⸗ würdig durch ihr Alter, erbaulich durch die damit verbundenen Gebete. Aber durch die Ordination an ſich, durch die bloße Handauflegung wird keine Gnade mitgetheilt. meinde und der Kirchendiener, welche die verhei⸗— ßene Erhörung finden, um ihretwillen ſchenkt und mehrt der HErr die nöthigen Amtsgaben. Nach Gerhard geſchieht die Ordination nur einmal. Er ſagt nämlich: Darin unterſcheidet ſich die Inveſtitur von der Ordination, daß die Ordination nur einmal geſchieht, die Inveſtitur aber ſo oft wiederholt wird, als Jemand, der ſchon vorher zum Kirchendienſt ordinirt war, an eine 52 andere Gemeinde, oder zu einer andern Stufe des Amtes an derſelben Gemeinde berufen wird. Die Ordination geſchieht nur einmal, weil die Kirche aus der erſtmaligen Berufung eines Chri⸗ ſten zum Predigtamt erkennt, daß derſelbe von Gott ſelbſt zum Dienſt der Kirche ausgewählt ſei, und es hinreicht, daß ſie dies bei dieſer Gelegen⸗ heit öffentlich und feierlich bezeuge. Es wäre überflüſſig, wenn eine ſolche Bezeugung wieder⸗ holt würde. Damit aber, daß ein Chriſt durch die Berufung für ſein ganzes Leben von Gott zum Dienſte der Kirche verpflichtet wird, iſt keineswegs der Be⸗ griff eines ausſchließlich ſogenannten geiſtlichen Standes gegeben. Denn einmal kann jeder Chriſt, welcher die erforderlichen Gaben, Kenntniſſe und Eigenſchaften beſitzt, zum Dienſte der Kirche be— rufen werden; dann gebietet auch Gottes Wort, daß derjenige Prediger, welcher ſich ſeines Beru— fes unwürdig gemacht habe, ſeines Amtes entſetzt werde. Die Conferenz machte es einem jeden ihrer Glieder zur Pflicht, über dieſen Gegenſtand noch weiter nachzuforſchen, und beſchloß, die Berathung über dieſen Gegenſtand mit der Hülfe des HErrn in ihren nächſten Sitzungen wieder aufzunehmen. Hermann Fick, Secretär. *Für die gaſtfreundliche Aufnahme im Pfarrhauſe zu Neu-Melle konnten wir den theu⸗ ren Bewohnern desſelben unſern geringen Dank beim Abſchiede ſagen; aber für die thätige Theil⸗ nahme der lieben Gemeinde, da ſie uns als ihre Gäſte mitanſah und zu unſerer leiblichen Er⸗ quickung ſo freundlich beitrug, ſoll ich im Auf— trage der Brüder hierdurch unſern aufrichtigen Dank abſtatten mit dem herzlichen Wunſche, daß der HErr ihr fort und fort ſein reines, ſelig⸗ machendes Wort erhalten möge. F. Bünger. 2* * (Eingeſandt.) Urſache, vor der Lehre der Methodiſten und der Seelſorge ihrer Prediger zu erſchreiken. Ich kann nicht umhin, folgende Geſchichte, bei der ich zum Theil ſelbſt Augen- und Ohrenzeuge war, den geehrten Leſern des Lutheraners mitzu⸗ theilen. Gott wolle Gnade geben, daß auch durch ſie, die auf beiden Seiten hinken, im Glauben be— feſtiget, und die ein Gelüſten nach methodiſtiſcher Heiligkeit haben, davon abgeſchreckt werden, und demüthig ihren Frieden in der Rechtfertigung aus Gnaden allein durch den Glauben ſuchen lernen. Uns aber, denen der Himmelsglanz leuchtet, Es ſind die Gebete der Ge⸗ möge ſie ermahnen, dem HErrn aufs Neue für ſein uns gegebenes Licht zu danken, und dieſes werth zu halten. Ich erlaube mir, vorliegender Geſchichte einige Worte über die Entſtehung der hieſigen Methodiſten⸗ Gemeinde vorangehen zu laſſen. In Clay Townſhip, Auglaize Co., O., woſelbſt ich, als ein berufener Diener Chriſti, ſtehe, haben ſich die biſchöflichen Methodiſten vor ohngefähr drei Jahren eingeſchlichen. Vorgeblich getrieben von dem Heiligen Geiſte, gingen ſie von Haus zu Haus, um die verlaſſenen Lutheraner zu „bekehren“ (verlaſſen von ihrem Prediger war die Gemeinde allervings; dieſer hatte ſich nämlich, nachdem er auf der für ihn eröffneten Beitragsliſte nicht die Zahl der Thaler fand, die er geſucht hatte, als „ſein Jahr aus war“, auf und davon gemacht). Obſchon jedoch die Lutheraner verlaſſen waren, ſo würden ſie doch nicht erlaubt haben, daß in ihrer Mitte Methodiſten⸗Prediger predigten, hätten dieſe ſich als ſolche dargeſtellt. Die ſchlauen Metho⸗3 diſten wußten das wohl, daher thaten ſie dies denn auch nicht, ſondern traten unter den Argloſen un⸗ ter dem Namen „lutheriſch“ auf. Und ſiehe, ſo fanden ſie denn auch bei Etlichen Eingang, und erſt als ein gewiſſer Herr Peter ſchon Anhänger gefunden, merkte die betrogene Gemeinde, daß ſie in der Perſon dieſes Mannes einen Methodiſten in ihre Mitte bekommen hatte. Doch die Anhänger waren noch nicht „bekehrt“. Ihre Bekehrung ſollte daher vor ſich gehen. Was thut Herr Peter? Er „führt zuerſt die Weiblein gefangen“ (2 Tim. 3, 6.); wartet die Zeit ab, in welcher der Mann nicht zu Hauſe iſt, und betet dann mit den Wei⸗ bern ſo lange, bis dieſe, durch ſein fürchterliches Lärmen gereizt, zu zittern und zu zagen anfingen. Hatte er dieſes einmal bemerkt, ſo hörte er nicht früher auf, bis ſie vollends „hindurchgedrungen“ waren. Da nun bei den Methodiſten ſich eine jegliche Seele berufen fühlt, die noch „draußen“ ſind, zum Methodismus zu bekehren, ſo haben nun auch die Weiber das Ihre an den Männern ver⸗ ſucht, und leider mit Erfolg. Auf dieſe Weiſe entſtand denn nach und nach eine kleine Metho⸗ diſten⸗Gemeinde, die jetzt noch beſteht, und ſechs Familien zählt. Herr Peter war ihr bisheriger Seelſorger (2). Dieſer, an der Spitze der Ge⸗ meinde, welche ſich ſtolz rühmte, der „Teufels⸗ kirche“ abgeſchworen zu haben, ſuchte ſie in ihrem unſeligen Wahne zu beſtärken und auf eine recht hohe Stufe zu ſtellen. Es dünkten ſich auch bald etliche den höchſten Grad der Heiligkeit erreicht zu haben, ja vollkommen zu ſein. Das Wort Got⸗ tes, welches ihnen entgegen gehalten wurde, wenn ſie darauf ausgingen, mich zu „bekehren“, wurde gering geachtet. Und ſo wie ſie nicht hören wollten, wollten ſie auch nicht ſehen, wenn Gott der HErr klar vor Augen legte, wie ſehr ihm das Thun und Treiben der falſchen Geiſter mißfalle. So geſchah es, daß bei einer camp meeting hier eine junge Weibsperſon, nachdem ſie in ihrem „Bußkampfe“ gleich einem Klotz auf die Erde gefallen und nach einer kleinen Weile wieder aufgeſprungen war, abermals niederfiel und zwar dermaßen, daß ſie in Folge dieſes Falles ſchwer krank wurde und das Bett einige Wochen lang hüten mußte. Aber freilich, wie ſollte das Volk ſeine Thoͤrheiten und Sünden dadurch einſehen gelernt haben, da ſelbſt die Prediger das Geſchehene für ein Werk des Heiligen Geiſtes ausgaben! Wider beſſeres Wiſſen und Gewiſſen ſündigte vornehmlich ein früher allgemein geachteter Mann. Wir kommen nun zu unſerer eigentlichen Ge⸗ ſchichte.